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Battlestar Galactica: The Plan   

Battlestar Galactica: The Plan
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Original: Battlestar Galactica: The Plan   (USA / Kanada, 2009)
Laufzeit: ca. 112 Min. (PAL)
Studio: Universal HE
Regie: Edward James Olmos
Darsteller: Dean Stockwell, Edward James Olmos, Tricia Helfer, Michael Trucco
Format: 1,78:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Making of
Preis: ca. 15 Euro
Wertung: 2-/ 2 / 2 (Bild/Ton/Extras)


"Ein perfekter Anschluss"

Um eines gleich vorweg zu nehmen: Der folgende Text ist voller Spoiler. Nicht etwa kleiner Spoilerchen, in denen mal ein kleines Detailchen aus einer einzelnen Szene verraten wird, eine kleine Nuance vielleicht, die nach dem Lesen des Textes schon wieder dem Vergessen anheim fällt. Nein: Es werden elementare Handlungsmomente verraten. Wenn Sie also nichts über „The Plan“ oder die Auflösung der TV-Serie „Battlestar Galactica“ erfahren möchten, auf der „The Plan“ schließlich aufbaut: scrollen Sie nicht weiter und lesen Sie irgend eine andere Kritik im DVDrome.

Und?
Sie sind immer noch da?
Gut, dann lesen Sie weiter. Sagen Sie aber nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt.
Letzte Chance!

Sie haben es so gewollt.

„The Plan“ entstand im Anschluss an das Ende von „Battlestar Galactica“. Dieses Ende hat manch einen Zuschauer irritiert. All die Geschehnisse – waren nur eine Art göttlicher Plan? Ein ewiges Spiel, in dem der Mensch (oder die von ihnen geschaffenen Kreaturen) am Ende einer Vernichtung anheim fallen, um danach quasi wieder von vorne zu beginnen? Ein ewiger Kreislauf?
Viele Fans entzückte dieses Ende, es wurde von ihnen frenetisch als das gewagteste, jedoch im Kontext der Reihe betrachtet letztlich konsequenteste Ende bejubelt, das die Macher ihnen schenken konnten. Andere Fans hingegen ärgerten sich über vier Jahre vertane Zeit, in der sie auch Gras beim Wachsen hätten zuschauen können. Ja, ob man das Ende der Serie mag oder nicht: Kalt lassen kann es niemanden.
In einem Punkt aber hat die Serie einfach kein Ende gefunden: Welchen Plan verdammt haben die Zylonen eigentlich verfolgt? Zur Erinnerung: Am Anfang der Serie steht ein Ende. Die Zylonen, von Menschenhand erschaffene Maschinen, erklären ihren Schöpfern den Krieg und vernichten die zwölf Kolonien der Menschheit. Jedoch ein Kriegsschiff, die alte Galactica, entkommt dem Genozid und sammelt (anfangs) um die 50.000 Überlebenden um sich – um einen sagenhaften dreizehnten Planeten zu suchen: Die Erde.
Währenddessen, hieß es stets im Vorspann der Serie, verfolgten die Zylonen einen Plan. Nur welchen?
Im Making of zur letzten TV-Serienstaffel gibt Produzent Ron Moore ungewöhnlich offen zu, dass er diesen Spruch – „Und sie haben einen Plan“ – von Anfang an ziemlich dämlich fand und ihm nur seines Kompagnons David Eick zuliebe zugestimmt habe. Nur: David Eick selbst war sich des Plans offenbar nicht hinlänglich sicher – weshalb viele Fragen in Bezug auf den mysteriösen Plan offen blieben. Zum Ärger für die Fans.
Was also haben Moore und Eick getan?
Sie haben nach dem Ende der Serie tatsächlich einen erklärenden Spielfilm produziert, der von Hauptdarsteller Edward James Olmos inszeniert wurde. Und der Mann kennt die Serie – weshalb es ihm tatsächlich gelungen ist einen Film auf Digitalkamera zu bannen, der erklärt, welches Ziel die Zylonen tatsächlich mal verfolgt haben. Wobei „die“ Zylonen falsch ist. Hinter dem Plan nämlich steht: John Cavil (Dean Stockwell). Er ist das erste menschliche Zylonenmodel, das seinerseits von den ersten Fünf erschaffen wurde. Bereits in der Serie erfuhren die Zuschauer, dass Nummer Eins, wie er sich lieber nennen lässt (seinen Namen John erfahren wir erst in einer der letzten Episoden), Stolz auf sein Dasein als Maschine ist. Im Gegensatz zu anderen – menschlichen – Zylonenmodellen, die schließlich gar gegen ihn rebellieren, ist John ein kühler Denker. Zumindest glaubt er das. Tatsächlich ist er von Hass zerfressen. Hass auf seine Erschaffer, die ihn in Form eines Menschen schwach machten, die ihn alt werden ließen, die ihn all der ewigen Fähigkeiten beraubten, die einer perfekten Maschine zustehen. Im Gegensatz zu anderen – menschlichen – Zylonenmodellen, die an die Existenz eines einzigen Gottes glauben, ist John Atheist. Doch selbst diesbezüglich ist er sich selbst gegenüber nicht ehrlich. Unter den Menschen lebt er getarnt die Existenz eines Priesters. Letztlich glaubt auch er an einen ewigen Kreislauf von Geburt und Zerstörung – woraus sich sein Plan ergibt, diesen Kreislauf zu durchbrechen, ihn zu beenden und ihn für eine Seite, in diesem Fall für die Zylonen – zu entscheiden. Und so beginnt der Genozid. Ohne die Spezis Mensch: kein Kreislauf.
Johns Problem: Mehrere Zylonenmodelle, die getarnt unter den Menschen leben, beginnen ihr Tun zu hinterfragen. Zu spät vielleicht, denn den Genozid verhindern sie nicht. Aber sie erkennen die furchtbare Tragweite dessen, was sie getan haben, da sie Gefühle entwickeln, die ihnen, den Maschinen, fremd sein müssten: Liebe, Hass, Mitleid.

So, und wenn Sie sich nun über all die Spoiler ärgern: Wir haben Sie vorher gewarnt!

BILD

Battlestar Galactica: The Plan

Wie schon die Serie entstand auch der Spielfilm mit einer Sony F900-HDCAM-Kamera. Was sehr ungewöhnlich ist: Die Farbkorrektur wurde (wie bei der Serie auch) bereits während des Drehs und nicht erst später im Studio vorgenommen. Diese ungewöhnliche Technik verleiht auch "The Plan" einen gewollt verwaschenen, düsteren Look, die leichte Grobkörnigkeit lässt das Bild dokumentarisch erscheinen. All das kommt auf DVD hervorragend rüber, allerdings kommt es bei sehr dunklen Einstellungen zu leichten Blockbildungen.

TON

Battlestar Galactica: The Plan

Der gesamte Sound wirkt sehr natürlich. Die Serienmacher haben nie viel Wert auf besonders fein ausgefeilte Soundeffekte gelegt. Eine echte Explosion folgt nun einmal keiner ausgefeilten Sounddramaturgie. Und die Sounddramaturgie der Serie ist letztlich darauf angelegt, möglichst authentisch zu klingen. Das ist auf im Fall von "The Plan" nicht anders. Die deutsche Synchro spielt da mit, die Stimmen klingen in der deutschen Fassung darüber hinaus viel klarer (nicht aber künstlicher).

EXTRAS

Da wird natürlich über den Planungsprozess gesprochen, viele Entstehungsdetails der Geschichte werden offenbart, einzig fehlt Produzent Ron Moores Bemerkung über den gar nicht vorhandenen Plan (der stammt aus den Extras zur DVD-Staffel 4.2). In Bezug auf die Deleted Scenes muss man vor Edward James Olmos den Hut ziehen. Er hat die vielleicht aufwendigste, größte Actionszene des Filmes - nicht verwendet. Und tatsächlich: So spektakulär sie auch ausgefallen wäre: Sie hätte am Ende gar nicht in den fertigen Film gepasst. Manch ein Inszenator hätte sich wohl von der Dynamik, die in ihr liegt, mitreißen lassen.

FAZIT

„The Plan“ ist tatsächlich eine gelungene Ergänzung zur Serie. Zwar wirkt die Geschichte hier und da etwas simpel – aber wer hat eigentlich bestimmt, dass Pläne stets verzwickt und kompliziert sein müssen? Wirklich brillant ist der Schnitt des Spielfilmes, dessen Handlung mit der Zerstörung der Kolonien beginnt und einen Zeitraum von etwa neun Monaten umfasst. Tatsächlich besteht „The Plan“ aus bereits bekannten Szenen aus der Serie, in die nun neue Spielszenen eingestreut wurden. Und alles sieht aus, als wäre all dies in einem Guss entstanden, als habe man beim Seriendreh gleich noch Zusatzszenen für diesen Spielfilm inszeniert. Das ist wirklich gelungen, es gibt keine Continuity-Brüche. Für Fans eine unverzichtbare Ergänzung zur Serie.



Christian Lukas


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