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Saat des Bösen (H.P. Lovecraft)   

Saat des Bösen (H.P. Lovecraft)
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Original: Colour from the Dark   (Italien, 2008)
Laufzeit: ca. 91 min
Studio: Epix
Regie: Ivan Zuccon
Darsteller: Debbie Rochon, Eleanor James, Marysia Kay
Format: 1,85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 2.0 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Interviews, Making of, Videoclip
Preis: ca. 15 Euro
Wertung: 3-/ 3-/ 2- (Bild/Ton/Extras)


"Langweilig!"

Wann haben Italiens Filmemacher eigentlich das Filmemachen verlernt? Um ganz genau zu sein - Italiens Genrefilmer, als Regisseure von Unterhaltungsfilmen, Krimis, Horrorfilmen, Komödien...
Schaut man sich heute so manch einen ollen Italo-Western an, ist man über das handwerkliche Geschick, dass die Inszenatoren an den Tag legten, nicht selten erstaunt. Man darf nicht vergessen, dass sie in der Regel mit schmalen Budgets, B-Schauspielern und straffen Zeitplänen arbeiten mussten. Gute Arbeitsbedingungen sahen und sehen anders aus. Dennoch entstanden in dieser unterschätzten Ära des italienischen Kinos einige wirklich brillante Filme, die den Zuschauer heute noch zu begeistern oder doch zumindest gut zu unterhalten wissen.

Es gab die italienischen Kriminalfilme eines Damiano Damianis, den stilvollen Horror von Mario Bava oder die seltsamen Horrorphantasien eines Dario Argentos. Dass auch gute Leute zwischendurch mal Gurken fabrizierten - Schwamm drüber.

Heutige italienische Filmproduktionen sind in der Regel nur noch durch die Einnahme hochprozentiger Alkoholika zu ertragen. Egal ob es sich um A-, B- oder sonstige Produktionen handelt. Es hat seine Gründe, warum nicht einmal im Nachtprogramm von TV-Sendern wie "Das Vierte" oder "Tele 5" italienische Filme ihr Gnadenbrot erhalten. Selbst der Offene Kanal Pfaffenhofen-Nord, gäbe es ihn denn, würde vermutlich auf die Ausstrahlung italienischer Filme verzichten, selbst wenn er sie geschenkt bekäme, da sich sogar mit Formaten wie "Die schönsten Mülltonnen Essen-Borbecks" bessere Quoten erzielen lassen mögen als mit cineastischen Ergüssen italienischer Filmemacher.

Ivan Zuccon, Regisseur von Krachern wie "Nympha - Sie suchte Gott und fand die Hölle" oder "Bad Brains" fügt mit seiner Lovecrafs-Interpretation "Saat des Bösen" der Liste ungoutierbarer italienischer Schundproduktionen eine weitere hinzu. Zwar kreiert der Mann hier und da ein paar ganz nette Bilder, ja am Ende kommt sogar einmal so etwas wie Atmosphäre auf. Jedoch die Laienschauspielertruppe, die er vor der Kamera versammelt hat, erstickt jeden noch so guten Ansatz im Keime; es gibt Momente, die nur mit vier- bis achtfacher Bildlaufgeschwindigkeit zu ertragen sind, wenn man denn einen Hörsturz ob der grauenvollen, unerträglichen Dialoge vermeiden möchte.

Um was geht es? Der anständige Bauer Pietro betreibt im Jahre 1943 einen kleinen Bauernhof mit seiner Frau und seiner stummen Schwägerin. Wegen seines lahmen Beines ist er vom Kriegsdienst befreit, im Gegensatz zu seinem Bruder, der an der Front kämpft. Sein Leben verläuft vergleichsweise ereignislos, bis sich im Wasser seines Brunnens eine körperlose Substanz ausbreitet, die nicht nur die Früchte in irrwitziger Zeit reifen lässt. Auch Pietros Bein heilt auf wundersame Weise und seine Schwägerin findet ihre Stimme wieder - nur eines ist klar: Diese körperlose Substanz ist nicht in friedlicher Absicht erschienen.

Wie gesagt: Der Film ist nicht zu 100 Prozent schlecht. Das Ende hat seine Momente. Aber die schockierend simple Figurenzeichnung, die vollkommene Emotionslosigkeit, mit der die Hauptdarsteller (zumeist übrigens amerikanische Darsteller) ihre Dialoge heruntereiern, die bedeutungsschwangeren Bilder, die dennoch keine richtige Atmosphäre aufkommen lassen wollen, nee, das passt alles hinten und vorne nicht zusammen.

Was ist nur aus dem einstmals so stolzem Kinoland Italien geworden?

BILD

Saat des Bösen (H.P. Lovecraft)

Offenbar hat der Filmemacher mit einer digitalen Kamera und möglichst wenig Kunstlicht gearbeitet. So können sich die Nachtszenen durchaus sehen lassen, sie wirken sehr authentisch. Ganz anders sieht es mit den Tageslichtszenen aus. Diese sind zu dunkel. Außerdem wirkt das Bild (in den Tageslichtsequenzen) matschig, schnelle Bewegungen hinterlassen Unschärfen. Überhaupt lässt der Schärfefaktor sehr zu wünschen übrig.

TON

Saat des Bösen (H.P. Lovecraft)

Der Ton ist dumpf. Die englische Tonspur (der Film wurde für den internationalen Markt gleich auf Englisch gedreht) klingt zwar recht natürlich, aber es fehlt vor allem den Stimmen an Kraft. Obwohl kaum Außengeräusche auszumachen sind - der Film wurde in einer offenbar recht menschenleeren Umgebung inszeniert - vermischen sich die Stimmen immer wieder mit Außengeräuschen wie dem Wind oder dem Rascheln von Blättern. Es fehlt eine eindeutige Tonbalance. In der deutschen Synchro wurde dieses Problem beseitigt, allerdings fehlt es der deutschen Fassung wiederum an Atmosphäre, was sicher auf ein schmales Budget für die Synchronfassung zurückzuführen ist.

EXTRAS

Immerhin scheinen die Filmemacher mit einem gewissen Spaß bei der Sache gewesen zu sein. In einem etwa 18 Minuten langen Special bekommt der Zuschauer einen recht unterhaltsamen Blick hinter die Kulissen serviert, dazu kommen noch einmal etwa 12 Minuten Interviews. Das alles ist ganz sympathisch anzuschauen. Mit dem Videoclip "I Love NY" werden die Ohren gestreichelt.

Für eine B-, ja C-Produktion ein ganz ansehnliches Bonusprogramm.

FAZIT

Steht als Herstellungsland "Italien" auf einem DVD-Cover und als Jahr der Herstellung "200x", sollte man die Finger von dem Titel lassen. Das ist keine bösartige Verleumndung, keine teutonische Überheblichkeit oder was auch immer - es ist leider eine Feststellung, die auf dem Konsum vieler Filme beruht, die alles eines miteinander verbindet: Dem Rezensenten eine Menge Lebenszeit gestohlen zu haben. "H.P. Lovecrafts Saat des Bösen" reiht sich bedauerlicherweise in diese Reihe von Filmen nahtlos ein.
Auch die DVD ist von eher zwiespältiger Qualität, sodass auch der Silberling nicht gerade dazu geeignet erscheint, das Fazit etwas besser aussehen zu lassen.



Christian Lukas


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