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Big Fish   

Big Fish
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Original: Big Fish   (USA, 2004)
Laufzeit: 120 Minuten (PAL)
Studio: Columbia Tristar
Regie: Tim Burton
Darsteller: Ewan McGregor, Billy Crudup, Albert Finney, Jessica Lange u.v.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Extras: Kommentar, Making of, Quiz, Trailer
Preis: ca. 20 €
Wertung: 1-/ 2 / 2 (Bild/Ton/Extras)


"Der Fluss des Lebens!"

Wie außergewöhnlich ein Leben wenigstens in der Fantasie sein kann, zeigt Regisseur Tim Burton in seinem Film “Big Fish”. Als märchenhafter Abenteurer begegnet Ewan McGregor Riesen, Werwölfen und der Liebe. Die Erzählungen des alten Edward Bloom (Albert Finney) sind ein großer Teil des Lebens seines Sohnes Will (Billy Cudrup). Nie hat er die Wahrheit über seine Geburt oder das Leben seines Vaters, eines allseits geschätzten Vertreters, zu hören bekommen, was beide schließlich auseinander getrieben hat. Erst als sein Vater schwer erkrankt, wird Will noch einmal gezwungen, sich mit seiner Familiengeschichte zu beschäftigen. Diese Ausgangssituation nutzt Tim Burton um eine filmische Lanze für den Gebrauch von mehr Fantasie in unserem Alltag zu brechen. In Rückblenden schickt er Will mit dem Zuschauer auf die unglaubliche Reise durch das Leben des jungen Edward Bloom in Gestalt von Ewan McGregor. Von seiner Geburt bis zur Gegenwart erlebt Bloom in seinen eigenen Erzählungen nur außergewöhnliche Dinge, die allerdings zu einem geringen Teil in der Realität zu fußen scheinen. In typisch stilisierten wie ungewöhnlichen Bildern überbrückt Burton in “Big Fish” absichtlich die Grenzen zwischen realer und märchenhafter Welt. Von seiner Begegnung mit einem Riesen, die ihn schließlich in die weite Welt führte, bis zur Entdeckung seiner großen Liebe und späteren Frau Sandra (Alison Lohman durfte schon Nicholas Cage in “Tricks” verzaubern) scheint nur wenig in Blooms Retrospektive auf sein Leben normal verlaufen zu sein. Mit vielen herrlich skurrilen Nebenfiguren versehen – Danny de Vito als Zirkusdirektor im Werwolfspelz knüpft hier an die Qualität seines Pinguins aus “Batmans Rückkehr” an – bleiben Edwards Abenteuer über 120 Minuten amüsant und rührend. Trotzdem verzichtet Burton nicht auf die dunklen Aspekte seiner Märchen-Erzählung: die fiese Ausbeuterarbeit im Zirkus, Edwards Herabwürdigung eines Rivalen und ein vermeintlich geheime zweite Existenz lassen seine Lebensgeschichte ambivalent erscheinen. Mit einer großen Portion Rührseligkeit, wie sie Burton seit “Edward mit den Scherenhänden” nicht mehr auf die Leinwand brachte, muss sich “Big Fish” nur den Vorwurf gefallen lassen, seinem Thema formal etwas zu gerecht zu werden. Denn auch Burtons Märchen lebt mehr von der “Fabel”-haften Erzählweise als von seiner tagträumerischen Aussage.

BILD

Big Fish

Der anamorphe Widescreen-Transfer (1.85:1) von “Big Fish” ist absolut hervorragend geraten. Die Vorlage ist in bestem Zustand und besitzt keine analogen Rückstände von Dreckspuren oder Spratzern. Der speziell weichgezeichnete Look des Films wird ausgezeichnet wiedergegeben und besitzt einen hohen Detailgrad. Die Schärfe ist insgesamt sehr gut, wenngleich der absichtlich im Film eingesetzte Weichzeichner anderes vermuten lässt. Die Farben sind äußerst kräftig, aber trotzdem sehr gut ausbalanciert ohne Konturen zu überscheinen oder sich unnatürlich aus dem Gesamtbild abzuheben. Der Schwarzlevel ist tief mit einer ganz leichten Tendenz zur Milchigen in wenigen Szenen. Die Kompression arbeit sauber, aber kann ein seichtes Rauschen in den Hintergründen nicht immer verbergen. Trotzdem noch sehr gut.

TON

Big Fish

Das dominanteste Element des DD5.1 Soundtrack auf Deutsch und Englisch ist die äußerst stimmungsvolle Musik von Danny Elfman. Sie durchdrängt - mal sanft, mal kräftig - alle Surroundkanäle und untermalt das Geschehen mit einem wundervollen Klangteppich. Für großangelegte Surroundspielereien nimmt sich der Film selbst keine Zeit und serviert stattdessen eine solide Effektkulisse, die ebenfalls mehr auf subtile Atmosphäre setzt. Die Dialoge sind sicher im Center verankert und immer gut verständlich. Ein ordentlicher Track, der sich voll und ganz auf die Präsenz des großartigen Elfman-Score setzt.

EXTRAS

Zum Film gibt es einen Audiokommentar mit Regisseur Tim Burton, der aufgrund seiner drögen Vorstellungen in den Kommentaren von “Sleepy Hollow” und auch “Planet der Affen” (Test hier) echte Negativ-Rekorde aufgestellt hat. Diesmal waren die DVD-Produzenten cleverer und haben für Burton einen Moderator organisiert. Der Unterschied ist einfach gigantisch. Burton plaudert flott über ganz persönliche Details, wie seine eigene Beziehung zu seinem Vater, der kurz vor dem Projekt verstarb. Intensiv erläutert er die Themen und Motive des Films sowie auch produktionstechnische Details. Dies ist sicherlich der Kommentar, auf den viele Tim Burton Fans gewartet haben.

Über das “Ein großer Fisch in einem kleinen Teich”-Feature können während des Films verschiedene Video-Vignetten mit Hintergrundinformationen über die Filmtechnik oder die Filmcharaktere aufgerufen werden. “Auf den Spuren der Filmemacher” ist ein vierteiliges “Making of”, das in knapp 30 Minuten einen sehr soliden Abriss der Entstehungsgeschichte des Films liefert. Obwohl der Bezug zur eigentlichen Produktion gar nicht so spannend ist - besonders die auffällige Lobhudelei eines Produzenten nervt hier - widmen sich acht Minuten der Dokumentation allein dem Buchautoren Daniel Wallace. Hier kommt wirklich noch einmal Butter bei die Fische, was die ansonsten durchschnittliche Dokumentation ordentlich rausreißt. Unter “Die Film-Charaktere” befinden sich noch drei Dokumentationen, die sich konkret mit dem Inhalt des Films beschäftigen und auch über das “Ein großer Fisch...”-Feature abgerufen werden können. Hier wird ausführlich über die “Vater-Sohn Beziehung”, “Edward Bloom” und den Zirkusdirektor “Amos Calloway” gesprochen. Neben dem Kinotrailer zum Film kann auch noch ein kurzes “Tim Burton Quiz” gespielt werden. Wer alle Fragen richtig beantwortet darf sich einen Video-Clip über die Entstehung der “Freeze”-Sequenz im Zirkus anschauen.

FAZIT

Dass in “Big Fish” ordentlich viel Herzblut von Tim Burton steckt, beweist nicht nur das ausgezeichnete Extramaterial der DVD, sondern auch die wirklich gelungene Umsetzung der unverklärt gefühlsduseligen Mär über die Märchenwelt eines realen Lebens. Mit “Big Fish” hat Burton einen ganz großen Wurf gelandet, der sowohl von seinen Fans als auch seinen Kritikern hoch gelobt wird. Zurecht! Ein Pflichtkauf für den Gabentisch.



Kay Pinno


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