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Crew, The   

Crew, The
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Original: The Crew   (Großrbitannien, 2008)
Laufzeit: 118 Min. (PAL)
Studio: Kinowelt HE
Regie: Adrian Vitoria
Darsteller: Scot Williams, Kevin Doughty, Rory McCann, Stephen Graham, Cordelia Bugeja
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, Kommentar, Musikvideos
Preis: ca. 15 Euro
Wertung: 2 / 2 / 2 (Bild/Ton/Extras)


"Harter, aber feiner britischer Gangsterfilm!"

Das britische Gangsterkino ist nie in Deutschland angekommen. Hierzulande wird stets das amerikanische Gangsterkino als stilbildend angesehen, "Der Pate" genießt Kultstatus. Warum eigentlich? Auch der Pate ist am Ende des Tages nur ein Verbrecher. Er hat Stil, sicherlich, aber Mörder bleibt Mörder.
Der britische Gangsterfim ist diesbezüglich schon immer etwas näher an der Realität geblieben. Läuterungsprozesse finden in britischen Gangsterfilmen selten statt. Und wenn doch, dann findet er zumeist erst nach einem schmerzvollen Prozess statt, nach persönlichen Niederlagen, nach Verlusten. Ob "Gangster No. 1" oder "Die Krays", um zwei moderne Klassiker zu nennen: Sie sind Porträts gewalttätiger Menschen, von denen selten so etwas wie Faszination ausgeht.

Adrian Vitorias "The Crew" reiht sich in die lange Liste hervorragender britischer Gangsterfilme ein, auch wenn er in einigen Punkten von den klassischen Prinzipien des britischen Gangsterfilmes abweicht.
Da ist zum einen Ged Brennan (Scot Williams), der Boss der Crew. Die Crew ist eine Gangsterbande aus Liverpool, die sich auf Raubüberfälle spezialisiert hat. Jedoch geht Ged, dessen Vater bereits ein Krimineller war, nach strikten Regeln vor. Er macht einen großen Bogen um Drogen. Nicht, weil er Skrupel hätte. Es ist vielmehr ein Selbsterhaltungstrieb, der ihn von Drogen fernhält. Der Drogenhandel ist ein Geschäft ohne Regeln, brutal, von dem nur einige wenige Große profitieren. Als kleines Rädchen in einem riesigen Getriebe aber will Ged nicht enden. Er will seine Arbeit selbst bestimmen. Außerdem will Ged seinen Sohn aus dem Milieu heraushalten. Daher schickt er den Jungen auf eine teure Privatschule und hält ihn strickt aus seinen Geschäften heraus. Mehr noch: Ged lebt bewusst das Leben eines Spießbürgers. Er geht sparsam mit seinem Geld um, er legt Wert auf ein angenehmes Wohnumfeld. Seine besonnene Art, vor allem aber seine bedingungslose Loyalität gegenüber seinen Männern haben ihm Respekt eingebracht.
Der gewaltsame Tod eines Liverpooler Gangsterbosses droht nun allerdings die klaren Strukturen der Szene vor Ort durcheinander zu rütteln. Obschon sich Ged aus den Machtspielen, die aus seinem Tod entstehen, heraushalten will, wird er doch mitten in den Sumpf aus Intrigen und Gewalt hineingezogen - da sein kleiner Bruder Ratter (Kenny Doughty) die Chance gekommen sieht, endlich groß ins Drogengeschäft einzusteigen. Gegen die ausdrücklichen Warnungen seines Bruders.
Mit Ratter und seinem schwulen Kumpel Moby präsentiert Regisseur Vitoria zwei Figuren, die in der klar geordneten Gangsterwelt Liverpools wie zwei Fremdkörper wirken. Beide sind ein Abbild einer Gesellschaft, die sich verändert hat, denen die Gier nicht mehr ausreicht. Ihnen geht es nicht mehr nur um die Maximierung ihres Gewinns. Eine jede Handlung endet in einem Exzess, eine jede Handlung endet in Gewalt. Ratter ist das Gegenbild des überlegt handelnden Ged, der ein Geschäft auch schon mal an sich vorbeiziehen lässt, wenn es ihm zu gewaltig erscheint. Nein, Ratter kennt nur eine Maxime: Mehr, mehr, mehr. Mehr Geld, mehr Gewalt, mehr Drogen - aber: Keine Verantwortung. Wo Ged für seine Männer einsteht - sind Ratter und Moby Abbilder des modernen Turbokapitalismus in einer pervertiert-mordenden Art: Sie wollen den Erfolg, gehen dafür über Leichen. Aber wenn sie für ihr Handeln Verantwortung übernehmen sollen, dann, ja dann suchen sie nach einem Sündenbock.

Im Gegensatz zu anderen britischen Genreregisseuren wie etwa Guy Ritchie verzichtet Vitroa auf jegliche Form von Ironie in seiner Geschichte. Auch verzichtet er auf extreme Stilisierung der Gewalt. Gewalt wirkt in seinem Film stets unangenehm.
Die gesamte Zeichnung der Figuren sowie die Zeit, die sich der Regisseur für Ged und seine Familie nimmt, erinnert in vielen Belangen an Michael Manns Epos "Heat", der "The Crew" weitaus näher steht als modernen britischen Gangsterfilmklassiker wie etwa "Gangster No. 1". Dass "The Crew", obschon vergleichsweise schlicht inszeniert, ohne großes Budget, den Vergleich mit einem Opus vom Schlage "Heat" nicht zu scheuen braucht, spricht für die Qualität des Filmes.

BILD

Crew, The

Der ist absolut klar und ohne jeden Makel. Die gesamte Farbdramaturgie überrascht, denn sämtliche Farben wurden äußerst gedeckt gehalten, ohne den Film dabei düster oder grau erscheinen zu lassen. Blaue Sackos, dunkle Hosen, braune Hinterhöfe. Das alles ist mit Bedacht gewählt, all diese Töne finden ihre perfekte Entsprechung auf dem Bildschirm, kein Farbton ist übersteuert, keiner geht verloren. Die auf den ersten Blick simple Inszenierung des Filmes - der Regisseur verzichtet auf jegliche Kameraspielereien - offenbart sich beim zweiten Hinschauen als eine beeindruckende Komposition aus klaren Aufnahmen, wie man sie heute nur noch selten geboten bekommt. Keine Wackelkamera, keine Digitalkamera - statt dessen klassische Kinokost, die fast ohne Qualitätsabzüge ihre Weg auf DVD gefunden hat. Fast ohne? Ja, es gibt eine Kleinigkeit: Die Weißwerte wirken manchmal etwas übertrahlt. Wenn beispielsweise eine handelnde Figur ein weißes T-Shirt trägt, dann merkt man, dass das Bild einen kleinen Tick zu hell ausgefallen ist. Aber das ist kaum mehr als ein Abzug in der B-Note.

TON

Crew, The

Auch da gibt es nichts zu meckern. Der Ton ist ein bisschen auf den Center zentriert (darf man das so sagen?). Die Dialoge kommen klar herüber, Stimmen aus dem rechten Bildrand kommen von rechts, vom linken Bildrand von links. Auf jeden Fall ist die deutsche Tonspur der englischen Tonspur vorzuziehen. Nicht etwa, weil sie besser abgemischt wäre - die Schaupieler sind auf der englischen Tonspur schlicht und ergreifend kaum zu verstehen. Sie sprechen mit Liverpooler Dialekt. Während Hauptdarsteller Scot Williams noch einigermaßen verständlich rüber kommt - er spricht quasi Hochdialekt - reicht Schulenglisch nicht mehr aus, um die anderen Darsteller verstehen zu können.

EXTRAS

Neben einem Audiokommentar vom Regisseur, der tapfer die zwei Stunden Spielzeit durchsteht, gibt es ein knapp halbstündiges Making Of, das einen guten Einblick in die Produktionsumstände erlaubt. Dies ist um so bemerkenswerter, da in diesem Making of ganz klar wird, dass die Produktionsumstände alles andere als optimal gewesen sein dürften, sprich: "The Crew" ist eine B-Produktion, ohne großes Budget. Für tolle Drehorte blieb da kein Geld, man drehte in Nebenstraßen, in Hinterhöfen.

Die entfallenen Szenen belegen, dass es gut und richtig ist, manche Szenen aus einem Film herauszuschneiden. Mit zwei Stunden Spielzeit fällt "The Crew" eh vergleichsweise lang aus, es war eine richtige Entscheidung, sich von einigen Szenen zu trennen, die zwar den Figuren noch etwas mehr Tiefe verliehen, letztlich aber den Rhythmus des Filmes arg aus dem Tritt gebracht hätten.
Zwei Musikvideos gibt es auch noch. Ob man die braucht, ist allerdings eine Frage des Geschmacks.

FAZIT

"The Crew" belegt einmal mehr, dass britische Gangsterfilme stets ein Hingucker sind. Auf einer guten DVD liefert der Film zwei Stunden anspruchsvolle Unterhaltung.



Christian Lukas


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