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Astro Boy   

Astro Boy
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Original: Astro Boy   (USA / HK / Japan, 2009)
Laufzeit: ca. 94 min
Studio: Concorde HE
Regie: David Bowers
Darsteller: Nicolas Cage, Donald Sutherland, Freddie Highmore (Stimmen in der englischen Fassung)
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, Kurzfilme
Preis: ca. 15 Euro
Wertung: 1 / 2-/ 3+ (Bild/Ton/Extras)


"Was macht den Menschen zum Menschen?"

Um eines gleich vorweg zu nehmen. Ein perfekter Film ist "Astro Boy" nicht. Vor allem in Bezug auf die Kinderfiguren weist er einige Schwächen auf, die Kinder bleiben - von der Titelfigur abgesehen - recht konturlos und eindimensionale Charaktere, die einfach bestimmte Aufgaben erfüllen müssen. Da ist das Mädchen, für das sich Astro Boy interessiert, der nette Junge, mit dem er sich anfreundet, es wird gezeigt - guckt mal her, die Kinder übernehmen Verantwortung füreinander, wenn die Erwachsenen dazu nicht in der Lage sind. Thema fertig.

Doch trotz dieser Kritik gleich zu Beginn dieses Textes: "Astro Boy" ist ein sehr guter Film, der hoch interessant die Frage diskutiert: Wann ist ein Mensch ein Mensch.

Neu ist diese Frage nicht. Man denke an Chris Columbus' weithin unterschätztes Werk "Der 200-Jahre-Mann", der in der Figur eines Roboters, der seine eigene Menschlichkeit entdeckt, aber nicht versteht, warum er von den Menschen nicht als ihresgleichen anerkannt wird? Auch Spielbergs gleichfalls unterschätztes Werk "A.I" stellt genau diese Frage und wie in "Astro Boy" ist es auch dort ein Kind (um genau zu sein ein Roboter-Kind) das nicht versteht, warum es von den Menschen nicht akzeptiert wird. Was macht den Menschen zum Menschen?
In Columbus' Film wird die Frage recht klar beantwortet: Der Roboter wird in dem Moment zum Menschen, in dem er sterblich wird und im Tod mit der Frau, die er geliebt hat, für immer zur Vereinigung gelangt. Spielberg hingegen verweigert sich einer klaren Antwort. Sein Film zeigt, dass letztlich eine fremde Macht vonnöten ist um den Jungen auf eine höhere Ebene seiner Existenz zu geleiten. Tatsächlich aber ist Spielbergs Finale die Inszenierung eines Todestraums, in dem sein Protagonist im Sterben die Fähigkeit des Träumens erlangt und somit eine Erlösung als Mensch findet.

"Astro Boy" geht anders an die Thematik heran, denn Tobi, der Protagonist - ist ein Mensch. Er ist ein Junge, der in einer perfekten, vom Rest der Menschheit abgeschotteten Gesellschaft lebt. Tobi ist ein Naseweiß, um ganz genau zu sein. Diese Unart kostet ihm schließlich auch das Leben. Wie? Sein Vater ist ein berühmter Wissenschaftler, der einen perfekten Roboter fürs Militär erschaffen soll. Heimlich schleicht sich Tobi in die Präsentation ein - die in einem Desaster endet. Der Junge wird vaporisiert, zurück bleibt ein einziges Haar. Sein Vater, vor Kummer dem Wahnsinn nahe, erschafft aus modernster Robotertechnologie einen Jungen, der Tobi bis aufs Haar gleicht - und aus eben jenem Haar transferiert er Tobis Persönlichkeit in den Roboter. Und so weiß Tobi nicht einmal, dass er ein Roboter ist. Erst nach und nach erkennt er seine Andersartigkeit. Und so wird aus dem Menschen ein Roboter - der sich die Frage stellt, ob seine Menschlichkeit nur ein Programm ist oder ein Teil seiner Persönlichkeit.

Auf der Suche nach seinem wahren Ich gerät Astro Boy in die Welt jenseits seiner perfekten Stadt und lernt Kinder kennen, die ohne Eltern und ohne eine gesichterte Zukunft ihr Leben meistern müssen. Anklänge an Oliver Twist sind in ihrer Welt nicht zufällig.

Es ist bedauerlich, dass "Astro Boy" ein Kinostart in Deutschland verwehrt blieb.

BILD

Astro Boy

Der Transfer ist natürlich hervorragend. Alles andere wäre bei einem aktuellen CGI-Film auch irgendwie seltsam. Also: Keine Blockbildungen, klare Farben, kein Ruckeln, alles ist genau so - wie es eben sein sollte. Selbst in der herkömmlichen Standardauflösung kann der Film deshalb auch auf DVD beeindrucken.

TON

Astro Boy

Der Sound ist nicht ganz so gelungen wie er sein könnte. Dies mag vor allem an der deutschen Synchro liegen. Nachdem eine Kinoauswertung vom Tisch war, hat man sich im Hause Concorde offenbar überlegt, nicht mehr allzu viel in den Film zu investieren. Schade eigentlich Der Sound ist okay, er ist gediegen, aber vor allem bei den großen Actionszenen bleibt ein "Loch im Ohr". All das, was man hört, könnte noch mehr scheppern und krachen. Es fehlt der letzte Feinschliff.

EXTRAS

Neben dem Making of, das nicht allzu viel aufregende Dinge verrät, gibt es noch zwei kurze Kurzfilme. Ja, kurze Kurzfilme, denn zumindest einer ist kaum mehr als eine Minute lang. Darin tauchen drei kommunistische Roboter auf (von denen einer ein sprechender Kühlschrank ist), die ein neues Mitglied anwerben. Die drei sympathischen Freunde des Marxismus spielen auch im Film eine kleine Rolle. Diesem netten Kleinod steht ein etwas längerer Ride gegenüber, der von einem Kampf von Astro Boy und seinen Freunden gegen Schrottpiraten berichtet. Der Film ist nett anzuschauen, es drängt sich jedoch der Gedanke auf, dass das kurze Werk in Wahrheit eine aus dem Film geschnittene Szene darstellt. Wer weiß...

Was fehlt ist eine Geschichte des klassischen Astro Boys, gerade in einem Land wie Deutschland ist die Figur, die auf einem erstmals 1952 (!) erschienenen Manga basiert, de facto unbekannt; sicher auch ein Grund dafür, warum der Verleiher auf einen Kinostart verzichtet hat.

FAZIT

"Astro Boy" ist ein schöner CGI-Film vor allem für SciFi-Freunde. Kein perfekter Film, aber doch ein Film mit einer bemerkenswerten Hauptfigur. Ein Blick kann da nicht schaden.



Christian Lukas


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