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Street Hawk   

Street Hawk
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Original: Street Hawk   (USA, 1985)
Laufzeit: ca. 630 min
Studio: Polyband
Regie: Virgil W. Vogel, Kim Manners u.a.
Darsteller: Rex Smith, Joe Regalbuto, Richard Venture, Jeannie Wilson
Format: 1,33:1
Ton: DD 2.0 mono Deutsch, Englisch
Untertitel: --
Extras: --
Preis: ca. 22 Euro
Wertung: 3 / 3 / 5 (Bild/Ton/Extras)


"Ein Mann, ein Motorrad, eine Fönfrisur"

Die 80-er Jahre haben manch eine seltsame Serie hervorgebracht. Seien wir einmal ehrlich: „Knight Rider“ ist solch eine Serie. Ein Kerl mit Fönfrisur, der mit seinem Auto spricht und mit diesem sprechenden Auto Verbrecher jagt... Das ist nicht wirklich Shakespeare. Dennoch war genau diese Serie ein großer, internationaler Erfolg und bescherte dem Hauptdarsteller Ruhm und Ehre. Na ja, er durfte später mit hübschen Badenixen am Strand hoppeln und in Deutschland saumäßig erfolgreich Schlager singen, wofür er einen Batzen Geld bekam. Es gibt wirklich schlimmere Schicksal.
Aber zurück zu seinem sprechenden Auto. Als „Knight Rider“ in den USA die Werbeeinnahmen sprudeln ließ, da dachte sich manch ein Senderchef: Mensch, was können wir nur machen, um unser kleines Stückchen vom Kuchen abzubekommen? Die Antwort war schlicht: Man setzte seinen Mann auf ein Motorrad. Ein Supermotorrad natürlich.
Und so entstand „Street Hawk“.

Jesse Mach ist ein richtig guter Cop. Doch nach einer Verletzung landet er hinter dem Schreibtisch. So was Dummes aber auch. Na ja, Jesse fällt weich. Er ist ein Hingucker, ein Charmebolzen, einer, den jede Mama ohne zu Zögern als Schwiegersohn akzeptieren würde. Jesse bekommt also einen Job in der Öffentlichkeitsabteilung der Polizei von Los Angeles, hier kann er seinen Charme spielen lassen. Aber einen Superbullen wie ihn hinterm Schreibtisch versauern lassen, selbst wenn er als PR-Officer die Schlampigkeit seiner Kollegen schönredet? Nein, das geht nicht. So ein Mann ist zu höheren Aufgaben berufen. Also wird Jesse vom FBI rekrutiert. Er wird in ein streng geheimes Projekt involviert: Street Hawk. Das ist ein Supermotorrad, das, computergesteuert (und das in den 80-ern), 500 Meilen pro Stunde aufs Tacho zaubert. Natürlich würde dies einen jeden Fahrer aus dem Sitz pusten, aber mit einem Spezialanzug wird dieses Problem gelöst. Und damit Jesse bei dem Tempo nicht ständig gegen Laternen, Fußgänger oder Häuserwände kracht (wie lang ist eigentlich der Bremsweg bei diesem Tempo?), wird er (wahrscheinlich?) per Satellit durch die Straßen gelenkt.
Okay, warum außer Jesse nur der Entwickler Norman in dieses Projekt involviert zu sein scheint (beide arbeiten ganz alleine von einem geheimen Hinterhofstützpunkt aus, der in etwa so gut gesichert ist wie der Kaugummiautomat hinter der Gerichtsschule in Witten-Mitte), erschließt sich im Verlauf der Serie nicht wirklich. Zwei Mann, ein Millionenprojekt? Und niemand, dem sie Rechenschaft abliefern müssen...
Ach was, Logik wird eh überbewertet.
Überbewertet wurden auch die Erwartungen, denn nach einer halben Staffel war es auch schon wieder vorbei mit „Street Hawk“. Das Publikum wollte nicht wirklich auf die Serie anspringen, sie floppte und verschwand von den amerikanischen Bildschirmen. Nicht aber von denen in Europa. Auf dem vergleichsweise jungen Privatfernsehmarkt gelangte die Serie – unter anderem auch in Deutschland – zu einem erstaunlich langen Leben und wurde x-fach wiederholt.
Welche Gründe gibt es, der Serie eine Chance zu geben?
Da wäre Episode 2, in der Jesse Mach einen alten Kumpel trifft, der ihn ziemlich in die Bredouille bringt. Und? Na ja, der wird von George Clooney gespielt. Einem George Clooney mit braunen Haarsträhnchen und Naturlöckchen...
Der zweite Grund ist die Musik. Die deutschen Elektronikrocker von „Tangerine Dream“ haben diese geschrieben. Und was den Einsatz ihrer Musik betrifft, muss man „Street Hawk“ ein fettes Lob aussprechen: In Sachen Musik/Schnitt ist die Serie ihrer Zeit voraus gewesen. Die Musik „Tangerine Dreams“ ist mehr als ein Klangteppich, der Emotionen erzeugen soll. Die Musik der Berliner ist Teil eines Schnittkonzepts, das seinerseits einen Teil einer klar definierten Dramaturgie darstellt, die interessanterweise Spannungsmomente vorweg nimmt (man weiß als Zuschauer, wenn die und die Melodie erklingt, wird das und das passieren), was erstaunlicherweise keinesfalls die Spannung aus der Geschichte nimmt, sondern, im Gegenteil, das Spannungspotenzial steigert.
Welche Gründe gibt es, die Serie im Regal stehen zu lassen?
Mmmh? Die Tatsache, dass die Geschichte hanebüchen ist? Dass die Backstory keinen Sinn ergibt? Dass es sich letztlich um Serienware von der Stange handelt?
Sagen wir es so: Wer „Knight Rider“ mochte und heute noch dazu zu stehen vermag, wird „Street Hawk“ eine Chance geben dürfen. Auch Fans von „Tangerine Dream“ dürfen mal einen Blick riskieren. Ansonsten... Na ja...

BILD

Street Hawk

Das Bild entsprich den Standards von Serien aus den 80-ern, die nicht „Magnum“ oder „Miami Vice“ heißen und für eine DVD-Auswertung noch einmal hübsch aufgefrischt werden. Mit anderen Worten: Es hat gelitten. Die Kontraste fallen schwach aus, bei Nachtszenen entsteht nicht selten Grobkörnigkeit. Die Farben sind blass. Das ist allerdings generell ein Problem amerikanischer TV-Serien aus dieser Zeit. Immerhin ist das Bild frei von Schlieren.

TON

Street Hawk

Tja, was soll man über den Ton sagen? Die deutsche Synchronisation entstand für RTL, in einer Zeit, als man RTL noch als freundlichen Piratensender mit Sendelizenz bezeichnen konnte und es durchaus Spaß machte, das Programm zu schauen. Jüngere Leser werden sich an solche Zeiten nicht erinnern. Zu dieser Zeit steckte RTL gerade so viel Geld in die Synchronisation von Serien, wie erforderlich war, um Amerikanern deutsches Wortgut in den Mund zu legen. Synchronisationen auf dieser Zeit klingen grundsätzlich – billig. Was sie auch waren. Aus diesem Grund fehlt es an einer ordentlichen Abmischungen. Stimmen klingen stets gleich: Ob jemand in einem Raum spricht oder in der Prärie: Unterschiede lassen sich da nicht heraus hören. Kein Wunder, dass auch Außengeräusche seltsam statisch klingen. Allerdings ist auch die amerikanische Tonspur keine Offenbarung. Zwar wirkt der US-Ton räumlich weniger statisch, aber er kommt doch recht eintönig, monoton daher. Allein die Musik von „Tangerine Dream“ kommt auf beiden Spuren recht knallig aus den Boxen. Immerhin...

EXTRAS

Außer einem Wendecover gibt es leider nichts zu erwähnen.

FAZIT

Ein Mann, ein Motorrad, eine Serie. Wer 80-er-Fernsehtrash made in USA mag, wird sicher mit der Serie seinen Spaß haben. Das aus heutiger Sicht fast schön rührend positiv wirkende Auftreten der Hauptfiguren, das so gar nichts mit gebrochenen Serienhelden der Gegenwart zu tun hat, ist schon fast ein Fall fürs TV-Museum, der Soundtrack von „Tangerine Dream“ gehört nach wie vor zum Besten, was US-Serien überhaupt je zu bieten hatten. Wer sich jedoch weniger nostalgisch verklärt auf einen DVD-Abend freut, sollte vielleicht zu einer anderen Serie greifen.



Christian Lukas


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