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Bad Boys 2 - SE   

Bad Boys 2 - SE
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Original: Bad Boys   (USA, 2003)
Laufzeit: 141 Minuten (PAL)
Studio: Columbia Tristar
Regie: Michael Bay
Darsteller: Will Smith, Martin Lawrence, Jordi Molla, Gabrielle Union u.v.a.
Format: 2.40:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Extras: Making of, Deleted Scenes, Tagebuch u.m.
Preis: ca. 25 €
Wertung: 2+ / 2- / 2+ (Bild/Ton/Extras)


"Demolition-Duo"

Eine Spur aus Chaos und Verwüstung ziehen Will Smith und Martin Lawrence in “Bad Boys 2” hinter sich her. Auf der Jagd nach einem Drogenbaron schickt Regisseur Michael Bay seine Helden sogar bis nach Kuba. Nach seinen gigantischen Ausflügen in den Kriegs- und Katastrophenfilm kehrt Michael Bay wieder zu seinen Wurzeln zurück – dem klassischen Actiongenre. Vielleicht aus Frust aber vielleicht auch aus reiner Kühnheit serviert Bay mit seiner “Bad Boys”-Fortsetzung einen kaltschnäuzigen Abgesang auf das unverfrorene Actionkino der 80-er Jahre. Als Arnold Schwarzenegger noch Tarnfarbe statt Gouverneurs-Tuxedos tragen wollte, war die Zeit der großen Ballermänner im Kino angebrochen. Je härter der Film desto besser kamen die markigen Sprüche der klar definierten Helden beim Publikum an. “Lass Dampf ab”, hieß es, wenn Schurken qualmend auf ein offenes Heizungssystem gespießt wurden. Dass “Bad Boys 2” diesen Geist der 80-er Jahre atmet, zeigen schon die zwei einschlagenden Blitze im Produzenten-Logo: posthum wurde “Bad Boys 2” wieder zu einem Don Simpson und Jerry Bruckheimer Werk. Simpson, der 1996 nach der Fertigstellung von Michael Bays “The Rock” verstarb, hatte mit Bruckheimer das Kino der 80-er Jahre nachhaltig beeinflusst. Von dem heute eher peinlichen “Flashdance” über die ersten beiden “Beverly Hills Cop”-Filme zur Marineflieger-Werbung “Top Gun” machten sie stilisierte Filteraufnahmen, auf Hochglanz polierte Action und Hit-verdächtige Soundtracks zu ihren Markenzeichen. Zudem kam die eigenwillige Gangart der Hauptfiguren ihrer Filme beim Publikum an. Axel Foley und Co. suchten sich immer ihren eigenen nicht unbedingt legalen Weg, um für ihre Sache ans Ziel zu gelangen. Dies trifft auch für die “Bad Boys”-Cops Burnett (Martin Lawrence) und Lowry (Will Smith) zu. Als schwarzhumorige Alternative zum “Lethal Weapon”-Gespann Glover-Gibson legen die ungleichen Partner auf der Suche nach geschmuggelten Ecstasy-Pillen halb Miami in Schutt und Asche. Als sie dem “Scarface”-Ableger Johnny Tapia zu Nahe kommen, kidnapped der Gangster Burnetts Schwester und verschleppt sie nach Kuba. Ein Kamikaze-Feldzug der bösen Jungs beginnt. Über knapp zweieinhalb Stunden brennt Michael Bay ein Actionfeuerwerk ab, dass nicht mal Rücksicht auf sein Publikum nimmt. Zwischen überfahrenen Leichen und Einschüssen in Zeitlupe bleibt der ehemals charmante Witz der Hauptdarsteller nämlich als löchriges Opfer auf dem Fußboden zurück. Dafür wird im kubanischen Finale so richtig geklotzt: neben einem “Phantom Kommando”-Showdown hat Michael Bay sogar die unglaubliche Car-Crash Sequenz aus Jackie Chans “Police Story” neu aufgelegt. Wer dem Regisseur deswegen überflüssige Effekthascherei vorwirft hat sicherlich recht. Schade bleibt nur der Gedanke, dass in Zukunft wohl niemand mehr so über die Stränge schlagen wird.

BILD

Bad Boys 2 - SE

Das anamorphe Widescreenbild (2.40:1) des bleihaltigen Spektakels ist sehr gut aber hat mit den Columbia-typischen Kontrastproblemem zu kämpfen. Die Vorlage selbst ist in perfektem Zustand und zeigt keine Spuren von Abnutzung. Gestochen scharf zeigt das Bild selbst in schnellen Sequenzen deutlich kleinste Details. Nur der Kontrast ist wieder etwas zu stark ausgefallen. Dies fällt besonders in den dunkleren Szenen deutlich auf. Hier werden düstere Passagen doch ein wenig zu dunkel dargestellt. Der Schwarzlevel ist zudem sehr tief und durch den starken Kontrast nicht sehr detailreich. Die Farben sind sehr kräftig und unterstreichen den leicht künstlichen Look des Films. Die Kompression ist sauber und verhindert die Bildung von Artefakten oder stehenden Rauschmustern. Gut.

TON

Bad Boys 2 - SE

Der Sound von “Bad Boys 2” ist leider etwas unausgewogen. Zwar besitzen die Dolby Digital Tracks in Deutsch und Englisch geniale Surroundqualitäten, aber die gesamte Abmischung ist sehr unausgewogen geraten. Dabei ziehen vornehmlich die Dialoge im Center den Kürzeren. Sowohl die Musik als auch der krachende Sound überdröhnen an einigen Stellen deutlich die Gespräche. Insgesamt wirkt die Dialogspur selbst in nicht so lauten Szenen etwas zu leise aufgenommen. Dafür werden die Surroundkanäle mit vielen Pan-Effekten (bestes Beispiel ist die Ballerei bei den Haitianern! Demo-Qualität!) beschäftigt. Auch der Subwoofer bekommt richtig Arbeit und lässt den Zuschauer jede Explosion physisch miterleben. Die zu laschen Dialoge verhindern allerdings die Referenzqualität. So reicht’s nur zum Gut.

EXTRAS

Bei den Extras fragen sich zunächst sicher viele Experten: “Kein Audiokommentar von Michael Bay?!!!!” Jawohl, ihr habt richtig gehört. Bay hat diesen Fakt in einem Interview hübsch selbst kommentiert: “Was hätte ich da denn erzählen sollen?” Und Recht hat der Mann. Schließlich ist “Bad Boys 2” keine Literaturverfilmung sondern Badass Action Cinema. Dafür entschädigt das auf der zweiten Scheibe beigefügte und sehr ungeschminkte Videomaterial sehr gut. Zunächst wären da die sieben geschnittenen Szenen, von denen eine absolut in den Film gehört hätte. Präsentiert in anamorphen Widescreen und guter Filmqualität stoppen die Bad Boys kurz vor dem Überfall auf Johnny Tapias Haus in Miami einen Beerdigungs-Konvoi, den sie ebenfalls für einen Drogentransport von Tapia halten. Vor den entsetzten Augen der Trauenden öffnen sie den Sarg und fummeln auch an der Leiche herum, um die vermeintlichen Drogen zu finden. Währendessen beschimpft Lowry auch noch die Trauernden, die endlich mit dem Heulen und der miesen Schauspielerei aufhören sollen, da sie schon längst als Drogenkuriere enttarnt seien. Geschmacklos? Sicher, aber lustig wie die Hölle. Der Film heißt eben “BAD Boys 2” und nicht “Nice Guys 2”. Zwei Dokumentationen befassen sich mit den “Stunts” und den “Visuellen Effekten” des Films (zusammen ca. 30 Minuten). Beide Features sind kompakt aber äußert informativ. Besonders die Infos über die visuellen Effekte dürfte selbst Kenner der Materie in Staunen versetzen, mit welchen genialen wie simplen Umkehrtricks hier seitens der Computerspezialisten gearbeitet wurde. Viel Innovation, die sich sicher in zukünftigen Action-Inszenierungen wiederfinden wird. Wem diese Infos noch nicht reichen, der kann sich anhand von sechs Sequenzen (MacArthur Causeway, Verfolgungsjagd Leichentransporter, Zweikampf in der Schwebebahn, Fußballspiel, Tapias Villa und Barackensiedlung) noch genauer in die Entwicklung des Films einführen lassen. Zu den Segmenten gibt es jeweils vier separate Optionen: 1. Die fertige Szene im Film anschauen. 2. Eine Behind-The-Scenes Zusammenstellung vom Dreh anschauen. 3. Die Storyboards. 4. Drehbuchauszug der Szene. Aber damit ist immer noch nicht genug: das Videotagebuch führt den Zuschauer wirklich absolut ungeschminkt hinter die Kulissen. Hier gibt es das Alternativ-Material der Nachtclubszenen zu sehen und wie sich Michael Bay bei seinem Cameo mit Martin Lawrence und einem Polizisten prügelt. Insgesamt gibt es hier 19 Clips, die alle wirklich etwas zu bieten haben. Das Rap-Musikvideo von einem der Songs des Films ist schließlich überflüssig, aber als Franchise-Deal wohl unumgänglich. Die innovative Zusammenstellung und die unzensierte Auswahl des Video-Materials der Extras sind wirklich lobenswert und haben echten Vorbildcharakter für künftige DVD-Auswertungen von Actionfilmen. Großartig.

FAZIT

Mit seinem kompromisslosen Abgesang auf das 80-er Jahre Actionkino hat Michael Bay ein echtes Guilty-Pleasure Filmchen geschaffen. Zarte Gemüter wollen diesen Film nicht sehen! Ungeschnitten und in guter Qualität bringt die DVD sogar absolute Vorzeige-Extras für einen Mainstream-Actionkracher mit. Für Action-Fans ist diese DVD ein No-Brainer. Zuschlagen und Rennen!



Kay Pinno


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