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Centurion   (BLU-RAY)

Centurion
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Original: Centurion   (England, 2010)
Laufzeit: 97 Min. 1080p
Studio: Constantin / Highlight
Regie: Neil Marshall
Darsteller: Michael Fassbender, Dominic West, David Morrisey, Olga Kurylenko, Paul Freeman, Liam Cunningham u.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Making of, Interviews, geschnittene Szenen
Preis: ca. 19 €
Wertung: 2+/ 2 / 3 (Bild/Ton/Extras)


"Kalte Schlachtplatte"

Der britische Regisseur Neil Marshall ("The Descent") behauptet sich auch weiterhin als solider Pfeiler im B-Film-Genre und wechselt mit "Centurion" ins Sandalen-Fach. Bereits in seinem Vorgänger "Doomsday" nahm sich Marshall bereits mittelalterlicher Schwert-und-Schmackes-Motive an, die er diesmal voll auskosten kann.
Als Grundlage für "Centurion" dient ihm der reale Mythos der im 2. Jahrhhundert in Britannien verschwunden 9. römischen Legion. Die keltischen Inselbewohner waren seit jeher ein aufrührerisches Volk, für das Rom gleich drei statt der üblichen einen Legion abstellte. Doch die Guerilla-Angriffe der wilden Pikten an der nördlichen Grenze nahmen immer mehr zu, so dass, wenigstens in einem Szenario, die 9. Legion entsandt und schließlich aufgerieben wurde.
Ohne viel dramatisches Fett liefert Marshall seine Legionäre dem Untergang aus und lässt den Zuschauer am atavistischen Treiben teilhaben. Aus der Sicht des zunächst von den Pikten entführten Zenturios Quintus Dias (Michael Fassbender) wird der Untergang der römischen Kampfmaschinerie verfolgt.
Auf der Flucht vor seinen Verfolgern gelangt Dias zu der nach Norden marschierenden Legion unter der Führung von General Titus Flavius Virilus (Dominic West). Doch die Truppe gerät in einen Hinterhalt und wird von den piktischen Angreifern brutal niedergemäht. Trotz einer teilweise recht hektischen Schnittweise liefert Marshall hier gewaltige Bilder ab, die man trotz zahlreicher Schlachtenepen so noch nicht gesehen hat. Zudem hält sich an der Effektfront die Mischung aus CGI-Blut und praktischem Effekt gut die Waage, so dass dem martialischen Treiben die richtige Wucht zukommt, die sie verdient. Die Überlebenden des Gemetzels müssen feststellen, dass ihr General von den Pikten entführt wurde. Gemeinsam bricht man zu einer wahnwitzigen Rettungsaktion im Feindesland auf.
Zwischen militärischen Männerritualen, Pflichterfüllungswahn und dem vergeblichem Streben nach Ruhm und Ehre, wird das römische Soldatentum sowohl zelebriert als auch zerlegt. Kurzum: John Milius hätte geweint. Dennoch geht Neil Marshall hier nicht weit genug. Noch härter, unbarmherziger und dreckiger hätte das Leben der römischen Frontschweine dargestellt werden müssen. Immerhin geben die knappen Off-Kommentare von Fassbenders Quintus einen guten Einblick in den sich wandelnden Geist des Römers auf der Selbstmord-Mission. Trotz einer starken Ensemble-Besetzung (u.a. Liam Cunningham und David Morrissey) kommt Marshalls zehn kleine Römerlein Mission nicht über den offensichtlichen Überlebenskampf hinaus. Hier hätte man sich doch mehr eine chaotische Kriegs-Odyssee im Stil von "Apocalypse Now" gewünscht, die ein wenig mehr hinter den Wahnsinn des Krieges führt. Auch die Pikten bleiben trotz auffälliger Kriegsbemalung eher blass. Starke Auftritte haben nur Ulrich Thomsen als Pikten-König Gorlacon und Olga Kurylenko als Pikten-Termintrix mit Maskara-Problemen. Wer sich mit dem weitestgehend überraschungsfreien, geradlinigem Plot anfreunden kann, bekommt mit "Centurion" eine solide Schlachtplatte serviert. Schade nur, dass der Film auch deutlich mehr Potential gehabt hätte.

BILD

Centurion

Der anamorphe HD-Transfer sieht fantastisch aus. Hoch detailliert und mit einem sehr guten Kontrast ausgestattet zeigt sich die gute Schärfe vor allem in den zahlreichen Panorama-Landschaftsaufnahmen, die schon fast 3D-Qualitäten besitzen. Die Farben sind kräftig , aber nicht überbetont und liefern eine korrekte Palette, die dem erdigen Grundton der Bilder des Films entspricht. Der Schwarzlevel ist sehr tief aber trotzdem sehr detailreich. In einigen Szenen ist das Filmkorn ein wenig deutlicher zu erkennen, ohne allerdings störend zu wirken. Dies verleiht dem Transfer eine filmartige Qualität. Die Kompression ist sauber und liefert ein stabiles und artefaktfreies Bild. Gut.

TON

Centurion

Der DTS-HD 5.1 Sound ist rundherum gelungen. Musik und Soundeffekte fügen sich zu einem homgenen Ganzen zusammen. Auch die Kampfszenen sind hochdetailliert in der Soundstage aufgeteilt. Schwerterklänge, Kamnpfschreie und Pferdegetrappel lassen sich jederzeit gut verorten. Auch die atmosphärischen Landschaftsgeräusche sorgen für einen ordentlichen Background. Die Dialoge sitzen weitestgehend fest im Centerkanal und sind immer gut verständlich. Störende Überlappungen oder Aussetzer konnten nicht festgestellt werden. Gut.

EXTRAS

Die Extras auf der Scheibe fallen leider nicht sehr üppig aus. Ein "Blick hinter die Kulissen" (ca. 12 Min.) zeigt die Strapazen der Crew an den weit entlegenen Drehorten und welches Training die Schauspieler durchlaufen mussten. Die sechs separaten Interviews mit den Filmemachern sind teilweise bereits in der Featurette (ca. 4 Min.) zu sehen, aber sind hier noch einmal in etwas langer Form vorhanden.
Wirklich interessant sind die geschnittenen Szenen. Warum die knapp zehn Minuten entfernt wurden ist wahrlich schleierhaft, da hier interessante Randinformationen und mehr Atmosphäre geliefert wird. U.a. gibt es hier Guerilla-Angriffe auf die lagernde 9. Legion und den eigentlichen Hintergrund, warum ausgerechnet die 9. Legion entsandt wird, zu sehen. Vielleicht gibt es ja auch von "Centurion" mal eine Extended Version, die diese Szenen wieder in den Film integriert.
Ein paar unspektakuläre Outtakes (ca. 6 Min.) und ein Trailer beschließen das Bonusprogramm auf der Scheibe.

FAZIT

Nach "Doomsday" liefert Neil Marshall mit "Centurion" wieder eigenständige Unterhaltungsware auf solidem Niveau ab. Trotz seiner geradlinigen Geschichte weiß der Film mit einer großen Portion Atmosphäre und Action zu überzeugen. Die Blu-Ray von Constantin liefert dazu technische Brillanz und eine wirklich gelungene deutsche Synchronisation. Neben der HBO-Serie "Rom" kommt "Centurion" dem atavistischen Geist von John Milius am nächsten. Empfohlen.



Kay Pinno


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