DVDrome - das Blu-Ray und DVD Online-Magazin

REVIEWS



100 Million BC   

100 Million BC
    Kaufen bei Amazon
Original: 100.000.000 BC   (USA, 2008)
Laufzeit: ca. 80 Min. (PAL)
Studio: Hamburger Medienhaus
Regie: Louie Myman (Pseudonym des Regisseurs Griff Furst)
Darsteller: Michael Gross, Christopher Atkins, Greg Evigan, Marie Westbrook
Format: 1.33:1 (16:9)
Ton: DD 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: ---
Extras: Making of, Blooper Reel, Deleted Scenes
Preis: ca. 10 Euro
Wertung: 4 / 3 / 3 (Bild/Ton/Extras)


"Zeitlos zahnlose Saurier"

Man nehme einen Titel, der so ähnlich klingt wie der eines potenziellen Blockbusters, dazu ein Cover, das ebenfalls ein Megawerk erwarten lässt, schreibe die Namen der Akteure nicht allzu groß aufs Cover und verspreche im Rückseitentext mindestens einen neuen "Avatar": Wie nennt man dann einen solchen Film? Einen Mockbuster.
The Asylum, eine rührige kleine Produktionsklitsche aus den USA, hat sich in den letzten Jahren als Meister des Mockbusters - Fangemeinde inklusive - am Markt etabliert. Mit Filmen wie "Snakes on a Train", "Alien vs. Hunter" oder "I Am Omega" haben sie so manchen DVD-Freund verzückt oder verärgert (man schaue sich einmal Amazon-Nutzerkommentare an und wundere sich darüber, wie viele Käufer auf die Schwindeltitel hereinfallen...).

"100 Million BC" ist natürlich eine Anspielung auf Roland Emmerichs "10.000 BC". Außer dem Titel allerdings haben beide Filme nun überhaupt nichts miteinander zu tun. Abgesehen davon, dass sie beide nicht wirklich gut sind. Allerdings scheitert Emmerich auf einem weitaus höherem Niveau.

Natürlich sind die Filme aus dem Hause The Asylum Trash. Das wissen auch die Macher der Filme, die auf ihrer Firmenhomepage mit Humor die eigenen Werke kommentieren. Allerdings - und das macht die Geschichte so tragisch - steckt in vielen Filmen von The Asylum durchaus Herzblut und Talent. Wie auch in "100 Millionen BC", der mit Michael Gross immerhin einen wirklich tollen Hauptdarsteller verpflichten konnte. Dessen Karriere mag zwar inzwischen im C-Filmgefilde angekommen sein: Seine Darstellung des Redneck-Waffennarrs Burt Gummer in den "Tremors"-Filmen jedoch hat ihm einen warmen Platz in den Herzen aller Monsterfilmfans reserviert. Daher freut man sich einfach als Fan ihn zu sehen und denkt nicht darüber nach, warum er sich für Billigfilme wie diesen hergibt...

Und es ist leider ein Hergeben, denn "100 Millionen BC" scheitert an seinen Darstellern, dem Schnitt, den Effekten und der Spannung. Nicht unbedingt am Drehbuch, das zumindest einige Zeit lang durchaus Interesse generiert. Zwar ist die Geschichte so hohl, dass sie sogar in Milch schwimmt, aber innerhalb ihres eigenen kleinen Filmkosmos funktioniert sie einige Zeit lang.
Michael Gross ist Dr. Frank Reno, ein (Pressetext:) ... "Wissenschaftler des erfolglosen Philadelphia-Experiments, [der]eine Mannschaft der Navy-Seals zurück in die Kreideperiode [versetzt], um die erste Mannschaft zu retten, die er während der 40er Jahre dorthin sendete. Die Dinge gehen drunter und drüber und da wundert es den Zuschauer nicht, dass die Männer bei ihrer Rückkehr einen riesigen menschenfressenden Dinosaurier mitbringen. Dieser folgte ihnen durch das Zeit-Portal zurück in die moderne Welt, mitten in die Innenstadt von Los Angeles. Die wilde Flucht vor dem urzeitlichen Giganten beginnt."

Gut. Also - um ein Zeitparadoxon zu vermeiden werden Zeitreisende vorsichtshalber in eine Zeit der Geschichte gesandt, wo sie nicht versehentlich, sagen wir Dschingis Khan zum Friedensfürsten missionieren, bevor der seine Eroberungen beginnt. Wohin schickt man diese Leute? Zu den Sauriern. Dort können sie wenig Schaden anrichten und höchstens von einem Saurier gefressen werden. Macht nix, irgendwann schlägt ein Meteor ein und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Das ist okay, da gibt es noch blödere Geschichten. Und dass die zweite Mission erst 60 Jahre später stattfinden kann, es aber nicht möglich ist einfach ins Startjahr 49 zu reisen, um den Jungs und Mädels zu sagen: Das mit der Zeitreise ist jetzt wirklich eine dumme Idee -auch gut. Nehmen wir all dies einfach hin. Da stellt sich dann doch die Frage - warum die Zeitreisenden aus dem Jahr 1949 allesamt moderne Frisuren haben und darüber hinaus Tierfelle tragen. Tierfelle in einer Zeit, in der die größten Säuger etwa so groß wie Mäuse waren... Ach ja: die Zeitreisende sitzen sechs Jahre in der Saurierzeit fest, sind aber alle bestens rasiert (ja, auch die Damen haben wunderbar glatte Beine...). Es sind diese Dinge, die den Genrefan mehr ärgern als der humbugstigste Technobabble, mit dem Autoren Pseudoerklärungen für das Geschehen in ihren Geschichten liefern.
Dass dann der Schnitt erbärmlich ausfällt, ist eine Sache. Dass aber teilweise Unschärfen eingesetzt werden müssen, um die schlechten Effekte zu überdecken, das ist schon ein Knüller.
Und dass die Saurier-Effekte aussehen als wären sie auf einem Heimcomputer 1993 entstanden... Was hat dieser Film gekostet? The Asylum produziert kostengünstig. Aber dass heute selbst für moderate Budgets Wahnsinnseffekte generiert werden können, beweist eine britische Serie wie "Primeval", deren Geschichten zwar auch nicht gerade vor Logik strotzen, die aber einfach gut aussieht. Klar, gute Effekte kosten Geld. Aber längst nicht mehr so viel wie noch vor Jahren. Ein bisschen mehr Geld für Effekte, ein bisschen Geld für einen Drehbuchlektor - und dieser Film hätte Spaß machen können. Hätte, wie gesagt...

BILD

100 Million BC

Der ist miserabel, auch wenn das Ausgangsmaterial kaum besser ausfallen dürfte. Die Farben sind blass, bei den Nachtszenen kommt es zu massiven Blockbildungen, schnelle Bewegungen hinterlassen außerdem Verwischungen. Wie der Filme ist auch der Transfer höchstens c-klassig.

TON

100 Million BC

Der Sound ist ein zweischneidiges Ding. Der amerikanische Originalton ist okay. Zwar kommt nicht einmal so etwas wie ein echtes Raumgefühl auf, aber immerhin kommen die Stimme klar rüber und alles in allem lässt sich der Ton, mit etwas gutem Willen, als sauber bezeichnen. Etwas leise vielleicht, aber ohne störende Nebengeräusche, ohne Spratzer. Immerhin. Die deutsche Tonspur hingegen... Na ja, einerseits hat sie mehr Wumms. Andererseits klingen sämtliche Dialoge unglaublich kühl nach Studio. Dass dann auchh noch die Synchro nicht immer lippensynchron ausfällt...

EXTRAS

Immerhin die können sich sehen lassen. Da gibt es Berichte über die Effekte, eine Blooper Reel, sogar geschnittene Szenen. Das ist wirklich ordentlich für einen solch kleinen Film, der Enthusiasmus der Filmemacher ist sogar so spürbar, dass man ihnen am liebsten die Lebenszeit, die man beim Anschauen dieses Filmes verloren hat, verzeihen möchte. Aber Extras heißen Extras, weil sie ein Extra sind. So! Am Ende zählt der Film...

Übrigens: Auf dem Cover der DVD prangt fett ein rotes 18-er-Siegel. Inzwischen gibt es diesen Film aber auch als Double-Feature mit dem Apokalypse-C-Reißer "2010: Doomsday" (nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls aus dem Hause The Asylum stammenden Mockbuster "2012: Supernova", der noch einen Tick schlechter ausfällt als "100 Millionen BC", da er zwischendurch auch noch fürchterlich langweilt). Im Double-Feature ist "100 Million BC" plötzlich ab 16 freigegeben. Etwa zensiert? Mitnichten. Tatsächlich hat "100 Million BC" wohl sogar eine 12-er-Freigabe erhalten. Was für einen Saurier-frisst-Zeitreisende-Film keine gute Werbung darstellt. Tatsächlich fallen die Fresseffekte so schlecht aus, dass jede Küchenmessersetwerbung auf irgend einem Homeshopping-Kanal gefährlicher wirkt. Man hat beim Verleiher wohl eher schnell ein paar 18-er-Trailer auf die DVD gepackt, um das rote Siegel verkaufsfördernd aufs Cover setzen zu können...

FAZIT

Es gibt schlechte Filme, die richtig Spaß machen. Und es gibt schlechte Filme, die einfach nur schlecht sind. Dieser gehört leider zur zweiten Kategorie.



Christian Lukas


Folge uns auf

DVDrome auf Facebook DVDrome auf Twitter DVDrome auf Google+ RSS-Feed DVDrome