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Universal Soldier - Regeneration   

Universal Soldier - Regeneration
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Original: Universam Soldier: Regeneration   (USA/Bulgarien, 2009)
Laufzeit: ca. 88 Min. (PAL)
Studio: Kinowelt HE
Regie: John Hyams
Darsteller: Jean-Claude van Damme, Andrei Arlovski, Dolph Lundgren
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, Audiokommentar
Preis: ca. 15 Euro
Wertung: 2 / 2 / 2+ (Bild/Ton/Extras)


"Old School Action!"

Die Erwartungen an den x-ten Teil der "Universal Soldier"-Reihe dürften gering ausfallen. Ein Film, in dem ein weißrussischer Ex-Klopper mit dem Rufnamen "The Pitbull" die Hauptrolle spielt? In dem Jean-Claude van Damme erst die zweite Nennung im Vorspann erhält? Und in dem Dolph Lundgren auftritt, obschon dieser am Ende des ersten Filmes von 1992 in seine Einzelteile zerlegt worden ist?

Natürlich: Jean-Claude van Damme und Dolph Lundgren wieder vereint? Für Fans von B-Kloppern ist dies keine uninteressante Idee. Beim Rest des Videothekenpublikums dürften jedoch keine Jubelstürme ausgebrochen sein als die Kundschaft sich verbreitete: Ja, es wird einen Neustart des "Universal Soldier"-Franchises geben.

Die Gründe dafür sind mannigfalig. Da wären die Karrieren von van Damme und Lundgren zu nennen. Während Dolph Lundgren nie der Sprung in die A-Liga gelang, spielte van Damme einige Jahre in der obersten Liga - um so rasanter ging sein Absturz vonstatten. Vor allem um die Jahrtausendewende herum hat er Filme gedreht, die schlicht unanguckbar sind.
Hinzu kommt die recht seltsame Produktionsgeschichte der Serie. Sie begann mit Roland Emmerichs anständigem Hollywood-Debüt "Universal Soldier", dann jedoch entstanden zwei Video-Forsetzungen, in denen zwar Burt Reynolds mal vorbei schaute, die jedoch mit Emmerichs Film wenig gemeinsam hatten - und dann gab es noch eine echte Fortsetzung mit van Damme, die aber irgendwie niemand sehen wollte. "Universal Soldier - Regeneration" ist somit streng genommen bereits Teil 5 der Reihe.

Doch manchmal geschehen Zeichen und Wunder. Da wären zunächst die Hauptdarsteller. Van Damme lieferte zuletzt mit dem ironisch-bitteren Thrillerdrama "JCVD" ein unterwartetes Meisterstück ab, das vor allem von der Demontage der eigenen Person lebt. Doch in dieser Demontage hat sich van Damme als Schauspieler neu definiert. Im Gegensatz etwa zu einem Steven Seagal, der längst zur Karikatur seiner selbst verkommen ist, hat van Damme den Samen zu einer neuen - reifen - Persona auf der Leinwand gelegt. Lundgren indes hat zuletzt immer öfter auch auf dem Regiestuhl Platz genommen und bewiesen, dass man auch mit kleinen Budgets durchaus intelligente Actionfilme drehen kann.

Die Geschichte des neuen Filmes ist an sich simpel erzählt: Terroristen überfallen Tschernobyl. Sie vermienen das Reaktor-Gebäude und drohen mit seiner Sprengung. Zwar wäre der Gau mit dem von 86 nicht vergleichbar, er würde aber ausreichen große Teile Russlands zu verstrahlen. Die Terroristen wollen die Unabhängigkeit ihrer Teilrepublik. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen entführen sie außerdem die Kinder des russischen Präsidenten. Ihr größter Trumpf: Ein fast unverletztlicher Soldat, der als Teil eines geheimen Projektes entstand, mit dem seit dem Vietnamkrieg amerikanische Wissenschaftler versuchen, den perfekten Soldaten zu kreieren - aus den sterblichen Überresten gefallener Soldaten wohlgemerkt!
Die USA mussten jedoch zuletzt Rückschläge im Rahmen des Projektes hinnehmen. Die letzte Generation von Supersoldaten lief Amok und ein wissenschaftliches Mastermind - lief ausgerechnet zu den besagten Terroristen über.
Jedoch gibt es neben einer Art Reserveeinheit noch einen Soldaten, dessen Kampfkraft die aller anderen sprengte, gleichzeitig aber auch ein überraschendes Eigenleben entwickelte: Luc Deverreaux (JCVD). Der aber ist ein emotionales, psychisches Wrack.

Was soll man sagen: Das klingt nicht sonderlich intelligent, ist aber richtig fetzig inszeniert. Es kracht und knirscht fast im Minutentakt und wirkt dabei nicht einmal - dumm! Tatsächlich nimmt sich Regisseur John Hyams Zeit für die Figuren. Van Dammes Supersoldat lässt Vergleiche mit John Rambo aufkommen: Auch er ist kaputt, ein gebrochener Charakter, ein Wrack, das seinen Frieden sucht aber letztlich damit leben muss, nur im Krieg zu funktioniern; Andrei Arlovski, besagter Pitbull, braucht gar nichts zu sagen, macht aber eine gute Figur und zeigt zumindest ein gewisses Talent für weitere Rollen (so wirkt er immer wieder zweifelnd, seine Killermaschine weist immer wieder menschliche Züge auf, die eigentlich nicht vorhanden sein dürften) - und Lundgren? Gut dass wir im Zeitalter nach Dolly leben, so gibt es für Lundgrens finsteren Killersoldaten eine Möglichkeit der Rückkehr, die nach dem ersten Teil eher unwahrscheinlich erschien. Lundgren ist mehr Gaststar als Hauptdarsteller, doch auch seine Figur ist überraschend. Er ist ein Zweifler, ein Killer, aber eben auch ein Mensch, der sich seiner falschen Handlungen bewusst ist und mit seiner Persönlichkeit hadert.

Übrigens: Dass die Teile 2-4 einfach ignoriert werden - darf als eine richtige Entscheidung der Filmemacher bejubelt werden!

"Universal Soldier: Regeneration" ist die Actionfilmüberraschung 2010! Ein echter Kracher, der Lust auf weitere Teile macht (von denen einer für 2011 angekündigt ist!).

BILD

Universal Soldier - Regeneration

Die gesamte Farbdramaturgie des Filmes bevorzugt graugrüne Töne, die vor allem den Actionszenen einen realistischen Touch verleihen und über ihre wahre - vollkommen fiktive - Natur hinwegtäuschen. Der Transfer dieser Dramaturgie ist sehr gelungen. Auch in Bezug auf die Schärfe findet der Transfer die richtige Abmischung: Zwar könnte das Bild hier und da schärfer ausfallen, doch dies könnte in anderen Szenen wiederum - beispielsweise den Szenen, die im Kraftwerkreaktor spielen (einem ehemaligen bulgarischen Stahlwerk) fast schon dazu führen, dass man zu viel vom Spielort wahrnähme. Nein, der Grat der Schärfe ist so, wie er auf der DVD vorliegt, genau richtig, auch wenn technisch mehr möglich wäre.

TON

Universal Soldier - Regeneration

Das alles ist sehr gediegen abgemischt. Es kracht und knirscht, wo es im Bild kracht und knirscht, die Stimmen kommen alle sehr klar rüber (auf der deutschen Tonspur fast besser als auf der englischen Klangspur), zwar könnte der Sound hier und da etwas mehr Pfeffer vertragen, - auch laute Explosionen können durchaus ein sehr differenziertes Klangbild transportieren, - aber letztlich liegt hier eine sehr ordentlich abgemischte DVD vor.

EXTRAS

Die Extras sind in diesem Fall besondern in Bezug auf den Regisseur hoch interessant. Der nämlich trägt den Namen John Hyams. Beim Namen Hyams klingelt es in den Ohren vieler Actionfilmfans - Vater Peter Hyams nämlich hat einige wirklich großartige Actionfilme gedreht. Darunter auch einen mit Jean-Claude van Damme. "Sudden Death" nämlich. Der "Stirb langsam"-Klon ließ es in den frühen 90-ern richtig krachen und katapultierte den belgischen Muskelmann an die Spitze des amerikanischen Actionfilmes. Eine Spitze, die er nicht halten konnte.
Gut, eigentlich hat Hyams zwei Filme mit van Damme inszeniert. "Sudden Death" # und # "Timecop", aber hier ist von großartigen Filmen die Rede, "Timecop" gehört eher zur Kategorie nette Unterhaltung.
Wie dem auch sei: Peter Hyams Filmografie beinhaltet einige Kassenhits: "Unternehmen Capricorn", "Outland - Planet der Verdammten", "Das Relikt", "Presidio", "Diese Zwei sind nicht zu fassen".
Doch im neuen Jahrtausend wurde Peter Hyams vom Glück verlassen. Erst drehte er in Luxemburg "The Musketeer", eine lustlos heruntergespulte Verfilmung der drei Musketieren, die zwar ein paar tolle Actionszenen beinhaltet - aber ansonsten wirklich kein Zeug zum Klassiker hat. Und dann kam "A Sound of Thunder". Der hat das Zeug zum Klassiker. Allerdings in der Kategorie "Ach du Scheiße, das meinen die nicht ernst, oder?"
"A Sound of Thunder", eine Zeitreisegeschichte mit Dinosauriern, Mutationen, Zeitparadoxien und Heike Makatsch, nun, was soll man sagen? Der Film, der in Deutschland zwei Jahre nach seiner Fertigstellung still und leise ein DVD-Release erhielt (auch Armin Rohde spielt eine kleine Rolle, das Ding wurde zum Teil in Deutschland gedreht), ist schlecht. Gut, das sind viele Filme. Im Fall von "A Sound of Thunder" aber wäre es interessant zu erfahren, warum er so schlecht ist. Der Film hat viele, viele Millionen Euro gekostet und einige Effekte zum Ende des Filmes sind grandios. Wären da nicht die Saurier zu Beginn, die so schlecht animiert sind, dass man kaum glauben kann, dass jemand ernsthaft solche Effekte für einen Film freigegeben hat.
"A Sound of Thunder" sieht aus - als habe man die Arbeiten an dem Film vor seiner Fertigstellung abgebrochen. Tatsächlich sind die Effekte schlecht, weil sie schlicht und ergreifend unfertig sind. Ob Finanziers absprangen? Ob sich mit einem Flop für die beteiligten Fonds mehr Geld verdienen ließ als mit einem veritablen Kassenhit?
Was auch immer im Verlauf der Dreharbeiten von "A Sound of Thunder" geschehen sein mag: Es hat die Karriere von Peter Hyams ruiniert.
Warum all das an dieser Stelle eine Rolle spielt? Sagen wir es so: Peter Hyams ist der einzige Hollywoodregisseur, der gleichzeitig all seine Filme auch als verantwortlicher Kameramann in Szene gesetzt hat. Und Hyams kann die Kamera führen. Schnörkellos, geradlinig, all seine Actionfilme sind Lehrstücke für den virtuosen Einsatz der Kamera.
Und nun lautet die Frage: Wer hat die Kamera von "Universal Soldier - Regeneration" bedient?
Tatsächlich: Es ist Peter Hyams.
Und genau das macht das Making of so interessant, es sprechen zwei Filmemacher über ihr Werk, die unterschiedlichen Generationen angehören, die aber familiär verbunden sind - und die eine ungeheure Lust verbindet. Eine Lust auf das Genre des Actionfilms.
Diese Lust wird auch im Kommentar deutlich, in dem John Hyams über seine Arbeit spricht, während sein Co-Diskutant Dolph Lundgren jedoch nicht allzu viel zu sagen hat. Dafür gibt seine Rolle allerdings auch nicht genug her.

Ein Manko weist die vorliegende DVD allerdings auf: Die deutsche Zensur hat sich mal wieder ordentlich ausgetobt und etwa fünf Minuten Action gestrichen.
Ja, es gibt in Deutschland keine Zensur. Sie findet nicht statt. So steht es im Grundgesetz. Daher nennt sich Zensur hierzulande auch Jugendschutz. Die Jugend muss geschützt werden, aber vor was eigentlich? Sozialer Desorientierung? Oder ist es vielmehr so, dass Jugendschutz nichts kostet - aber das gute Gefühl hinterlässt, doch etwas getan zu haben? In einer Zeit, in der Millionen Kinder von Hartz IV leben, Bildungsarmut um sich greift, Jugendeinrichtungen geschlossen werden, der Sozialstaat gekappt wird - braucht man wieder einmal Schuldige. Aber was, wenn es keine eindeutigen Schuldigen gibt, wenn sich die Gründe für gesellschaftliche Probleme nicht auf dem Rand eines Bierdeckels skizzieren lassen, sondern so kompliziert, mannigfaltig, umfassend sind, dass sie selbst auf lange Sicht kaum lösbar erscheinen? Dann braucht es einen Schuldigen, an den man seine eigene Verzweiflung - vielleicht aber auch Unfähigkeit, tatsächliche Lösungen zu eroieren - abwälzen kann.
Warum also nicht einmal mehr den Filmen die Schuld geben? Oder den Games? Der Gewalt, die die an sich doch alle so gut behüteten Kindchen desorientiert und die erst zu Problemen führen. Ganz so als gäbe es all die anderen Probleme nicht!

Dass wir in der BRD Zensur übrigens ausgerechnet u.a. Franz-Josef Strauß verdanken dürfen, der bereist 1949 ein "Bundesgesetz gegen Schmutz und Schund" anregte, darf sicher als Treppenwitz der Geschichte verstanden werden. Ausgerechnet Strauß, dem Vater der Amigokultur der deutschen Politik...
1950 wurde - wie immer, wenn etwas durchgedrückt werden soll, - eine Kommission eingesetzt, die beweisen sollte, dass Zensur, Pardon - Jugendschutz und damit einhergehend das Verbot von Filmen, Büchern, etc., unabdingbar sei. Und um dies zu belegen wurden u.a. Kultur-Experten eingeladen, die mit dem Gewicht ihres Namens und ihrer Integrität diese Notwendigkeit unterstreichen sollten. Unter ihnen war Erich Kästner, dem man nun wahrlich keine Nähe zu Sex und Gewalt attestieren vermag.
Doch die Kulturschaffenden funktionierten nicht, wie die Politiker dies wollten. Und es war schließlich Kästner, der mit der Politik hart ins Gericht ging: "Wenn's schon nicht gelingt, die tatsächlichen Probleme zu lösen, die Arbeitslosigkeit, die Flüchtlingsfrage, die Steuerreform, dann löst man geschwind ein Scheinproblem. Hokuspokus - endlich ein Gesetz! Endlich ist die Jugend gerettet! Endlich können sich die armen Kleinen am Kiosk keine Aktphotos mehr kaufen und bringen das Geld zur Sparkasse."

Durchgesetzt wurde das Gesetz zum Schutze der Jugend trotzem. Um eines klar zu sagen: Kinder zu schützen ist eine ehrenvolle und nicht zu gering zu bewertende Tätigkeit, eine Arbeit die Respekt verlangt.
Zensur jedoch bleibt Zensur, egal wie man sie auch benennen mag.

Was die Zensur dieses Filmes besonders absurd macht ist die Tatsache, dass er in der Videothek ungekürzt auf seine Fans wartet. Ebenso wie sich österreichische DVD-Fans keine Sorgen über etwaige Schnitte machen müssen...

FAZIT

"Universal Soldier - Regeneration" ist ein echter Actionkracher der alten Schule: Geradlinig, schnörkellos, ohne den Anspruch, die Welt verbessern zu wollen - und dabei keinesfalls so anspruchslos, wie die Inhaltsangabe vermuten lässt. Ein Film, der wirklich Lust auf weitere Teile macht.



Christian Lukas


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