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Auto Focus   

Auto Focus
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Original: Auto Focus   (USA, 2003)
Laufzeit: 101 Minuten (PAL)
Studio: Columbia Tristar
Regie: Paul Schrader
Darsteller: Greg Kinnear, Willem Dafoe, Rita Wilson, Maria Bello, Ron Leibman u.v.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Extras: 3 Kommentare, Making of, entf. Szenen u.m.
Preis: ca. 25 €
Wertung: 1 / 1- / 1 (Bild/Ton/Extras)


"Video killed the T.V.-Star!"

Mit den Abgründen hinter der Fassade des einstigen TV-Stars Bob Crane (Colonel Hogan aus “Ein Käfig voller Helden”) beschäftigt sich Paul Schraders neuer Film “Auto Focus”. Das Interesse an dem wahren Leben von Prominenten nimmt einfach nicht ab. Die schmutzigen wie oft banalen Skandale hinter den glatten Oberflächen der Superstars scheinen eine besondere Faszination zu besitzen. Wie sich eine solche verhängisvolle Affäre entwickeln kann, schildert Paul Schrader eindrucksvoll in “Auto Focus”. Der Film folgt der wahren Lebensgeschichte des Schauspielers Bob Crane (Greg Kinnear), der in den 60-er Jahren durch die TV-Serie “Ein Käfig voller Helden” (zur Zeit wieder auf Kabel 1 zu sehen!) zu einem Star wird. Seine geheime Leidenschaft für Erotik-Magazine und Fotografie bekommt durch die Bekanntschaft mit dem Hifi- und Video-Experten John Carpenter (Willem Dafoe) eine ganz neue Dimension. Carpenter erkennt das Party-Potential von Crane, der durch seinen Ruhm äußerst anziehend auf die Frauen wirkt. Gemeinsam beginnen sie nach Drehschluss Sex-Partys zu organisieren. Tagsüber verbleibt Bob Crane allerdings ein liebevoller Familienvater. Mit der Zeit verstricken sich die Sexabhängigen jedoch immer tiefer in ihre nächtlichen Eskapaden. Dabei läuft bald immer öfter die Videokamera mit. Das wunderbar subtile Spiel von Greg Kinnear und Willem Dafoe lässt den Zuschauer oft erschauern. Wenn Dafoe als berechnender wie unsicherer Verlierer seiner Trumpfkarte Crane widerwillig den Vortritt bei den Damen lässt, bleibt ein ekelhaftes Gefühl zwischen Mitleid und Abscheu zurück. Auch Kinnear skizziert den Abstieg des eigentlich sympathischen TV-Stars tragisch. Unfähig sein Sucht-Problem zu erkennen, grenzt er sich immer weiter von der Gesellschaft und seiner Familie ab. Schließlich werden bei ihm durch das Medium Video sogar die Frauen überflüssig. Der Sex kommt jetzt direkt vom Videoband. Schrader bringt für das schwierige Thema die richtige Portion Ambivalenz auf die Leinwand. Zu leicht wäre es doch, den Prominenten einfach als dekadenten Wüstling zu verurteilen. Bob Crane wird jedoch gleichzeitig als Opfer und Täter dargestellt. Das Ergebnis ist ein gelungen düsterer Abstieg in die verfängliche Welt hinter dem Starruhm und einer kranken Freundschaft, die nur auf Abhängigkeit basiert.

BILD

Auto Focus

Das Bild von “Auto Focus” ist wirklich enorm gut. Die anamorphe Vorlage (1.85:1) ist entsprechend des jungen Alters von bester Qualität und hat überhaupt keine analogen Rückstande seines Filmmaterials. Spratzer und Dreckspuren sucht man vergeblich. Die Schärfe ist dem Titel entsprechend immer oben auf und auch der sonst bei Columbia-Titeln immer gern angezogene Kontrast gibt sich hier ausnahmsweise recht ausgewogen. Sehr detailreich und mit kräftigen Farben zeigt der Transfer, wie ein Film auf DVD aussehen sollte. Der Schwarzlevel ist ebenfalls sehr tief aber trotzdem extrem detailreich. Dies ist besonders in den dunkleren Nachtclub- und Partyszenerien zu sehen, die wirklich nichts verbergen. Die Kompression ist tadellos und sorgt für einen stabilen Filmgenuss ohne Artefakte oder Blockrauschen. Sehr gut!

TON

Auto Focus

Diesmal macht die Musik den Ton: da der Film keine Actionszenen für exzessiven Surroundsound bietet haben sich die Soundmischer voll und ganz auf die Musik und die Atmosphäre von “Auto Focus” konzentriert. Das Ergebnis kann sich mehr als hören lassen. Die zahlreichen mehr oder minder bekannten Musikstücke haben eine sehr gute Dynamik und die Jazz-Nummern werden mit ordentlich viel Bass versetzt. Hier fühlt man sich schon fast selbst bei den Partys von Bob und Carpie anwesend. Ansonsten werden die Surroundkanäle für atmosphärische Untermalung genutzt. Die Dialoge sind fest im Center stationiert und immer gut verständlich. Störende Überlappungen zwischen Dialog, Sound und Musik gibt es nicht. Ein echter Referenztrack für musikgetriebene Dramen ohen große Actionszenen.

EXTRAS

Gleich drei Audiokommentare wurden zum laufenden Film auf die DVD gepackt. Auf Track Nr.1 spricht Regisseur Paul Schraders sehr ausführlich über alle Details des Films. Mit zahlreichen biographischen Verweisen auf Bob Crane gibt Schrader Auskunft über seinen Ansatz zum Film und auch die Veränderungen die er vorgenommen hat. Ebenfalls mit ausreichend technischen Details über die Produktion versehen bleibt in diesem Track kein Detail unangesprochen. Da erfährt man sogar, das Greg Kinnear im Film sogar Bob Cranes originale Lederjacke aus “Ein Käfig voller Helden” trägt, die vor Crane schon Frank Sinatra im Film “Von Ryan’s Express” gute Dienste geleistet hat. Ein wirklich erschöpfender Track, wie man ihn sich sicherlich von jedem Regisseur wünschen würde. Der zweite Kommentar wird von Drehbuchautor Michael Gerbosi und den Produzenten Scott Alexander und Larry Karaszewski gesprochen. Hier wird weniger Bildspezifisch kommentiert als viel mehr über die komplette Entstehung eines “Independent Films” bei einem großen Studio erörtert. Gerbosi erzählt dabei die wundersame Geschichte über die “zufällige” Entstehung des Drehbuchs und die thematischen Schwierigkeiten. Alexander und Karaszewski lassen deutlich die Produzentenkrampen ‘raushängen, aber können auch viele hübsche Anekdoten von der Vorproduktion beisteuern. Nur ganz wenige inhaltliche Infos werden hier von Schraders Track wiederholt. Wer jetzt schon glaubt genug zu haben sollte sich nochmals ordentlich anschnallen. Auf Track Nr.3 lassen sich Greg Kinnear und Willem Dafoe über ihre Darstellung und das Leben von Bob Crane aus. Beiden merkt man deutlich an, dass sie die Arbeit an dem Film genossen haben. Fast schon beunruhigend ist dabei besonders Dafoes bekundende Nähe zu der Figur von John Carpenter. Obwohl Audiokommentare von Schauspielern oft oberflächliche Blödeleien sind, kann dieser Track wirklich alle Wünsche erfüllen. Kinnear gibt fast Bob-Crane-mäßig den spaßigen Moderator, der Dafoe auch mal mit Fragen fordert. Beide spielen sich die Bälle wunderbar zu und heben zahlreiche kleine Details im Film hervor. Ausgewogener und ausführlicher wie diese kommen Audiokommentare selten daher. Großartig.

Die größte Überraschung ist allerdings die fast einstündige Dokumentation über den Tod und die anschließenden Ermittlungen im Fall “Bob Crane”. Mit teilweise graphischen Material vom Tatort wird das komplette Verbrechen mit Interviews der beteiligten Ermittler, Freunden und Familie von Bob Crane beleuchtet. Diese ausführliche Dokumentation ist ein echter Schatz und sollte von niemanden verpasst werden, der “Auto Focus” gesehen hat. Hoch interessant und spannend. Das “Making of” ist sage und schreibe nur schlappe acht Minuten lang. Dafür ist in diesem kompakten Fitzelchen wirklich die Essenz des Films zusammengefasst. Hier lassen sich Schauspieler und Regisseur ohne viel PR-Geschwatze über ihren Film aus. Wirklich kontrovers wie im Film selbst äußern sich die Macher hier aber auch nicht. Neben dem Trailer gibt es noch fünf geschnittene Szenen mit optionalem Kommentar von Paul Schrader zu sehen. Erwähnenswert ist dabei nur die alternative Eröffnungssequenz des Films, die Schrader aus verständlichen Gründen (im Kommentar zu hören) entfernt hat.

FAZIT

Mit dieser Scheibe ist Columbia ein schönes Meisterstück gelungen. Der kontroverse wie äußerst gelungene “Auto Focus” ist sicherlich der interessanteste biographische Film der letzten Jahre: ein liebevoll tragischer Blick hinter die Kulissen einer vergangenen Ära des US-Showbiz und der ebenso tragische Fall eines Stars. Massig perfekte Extras und die blitzsaubere Qualität in Bild und Ton machen diese DVD zu einem Pflichtkauf!!! Oberst Klink sagt: “Einsacken oder Barracken schrubben!”



Kay Pinno


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