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Road, The   

Road, The
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Original: The Road   (USA, 2010)
Laufzeit: ca. 108 Min (PAL)
Studio: Senator Film
Regie: John Hilloat
Darsteller: Viggo Mortensen, Charlize Theron, Kodi Smit-McPhee
Format: 2,35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, Kommentar, Deleted Scenes
Preis: ca. 14 €
Wertung: 2 / 2 / 2 (Bild/Ton/Extras)


"Wenn der Vater mit dem Sohne"

Wenn der Vater mit dem Sohne... Der Vater (Viggo Mortensen) hat noch zwei Kugeln in der Trommel seines Revolvers. Eine für sich, eine für seinen Sohn. „Halte sie einfach in den Mund und drück ab.“ So geht’s. Ja, in der Welt, in der der Vater und der Sohn leben, geht es düster zu, denn die Apokalypse hat stattgefunden. Alle Bäume, Sträucher, Blumen sind verbrannt, alle Tiere sind fort, nur die Menschen, die sind übrig geblieben. Ein paar zumindest. Einige schlagen sich als Kannibalen durch und futtern ihresgleichen, andere versuchen ein bisschen Würde zu bewahren und suchen in alten Supermärkten nach Konserven. Eine Dose Coca-Cola lässt da die Sonne aufgehen und die Tristes des Untergangs für ein paar Sekunden vergessen.

Regisseur John Hillcoat hat sich, nach einem Drehbuch von Joe Penhall, des zu kultischen Ehren aufgestiegenen Romans von Cormac McCarthy aus dem Jahr 2006 angenommen und zu einem düsteren Film verarbeitet, der in den besten Momenten wirklich Schrecken und Düsternis verbreitet, in seinen schwächsten Augenblicken aber auch unfassbare Langeweile. Das Problem der langweiligen Momente besteht darin, dass man als Zuschauer anfängt über die Apokalypse nachzudenken, die der Regisseur basierend auf der Romanvorlage den DVD-Guckern präsentiert. An sich spielen ihre Hintergründe keine Rolle. Es ist vollkommen egal, warum sie stattgefunden hat. Auch interessiert es niemanden, wen man als Verursacher klar machen darf. Darum geht es nämlich nicht. Tatsächlich ist die Geschichte intim. Eine Vater-Sohn-Geschichte über Liebe, Verantwortung, aber auch über den Tod, über Hoffnung und Hoffnungslosigkeit. Ob nun eine Bombe gefallen ist oder Gott persönlich die Apokalypse ausgelöst hat – ist an sich nebensächlich. Oder, wie die Zeitschrift Profil über das Buch urteilte (zitiert nach Wikipedia): „Jedem Autor geringeren Formats wäre dieser radikal reduzierte, buchstäblich das Nichts umkreisende Erzählstoff zum schieren Action-Kitsch geronnen. McCarthy hat aus der Geschichte zweier Überlebender der Apokalypse eine große, alttestamentarisch anmutende Erzählung gemacht.“

Nur: Was ist an Actionkitsch eigentlich so schlimm? Nehmen wir „28 Days Later“. Da sind es infizierte Affen aus Stuttgart, die die Katastrophe herbeiführen. Ja, zur Erinnerung: Der Prolog spielt nicht in London, sondern wirklich im Ländle, wer’s vergessen haben sollte... In „The Night of the Living Dead“ wird von Ufo-Sichtungen gesprochen. Wir erfahren nie die wirklichen Gründe für das Geschehen, aber zumindest erfahren wir – es gibt so etwas wie eine Theorie, auch wenn die wahren Hintergründe im Dunkel verbleiben.
Hier aber... Alles Leben ist fort, nur die Menschen sind noch da? Wie gesagt, an sich spielt dies keine Rolle. Wäre da nicht die Langeweile zwischendurch...

Tja, so also ziehen Vater und Sohn umher, treffen Kannibalen (das ist gruselig), finden einen prall gefüllten Bunker (das ist herzzerreißend), und ziehen weiter (auch wenn man irgendwie nicht weiß, warum eigentlich?). Am Ende ist der fieseste Geschöpf auf Erden der Mensch – und doch ist kein anderes Wesen zu seiner Gnade fähig. Schön poesiert. Man kann sich drauf einlassen, muss es aber nicht.

BILD

Road, The

"The Road" erhebt sich nur selten aus seinen grau-braunen Bildern. Nur selten zeigt Regisseur Hillcoat tatsächlich klare Farben wie "Rot" oder "Grün". Rot wird zur Metapher für den Tod (= Blut); Grün wird zur flüchtigen Erinnerung an ein anderes Leben. Die Farbdramaturgie wird auf DVD hervorragend wiedergegeben, der Transfer ist herausragend.

TON

Road, The

Die Musik ist in diesem Film unterlegendes Beiwerk und ein für sich stehendes Kunstwerk. Warren Ellis hat sie geschrieben, unterstützt wurde er von Nick Cave. Der Klangteppich, den die beiden gewebt haben, er legt sich mal bedrohlich, mal dunkel, von Zeit zu Zeit aber auch hoffnungsfroh unter die bedrückenden Bilder. Auch der Soundtransfer ist äußerst gelungen und beispielhaft für einen perfekten Ton jenseits großen Getöses.

EXTRAS

Die Extras sind recht umfangreich. Im Audiokommentar versucht der Regisseur gewisse Hintergründe, die für ihn wichtig waren, noch einmal hervorzuheben, den Zuschauer mit der Nase drauf zu stoßen. Das ist sicher für jene Zuschauer von großem Interesse, die sich von "The Road" angesprochen fühlen. Die vornehmlich guten Kritiken, die er bei seinem Kinostart auch von Zuschauerseite erhielt, bezeugen, dass Filme wahrlich unterschiedlich bewertet werden können. Der Autor dieser Zeilen zumindest fühlte sich von dem Film eher sauber gelangweilt als dass Funken geflogen wären. Geschmäcker gehen eben - glücklicherweise - auseinander.

Weiter befinden sich auf der Disc ein Making Of sowie eine Trailershow. Auch herausgeschnittene Szenen gehören zu den Extras.

FAZIT

"The Road" ist in seinen besten Momenten ein auf Zelluloid gebannter apokalyptischer Albtraum von fesselnder Intensität, zwischendrin aber bietet er leider auch bleierne Langeweile und Leerlauf.



Christian Lukas


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