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District 9   (BLU-RAY)

District 9
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Original: District 9   (USA, 2009)
Laufzeit: 112 Min. (1080p)
Studio: Sony Pictures
Regie: Neill Blomkamp
Darsteller: Sharlto Copley, Jason Cope, Nathalie Bolt, Sylvaine Strike u.v.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD-MA 5.1 Deutsch, Englisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spa, NL, Tr
Extras: Kommentar, Deleted Scenes, Making of, Movie-IQ u.m.
Preis: ca. 20 €
Wertung: 2 / 2 / 1- (Bild/Ton/Extras)


"Illegale Aliens"

Bereits noch vor seinem offiziellen Kinostart erhielt Neill Blomkamps Science Fiction Spektakel "District 9" derart viele Vorschusslorbeeren - und nicht nur aus der Online-Community -, dass es fast schon unheimlich wurde. Konnte ausgerechnet eine Zukunftsvision von auf der Erde, genauer gesagt in Südafrika, gestrandeten Aliens tatsächlich der immer wieder erhoffte Laserstrahl am bereits verdunkelten SciFi-Horizont sein?
Bereits zuvor hatten eine TV-Serie ("V") und ein Film samt Serien-Spin-off ("Spacecop L.A. 1991") das hochinteressante Thema behandelt, wie sich eine außerirdische Rasse in unserer modernen Gesellschaft so schlagen würde.
Für den Südafrikaner Blomkamp lag die Idee nicht fern, dem eigenen Land mal einen interessanten Spiegel vorzuhalten. Wie würde sich die Bevölkerung, die die Apartheid scheinbar hinter sich gelassen hat, darauf reagieren, wenn eine fremde Rasse Asyl unter ihnen suchen würde? Ein gewagtes Unterfangen, das Blomkamp zudem noch in eine ausnahmsweise einmal geniale dokumentarisch-filmische Klammer packt. Man sieht zunächst Interviews und Aufnahmen des riesigen Raumschiffs, das urplötzlich über Johannesburg schwebt, die von einem Nachrichtensender stammen könnten. Vom ersten Kontakt mit den nur abfällig "Shrimp" genannten Aliens über die Zusammenpferchung in Township-artigen Ghettos bis zur Darstellung ihrer Lebensweise suggeriert "District 9" zunächst ein sehr drastisches Bild der außerirdischen Besucher, bei dem "E.T." sicher sofort an einem Herzinfarkt gestorben wäre.
In dem von den Aliens bewohnten District 9 muss nun eine Sondereinheit der Einwanderungsbehörde unter der Leitung von Wikus Van de Merwe (Sharlto Copley) den Beginn einer Umsiedlungsaktion durchführen. Während der Razzia beginnt jedoch einiges schief zu laufen und plötzlich sieht sich der schleimige Bürokrat Wikus bald auf der Abschussliste seiner eigenen Leute wieder.
Blomkamp gelingt die Meisterleistung, alle zu Beginn des Films suggerierten Wertevorstellungen auf den Kopf zu stellen und dem Zuschauer am Ende fast den Teppich unter den Füßen wegzuziehen. Wenn die machthabende Gesellschaft ihr wahres Gesicht zeigt, dann wird eben vor nichts zurückgeschreckt. Ein Erkenntnisprozess, dem sich auch Wikus (brillant von Copley gespielt) sehr schmerzhaft unterwerfen muss.
Auch mit Schauwerten geizt "District 9" nicht. Das Design der Aliens ist einzigartig und frisch, genauso wie das heruntergekommene Setting im Alien-Ghetto. Wenn zum Schluß auch noch die großen Waffen ausgepackt werden und der Begriff Alien-Autopsy neu definiert wird, dann darf man von einer gelungenen Vorstellung sprechen. Eine Auszeichnung verdient der Film auch für sein mutiges, ja fast poetisches Ende, das die Türen zu einer höchst interessanten Fortsetzung offen lässt. Unter den Produktionsfittichen von Peter Jackson ist Neill Blomkamp und seinen Mitstreitern wahrlich eine feiernswerte Sensation geglückt, die inhaltlich wie actionmäßig galaktisch ist. An diesem explosiven "Shrimp"-Cocktail kommt wirklich niemand vorbei.

BILD

District 9

"District 9" wurde stark im Stil einer Dokumentation gedreht. Der anamorphe Widescreen-Transfer (1.85:1) bietet deshalb einen etwas ausgewaschenen Look mit reduzierten Farben und leicht überhöhtem Kontrast, welche allerdings dem intendierten Look des Films entsprechen. Die Schärfe ist überwiegend sehr gut und liefert trotz der wackeligen Einstellungen der Handkamera eine ordentliche Portion Details. Der Schwarzlevel ist sehr tief, aber trotzdem enorm detailreich. Die Kompression arbeitet sauber und lässt keine weiteren Beeinträchtigungen wie Hintergrundrauschen oder Artefaktbildung erkennen. Gut.

TON

District 9

Der DTS-HD-MA5.1 Mix wird stark durch den Einsatz der Musik dominiert, die immer wieder auch über die Surroundkanäle ertönt. Die Dialoge sitzen fest und sicher im Centerkanal. Von Zeit zu Zeit erklingen auch einige Umgebungsgeräusche von hinten. Richtig in Fahrt kommt der Track allerdings erst im actionlastigen Finale. Hier steigert sich die Surroundaktivität und auch die Bässe donnern ordentlich mit, wenn Wikus in seinem Juggernaut-Anzug loslegt. Ansonsten konnten keine störenden Überlappungen oder Aussetzer festgestellt werden. Gut.

EXTRAS

Bei den Extras hat sich Sony bei dem Überraschungshit des Jahres 2009 nicht lumpen lassen. Den Film begleitet ein laufender Audiokommentar mit Regisseur Neill Blomkamp, der noch vor dem weltweiten Start des Films aufgenommen wurde. Blomkamp ist ein sehr versierter und enthusiastischer Erzähler, der gleich zu Beginn an stark über seine Hintergründe und Motivationen für den Film spricht. Gleichzeitig vermittelt er dem Zuhörer auch die sozialen Hintergründe und Brennpunkte in Südafrika, die dem Film eigentlich zu Grunde liegen. Angereicht mit Informationen über die (teilweise heftigen!) Produktionsdetails und bestimmte Entscheidungen im Filmprozess liefert der Track absolut exzellentes Material, das auch belegt, dass es sich hierbei nicht nur um eine allgemeine Rassismus-Metapher dreht, sondern sich auch auf die aktuelle Situation in Südafrika bezieht. Ein Muss nicht für alle Fans des Films!
"Joburg aus der Vogelperspektive" ist ein schickes interaktives Feature, bei dem verschiedene Schauplätze des Films virtuell über ein Fake-GPS-System besucht und zusätzliche Informationen und Konzeptzeichnungen abgerufen werden können. Nett.
Insgesamt 22 geschnittene Szenen, teilweise mit noch unfertigen Effekten, stehen im Bonusmaterial zur Ansicht. Im Gegensatz zum üblichen Mist aus dem Schneideraum sind hier viele kleine atmosphärische Perlen über die Vorgänge im District 9 zu finden, die dem Film eine noch großere Projektionsfläche gegeben hätten. Vielleicht gibt es ews ja zum Kinostart des zweiten Teils ja vielleicht eine Extended Edition?
Das insgesamt 7-teilige "Making of" (zusammen ca. 85 Min.) liefert einen umfassenden Einblick in die Produktion, die Entstehung der Sets und Designs sowie der Effekte-Postproduktion. Hier handelt es sich um eine korrekte Dokumentation, die keinen kreativen Stein auf dem anderen lässt. Besonders die harte Arbeit und die Geduld, die Hauptdarsteller Sharlto Copley für seine Rolle aufbringen musste, lässt einen die Performance noch einmal mehr schätzen. Sehr schön ist hier auch der Blick hinter die nötige Improvisation der Schauspieler für die dokumentarischen Szenen. Ebenfalls ein sehr aufwendiger Prozess des Filmemachens. Sehr gut.

FAZIT

"District 9" ist einer der ganz seltenen Fälle, in denen der Hype um einen Film nicht nur gerechtfertigt ist, sondern das Endprodukt die Erwartungen sogar noch übertrifft. Bitterböse Rassismus-Satire, knallharter Science Fiction Kracher und ein großes menschlich-außerirdisches Drama - "District 9" hat all das und mehr. Die Blu-Ray von Sony bietet dazu technisch exzellente Qualität und eine Raumschiffladung voller Extras. Pflichtkauf!



Kay Pinno


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