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Max Schmeling   

Max Schmeling
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Original: Max Schmeling   (Deutschland, 2010)
Laufzeit: ca. 118 Min. (PAL)
Studio: New KSM
Regie: Dr. Uwe Boll
Darsteller: Henry Maske, Heino Ferch, Susanne Wuest, Vladimir Weigl, Arthur Abraham
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 5.1 Deutsch
Untertitel: ---
Extras: Making of, Premiere, Deleted Scenes...
Preis: ca. 10 Euro
Wertung: 2 / 3 / 2- (Bild/Ton/Extras)


"Kein technischer K.O."

"Oooch, der ist doch gar nicht so schlecht." Normal sagt man so etwas in einem Kneipengespräch, nach zwei, drei Bierchen, wenn man sich über Filme unterhält, die einen vielleicht nicht wirklich vom Thekenhocker gehauen, die aber eben auch keine Gehirnzellen abgetötet und mutwillig zwei Stunden Lebenszeit vernichtet haben. In diesem Fall jedoch handelt es sich um eine Kritik zu einem Film von - Dr. Uwe Boll.
Über kaum einen Regisseur ist in den vergangenen Jahren wohl mehr Häme ausgeschüttet worden als über den Mann aus Wermelskirchen. Kein Regisseur ist öfter in den Worst-100 der IMDB vertreten als Boll, die Printpresse ignoriert ihn seit Jahren, selbst Hardcore-Trash-Fans machen oft einen Bogen um seine Filme. Ist man jedoch einmal fair und gibt seinen Filmen eine echte Chance, fällt vor allem eines auf: Der größte Feind des Filmfreaks Boll ist der Regisseur Boll. Als Produzent ist der Mann eine Größe. Mit Geschick, mit Geschäftssinn, mit Enthusiasmus gelingt es ihm stets über Beteiligungsgesellschaften Gelder für seine Filme aufzutreiben. Und zwar durchaus in einer Größenordnung, mit der sich ordentliche Filme drehen lassen (auch nach dem Ende des Stupid German Moneys; was es damit auf sich hat, kann man bei Wikipedia nachlesen). Nur kann Boll einfach nicht von seinen Kindern - seinen Filmen - lassen. Statt sie ziehen zu lassen und in die Hände von Regisseuren zu legen, die seine Projekte entsprechend ordentlich auf Zelluloid bannen, nimmt er stets selbst auf dem Regiestuhl Platz. Tja, und das macht den schlechten Ruf seiner Filme aus: Der begnadete Produzent ist leider kein begnadeter Regisseur. Andererseits: Viel Feind, viel Ehr' - im April 2008 veröffentlichte der Computerspiele-Qualitätstester Robert Harvey im Internet eine Petition gegen Boll und forderte die Unterzeichner auf, durch ihre Unterschrift Boll zu bitten, seine Filmtätigkeit aufzugeben. Bislang kamen über 360.000 Unterschriften zusammen.

Und nun hat Boll einen Film über Max Schmeling gedreht. Mit Henry Maske in der Hauptrolle. Es ist nicht überliefert, wie viele Kinofreunde schon bei der Ankündigung dieses Projektes zu Beruhigungsmitteln greifen mussten. Jedoch: Das Ergebnis ist gar nicht schlecht. Es ist kein Film, der Jubelstürme ausbrechen lässt. Was ihn jedoch von anderen Boll-Filmen spürbar abhebt, ist das Herzblut, das in ihm steckt, eine nie verdeckte Sympathie für Schmeling, für seinen Sport, für den Menschen, der nicht fehlerlos war, aber dessen große Menschlichkeit ihn zum Vorbild für Generationen hat werden lassen.

Bolls Film beginnt mitten im Krieg und zeigt den Soldaten Schmeling. Vom Schrecken des Krieges blendet Boll nun zurück in die Vergangenheit - und berichtet vom Aufstieg Schmelings, von seinen Kämpfen, von seinem Triumpfen und davon, wie er bei den Nazis in Ungnade fiel, weil er einfach keiner von ihnen sein wollte. Boll begeht keinesfalls den Fehler, Schmeling als Widerstandskämpfer darstellen zu wollen. Das war er nicht. Aber Boll zeigt ihn als einen Mann, der Würde bewahrt hat. Daher war er fürs Regime nicht mehr zu gebrauchen.

Über Henry Maske lässt sich nichts Negatives sagen. Natürlich ist er kein Schauspieler, doch das stört nicht. Den Boxer nimmt man ihm - natürlich - ab, die Maskenbildner haben eine hervorragende Arbeit geleistet und Boll - macht auch in Bezug auf Henry Maskes fehlende schauspielerische Erfahrung letztlich alles richtig, indem er ihm starke Nebendarsteller an die Seite stellt. Wobei der deutsche Begriff "Nebendarsteller" in diesem Fall vollkommen falsch ist. Der amerikanische Begriff der "Supporting Actors" wäre passender, denn alle Darsteller, von Heino Ferch (er spielt Max Machon, Schmelings Trainer) bis zur österreichischen Schauspielerin Susanne Wuest, die Schmelings Liebe Anny Ondra verkörpert, sorgen mit ihrem Spiel dafür, dass Maske Unterstützung erfährt und die Rolle tragen kann.

Das Gros der Kritiken zum Kinostart fiel schlecht, ja vernichtend aus. Man findet Begriffe wie "Verhohnepiplung" (Focus) und "merkwürdiges Machwerk" (Spiegel), während die Kritikerin des Film-dienstes schreibt, "das Bio-Pic [bleibt] weitgehend farblos." Doch jenseits der etablierten Meinungsmacher fällt die Kritik gnädiger aus. Am vielleicht treffendsten formuliert es Eric D. von ingame.de: "Mit seinem neusten Film Max Schmeling gelingt [Boll] (für seine Verhältnisse) eine kleine Sensation: sein Film ist zwar bei weiten nicht gut geworden, aber eine befürchtete cineastische Katastrophe ist er auch nicht."

Bei weitem nicht gut? Ja, der Film hat Schwächen. Im Spannungsaufbau, manchmal harkt die Dramaturgie. Ein Meisterstück ist er nicht. Doch die Liebe zu seinen Hauptfiguren trägt den Film über diese Schwächen hinweg.

BILD

Max Schmeling

Der Transfer entspricht der Qualität, die man erwarten darf. Die Farben sind eher gedeckt, was dem dramaturgischen Ton des Filmes entspricht. Blockbildungen gibt es keine, die Schwarzwerte und auch die Weißwerte sind gut.




TON

Max Schmeling

Die Dialoge hätten etwas mehr Kraft vertragen können. Sie kommen etwas leise aus den Boxen, ein bisschen mehr "Wumms" wäre nicht abträglich gewesen. Die Boxkämpfe sind gut ausgesteuert, man bekommt durchaus Atmopshäre zu spüren, allerdings hätten sich die Tonmeister noch etwas mehr austoben dürfen.


EXTRAS

Da gibt es ein Making Of, einen Audiokommentar von Regisseur Boll, einen Bericht über die Premiere, herausgeschnittene Szenen. Das alles entspricht durchaus dem Standard dessen, was heutzutage auf einer DVD präsentiert wird. Oder präsentiert werden sollte, denn gerade deutsche Filmemacher sind eher Extra-Muffel. Was für Uwe Boll nicht gilt.

FAZIT

Mit Liebe zur Hauptfigur hat Uwe Boll sein Schmeling-Biopic gestaltet, was seine Schwächen ausbügelt. Ein großer Film ist "Max Schmeling" nicht geworden, aber ein Film mit Herz. Was sicher kaum ein DVD-Junkie im Vorfeld erwartet haben dürfte...



Christian Lukas


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