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Megapython vs. Gatoroid   

Megapython vs. Gatoroid
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Original: Megapython vs. Gatoroid   (USA, 2011)
Laufzeit: 90 Min. (PAL)
Studio: dtp entertainment
Regie: Mary Lambert
Darsteller: Tiffany, Debbie Gibson, A Martinez
Format: 1.77:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: ---
Extras: ---
Preis: ca. 10 Euro
Wertung: 4 / 4 / 5 (Bild/Ton/Extras)


"Steroide blähen Alligatoren auf"

Es gibt Filme, die ähnlich wie Zigaretten mit Warnhinweisen versehen werden sollten. „Mega Python vs. Gatoroid“ gehört definitiv zu dieser Kategorie. Wie aber müsste ein solcher Warnhinweis aussehen?
Zwei Möglichkeiten.
1.) Das Anschauen dieses Filmes zerstört Ihre Glauben an die Gesetze der Logik, der Schauspielerei und des guten Geschmacks.
2.) Vor dem Anschauen dieses Filmes bitten wir Sie, ihren persönlichen Alkoholpegel auf 2,1 Promille zu drehen.

Wer zur Zielgruppe des ersten Warnhinweises gehört, wer so etwas wie Plausibilität im Rahmen einer Handlung erwartet, schauspielerisches Können oder andere Ingredienzien, die selbst einen mittelmäßigen Film am Ende noch goutierbar machen, sollte gar nicht mehr weiter lesen, zurück zur Startseite gehen und eine andere Filmvorstellung anklicken. Wer jedoch bereit ist, dem guten Geschmack eine kleine Pause zu gönnen und Lust auf eine Art von Trash hat, die selbst die Laienschauspielertruppe der Zugschaffnervereinigung Witten-Annen-Nord von einer Mitwirkung abhalten würde – bitte: Hier ist der Film für einen Abend voller Staunen und Verwunderung.

Kommen wir zur, nennen wir sie einmal großzügig, Handlung. Dr. Nikki Riley (dargestellt von Deborah Gibson, die als junge Sängerin Ende der 80-er, in den frühen 90-ern ein paar veritable Hits in den USA feiern konnte) befreit mit zwei Assistenten Schlangen aus einer nicht gerade tierfreunde-freundlichen Zuchstation und entlässt sie in der Nähe von Miami in die Freiheit. Allerdings werden diese Schlangen sehr sehr groß. Warum, das weiß der Rezensent nicht genau, was an seinem Bierkonsum während des Schauens gelegen haben dürfte. Nun kommt es zu ersten Zwischenfällen, was die nicht gerade reptilienfreundliche Parkrangerin Terry O'Hara auf den Plan ruft. Die wird von Tiffany gespielt, die mit bürgerlichen Namen Tiffany Renee Darwisch heißt und – aufgepasst, Ende der 80-er, in den frühen 90-ern ein paar veritable Hits in den USA feiern konnte. Also, wenn dieses Casting ein Zufall ist...
Während Nikki die Schlangen retten will, will Terry sie killen, denn die schnuckeligen Schuppenkriechtiere haben Hunger – und machen nicht einmal vor ausgewachsenen Alligatoren Halt, die immerhin bis zu sechs Meter Länge erreichen können. Und wer sich mit solchen Riesen anlegt, hat wirklich nichts im Magen. Im Gegensatz zu Terry, die darüber hinaus auch eine dolle Idee hat. Sie besorgt sich von einem Bodybuilder, der es mit der Reinheit des Sports nicht so ganz genau nimmt, Präparate, die die Alligatoren größer machen sollen. Größere Alligatoren fressen die Schlangen. Dumm nur, dass die Viecher zu dämlich sind um zu verstehen, dass sie nur Schlangen fressen sollen. Und noch dümmer, dass diese mutierten Alligatoren mutierte Eier legen, die ihrerseits von Schlangen gefressen werden, was dazu führt, dass die eh schon recht großen Schlangen noch größer werden.
Und so weiter. Irgendwann gibt es dann einen großen Showdown, es fliegt ziemlich viel in die Luft und die einstigen Schlagersängerinnen dürfen ihre alte Feindschaft (aus dem Musikgeschäft, als sie um die gleichen Zuhörer buhlten und offenbar nicht allzu gut befreundet waren) mal so richtig ausleben und sich eine minutenlange Schlägerei liefern. Natürlich im Wasser, denn dadurch kleben die Klamotten besser am Körper und da Männer eh besser gucken als denken können... Nein, das war jetzt keine Chauvi-Bemerkung, der Film wurde schließlich von einer Frau inszeniert, Mary Lambert. Dazu aber später mehr.
Na ja, was soll man sagen? „Mega Python vs. Gatoroid“ kommt aus dem Hause The Asylum, dem wir Meisterwerke wie „100.000.000 B.C.“, „Mega Piranha“ und nicht zuletzt „Mega Shark Versus Giant Octopus“ verdanken. Diese Filme billig zu nennen, wird ihnen nicht gerecht. Sehr billig, das passt besser. Sie sind Trash. Purer Trash. Aber auf eine Art und Weise, die an einen schweren Autounfall erinnert. Man will weggucken, aber es geht einfach nicht.
So sind auch die Effekte von diesem Großschlangenalligatorengemetzel auf einem Niveau, das man aus C-64-Zeiten kennt, die Darsteller stehen allesamt neben der Spur und die Handlung lässt sich nicht bewerten, da die deutsche Sprache für eine angemessene Bewertung keine Worte kennt. Dennoch hält der Film ein Versprechen: Der Titel ist Programm. Das ist immerhin auch etwas...

BILD

Megapython vs. Gatoroid

Oh Gott, das Bild... Es ist mies. Da fast ausschließlich im Tageslicht gedreht worden ist, sind viele Szenen viel zu hell (also, auf die Nachbearbeitung ist nicht viel Zeit verwendet worden). Und dann die Effekte... Vor allem jene, in denen sich die Alligatoren und Schlangen richtig schnell bewegen, sie machen das Bild – unscharf! In den wenigen Nachtszenen kommt es zu Blockbildungen, überhaupt: Mit was für einer Art von Digitalkameras arbeitet man bei The Asylum eigentlich? Tatsächlich ist „Mega Python vs. Gatoroid“ nicht der einzige Film aus dem Hause The Asylum, der diese Schwächen aufzeigt.

TON

Megapython vs. Gatoroid

Was für das Bild gilt, gilt leider auch für den Ton. Explosions- oder Schnappgeräusche wirken stets etwas verhallt, allein die ganz ordentliche Musik fällt etwas aus der Kritik. Sie kommt relativ zurückhaltend aus den Boxen. Im Gegensatz zu den Stimmen, die teils viel zu laut abgemischt wurden, was für die deutsche und die englische Fassung gilt.

EXTRAS

Extras gibt es keine. Bedauerlich, denn man würde schon gerne wissen, was Mary Lambert dazu getrieben hat, ihr Talent für The Asylum zu vergeuden. Mary Lambert war vor vielen Jahren einmal so etwas die die Stammregisseurin für Madonna-Clips. Und betrachtet man Madonna als einen ersten Megastar der MTV-Generation, trägt Mary Lambert an diesem Erfolg ihren Anteil. Später dann machte sie sich einen Namen als Regisseurin von „Friedhof der Kuscheltiere“. Lambert war die erste Frau, die einen geradlinigen Hollywood-Horrorfilm inszeniert hat, der dann auch noch an den Kinokassen die Produzenten strahlen ließ. Nach der Fortsetzung 1992 gehörte sie außerdem zu den ersten Inszenatoren mit einem guten Namen, die ihr Talent in den Dienst einer Videospielefirma stellte. „Double Switch“ heißt das Spiel, dessen Schauspielersequenzen von Mary Lambert stammen. Danach jedoch ging es mit Lamberts Karriere – bergab? Bergab ist das falsche Wort. Sie inszenierte Fernsehfilme, sie arbeitete wieder im Musikgeschäft, aber die vielversprechende Karriere, die sich mit „Friedhof der Kuscheltiere“ andeutete, die blieb aus. Dass sie heute allerdings für The Asylum C-Horrorfilme inszeniert, das überrascht dann doch. Es ist nicht so, dass es im Film keine inszenatorisch feinen Momente gäbe. Die Einleitung des Showdowns beispielsweise (zu dem auch die Prügelei der ehemaligen Schlagersternchen Tiffany und Deborah Gibson gehört), beinhaltet einige nette Ideen (inklusive eines ironischen Seitenhiebs auf amerikanischen Waffenfetischismus), doch Szenen wie diese bleiben die Ausnahme. Tatsächlich werden die Unzulänglichkeiten des Filmes noch gravierender bedenkt man, welch ein visuelles Talent Mary Lambert einst gewesen ist, als sie als eine der führenden Videoclip-Regisseurinnen maßgeblich den Videoclip als Kunstform etablierte.

FAZIT

Wer keinen Spaß an Filmen wie diesen empfinden kann, sollte die Finger von ihm lassen und am besten noch gleich via Facebook eine Warnung aussprechen. Wer Trash der Asylum-Sorte mag, darf einen Blick riskieren, da die Fans eh wissen, was sie erwartet (sagt man zu denen dann „Viel Spaß“ oder „Prost“?).



Christian Lukas


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