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Bigger, Stronger, Faster   (BLU-RAY)

Bigger, Stronger, Faster
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Original: Bigger, Stronger, Faster   (USA, 2010)
Laufzeit: 107 Min. (1080p)
Studio: Ascot Elite
Regie: Chris Bell
Darsteller: Chris Bell, Mark Bell, Mike Bell, Ben Johnson, Carl Lewis, Christian Boeving u.a.
Format: 1.78:1 (Widescreen) 16:9
Ton: DTS-HD-MA 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Trailer
Preis: ca. 17 €
Wertung: 2 / 3 / 5 (Bild/Ton/Extras)


"Mucki-Buddys"

Sie waren die Helden einer ganzen Generation: Wrestler Terry "Hulk" Hogan, Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger waren die Muskel-Monster, die die (amerikanischen) Kids in den 80-er Jahren begeisterten, inspirierten und anspornten. Geblendet von den Showbusiness-Parolen ihrer Idole warfen sich Teenager wie die drei Bell Brüder, einfache Kinder aus dem amerikanischen Poughkepsie, in den Muskelsport, um allerdings an einem ganz anderen Spektrum der Erfolgsleiter zu Enden als ihre großen Vorbilder, die sich schließlich auch selbst durch die Anwendung von Steroiden für ihren Muskelerfolg diskreditierten.
Chris Bell, der mittlere der Brüder, machte sich schließlich auf, eine Dokumentation über sich und seine Brüder sowie über die seltsam verlogene Community im Muskel- und Leistungssport unter die Lupe zu nehmen. Mit "Bigger Stronger, Faster - The Side-Effects of being American" gelingt Bell dabei ein erstaunlicher Rundumschlag: von einer geschickten Dekonstruktion des amerikanischen Traums anhand seiner Familie, eine kritische Betrachtung des Leistungssports und des besonderen amerikanischen Bezugs, des Gewinnens um jeden Preis, der Doping und Steroid-Debatte im Leistungssport sowie der seltsamen Nebeneffekte des kommerziellen Muskelwahns am amerikansichen (Schwarz-)Markt, ergibt sich ein komplexes Abbild des "American Way of Life".
Bell kneift dabei auch nicht, die Bigotterie seiner eigenen Familie im Umgang mit dem fragwürdigen Steroid-Konsum aufzudecken, ohne aber seine Verwandten in die Pfanne zu hauen. Die Problematik des halbwissentlichen Verleugnens und eventuellen Hinwegschauens entlarvt Chris Bell sogar schließlich an sich selbst.
Immer wieder wird auch das Schicksal von Freunden und Bekannten aus dem Muskelsport in den Vordergrund gerückt. Dabei darf der Zuschauer immer tiefer in einen kuriosen Zirkel des Betrugs eintauchen, bei dem bewusst "betrogen" wird und der Erfolg oftmals einfach von der richtigen Spritze abhängt. Dabei konzentriert sich Bell nicht nur auf den klassischen Muskelsport, sondern nimmt auch prominente Skandale des Leistungssports unter die Lupe: so befinden sich auch die Sprinter Ben Johnson und Carl Lewis unter seinen Interviewpartnern sowie ein ehemaliger Stabsarzt des Olympischen Kommittes.
Fast in Michael Moore Manier treibt Bell seine Betrachtungen der Muskelmacher-Szene schließlich auf die Spitze, in dem er illegale mexikanische Tagelöhner anheuert, um in seiner Küche ein garantiert effektloses Muskelaufbaupräparat herzustellen und mit einer getürkten Werbe-Kampagne an den Mann zu bringen - mit Erfolg!
Großartig bürstet Bell bei seinen Ausführungen die eigenen Argumente immer wieder gegen den Strich und liefert prominent formulierte Antithesen. Statt platt gegen das Establishment der Muckis zu feuern und mit erhobenen Zeigefinger den Zuschauer auf eine Position zu zwingen, überlässt Bell das Urteil jedem selbst. Der vermittelte Eindruck der Verharmlosung und unglaublich verbreiteten Akzeptanz von Ergänzungsdrogen im amerikanischen Alltag bis zum Einsatz im Militär bringt jedoch eine jähe Skepsis mit sich, die trotz allem ein Verrat an den amerikanischen Idealen jedoch nicht für die auf Gewinner ausgerichtete amerikanische Gesellschaft für Bell darstellt. So zeigt "Bigger, Stronger, Faster" ein wunderbar schizophrenes Bild Amerikas, das vom höchst erfolgreichen Scheitern der eigenen Ideale handelt, die zum Preis des (eigentlich manipulierten) Erfolgs aufgegeben werden, weil die amerikanische Gesellschaft eben immer nur Gewinner feiert - ein tödlicher Teufelskreis, von dem sich der Regisseur eben selbst auch nicht ganz ausnehmen kann.

BILD

Bigger, Stronger, Faster

Der anamorphe Widescreen-Transfer (1.78:1) besteht natürlich aus unterschiedlichem Archivmaterial und auf Video gedrehten Interviews und Segmenten. Entsprechend unterschiedlich fällt die Qualität der einzelnen Filmabschnitte aus. Die originären Videoaufnahmen für den Film sehen sehr gut aus und bietet den Vorteil moderner HD-Aufnahmen: hoher Detailgrad und sehr lebendige Aufnahmen, die allerdings ohne einen spezifischen Filmlook auskommen. Aus dem vorhandenen Archivmaterial (von alten Super-8-Aufnahmen über TV-Mitschnitte bis hin zu Vintage-Film-Interview-Aufnahmen) wurde soweit möglich, das Beste herausgeholt. Die Kompression arbeitet sauber und gibt das Bild stabil und ohne Beeinträchtigung wieder. Gut.

TON

Bigger, Stronger, Faster

Unterlegt mit reichlich Musik und einigen witzigen Montage-Sequenzen, kann der DTS-HD-MA 5.1 Trackvon "Bigger, Stronger, Faster" auf Deutsch und Englisch seine Atmosphäre sehr gut verbreiten. Viel Räumlichkeit wird dabei zwar kaum verbreitet, aber die musikalische Untermalung erhält einen großen dynamischen Schub. Die Dialoge sitzen sauber im Centerkanal und sind immer gut verständlich. Schnörkellos liefert der Track eine passende Hörkulisse mit nur wenig ambienten Momenten.

EXTRAS

Als Extra gibt es nur einen Trailer zur Dokumentation zu sehen.

FAZIT

Wer hätte gedacht, dass Popeye bloß eine Metapher für Steroide hätte sein können? "Bigger, Stronger, Faster" ist eine erstaunliche wie überraschende Dokumentation, die sich eben nicht nur mit den Untiefen des (Muskel-)Sports auseinandersetzt, sondern einen erstaunlich ungeschminkten Blick auf den "American Way of Life" und dessen moralisch wie gesundheitlich zweifelhafte Nebenwirkungen wirft. Gerade auch weil der Film bei seinem Urteil über das Gezeigte in der Grauzone bleibt, ist "Bigger, Stronger, Faster" vergleichbaren Dokumentationen (Michael Moore anyone?) haushoch überlegen. Die Scheibe aus dem Hause Ascot Elite ist deshalb ein echter Geheimtipp und dringend empfohlen!



Kay Pinno


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