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Sheitan   

Sheitan
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Original: Sheitan   (Frankreich, 2005)
Laufzeit: ca. 94 Min. (PAL)
Studio: Universum Film
Regie: Kim Chapiron
Darsteller: Vincent Cassel, Olivier Barthelemy, Roxane Mesquida, Nico Le Phat Tan
Format: 1.85 : 1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 5.1 Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of
Preis: ca. 17 €
Wertung: 3+/ 2 / 2- (Bild/Ton/Extras)


"Nicht Fisch, nicht Fleisch"

Wie nennt man eigentlich jene ultraharten französischen Filme, die seit geraumer Zeit ob ihrer teils unfassbaren Gewaltorgien selbst abgebrühte Filmgucker staunen und sogar Filme wie jene der „Saw“-Reihe wie reines Kasperle-Theater wirken lassen? Horrorfilme sind sie meist nicht, da sie thematisch im Hier und Jetzt angesiedelt sind. Actionfilme aber auch nicht, da sie nicht selten kammerspielartig ihre Geschichten erzählen, die dem klassischen Personendrama des Theaters weitaus näher stehen als dem aktionsbetonten Unterhaltungsfilm! Hack’n’Slash-Filme nach amerikanischen Vorbild, billig heruntergekurbelte Gewaltpornos aber darf man diese Werke auch nicht nennen, denn meist sehen sie gut aus, sind mit guten Schauspielern besetzt, rein handwerklich betrachtet spielen diese Filme in der Regel in der A-Liga und nicht in den Z-Filmsümpfen amerikanischer oder auch japanischer Blutorgienmachwerke. Vielleicht weisen sie am ehesten eine Verwandtschaft zum amerikanischen Backwood-Film auf - jenen Krawall-Werken der 70-er Jahre, die meist auf recht derbe Weise vom Zusammenprall des Stadt- und des Landlebens berichteten und zumeist Geschichten von der Jagd Kettensägen schwingender, inzestgeschädigter Dorfmutanten auf Stadtbürger erzählten, die sich versehentlich ins Hinterland verirrt hatten.
Ein Film wie „Sheitan“ zumindest steht diesem Backwood-Genre, wenn man es denn einmal so nennen möchte, auf jeden Fall rechte nahe, denn die Ausgangssituation ist klassisch: Nach einer Tour durchs Pariser Nachtleben, die etwas exzessiv ausfällt, folgt eine Gruppe großstädtischer Frühzwanziger der verführerischen Eva ins Landhaus ihrer Eltern. Die sind natürlich nicht im Lande, es steht ihnen also frei im Haus manche Dinge zu tun, die nicht unbedingt im Kinderkanal gezeigt würden. Doch so schön das Leben auf dem Land auch im ersten Moment erscheinen mag: Da gibt es ein Problem. Und dieses Problem sind die Jungzwanziger vom Dorf, deren Eltern und Großeltern definitiv durch Überkreuzverwandtschaften verbunden sind, die auch das französische Gesetz unter Strafe stellt. Als Verbindung zwischen den recht unterschiedlichen Jungmenschen fungiert Hausmeister Joseph (Achtung: Frankreichs Superstar Vincent Cassel!). Der ist zwar ein debiler Hinterwäldler, aber auch ein ganz patenter Kerl, der sich doch nur ums Wohl der jungen Feierflüchtlinge aus Paris kümmert. Allerdings: Sein verschrobener Sinn für Humor wird irgendwann unheimlich. Und dann ist da noch die Puppenwerkstatt im Haus. Vollgestopft mit seltsamen Puppen, denen meist die Augen fehlen.

Nun gehört „Sheitan“ zu den ersten Filmen seiner Art in Frankreich, aufgrund der prominenten Mitwirkung Cassels erhielt er ein gewisses Medienecho - wodurch die Produktion vieler Nachfolgefilme erst ermöglicht wurde. Allerdings: Wirklich gut ist der Film nicht. Wenn man lesen kann, „Sheitan“ sei ungeschnitten, dann stimmt das. Allerdings ist er auch vergleichsweise zahm. Gut, auf Schüler einer vierten Klasse dürfte „Sheitan“ höchst verstörend wirken, er ist ein Film für Erwachsene, aber er bietet weder explizite Splattereinlagen noch sonstige Gewaltexzesse. Wenn er verstörend wirkt, dann eher aufgrund der teils unheimlichen Atmosphäre, die sich etwa zur Mitte des Filmes über die Handlung legt, aber leider immer wieder Luftlöcher fabriziert. So schwankt die Inszenierung zwischen Backwoodfilm, Parodie und Gesellschaftsfarce, ohne jedoch eine Linie zu finden. „Sheitan“ ist alles, aber dadurch auch wieder nichts. Dieses Urteil gilt auch für die meisten Charaktere. Es ist ja löblich, dass das Drehbuch sich darum bemüht, sie nicht einfach zu Nummern einer Opferliste zu degradieren und sich um eine gewisse Komplexität bemüht. Nur: Diese Komplexität geht dadurch verloren, dass die Geschichte diese Figuren dumme Dinge tun lässt, die sie dann doch wieder recht dämlich dastehen lassen. Allein Vincent Cassel sticht etwas hervor. Mit falschen Zähnen betreibt er zwar ein Overacting, das die Schwarte krachen lässt, es ist aber zumindest ganz amüsant anzuschauen.

Insgesamt ist „Sheitan“ somit eine Enttäuschung. Ein Film, der mehr sein will als er ist, der einen guten Willen zeigt, aber letztlich an seinem eigenen Anspruch scheitert.

PS: Wer die wunderschöne Monica Bellucci in diesem Film erkennt, darf sich wahrlich eines guten Auges rühmen. Ihr Cameo ist - bizarr...

BILD

Sheitan

Der Transfer ist solide ausgefallen, auch wenn der gesamte Film einen Tick zu hell wirkt. Zumindest auf einem alten Röhrenfernsehen. Ansonsten hätte dem Bild noch ein Tick mehr Schärfe gut getan. Das mag Geschmackssache sein und keine technische Unzulänglichkeit, doch es fällt nun einmal auf.

TON

Sheitan

Der Sound kommt ordentlich abgemischt daher. Vor allem von Vorne. Was Sinn macht, da die Kamera in der Regel das Geschehen aus der Perspektive der gerade zu sehenden Personen zeigt und auf Schockmomente im Sinne von - von rechts kommt etwas angerast - verzichtet. So wirkt die Abmischung vielleicht etwas schlicht, sie ist aber effektiv.

EXTRAS

Das "Making of" ist ordentlich, da Cassel erklärt, warum und wieso er sich in dieses Projekt eingebracht hat, auch wenn er dies nun wahrlich nicht nötig gehabt hätte. Das macht ihn sympathisch.

FAZIT

Ist dieser Film ein Slasherfilm? Eine Komödie? Eine Farce? Irgendwie ist er alles, aber dadurch eben auch nichts. Für eingefleischte Genrefans gehört er zum Komplettistenprogramm. Aber eben nur für diese.



Christian Lukas


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