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Sucker Punch   (BLU-RAY)

Sucker Punch
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Original: Sucker Punch   (USA, 2011)
Laufzeit: 110 / 127 Min. (1080p)
Studio: Warner
Regie: Zack Snyder
Darsteller: Emily Brown, Abbie Cornish, Jena Malone, Carla Gugino u.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD-MA 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Englisch, Deutsch
Extras: Maximum Movie Mode, Anime-Sequenzen, Soundtrack-Featurette
Preis: ca. 15 €
Wertung: 2 /***/ 3+ (Bild/Ton/Extras)


"Hirn-Rissig!"

Bereits mit seinen "Watchmen" hat Zack Snyder seinem Haus-Studio Warner gezeigt, dass er sein Material sehr eigewillig und nicht unbedingt massenkompatibel umsetzt. Was im Falle von Alan Moores "Watchmen" aber noch gelang, weil das Ausgangsmaterial bereits derart entrückt ist und einer speziellen Umsetzung bedurfte, kann für Snyders "Sucker Punch" leider nicht mehr gelten. Diesmal hat sich Snyder schließlich komplett selbst als Autor mit eigenem Material versucht und scheitert grandios. Die technische Umsetzung seiner schwülstigen Girlie-Fantasie ist wieder einmal brillant und verdient zu Recht das große Lob, was viele Liebhaber des Films über "Sucker Punch" ausschütten. Schließlich verschmilzt das Drama geschickt drei (eigentlich sogar vier) Realitätsebenen miteinander, die jeweils einen ganz eigenen großartigen Look spendiert bekommen und ständig mit wiederkehrenden Motiven in anderer Form angereichert werden.
Doch was passiert hier eigentlich? Baby Doll(Emily Browning) landet in einer geschlossenen Psychiartrie, nachdem sie ihren Stiefvater/Onkel (genau wird das eiegntlichim Film nicht geklärt) angeschossen hat, weil er ihre kleine Schwester vergewaltigen / umbringen (wird ebenfalls nicht geklärt) wollte. Doch in den 60-er Jahren glaubte man den Erwachsenen eben mehr und Baby Doll landet in der Anstalt. Um mit dieser gemeinen Realität klarzukommen, verwandelt Baby Doll in ihrem Hirn das Irrenhaus in eine sleazige Nachtclub Variante von "Moulin Rouge"(?!?), in dem Blue (Oscar Isaac) ein eisernes Regiment führt, um seine Mädchen vor schmierigem, zahlenden Publikum tanzen zu lassen. Und auch hier schafft sich Baby Doll wieder ihre eigene Realität, sobald sie gezwungen wird zu tanzen. Dort kampft sie gegen dämonische Riesensamurai, Zombiesoldaten, Drachen, Orks und wilde Kampfroboter nur mit dem einen Ziel, sich endgültig aus den Fängen von Blue und dem Nachtclub/Irrenhaus befreien zu können.
Trotz der Schwierigkeit, dass man sich von Anfang an in einer extrem überzeichneten Hyperrealität befindet, gibt Zack Snyder seiner knapp bekleideten Damenriege genug zu tun, um einen rudimentären Spannungsbogen aufzubauen. Dennoch bleiben die Mitstreiterinnen von Baby Doll, abgesehen von Rocket (Jena Malone) und Sweat Pea (Abbie Cornish), nur kurvenreiches Eyecandy, um ein wirkliches Drama aufzubauen. Zudem lässt der Film auch eine weitere Interpretationsmöglichkeit ob der Mädchen zu, die in Anbetracht des Finales aber eigentlich auch nirgendwo hinführt. Als psychologische Visualisierung der internen weiblichen Konflikte bleibt diese Metapher hohl, wie der Patronenhülsenberg den Film auf seinen Schlachtfeldern zurücklässt. Weiterhin abgesehen von dem wiederwärtigen umgekehrten Kindergarten-Sexismus, der geradezu an Almodovars "Volver" erinnert, bleibt auch die Auflösung der Ereignisse im besten Fall eine selbstgerechte, ignorante, wenngleich wohlgmeinte Warnung und Ermutigung, die selbst im Kontext des Films eigentlich keinen Sinn mehr ergibt. So reduziert sich "Sucker Punch" schließlich auf eine peinliche, aber gut aussehende Nullnummer, die schlussendlich nicht funktionieren will.

BILD

Sucker Punch

Das anamorphe Widescreenbild (2.35:1) stammt natürliuch von einem hervorragenden digitalem Master, das keinerlei analoge Rückstände aufweist. "Sucker Punch" wurde von Zack Snyder aber ebenfalls wie "300" mit einem nachträglichen Filter versehen, der die Kontraste deutlich erhöht und dem Film einen etwas grieseligen Look verleiht. Trotz dieser Einschränkung sind Schärfe und Kontrast sehr gut und liefern eijhn enorm detailreiches Bild, dass die künstliche Szenerie gut vermittelt. Die Farben sind sehr kräftig und springen entsprechend der künstlichen Farbgebung des Films direkt vom Bildschirm. Der Schwarzlevel ist auch aufgrund des verschobenen Kontrastes sehr tief aber trotzdem sehr gut im Detail. Bildelemente werden nicht verschluckt. Die Kompression bleibt unsichtbar. Fast sehr gut.

TON

Sucker Punch

Vorab muss festgestellt werden, dass der deutsche und englische DTS-HD-MA 5.1 Ton der Extended Version des Films einen leichten Tonfehler aufweist, der sich in unregelmäßigen Abständen bei lauten Momenten in einem seichten Klickgeräusch äußert. Warner arbeitet hier wohl bereits an einer Ersatzpressung.
Davon abgesehen geht der Soundtrack natürlich absolut in die Vollen und holt einiges an Dynamik und Surroundmomentum aus der heimischen Anlage heraus. Die Actionszenarien werden beherrschen in vollem Umfang die komplette Soundstage und lassen auch den Tiefbass ordentlich mitwirken. Der hämmernde, laute Soundtrack mischt sich zudem gut in die restliche Soundkulisse. Die Dialoge verteilen sich ebenfalls räumlich und geben auch den Dialogszenen eine gewisse Räumlichkeit. Aufgrund des oben genannten Tonspurfehlers wird die Bewertung im Kasten ausgesetzt.

EXTRAS

Das größte Extra von "Sucker Punch" ist die Beigabe der Extended Version des Films (Schnittbericht siehe hier) auf einer separaten Blu-ray, die den Film aber letztlich zu wenig hinzufügt, um ihn in ein anderes Licht zu stellen. Einzig eine entscheidende Sequenz (die Begegnung mit dem High Roller) bekommt hier eine bessere Ambivalenz als in der Kinoversion.
Nur auf dieser Extended Version befindet sich schließlich der "Maximum Movie Mode", in dem Zack Snyder persönlich durch die Entstehung von "Sucker Punch" führt und dem Zuschauer großartige Details verrät. Wie bei dem "Watchmen Director's Cut" erweist sich diese Feature als eine sehr gelungene Fortentwicklung von Videokommentaren, da hier der Regisseur interaktiv in das Geschehen des Films eingreifen kann, um den Zuschauer bestimmte Techniken und Tricks zu verdeutlichen.

Auf der zweiten Bl-ray-Disc mit der Kinofassung befinden sich noch die vier Anime-Kurzfilme, die die Vorgeschichten zu den einzelnen Fantasy-Sequenzen erzählen. Die Filme liegen ebenfalls im HD-Format vor.
Desweiteren befindet sich noch eine kurze Featurette mit Werbecharakter zum Soundtrack des Films vor.

FAZIT

Was Zack Snyder mit "Sucker Punch" versucht scheitert groß: technisch brillant setzt er ein psychologisches Zerrbild über Feminismus und Gewalt in atemberaubende Bilder, die gleichzeitig in Form von Männerfetischen und Nerd-Fantasien umgesetzt werden. Die Doppelscheibe von "Sucker Punch" bietet zwei Fassungen des Films, aber vergleichsweise wenig Extras. Zudem ist die Tonspur der Extended Fassung in der Originalpressung mit einem Tonfehler belastet, an dem Warner aber wohl bereits arbeitet.



Kay Pinno


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