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Crossfire   

Crossfire
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Original: Les Insoumis   (Frankreich, 2008)
Laufzeit: ca. 100 Min. (PAL)
Studio: Koch Media
Regie: Claude-Michel Rome
Darsteller: Richard Berry, Pascal Elbé, Zabou Breitman
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 5.1 Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of
Preis: ca. 13 Euro
Wertung: 2 / 2-/ 2- (Bild/Ton/Extras)


"Mehr 'ach' als Krach"

Dass französische Thriller zurzeit eine Klasse für sich darstellen, beweisen Filme wie etwa „MR 73“ mit einem überragenden Daniel Auteuil in der Hauptrolle. Oder „Ohne Schuld“, ein kleiner, aber feiner Film über einen Ehemann, einem harmlosen Lehrer, der sich dazu entschließt, seine unschuldig im Gefängnis einsitzende Frau zu befreien und diese Befreiung minutiös plant. Beides sind vergleichsweise kleine Filme, die von ihren Hauptfiguren leben. Auf der anderen Seite gibt es die Euro-Actionfilme eines Luc Besson, wo es vor allem um den Effekt geht, die Schauwerte, den Rumms wie zuletzt etwas „From Paris With Love“, in dem John Travolta wild ballert, ohne Handlung – aber mit guter Laune seinen Weg durch die Seine-Metropole ballern durfte.
„Crossfire – Unter Beschuss“ versucht nun einen Mittelweg zu gehen – zwischen dem charakterbezogenen Kriminaldrama und dem Actionfilm. Nur will dieser Mittelweg nicht so ganz gelingen, denn letztlich scheitert die Geschichte daran, zu viel sein zu wollen, ein soziales Kriminaldrama und eben ein krachender Actionfilm. Dabei kann die Geschichte mit
Richard Berry einen veritablen Charaktermimen in der Hauptrolle vorweisen, der durchaus den Film zu tragen vermag. Richard Berry ist Vincent Drieu. Wir erfahren nicht, was ihm genau widerfahren ist, doch Richard ist mit seinen Nerven ziemlich am Ende. Gibt er nach Außen den besonnenen, stets überlegt handelnden Polizisten mit sozialer Ader, ist er auf der anderen Seiten süchtig nach Beruhigungspillen, ohne die er nicht einmal seine Hände ruhig halten kann. Vincent wird von Paris nach Marseille versetzt, das heißt irgendwo in der Peripherie, wo ausschließlich Einwanderer nach eigenen Regeln leben, die abgehängten, die nur noch über die Runden kommen wollen. Die Polizisten vor Ort schieben kaum mehr als einen Dienst nach Vorschrift. Ihr Revier soll eh in Kürze geschlossen werden. Allein Vincent verrichtet seine Arbeit – unbewaffnet! – aufrichtig, ehrlich, voller Verständnis für die Menschen. Und langsam aber sicher gelingt es ihm, einige der Beamten in seinen Bann zu ziehen, ihnen in gewisser Weise den Glauben an ihre Arbeit zurückzugeben. Dabei ist es vor allem ein an sich vollkommen unbedeutender Vorfall, der Vincent beschäftigt und der nach und nach auch die anderen Polizisten zu interessieren beginnt. Es handelt sich um ein gestohlenes Auto, das mitten im Viertel gefunden wurde. An sich ein Allerweltsdelikt, doch in einem Viertel wie dem, in dem Vincent arbeitet, ist ein Faktum bemerkenswert: Niemand hat dieses Auto angerührt. In einem Karre, wo von einem abgestellten Fahrrad nur die Klingel zurückbleiben würde – haben sämtliche Bewohner einen großen Bogen um dieses Gefährt gemacht. Ohne dies zu ahnen ist Vincent dem ehemaligen Fremdenlegionär und Gangster Vargas aus die Spur gekommen, der während einer Gefangenenüberführung befreit wurde, wobei mehrere Polizisten ihr Leben verloren. Und Vargas plant einen großen Coup.

Die Geschichte entwickelt sich langsam, etwas sprunghaft, aber nicht uninteressant. Die ruhige Art des Kommissars, seine Kollegen für sich zu gewinnen, durch Verständnis, durch Engagement und den einen oder anderen sanften Tritt in den Hintern, unterscheidet sich wohltuend von ähnlich gelagerten Hauruck-Geschichten. Auch das überraschend große Ende, mit einem fast fünfzehnminütigen Non-Stop-Action-Feuerwerk kann durchaus überzeugen. Nur gelingt es Regisseur Claude-Michel Rome nicht, die unterschiedlichen Ebenen, das investigative Momentum, den sensiblen Charakter Vincents und den fulminanten Showdown miteinander in einen Einklang zu bringen. Immer wieder stolpert die Geschichte von einem Handlungsmoment zum nächsten, allein Richard Berry wirkt wie eine Klammer, die die verschiedenen Ebenen halbwegs zusammenhält.

BILD

Crossfire

Der Transfer fällt gediegen aus. Schärfe und Kontrast entsprechen den üblichen Standards und liefern ein sehr detailreiches Bild ohne störende Körnigkeit. Die Farben sind sehr natürlich und wirken nicht überbetont, ein bisschen erinnern sie an eine TV-Produktion. Der Schwarzlevel ist tief und ausreichend detailreich, wobei es keine nennenswerten Nachtszenen gibt. Löblich: Alle Actionszenen finden im schönsten Tageslicht statt. All dies ist der Produktion angemessen.

TON

Crossfire

Der Ton ist sehr sauber, aber auch etwas steril abgemischt worden. Vor allem in den Actionszenen fehlt ein wenig das Wummern, das einen als Zuschauer in den Bann zu reißen versteht. Natürlich kann man argumentieren, der Ton sei in diesem Fall als naturalistisch zu bezeichnen. Doch will ich als Zuschauer den realistischen Naturalismus oder das große Krachen, das meine Nachbarn aus den Bett fallen lässt?
Ansonsten gibt es nicht viel zu sagen, letztlich ist auch der Ton der Produktion angemessen, hervorzuheben ist die exzellente deutsche Synchronisation mit Udo Schenk, der Richard Berry seine deutsche Stimme leiht.

EXTRAS

Das Extra ist ein dreiviertelstündiges Making of. In Schwarzweiß... Es zeigt brav alle Etappen der Dreharbeiten, lässt ebenso brav alle Mitwirkenden zu Wort kommen und bietet brav einen Blick hinter die Kulissen. Das alles ist nicht unbedingt herausragend, aber es ist zumindest in einer Ausführlichkeit für eine eher kleine Produktion wie diese bemerkenswert.

FAZIT

„Crossfire“ scheitert an seinen hohen Ansprüchen und verzettelt sich in seiner unnötig kompliziert, daher sprunghaft erscheinenden Handlung. Actionfreunde kommen durchaus auf ihre Kosten, müssen aber lange Durststrecken in Kauf nehmen. Trotz der Mängel bleibt „Crossfire“ dennoch eine DVD für einen unterhaltsamen Nachmittag, nicht aber für den großen DVD-Abend.



Christian Lukas


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