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Guru - Bhagwan, his Secretary & his Bodyguard   

Guru - Bhagwan, his Secretary & his Bodyguard
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Original: Guru - Bhagwan, his Secretary & his Bodyguard   (Schweiz, 2010)
Laufzeit: ca. 93 Min. (PAL)
Studio: Pandora Film
Regie: Sabine Gisiger, Beat Häner
Darsteller: Sheela Birnstiel, Hugh Milne
Format: 1.77:1
Ton: DD 5.1 Englisch, DD 2.0 Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: -
Preis: ca. 13 €
Wertung: 2-/ - / - (Bild/Ton/Extras)


"Hinter dem Baghwan"

Wie wurde aus einer friedlichen Bewegung, ersonnen von einem indischen Philosophen, eine der umstrittensten Sekten der 70-er und 80-er Jahre? Schweizer Filmemacher haben sich auf Spurensuche begeben und zwei Interviewpartner gefunden, die besagten Guru Bhagwan näher waren als die meisten anderen Menschen, die sich von seinen Lehren in den 1970-er und 1980-er Jahren angezogen fühlten: Seine Sekretärin Sheela, die als Sprecherin der Sekte zu medialer Berühmheit gelangte (vor allem nach deren Umzug von Poona in Indien nach Oregon in den USA). Und sein britischer Bodyguard Hugh, der gleich im Prolog des Filmes die alles entscheidende Frage stellt: „Wann begann es schief zu laufen?“

Sheela und Hugh sind heute beide um die 60. „Guru“ lässt die Protagonisten reden. Die Kommentierung erfolgt allein über Videoarchivmaterial. Während die erste Hälfte vor allem versucht das Weltbild der Bewegung zu erklären, ihre Philosophie, die Faszination, die Bhagwan vor allem auf Menschen aus dem Westen ausstrahlte – ist die zweite Hälfte spannend wie ein Thriller!

Der Film ist keine Abrechnung, kein hochmütiger Blick des aufgeklärten Journalisten des Jahres 2011 auf eine Bewegung, die in den frühen 1970-ern populär wurde. Im Gegenteil: Manchmal hat man das Gefühl, dass die Produzenten durchaus eine gewisse Sympathie für die (frühen) Ideen empfinden. Die freie Liebe, das Leben in einer Gemeinschaft, in der ein jeder für den anderen einsteht, ein Leben jenseits der bürgerlichen Konvention - ohne jedoch in sich eine Revolution zu tragen, die die eigene Philosophie anderen Philosophien gegenüber überlegen zeigt. Das ist die Stärke des Filmes. Er zeigt - ohne dies zu werten - auf, warum gerade auf Kinder des Westens die Ideen des indischen Philosophieprofessors Chandra Mohan Jain so anziehend wirkten.

Bis etwas geschah. Doch wann geschah es? Und was geschah eigentlich genau?
Das ist die Frage, die niemand mit letzter Sicherheit beantworten kann. Wann wurde aus der Bewegung eine Sekte? Wann wurde aus dem Charismatiker und Gelehrten Chandra Mohan Jain alias Baghwan jener Mensch, als der er für Furore sorgte: Der Besitzer einer Flotte von Rolls Royce, der die Blumen, die ihm seine Jünger zuwarfen - von diesen bezahlen ließ?
Es ist keine Schande, dass der Film auf diese Frage keine klare Antwort finden kann, denn er zeigt auf: Es gibt keinen Tag X. Vielmehr fand ein Prozess statt, der mal schneller, mal langsamer verlief, der von vielen Jüngern mitgetragen wurde, während andere sich enttäuscht von der Bewegung abwandten.

Seine kraftvolle Bildsprache findet der Film aufgrund des umfangreichen Filmmaterials, auf das die Macher zurückgreifen konnten. Auf privates Super-8-Material, journalistische Beiträge, VHS-Bänder. Was zu Beginn als reine Doku daher kommt, mit Aussagen zweier Zeitzeugen, entwickelt eine Dynamik, der man sich nicht entziehen kann: Inklusive einer Pointe in Bezug auf Sheela, die hier nicht verraten werden soll. Sagen wir es so: In eine Thriller würde man das, was am Ende dieser Doku zu sehen ist, eine überraschende Wendung nennen, die den gesamten Handlungsverlauf auf den Kopf stellt.

Keine Frage: "Guru - Bhagwan, his Secretary & his Bodyguard" ist ein echter Dokuknaller!

BILD

Guru - Bhagwan, his Secretary & his Bodyguard

Dies ist eine Doku. Will heißen: Das Bildmaterial kommt teilweise aus privaten Quellen, lag jahrelang in Schränken, es hat gelitten. Dadurch aber wirkt es auch authentisch: Es wurde eben nicht bearbeitet, es zeigt die Welt aus der Perspektive derer, die in Poona beziehungsweise später in Oregon gelebt haben. Selbstverständlich zeigt es auch den Blick der Filmemacher. Die haben schließlich die Selektion des Materials vorgenommen und sie sind für den Schnitt verantwortlich. Doch alles in allem kann sich das Material sehen lassen.

TON

Guru - Bhagwan, his Secretary & his Bodyguard

Ähem, noch einmal: Dies ist eine Doku, in der vornehmlich zwei Menschen über ihre Erfahrungen reden. Da gibt es nicht viel falsch zu machen oder große Surroundeffekte zu erwarten. Hier bleibt alles solide und ohne Störfaktoren.

EXTRAS

Eine Doku über die Doku? Nicht wirklich. Es gibt keine Extras, auch wenn in den Archiven der Filmemacher sicher noch Tonnen an Bildmaterial lagern dürfte, von dem sie manches sicher noch auf DVD zur Verfügung hätten stellen können. Schade.

Übrigens: Es lohnt sich den Nachspann aufmerksam zu verfolgen um zu erfahren, dass es in Poona bis heute das "Osho Meditation Resort" gibt, ein Meditationszentrum mit jährlich über 100.000 Besuchern, das auf den Lehren Baghwans aufbaut (er nannte sich in seinen letzten Lebensjahren Osho).

FAZIT

Die Dynamik, die diese Dokumentation entwickelt, ist erstaunlich. Unaufgeregt lassen die Filmemacher die Protagonisten erzählen. Bis eine Spannung entsteht, der man sich als Zuschauer nicht entziehen kann. Empfehlenswert!



Christian Lukas


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