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Buried - Lebendig Begraben   (BLU-RAY)

Buried - Lebendig Begraben
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Original: Buried   (Spanien / USA, 2010)
Laufzeit: ca. 95 Min (1080p)
Studio: Ascot Elite
Regie: Rodrigo Cortés
Darsteller: Ryan Reynolds
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD-MA 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Kommentar, Making of, Interviews, Trailer
Preis: ca. 18 €
Wertung: 2 / 2 / 2 (Bild/Ton/Extras)


"Ryan in der Kiste"

Der letzte Film, der jedem klaustrophoben Kinogänger das Blut in den Adern gefrieren ließ, war Neil Marshalls großartiger "The Descent". Weniger die blutrünstigen Monstren, sondern die bedrückende Enge und Dunkelheit trieben tatsächlich Kinozuschauer aus den Sälen, weil Sie es nicht mehr aushalten konnten.
Mit Monstern ganz anderer Art bekommt es Paul Conroy (Ryan Reynolds) in zunächster tiefster Finsternis zu tun. Diese lauern nicht in seiner Nähe, sondern entpuppen sich als Stimmen am Telefon. Paul liegt nämlich in einem Sarg tief unter der Erde - nur mit einem Feuerzeug und einem Handy. Und weder er noch der Zuschauer weiß, was eigentlich passiert ist. STOP!
Wer "Buried" unvoreingenommen auf sich wirken lassen will, der sollte hier aufhören zu lesen. Die Entwicklung der Geschichte und worum es eigentlich geht, sollte am besten beim Zuschauen entdeckt werden.

Immer noch da? Dann geht es nun in die volle SPOILER(!)-Abteilung: Ganz klar, Paul wurde augenscheinlich gekidnapped und begraben. Ein Anruf seines Entführers macht schnell klar worum es geht: der Mann will innerhalb weniger Stunden ein enormes Lösegeld, das Paul aus seinem Sarg zusammentelefonieren soll. Langsam entblättert Regisseur Rodrigo Cortes die Hintergründe in den hektischen (Selbst-)Gesprächen Pauls. Er hat sich als Fahrer von einer Firma anwerben lassen, die im Irak Hilfs- und Aufbau-Materialen transportiert. Nach einem Überfall auf Conroys Convoy landete der Trucker in der Kiste, weil die Angreifer ihn für einen amerikanischen Soldaten halten. Und die sind bares Geld wert.
"Buried" arbeitet schließlich auf drei Ebenen: Pauls direkte wie verzweifelte Lage im Sarg, die menschlichen Folgen des Irak-Kriegs, die in barbarischem Unverständnis und kultureller wie sozialer Ignoranz auf allen Seiten gipfeln, sowie die menschliche Tragödie einer "Arbeitsdrohne" wie Conroy, der, ob er will oder nicht, zum Helfershelfer und Komplizen abgestempelt wird, aber vor allem mehr als entbehrlich ist.
Trotz einiger Unstimmigkeiten und dramatischen Zuspitzungen im Sinne der Unterhaltung bleibt "Buried" aber ganz nah an Reynolds innerer Reise, die immer weiter in einen seelischen Abgrund führt.
Wirklich brillant ist schließlich die räumliche Umsetzung des nun mal engen Bühne. Das Wechselspiel zwischen Verlorenheit, düsterer Leere und Klaustrophobie wird zwischen extremen Close-Ups und sogar weiten Einstellungen, die die Tiefenwahrnehmung verzerren, großartig transportiert.
Trotz seiner gelungenen Umsetzung des wahrlich minimalistischen Szenarios wird "Buried" nicht nur Freunde finden. Besonders das notwendig konsequente Finale drückt hart auf die Stimmung. Zudem geht es halt schließlich nur um einen Mann in einem Sarg. Wer sich darauf einlässt, bekommt auf jeden Fall 95 Minuten an mentalem Nervenkitzel geliefert.

BILD

Buried - Lebendig Begraben

Der anamorphe Widescreen-Transfer (2.35:1) präsentiert den Film in seinem originalen Look, der extrem düster und aufgrund der spärlichen Lichtverhältnisse ein wenig Rauschen birgt. Dennoch ist das wenige, was uns der Regisseur sehen lässt, hoch detailliert und zeigt jede Schramme und schwitzende Pore in Ryan Reynolds Gesicht. Schärfe und Kontrast sind gut und die wenigen Farben stabil. Der hier essentielle Schwarzlevel ist extrem tief, abre ausreichend detailreich. Da die Filmemacher hier sehr darauf bedacht sind, das Schwarz als bewussten visuellen Brenzer einzusetzen, bleibt absichtlich eben vieles im dunkeln. Die Kompression arbeitet tadellos.

TON

Buried - Lebendig Begraben

Der Sound spielt bei "Buried" eine große Rolle, wenngleich nur sehr wenig Geräusche im Film vorhanden ist. Dieser ist aber sehr gezielt über die gesamte Soundstage verteilt und zeigt einen großartigen minimalistischen Einsatz. Hauptsachlich getragen durch Ryan Reynolds Schnaufen und die Telefonanrufe, spielt die Dialogspur im Centerkanal eine große Rolle, die auch gut ausgefüllt wird. Störende Überlappungen oder Aussetzer treten hier nicht auf.

EXTRAS

Der laufende Audiokommentar von "Buried" mit Regisseur Rodrigo Cortes ist auf Spanisch, aber besitzt deutsche Untertitel. Diese schalten sich dumnmerweise nicht automatisch ein, so dass man umständlich über die Steuerung seines Blu-ray Players den passenden Untertiteltrack auswählen muss! Der Kommentar selbst ist eine gute Mischung aus technischen Details, inhaltlicher Analyse und einigen Set-Anekdoten.

Das "Making of" betseht aus acht einzelnen Featurettes sowie zwei Interviews (Reynolds und Cortes beim Sundance Festival) sowie ein paar Behind the Scenes Aufnahmen. Großartigerweise kann man sowohl die einzelnen Featurettes auswählen als auch eine "Alles abspielen"-Funktion auswählen, die dann die gesamten 63 Minuten am Stück abspielt.
Der Zuschauer erhält hier einen sehr guten Einblick in die PLanung und Umsetzung des Unterfangens "Buried", bei dem Ryan Reynolds tatsächlich ganz ordentlich gelitten hat. Ein besonderes Augenmerk wird hier natürlich auf die Schlangenszene, aber auch auf die Tonaufnahmen für die Anrufer geworfen. Ein sehr gelungenes "Making of".

Zusätzlich sind auch noch sämtliche Trailer und Teaser zum Film vorhanden.

FAZIT

"Buried" ist ein minimalistischer Klassiker im Bereich der Filmgestaltung. Aber das "Ein Mann in einer Kiste"-Szenario wird nicht alle Zuschauer packen. Dennoch schlägt Regisseur Cortes den richtigen Weg in die Finsternis ein. "Buried" ist sicher kein Film für einen gemütlichen Nachmittag. Die Blu-ray von Ascot überzeugt technisch und auch bei den Extras. Wer sich auf das klaustrophobische Spiel einlässt, kann hier beruhigt zugreifen.



Kay Pinno


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