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Ohne Schuld   

Ohne Schuld
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Original: Pour Elle   (Frankreich, 2008)
Laufzeit: ca. 96 Min
Studio: Koch Media
Regie: Fred Cavayé
Darsteller: Vincent Lindon, Diane Kruger, Lancelot Roch u.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 5.1 Deutsch, Französisch, DTS 5,1 Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, Trailer
Preis: ca. 13 Euro
Wertung: 2 / 2-/ 2 (Bild/Ton/Extras)


"Thriller der leisen Töne"

„Ohne Schuld“, ein bemerkenswert guter, überraschend leiser Thriller aus Frankreich, einer jener Filme, die unspektakulär, fast unmerklich die Spannung steigern, ohne mit großen Effekten, falschen Fährten oder anderen Spielereien Spannung generieren zu müssen.

Diane Kruger ist Lisa, eine Journalistin, die mit ihrem Mann Julien und Sohn Oscar ein höchst durchschnittliches Leben führt. Bis zu jenem Morgen an dem die Polizei ihre Wohnung stürmt und Lisa verhaftet.
Lisas Chefin wurde in einer Tiefgarage erschlagen. Auf Lisas Mantel finden die Ermittler einen Tropfen ihres Blutes, auch am Tatwerkzeug, einem Feuerlöscher, findet man ihre Fingerabdrücke.

Wo andere Filme nun mit der Frage spielen – war sie es oder nicht? – liefert „Ohne Schuld“ bemerkenswert früh nach ein paar Minuten Laufzeit bereits die Antwort. Tatsächlich ist der Schuldaspekt für die Geschichte vollkommen unerheblich, denn Lisas Verhaftung ist kaum mehr als das Vorspiel zur eigentlichen Geschichte, die drei Jahre später beginnt: Im Rahmen einer Berufungsverhandlung wird das Urteil gegen Lisa bestätigt. Als Lisa daraufhin einen Selbstmordversuch unternimmt entschließt sich ihr Ehemann Julien Lisa aus dem Gefängnis zu befreien. Nun ist Julien jedoch ein Lehrer, ein in jeder Hinsicht durchschnittlicher Mann ohne besondere Attribute. Doch in seiner Liebe zu Lisa wächst er über sich hinaus. Als Schlüssel für sein Vorhaben entpuppt sich ein Gespräch, das er mit einem ehemaligen Sträfling führt, der dadurch bekannt geworden ist, dass er mehrfach aus dem Gefängnis ausbrach und darüber sogar ein Buch geschrieben hat. Wenn du ausbrichst, sagt er, musst du bereit sein dein gesamtes Leben, wie du es kennst, deine Familie, deine Freunde, hinter dir zu lassen. Und zwar für immer.
Für Lisa ist Julien bereit, diesen Preis zu bezahlen.

Es ist erstaunlich, wie unmerklich – und doch stetig - Autor und Regisseur Fred Cavayé an der Spannungsschraube dreht, wie er den Zuschauer an jedem Schritt von Juliens Planungen teilhaben lässt, bis hin zum spektakulären, aber ungemein realistischen Showdown.

BILD

Ohne Schuld

Die Kontraste sind sehr gelungen, das Bild, das fast vollständig auf warme Farben verzichtet, ist klar, frei von Blockbildungen oder sonstigen Unebenheiten. Ob Farbtiefe oder Abmischung, am Bild gibt es nichts zu meckern.




TON

Ohne Schuld

Der deutsche Ton fällt manchmal ein wenig zu leise aus. An sich ist dies nicht weiter tragisch, denn größere Actionszenen gibt es eigentlich nicht. Wenn es dann aber mal kracht, wirken diese krachenden Momente übersteuert. Etwas mehr Feinschliff hätte dem ansonsten sehr klaren Ton gut getan. Die französische Tonspur ist alles in allem etwa homogener als die deutsche.

EXTRAS

Im Making of kommen die üblichen Verdächtigen zu Wort. Es lohnt sich dennoch anzuschauen, da es auf der DVD keine herausgeschnittenen Szenen zu sehen gibt - aber definitiv Szenen entstanden sind, die im fertigen Film keine Verwendung fanden. So sieht man im Making of einen Moment, in dem Diane Kruger sich mit ihrem Filmsohn unterhält. Diese Szene fehlt im Film. Ebenso mehrere Einstellungen aus dem Gefängnis. Das ist interessant, denn offenbar scheint der Film ursprünglich Julien und Lisa als gleichberechtigte Charaktere betrachtet zu haben und erst am Schneidetisch wurde der Fokus auf Julien gelegt.
Sollte dies tatsächlich der Fall sein - muss man die Macher beglückwünschen. Gerade die Tatsache, dass der Ehemann draußen ist, dass er seinen Sohn erziehen muss, dass er für seine Mörderfrau bemitleidet wird, macht die Geschichte so reizvoll. Die Frau als Mörderin, der Mann als das Opfer, das ist eine Umkehrung üblicher Schemata.

FAZIT

"Ohne Schuld" ist ein kleiner, aber feiner Thriller, der belegt, dass Spannung auch ohne großes Tamtam erzeugt werden kann, wenn die Geschichte stimmt und die Hauptdarsteller überzeugen. All das wird auf einer grundsoliden DVD präsentiert.



Christian Lukas


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