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I come with the Rain   

I come with the Rain
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Original: I Come Withe The Rain   (Frankreich, HK, Irland, Spanien, GB, 2008)
Laufzeit: ca. 109 min
Studio: Planet Media HE
Regie: Anh Hung Tran
Darsteller: Josh Hartnett, Tran Nu Yên-Khê, Byung-hun Lee, Elias Koteas, Eusebio Poncela
Format: 2.35:1
Ton: DD 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of
Preis: ca. 12 Euro
Wertung: 1 / 2 / 3- (Bild/Ton/Extras)


"Wenn der Regen die Laune vernebelt..."

Ratlosigkeit bleibt, vielleicht sogar Ärger. Was zur Hölle möchte der französische Regisseur Tran Anh Hung mit seinem Film aussagen? Dass Genregrenzen überflüssig und stringente Erzählstränge etwas für cineastische Weicheier sind? Oder dass man ein aufgeblasenes, überambitioniertes Nichts in wunderschöne Bilder verpacken kann? Oh ja, wunderschön sind alle Bilder in diesem Film. Selbst Bilder, denen wenig Schönes anhaftet. Wie die eines Slums auf der Insel Mindanao (Philippinen). Selbst die Ermordung eines in Ungnade gefallenen Gangsters, der sich selbst in einen Leichensack hüllen muss, um dann von seinem Boss mit einem Hammer erschlagen zu werden, wird von dem Regisseur mit vietnamesischen Wurzeln in solch beeindruckend schönen Bildern eingefangen, dass man das Bild anhalten und es zu einer Gruß-Postkarte verarbeiten möchte. Doch im Rausch der durchkomponierten Bilder vergisst der Franzose so Kleinigkeiten wie Spannung oder Interesse aufzubauen.

Josh Hartnett ist Kline, ein Detektiv, der den höchst lukrativen Auftrag erhält, den Sohn eines exzentrischen Pharma-Milliardärs ausfindig zu machen, der vor Jahren irgendwo in Südostasien verschwunden ist. Kline nimmt den Job an und erfährt zunächst, dass der Junge ein barmherziger Samariter gewesen ist, der jedoch ermordet wurde (nur um im nächsten, direkt folgenden Kapitel das Gegenteil zu erfahren, was dramaturgisch jeglichen Spannungsmoment vernichtet).
Nun ist Kline nicht einfach ein Detektiv. Nein, er ist, wie es das Metier verlangt, ein Mann, der eine emotionale Altlast mit sich herumträgt. Kline war nämlich mal ein Polizist. Bis er einen Serienkiller jagte (Elias Koteas), der ihn in eine Falle lockte. Erst nach und nach erfährt der Zuschauer, was seinerzeit in der Wohnung des Killers geschehen ist (immerhin ein kleines Handlungsbögelchen, das so etwas Ähnliches wie Spannung erzeugt), auf jeden Fall hat Kline seit diesem Tag mehr als nur ein kleines Trauma: Tatsächlich drang er so tief in die Psyche des Wahnsinnigen ein, dass er auf eine seltsame Weise Bewunderung für ihn zu empfinden begann. Eine Bewunderung, die seine Psyche nachhaltig ramponiert hat.
So, nachdem Kline erfährt, dass der junge Samariter noch lebt, folgt er seiner Spur nach Hong Kong, wo sich sein Weg mit dem des Gangsters Su und dessen – natürlich – drogensüchtigen Püppchen, äh, nein, Freundin, genau, Lili kreuzt. Mal zufällig, mal auch nicht. Menschen reden, Menschen sterben, Menschen denken. Und sie schweigen. Irgendwie hat Su mit dem Jungen zu tun. Oder auch nicht. Ist eh egal, da nach 45 Minuten Spielzeit das Interesse an der Handlung an einem Null-Punkt angelangt ist. Oh, natürlich kann man all das, was Tran Anh Hung inszeniert, auch ganz anders betrachten. In seiner vollkommenen Negierung konventioneller Dramaturgie verschließt er sich in seiner Inszenierung den Erwartungen des Publikums und zwingt dieses zu einer offensiven Auseinandersetzung mit Klines Suche, dessen äußere Suche (nach dem Jungen) nur eine Metapher für die Suche nach seiner eigenen, vor Jahren verlorenen Persönlichkeit darstellt. Und ja, man kann auch behaupten, der französische Regisseur bewege sich auf den Pfaden eines David Cronenbergs oder, da die Suche nach dem jungen Samariter ja irgendwie auch eine Passionsgeschichte der Düsternis darstellt, er neige sein Haupt vor dem Werk Abel Ferraras. Das aber würde bedeuten, dass die Filme dieser beider Herren über der Kritik stehen. Was sie bei bestimmten Kritikern auch tun, die einfach außer Acht lassen, dass auch diese beiden Herren manch überintellektualisierten Schund auf die Leinwand gebracht haben.
Warum spricht man von traditionellen Handlungsmustern oder einer stringenten Dramatugie? Weil gewisse Gesetzmäßigkeiten eben auch bestimmte Erwartungen erfüllen. An die Spannung zum Beispiel. Tran Anh Hung interessiert sich jedoch nicht für eine solche Dramaturgie. Ihm geht es allein um seine Figuren und die Bilder, die er mit ihnen kreiert. Natürlich steht es einem jeden Filmemacher frei, eigene Wege zu beschreiten, jenseits von allen Konventionen. Ein Hoch auf all die Regisseure und Autoren, denen es gelingt, mit diesen Gesetzmäßigkeiten zu brechen und trotzdem aufwühlende, meisterhafte Filme auf die Leinwand zu bannen, Filme, die sich aus dem Meer typischer Genreproduktionen abheben, die nicht die Erwartungen des Publikums erfüllen und die dennoch zu fesseln oder zu begeistern verstehen. Tran Anh Hungs Film gehört leider nicht in diese Kategorie.

BILD

I come with the Rain

Was das Bild betrifft, lässt die DVD keine Wünsche offen. Die wirklich meisterhafte Farbgestaltung (viele Grün- und Gelbtöne), wird so feinkörnig präsentiert, dass man sich schon die Frage stellt, wie viele Überstunden die Techniker gemacht haben, um ein solches Ergebnis zu präsentieren? Solch klare Bilder kennt man normalerweise nur von Protzproduktionen aus Hollywood, so ab 150 Millionen Dollar Produktionskosten aufwärts. Hier beweist die Produktion, dass technische Perfektion und ein übersichtliches Budget einander keinesfalls ausschließen, sondern allerhöchste Perfektion eben auch eine Frage des Willens darstellt. Wenn dies doch auch für die Geschichte so gelten würde.

TON

I come with the Rain

Der Ton bietet leider nicht die brillante Qualität wie das Bild, was aber auch nicht nötig ist. Es wird eh vornehmlich viel geschwiegen oder einfach nur geredet. Wenn es dann mal richtig kracht, dann kommen die Töne klar und sauber aus den Boxen, wie es sich gehört. Technisch geht das alles in Ordnung.


EXTRAS

Als Extra bietet die DVD ein Making of. Das kann man sich anschauen, wenn man den Film nicht vor dem Ende ausgeschaltet hat. Man muss es aber nicht.

FAZIT

Wer mal wieder Lust hat, sich knapp 110 Minuten gepflegt zu langweilen, darf gerne zu dieser technisch hervorragenden DVD greifen. Nur technische Brillanz alleine macht nun einmal keine gute DVD, denn nach wie vor steht im Mittelpunkt des Interesses noch immer, man mag es kaum glauben, der Film. Und der macht hier leider keine Freude.



Christian Lukas


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