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Tombstone   (BLU-RAY)

Tombstone
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Original: Tombstone   (USA, 1993)
Laufzeit: 130 Min. (1080p)
Studio: Walt Disney Home Entertainment
Regie: George Pan Cosmatos
Darsteller: Kurt Russel, Val Kilmer, Sam Elliott, Powers Boothe u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD5.1 Englisch DTS Deutsch DD5.1Polnisch DD2.0 Ung, Tr
Untertitel: Deutsch, Englisch, Swe, Nor, Dän, Fin u.v.a.
Extras: Making of, Storyboards, Trailer
Preis: ca. 26 €
Wertung: 2-/ 2 / 3- (Bild/Ton/Extras)


"Rächer des Gesetzes"

Mit Kevin Costners Oscar-Epos "Der mit dem Wolf tanzt" und Clint Eastwoods "Unforgiven" wurde zu Beginn der 90-er Jahre eine kurzweilige Renaissance des klassischen Western eingeläutet. Costner selbst befasste sich 1994 dabei auch mit dem großen Mythos um Wyatt Earp unter der Regie von Lawrence Kasdan. Weniger steif und versehen mit einer Star-Riege an Darstellern trumpfte aber bereits 1993 Kurt Russel in der Rolle des berüchtigten Marshalls auf. Versehen mit einer besonders aus heutiger Sicht sensationellen Besetzung - fast alle Nebenrollen sind mit bekannten Gesichtern (u.a. Thomas Hayden Church, Billy Bob Thornten, Jason Priestley, Billy Zane, Michael Rooker) versehen. Zusätzlich konnte sich die Produktion auch noch die Unterstützung der Familie Earp sichern und Wyatt Earp, einen Nachfahren des Originals, als Berater rekrutieren. Doch schon nach kurzer Zeit kam die groß angelegte Produktion in Schwierigkeiten. Regisseur und Autor Kevin Jarre, der mit seinen Drehbüchern zu "Glory" und "The Tracker" bereits in der historischen Periode verankert war, überwarf sich mit dem Studio, da er seine epische Erzählung, in der sowohl die Familie Earp als auch die Bande der Cowboys ausführlich dargestellt werden sollten, nicht kompromittieren wollte. In der Not übernahm Kurt Russel die Zügel der Produktion, bis das Studio als Ersatzmann Regisseur George Pan Cosmatos ("Rambo 2") ans Set schickte. Hektisch wurden nun drastische Kürzungen vorgenommen, um das explodierende Budget noch in den Griff zu bekommen. Dennoch kämpfte Kurt Russel hart dafür, dass nicht alle Ecken und Kanten des Drehbuchs abgeschliffen wurden. Dennoch ist dem Endprodukt einfach anzumerken, dass eine Menge dramatischer Stoff fehlt. Dies fällt besonders deshalb auf, weil die zahlreichen Nebenfiguren trotz allem einen starken Eindruck hinterlassen. Insgesamt müsste "Tombstone" mindestens 30 Minuten länger laufen, um seine Dramaturgie in den Griff zu bekommen. Die zwei größten Schwachpunkte sind hier die Bande der Cowboys, die größtenteils auf einen randalierenden Mob reduziert worden sind, und die Frauen der Earp-Brüder, die quasi nicht existent sind. Dies zeigt sich besonders im Herzensdilemma von Wyatt Earp (Russel), der mit seiner Opium-abhängigen Frau (Paula Malcomson) gar nicht mehr klar kommt und sich in die abenteuerlustige Schauspielerin Josephine (Dana Delaney) verliebt. Emotional ist dieser Erzählstrang so tot wie die Cowboys am OK Corral.
Auch der erzählerische Fokus auf die Earp-Brüder Wyatt, Virgil (Sam Elliott) und Morgan (Bill Paxton), funktioniert nur als Gerippe, um den offensichtlichen Konflikt mit den Gesetzlosen voranzutreiben. Denn eigentlich haben die drei Brüder ihrer Jobs als Gesetzeshüter an den Nagel gehängt und wollen in der aufstrebenden Stadt "Tombstone" ihr Glück, aber vor allem viel Geld machen. Dass dies zunächst auf Kosten der Bevölkerung geht, wurmt zuerst den ältesten Bruder Virgil. Als der sich schließlich nach einer Schießerei mit dem Anführer der Cowboys (Powers Boothe) vom Bürgermeister rekrutieren lässt, beginnt eine blutige Fehde zwischen den Earps und den Cowboys, die auf allen Seiten ihre Opfer fordern wird.
Fast möchte man weinen, wenn man den Aufwand der Ausstatter und die Spielfreude der beteiligten Mimen sieht, die der nun deutlich zu kurz geratenen Geschichte trotz allem nicht mehr richtig auf die Sprünge helfen können. Einzig die seltsame freundschaftliche Beziehung zwischen Wyatt Earp und dem totkranken Doc Holiday (ein sensationeller Val Kilmer) lässt erahnen, wie wirklich großartig "Tombstone" hätte werden können. Übrig bleibt aber nur ein stark besetztes Kostümspektakel, das über seinen vermeintlichen Hang zur "Authentizität" das Drama leider zu kurz kommen lässt. Ein unterhaltsameres Stück Westernkino als Costners "Wyatt Earp" ist "Tombstone" aber allemal.

BILD

Tombstone

Der neue anamorphe Widescreentransfer (2.35:1) basiert auf einer sehr guten Vorlage, die eigentlich kaum Altersspuren aufweist. Hier und da gibt es nur ein paar Bildpunkte zu sehen. Das Filmkorn ist allerdings in verschiedenen Szenen deutlich präsenter. Besonders die größeren Panorama-Aufnahmen zeigen einen größeren Antel an leichtem Rauschen. Dennoch ist die Schärfe insgesamt auf gutem Niveau. Die Nahaufnahmen wirken entsprechend plastisch und lassen auch kleinste Details erkennen. Der Kontrast ist allerdings etwas zu überhöht, so dass dunkle Bereich trotz HD-Auflösung gerne mal etwas absaufen. Die Farben sind allerdings entsprechend kräftig und geben die Farbpalette fast zu gut wieder. Hier fallen besonders die gut gewählten Kostüme auf, die vielleicht etwas neuer funkeln als nötig. Der Schwarzlevel ist ordentlich tief, aber aufgrund des hohen Kontrastes nicht ganz so detailreich. Die Kompression arbeitet sauber und zeigt keine weiteren Beeinträchtigungen des Bildes. Noch gut.

TON

Tombstone

Der DTS-Track klingt sehr homogen und verschmilzt Musik und Soundstage sehr ordentlich. Da "Tombstone" kein Film der großen Effekte ist, beschränkt sich die Surroundaktivität zumeist auf den musikalischen Einsatz oder die subtile ambiente Hintergrundkulisse. Bei den Saloon-Szenen sind so meist immer Stimmen und Geräusche in den Surroundkanälen vernehmbar, während auf die Straße die hektische Geschäftigkeit der Stadt von spielenden Kindern bis zum Pferdetrappel zu vernehmen ist. Erst bei den Schießereien erhält der Track ein wenig mehr Gewicht und lässt auch den Tiefbass dabei nicht außen vor. Die Dialoge sitzen gut verständlich im Centerkanal. Beim deutschen Track sind die Stimmen aber wieder etwas deutlicher in den Vordergrund gemischt. Störende Überlappungen oder Aussetzer konnten nicht festgestellt werden. Gut.

EXTRAS

Bei den Extras beschränkt sich die Blu-Ray auf das bereits veröffentlichte originale "Making of", das einen soliden Blick hinter die Kulissen wirft. Besonders die Akteure betonen hier, dass Sie sich freuen, in einem authentischen Western mit großer Ensemble-Besetzung zu spielen. Über die schwierigen Produktionsbedingungen und die Querelen mit dem Studio und dem Regisseur wird allerdings kein Wort verloren.
Zusätzlich sind noch eine Bildergalerie mit Storyboards und die Trailer zum Film enthalten.

FAZIT

In der kurzen Renaissance der klassischen Western zu Beginn der 90-er Jahre sticht "Tombstone" mit einer irrsinnigen Besetzung und einer akkuraten Ausstattung hervor. Detailverliebt wird der amerikanische Western zelebriert, aber die Dramaturgie darüber leider im Straßenstaub vergessen. Die Technik der Disney-Scheibe ist solide und liefert einen filmartigen Transfer. An Bord ist allerdings nur die Kinofaasung des Films sowie die bekannten DVD-Extras.



Kay Pinno


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