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Monsters   (BLU-RAY)

Monsters
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Original: Monsters   (England, 2010)
Laufzeit: ca.94 Min. (1080p)
Studio: Capelight
Regie: Gareth Edwards
Darsteller: Whitney Able, Scoot McNairy u.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD-MA 7.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, Interviews, Comic-Con, Kurzfilm u.m.
Preis: ca. 14 €
Wertung: 2+/ 1- / 2+ (Bild/Ton/Extras)


"Fluchtartige Langeweile"

Einsteiger im Filmbusiness haben es schwer. Gerade deshalb ist das Horror-Genre so attraktiv für junge Newcomer, da mit besonders wenig Geld und unbekannten (sprich preiswerten) Darstellern aufgrund des Exploitationsfaktors ein Film sehr erfolgreich sein kann. Gareth Edwards "Monsters" ist in diesem Zuge eine Fortführung des "Blair Witch"-Phänomens auf einer neuen Ebene. Mit nur 15.000 Dollar, zwei Schauspielern, einem Minimum an Equipment und einer Idee zog Edwards los, um in Mexiko und im Süden der USA seinen Film "Monsters" zu verwirklichen. Sein Vorteil: als Digital-FX-Experte und talentierter Kameramann lässt er sein improvisiertes Road Movie richtig gut aussehen und verleiht dem Spektakel einen beunruhigende und drückende Atmosphäre.
In nicht allzuferner Zukunft bringt eine Sonde Sporen einer Alien-Spezies auf die Erde, die sich zu gigantischen Kraken-ähnlichen Lebewesen entwickeln. Unfähig dieser Situation Herr zu werden, wird der Süden der USA und Teile Mexikos zum Sperrgebiet erklärt, während man die umherstreifenden Kreaturen mit Bomben und Giftgas bekämpft. Mitten in diesem Chaos freut sich der sensationslüsternde Pressefotograf Kaulder (Scoot McNairy), dass er endlich die Chance seines Lebens bekommt. Doch seine Träume finden ein jähes Ende, als der Chef seiner Zeitung ihm den Auftrag erteilt, seine in Mexiko weilende Tochter Samatha (Whitney Able) zurück in die USA zu bringen. Doch der Weg zurück in die vermeintliche Zivilisation entpuppt als schwerer als gedacht.
In atmosphärisch dichten Bildern schildert Gareth die moderne Zivilisation am Rande des Zusammenbruchs. Zerstörung, kriegsartige Zustände, Tod und moralischer Verfall zeigen sich an allen Ecken. Und mittendrin auch noch riesige außerirdische Wesen. Mit einem klassischen Monsterfilm hat "Monsters" aber absolut nichts im Sinn, weshalb viele Zuschauer aufgrund eines deutlich in die falsche Richtung weisenden Marketings sichtlich und auch zu Recht enttäuscht waren. Doch selbst als kleines Roadmovie scheitert der Film gnadenlos. Da kein richtiges Drehbuch zum Film existierte und die weiteren Akteure keine Schauspieler sind, sondern einfach Menschen vor Ort rekrutiert wurden, zelebriert Gareth abgefilmtes Improvisationstheater. Dies bietet zwar oft einen recht realistischen Charakter, aber eine echte Dramaturgie geht dabei völlig über Bord. Und schlimmer noch: die beiden Hauptfiguren sind entsetzliche Unsympathen und Vollpfosten, denen auch noch eine keimende Romanze aufgedrängt wird. Dabei hätte die angespannte Beziehung zwischen dem moralisch flexiblen und emotional abgestumpften Kaulder und der flüchtigen Verlegertochter aus dem Goldkäfig sicherlich Potential geboten. Doch dafür wird den Figuren einfach zu wenig Profil gegeben. Dazu kommen auch noch pseudo-philosophische Gespräche zwischen diesen oberflächlich orientierten und sozial verkümmerten Paradiesvögeln, die an der Peinlichkeitsgrenze leider nicht stoppen. Da der Plot leider ziemlich wenig hergibt und einem die Hauptfiguren ziemlich schnell egal sind, bleibt von "Monsters" leider nicht viel mehr übrig außer einigen hervorragenden Spezialeffekten und einer dichten Atmosphäre der Apokalypse. Als Technik-Demo für Produzenten wäre dies sicherlich beeindruckend. Für Zuschauer ist dies eher eine Nervenprobe. So kommt das wirklich schöne Ende irgendwie aus dem Nichts und man wünscht sich einfach, dass der gesamte Film diese Art von Emotionaölität transportiert hätte.
So bleibt nur zu hoffen, dass sich Gareth Edwards bei seinem nächsten Film vorab die Zeit nimmt, ein anständiges Drehbuch zu entwickeln. Dann dürfte sich auch der Eindruck einstellen, dass er nicht nur einen Film handwerklich gut umsetzen kann, sondern auch etwas zu erzählen hat.

BILD

Monsters

Der anamorphe Widescreentransfer (2.35:1) ist eine Offenbarung und zeigt, was HD-Filmkameras von heute leisten können. Hochdetailliert und stimmungsvoll wird alles in Szene gesetzt. Schärrfe und Kontrast liefern ein Maximum des Möglichen und zeigen die schmuddelig zerrüttete Welt mit eleganter Genauigkeit. Die Farben sind kräftig aber nicht überbetont und hinterlassen durch den starken Kontrast einen leicht surrealen Eindruck. Der Schwarzlevel ist sehr tief und ordentlich detailreich. Die Kompression bleibt unsichtbar und hält das Bild stabil. Gut.

TON

Monsters

Der DTS-HD-MA 7.1 Sound ist eine echte Wucht und liefert ein sorgfältig ausgelegtes Soundfeld. Bereits die kurze Eröffnungssequenz lässt ordentlich Action aufkommen. Während der restliche Film eher verhaltener vorüberflimmert, werden die Soundeffekte aber immer besonders gezielt und sehr effektiv eingesetzt. Bonserds das Auftauchen der Aliens wird immer wieder stimmungsvoll in Szene gesetzt. Auch die Umgebungsgeräusche verteilen sich über die gesamte Soundstage, während die Dialoge sicher und gut vesrtändlich im Centerkanal liegen. Ein sehr guter Track.

EXTRAS

Den Film begleitet ein sehr persönlicher Audiokommentar mit Regisseur Gareth Edwards und seinen beiden Hauptdarsteller. Zusammen erinnert sich das Trio an die Schwierig- und Unwägbarkeiten des aufregenden Drehs, der komplett On-Location entstanden ist. Fans des Films könne sich über zahlreiche Insider-Dteails freuen, die sich aber auch oft für den Zuhörer nicht ganz erschließen ("Ah, das ist der der und der. Die waren so nett zu uns." usw.), da man ja leider nicht selbst beim Dreh dabei war.
Drei Featurettes (zusammen ca. 107 Min.) werfen einen Blick auf die teilweise chaotische Produktion und die erstaunliche Nahcbearbeitung des Films in Sachen Scjhnitt und Effekte. Es ergibt sich dadurch ein sehr schönes Bild, wie Geurilla-Filmemachen heutzutage aussieht. Kurzum: Francis Ford Coppola dürfte in Tränen ausbrechen, dass seine Träume von einem hochentwickelten und doch vergleichsweise unkomplizierten Filmemachen so langsam war geworden sind. Absolut sehenswert.
Separat sind auch Gareth Edwards und die Hauptdarsteller in längeren Einzelinterviews zu sehen und hören, in denen Sie noch weitaus offener über ihre "Monsters"-Erfahrung aber auch über ihre eigenen Karriere parlieren.
Neben einem kurzen Clipü von der New Yorker Comic Con (ca. 5 Min.) hat die Scheibe aber noch ein Ass im Ärmel: Gareth edwards preigekrönter Kurzfilm "Factory Farmed" ist ebenfalls im Bonusmaterial zu finden. Auch hier zeigt sich schon das große visuelle Gespür des Briten. Großartig.
Der Trailer zum Film its auch noch vorhanden.

FAZIT

Gareth Edwards Zwei-Mann Show "Monsters" ist ein schwieriger Fall. Als Technik- und Kamerademo bietet der Film einen hervorragenden Eindruck eines vielversprechenden jungen Filmemachers, der enorm atmosphärische Bilder produzieren kann. Inhaltlich und dramaturgisch gibt es aber leider einen kompletten Fallout, der den Rest, bei aller technischen Finesse, als hohlen Humbug entlarvt. Capelight liefert aber eine perfekte Blu-ray, die sowohl technisch als auch bei den Extras voll überzeugen kann.



Kay Pinno


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