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Küss den Frosch   (BLU-RAY)

Küss den Frosch
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Original: The Princess and the Frog   (USA, 2009)
Laufzeit: ca. 98 Min. (1080p)
Studio: Walt Disney Studios
Regie: Ron Clements, John Musker
Darsteller: Anika Noni Rose, Bruno Campos, Keith David, Jennifer Cody, Oprah Winfrey u.v.a.
Format: 1.78:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD 5.1 Englisch, DTS Deutsch, It, Tr
Untertitel: Deutsch, Englisch, It, Tr
Extras: Kommentar, Making of, zusätzliche Szenen u.m.
Preis: ca. 20 €
Wertung: 1 / 2 / 2+ (Bild/Ton/Extras)


"Zurück im Glück"

Mit Ron Clements und John Musker hat sich das Disney-Team unter Pixar-Mastermind John Lasseter die zwei Säulen der klassischen Animationsabteilung zurück an die Pinsel geholt, um den Disney-Zeichentrickfilm im digitalen Zeitalter wieder zu neuer Größe zu verhelfen. Bereits in den 90-er Jahren brachten sie mit "Arielle" und "Aladdin" das angeschlagene Disney-Studio wieder auf den richtigen Weg.
Für den Neustart der Zeichentrickstudios wollte man sich nun einerseits auf die guten Disneytraditionen - sprich Märchen und Musik - besinnen, aber gleichzeitig neue Wege gehen. Ausgerechnet das eigentlich krude Märchen "Der Froschkönig" wurde ausgewählt, um eine komische aber auch rührende Liebesgeschichte zu erzählen. Der geniale Kniff: man verfrachtete die Geschichte einfach in das magische New Orleans der Ära von Raddampfern und Pferdewagen. Als Prinzessin ist Tiana aber eher nicht geeignet. Der Traum der hart schuftenden schwarzen Arbeitertochter ist ihr ein eigenes Restaurant. Ihre beste Freundin Charlotte kommt da schon eher an den Prinzessinnenstatus heran. Sie ist ein reiches, verwöhntes aber absolut liebenswertes Südstaaten-Gör, dass von ihrem reichen Vater ständig mit allem überhäuft wird. Ihr größter Traum ist tatsächlich die Heirat mit einem Prinzen. Wie praktisch, dass der stattliche Prinz Naveen in die Stadt gekommen ist, um sich eine Braut zu suchen. Er ist nämlich völlig pleite und müsste sonst erstmals in seinem Leben richtig arbeiten. Ein Graus. Doch bevor der Party-Prinz überhaupt richtig in der Stadt angekommen ist, gerät er schon die Fänge des zwielichtigen Voodoo Dr. Facilier (im Original gruselig schön von Keith David gesprochen). Und bevor er noch mit der Zunge schnalzen kann, hat sich Naveen in einen grünen Hüpfer verwandelt. Rettung scheint zu nahen, als Frosch Naveen an die sichtlich überraschte Tiana gerät. Doch der vermeintliche Rettungsschmatzer entpuppt sich schnell als grobe Fehlkalkulation. Fortan müssen Naveen und Tiana zu Zweit als Frösche New Orleans und den Bayou unsicher machen.
"Küss den Frosch" ist gleichzeitig so ein klassischer Disney-Film, aber doch an den entscheidenden Stellen doch auch ganz anders. Sicher gibt es die lustig skurrilen Sidekicks: Alligator Louis (in der deutschen Synchronisation brillant mit Bill Ramsey besetzt) ist eine Art schuppiger Bayou-Balu mit Musik im Blut und einem Hang zur Trompete. Glühwürmchen Ray hingegen ist hilfsbereit und ein wenig verschroben, aber mit dem Herz am rechten Fleck. Der eigene Prioritäten-Wechsel im Zuge eines Selbsterkenntnis-Prozess, ausgelöst durch Liebe und eine externe Sichtweise auf den eigenen Lebenswandel, stehen im Vordergrund der nicht ganz einfachen Beziehungskiste zwischen Frosch und Fröschin. Selbst - und das war lange Zeit in Disneyfilmen traurigerweise eine Seltenheit - ein tragisch romantisches Element wird derart großartig umgesetzt, dass man sich fast an Hayao Miyazaki Filme erinnert fühlt.
Auf der technischen Seite wird zudem alles aufgefahren, was Disney so an Zeichenpower drauf hat. Bunt, irrsinnig detailverliebt, besonders bei den beiden großen Voodoo-Nummern, lässt sich im zauberhaften New Orleans viel entdecken und bestaunen. Selbst eine etwas schwächere Slapstick-Einlage mit drei Sumpfbewohnern auf Froschjagd gerät aufgrund der guten Charakterzeichnungen nicht zum Selbstzweck. Die Disney-Animationsstudios melden sich hier auf bekannt hohem Niveau zurück und drücken die Erwartungshaltung für weitere Filme wieder ordentlich nach oben.

BILD

Küss den Frosch

Das digitale Bildmaster des anaqmorphen Transfers (1.78:1) ist eine Wucht und liefert im vollen Umfang die großartige Detailliertheit des Bildes. Der Transfer erreicht einen rauschfreien Schärfegrad, den man sonst nur von digitalen Animationsfilmspektakeln gewohnt ist. Die Farben sind absolu brillant, während besonders die zahlreichen dunkleren Szenen im Sumpf und im nächtlichen New Orleans atemberaubend detailreich bleiben. Die Kompression bleibt ebenfalls absolut unauffällig. Ein echter Triumph.

TON

Küss den Frosch

Im Gegensatz zum Bild bleibt der Ton etwas hinter den Erwartungen zurück. Dies liegt sicherlich auch am Ausgangsmaterial, da die Settings des Film nur wenig Vorlage für bombast bieten. Nur die Musikpassagen schöpfen das Surround- und Klangpotential wirklich aus. Ansonsten bleibt die restliche Soundkulisse eher unspektakulär.

EXTRAS

Für die Blu-Ray-Extras wurde das volle Programm hervorgezaubert: den Film begleitet ein Audiokommentar mit den beiden Regisseuren und dem Produzenten. Musker und Clements sind eine nie versiegende Quelle an Informationen und Geschichten rund um die Entstehung und Realisierung von "Küss den Frosch". AQngefangen von den ersten Entwürfen von Disney Und Pixar bis zu der von ihnen selbst mit entwickelten Geschichte für den Film, gehen die Filmemacher auf eine inhaltliche Reise mit dem Zuhörer, die sich wirklich lohnt. Von der Zusammenarbeit mit den Synchronsprechern über die Entwicklung der Figuren und Situationen werden viele zentrale aber auch periphere Dinge erörtert. Ein absolut gelungener wie informativer Beitrag.
Insgesamt neun recht kompakte Featurettes beschäftigen sich mit den verschiedenen Aspekten des Films und deren Entstehung. Von der Musik, der Musical-Tradition, über die Charakterentwicklung bis zu der Fortführung der klassichen Disneywurzeln werden die Themen ausreichend abgehandelt. Sogar die Featurette zu den deutschen Synchronaufnahmen ist vorhanden. Dennoch wirken diese Featurettes eher wie die üblichen EPK-Werbeclips.
Die fünf geschnittenen/alternativen Szenen liegen nur in Rohform vor, aber geben einen guten Eindruck von den Erweiterungen, die mit Einleitungen der Regisseure versehen sind. Keine der Szenen wird jedoch im Film wirklich vermisst, wenngleich die alternative Einführung von Alligator Louis ganz lustig ist.
Zum Abschluss gibt es noch ein interaktives Suchspiel im Bayou und eine ausführliche Bildergalerie mit zahlreichen Konzeptzeichnungen.

FAZIT

Disneys Rückkehr zum traditionellen Zeichentrickfilm ist ein Triumph. "Küss den Frosch" schafft es, die magische Balance zwischen Familienunterhaltung und dramaturgischem Anspruch wiederherzustellen. Dazu bedient sich Disney außerdem wieder einmal eines klassischen Märchenthemas, das gekonnt modernisiert wurde. Die Blu-Ray erstrahlt dazu in perfekt hochauflösendem Glanz und bringt gut ausgewählte Extras mit. Eine Pflichtscheibe für jede Sammlung!



Kay Pinno


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