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Ip Man   (BLU-RAY)

Ip Man
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Original: Yip Man   (Hongkong / China, 2008)
Laufzeit: ca. 106 Min. (1080p)
Studio: Splendid
Regie: Wilson Yip
Darsteller: Donnie Yen, Simon Yam, Siu Wong Fan u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD 5.1 Deutsch, Kantonesisch
Untertitel: Deutsch, NL
Extras: Making of, Interviews, Deleted Scenes u.m.
Preis: ca. 19 €
Wertung: 3+/ 2 / 2- (Bild/Ton/Extras)


"Meister aller Klassen"

Er war der Lehrer von Bruce Lee und bereits lange davor schon eine Legende: Ip Man lebt in der südchinesischen Kung Fu-Hochburg Foshan, die vor rivalisierenden Kampfkunstschulen nur so strotzt. Ehrgeiz und Tradition liegen in der Luft. Doch davon will der wohlhabende Wing Chun Meister Ip Man (einzigartig verkörpert von dem unvergleichlichen Donnie Yen) nichts wissen. Er ist kompromissloser Pazifist und sieht die Kampfkunst nur als Verteidigungsmittel. Erst als eine verhungerte Bande von Nordchinesen die einheimischen Kampfschulen aufmischt, um selbst als beste Kämpfer eine Schule zu eröffnen, wird Ip Man gezwungen einzuschreiten. Dieser Zwischenfall bringt dem zurückgezogenen Meister noch mehr Aufmerksamkeit und einen geradezu übermenschlchen Ruf ein. Doch die goldenen Tage in Foshan sind gezählt, als der zweite Weltkrieg seine Vorboten in Form der japanischen Invasion Chinas vorausschickt.
Ip Mans Familie verliert ihren ganzen Besitz und muss wie die meisten Überlebenden in Armut und unter der Knute der japanischen Besatzer knechten. Ein besonders mieser General lässt die hungernden Chinesen gegen seine Soldaten um Reis kämpfen. Als dabei einer von Ip Mans Freunden stirbt, sieht der ansonsten friedfertige Familienvater rot und begibt sich auf einen Weg ohne Rückkehr.
Regisseur Wilson Yip ist unter anderem für so schräge Filme wie "Bio-Zombie" oder auch "The Mummy, aged 19" bekannt. Auf sein Konto gehen allerdings auch zwei der größten Kracher der letzten Jahre aus dem Hongkong-Kino: "SPL: Killzone" und "Flashpoint". In "Ip Man" vereint er nun das Beste aus beiden Welten - Donnie Yen, in seiner stärksten Rolle seiner Karriere, vor der Kamera und Sammo Hung für die Action dahinter. Das Ergebnis ist schlichtweg atemberaubend. Wer über den typisch patriotischen Revanche-Unterton gegen Japan hinweg sieht - an den Invasoren wird einfach kein gutes Haar gelassen - bekommt ein sehr persönliches Drama über die Moral von Martial Arts und die chinesische Gesellschaft zu sehen, die ihresgleichen sucht. Für sein Wing Chun vernachlässigt Ip Man seine Familie, die er aber über alles liebt. Auch der Einbruch der Kriegsgewalt drängt ihn an die äußersten Grenzen seines Selbstverständnis, die ihn schließlich zu einem radikalen Umdenken zu zwingen scheinen. Doch erst die Menschen um ihn herum zeigen ihm die wahre Bedeutung seines Chi - der inneren Kraft, die den Geist zu seiner Bestimmung bringt. Doch dafür sind auch Opfer nötig. Hochkarätig bis in die Nebenrollen besetzt wird aber nicht schauspielerisch ein wahres Feuerwerk der Emotionen abgebrannt.
Das kreative Zusammentreffen von Donnie Yen ("Iron Monkey") und Sammo Hung sorgt für eine brachiale Knochenknack-Polka, die Tony Jaa neidisch werden lässt und Bud Spencer die Tränen in die Augen treibt. Nicht umsonst erhielt "Ip Man" im letzten Jahr die Auszeichnung für die beste Actionchoreographie auf dem Hongkong-Filmfestival. Hier wird schneller zugeschlagen als dass das Auge der Kamera es registrieren könnte, während sich die Körper graziös und ohne übertriebenes Drahtseilgefliege der Schwerkraft widersetzen, dass einem der Mund offen stehen bleibt. "Ip Man" ist wahrlich der ersehnte Fünf-Finger-Todesgriff in die Herzkammer aller Kampfkunstfilmliebhaber - einfach zum Sterben schön.

BILD

Ip Man

Leider basiert der anamorphe HD-Transfer (2.35:1) auf einem etwas durchwachsenen Master aus Hongkong. Die Qualität schwankt hier von deutlich schwammiger Körnigkeit bis zum rasiermesserscharfen Referenzbild. Das ist besonders schade, da der Film eine wirklich tolle Kameraarbeit zu bieten hat. Besonders die Detailtiefe bei den Szenen im alten Foshan der 30-er Jahre liefern einen guten Eindruck davon, wie der Film komplett hätte aussehen müssen. Die Farben sind durchgängig solide und besitzen einen gewollt desaturierten Look. Besonders die Szenen im kriegsgeschüttelten Foshan sind sehr grau und düster gehalten. Der Schwarzlevel ist sehr gut und ausreichend detailreich. Die Kompression hält das Bild stabil. Zusätzliche Rauschmuster oder Artefakte treten nicht auf.

TON

Ip Man

Makellos und klar donnert der DTS-HD-Track aus allen Kanälen und sorgt für eine gute Surround-Dynamik. Besonders während der Kampfsequenzen kommen die üblichen Hau-zu-Geräusche wirklich drastisch auch aus dem hinteren Bereich der Soundstage. Die zahlreichen atmosphärischen Hintergrundgeräusche werden ebenfalls gut abgebildet. Die Dialoge sitzen gut und sicher im Centerkanal. Die deutsche Synchronisation darf hier auch positiv erwähnt werden, da man hier tiefer in die Tasche gegriffen hat und ordentliche Vollpreisstimmen auf dem Track hören darf. Insgesamt ein guter Track, der seinen Möglichkeiten gerecht wird.

EXTRAS

Splendid hat "Ip Man" mit einer soliden Portion an Extras ausgestattet. Das "Making of" ist eine 19-minütige Routine-Vorstellung, bei der allerdings einige schöne Interview-Passagen und Behind-the-Scenes Clips zu sehen sind. Alle wichtigen Beteiligten, auch Sammo Hung und der Sohn des realen Ip Man, sind hier onscreen vertreten.
Wem dies noch nicht reicht, der kann sich in der Interviewsektion die weitestgehend ungekürzten Gesprächsbeiträge von Filmemachern und Schauspielern anschauen (ca. 60 Min.). Hier sind noch viele weitere interessante Details, auch zur historischen Hintergrundgeschichte von "Ip Man" zu hören.
Die kurzen "Deleted Scenes" zeigen vor allem das Schicksal von zwei größeren Nebencharakteren, die den Film ursprünglich nicht überleben sollten. Durch das Auslassen dieser Szenen, bleibt ihr Schicksal aber ungewiss und es darf mit einem möglichen Wiedersehen in "Ip Man 2" gerechnet werden.
Vier kürzere mit Musik versehene Montage-Clips zeigen zudem noch weitere Behind-the-Scenes Aufnahmen, die allerdings hauptsächlich einer stimmungsvollen Untermalung dienen.

FAZIT

Die Verfilmung von "Ip Man" ist eine zurecht gefeierte Sensation im Martial Arts Kino. In Zeiten, in denen sich die Wirework-Eskapaden tot gelaufen haben, ist es eine wahre Freude, wieder knallharte und vor allem richtig gut choreographierte Kämpfe zu erleben. Abgesehen von dem üblichen Abrechnungsfaktor der Chinesen mit den Japanern bekommt man zudem ein packendes Drama geliefert, das den menschlichen Kern seiner Aussage fest im Blick hat. Die Blu-Ray von Splendid hatte leider kein einwandfreies Master, aber bietet dafür ein paar gute Extras. Ganz großes Pflichtprogramm, besonders auch für Zuschauer die Martial Arts üblicherweise ablehnen.



Kay Pinno


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