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De Storm   

De Storm
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Original: De Storm   (Niederlande, 2009)
Laufzeit: 96 Min. (PAL)
Studio: Universal Pictures Benelux
Regie: Ben Sombogaart
Darsteller: Sylvia Hoeks, Barry Atsma, Dirk Roofthooft, Monica Hendrickx
Format: 2,35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 5.1 Niederländisch
Untertitel: Niederländisch, Englisch
Extras: Audiokommentar für Sehbdehinderte (niederl.)
Preis: ca. 6 Euro
Wertung: 2-/ 2 / 4 (Bild/Ton/Extras)


"Deiche brechen, deutsche Verleiher tauchen weg!"

Für Bewohner Nordrhein-Westfalens oder großer Teile Niedersachsens gehört es zum guten Ton, einmal im Jahr in die Niederlande zu fahren, nach Venlo, nach Groeningen, nach Enschede, um sich dort mit originalem Vla und anderen Kunstfertigkeit der niederländischen Lebensmitteltechnik einzudecken. Beim nächsten Tripp jedoch kann es nicht schaden, einen Umweg über einen DVD-Shop zu nehmen und nach diesem Film Ausschau zu halten: "De Storm".

Zeeland 1953. Julia ist eine junge Mutter. An sich kein großes Ding, sollte man meinen, junge Mutter, kleines Baby. Nur: Julia ist nicht verheiratet. Ein Skandal in ihrer kleinen Heimatgemeinde, wo calvinistisch geprägter Protestantismus das Bild des Anstands prägt. Während ihre Schwester den Kleinen heiß und innig liebt und ihre Mutter ihre Gefühle für die Tochter längst über den gesellschaftlichen Konformismus hat triumphieren lassen, weigert sich Julias Vater, ein Bauer, den kleinen Windelpuper überhaupt auch nur anzuschauen.

Es ist der Abend des 31. Januars des Jahres 53, der Abend, an dem ein ungewöhnlich heftiger Sturm an der Küste wütet. Die Gemeinde feiert. Auch Julia möchte das Leben genießen, doch was sie erlebt, ist Ablehnung. Von den Frauen, die sich bei ihrem Anblick abwenden. Und sogar von den jungen Männern, die in ihr eine Schlampe sehen.
Zurück daheim bleibt zum Schlafen nicht viel Zeit. Der Sturm ist zu heftig, es regnet in den Stall hinein, die Familie muss das Hab und Gut schützen.
Doch kaum sind sie draußen, bewegt sich eine riesige Wasserwand auf den Hof zu. Die Dämme sind gebrochen und Julia - kann den Wassermassen nicht ausweichen. Schließlich versinkt sie im Wasser.

Als sie in einem Notlazarett erwacht, sitzt der Soldat Aldo an ihrer Seite. Aldo ist der Onkel ihres Kindes (der Vater hat sich als Seemann davongeschlichen). Er versucht Julia davon zu überzeugen, dass ihr Kind tot ist. Doch Julia hat den Kleinen in eine Kiste gesteckt, bevor alles - im wahrsten Sinne des Wortes - auseinanderbrach. Sie ist davon überzeugt, dass der Kleine noch lebt. Und so kehrt Julia mitten in das Katastrophengebiet zurück. Begleitet von Aldo, der jenen Part in ihrem Leben übernimmt, den eigentlich sein Bruder übernehmen sollte.

„De Storm“ ist mehr als ein typisches Katastrophendrama, da es kein dramatisches Szenario aufbaut, dessen Konflikte schließlich in der hereinbrechenden Katastrophe zum sinnbildlich zum Ausbruch gelangen, sondern quasi mit der Katastrophe beginn und die Hauptfigur schon nach wenigen Minuten mit dem Tod konfrontiert. Julia wird bereits in diesen Anfangsminuten alles genommen, was ihr nahesteht – und erst dann beginnt Julia zu einem komplexen Charakter zu reifen, dessen Handlungen in der Vergangenheit und Gegenwart den Menschen der Zukunft formen.

Regisseur Ben Sombogaart steigt direkt in die Handlung ein, er vertrödelt keine Zeit, er lässt die Katastrophe über das Geschehen hereinbrechen und nutzt geschickt Klischees des Katastrophenfilmes, um Spannung aufzubauen. Doch das ist nur die Oberfläche der Geschichte. Erst nach und nach wird einem als Zuschauer bewusst, wie sehr er die Gesellschaft jener Zeit einer Sezierung unterzieht. Es gibt in der Geschichte Solidarität. Aldo beispielsweise ist ein anständiger Charakter; es gibt einen alten Bauern, der bis zur totalen Erschöpfung mit seinem Ruderboot hinaus auf die überfluteten Felder schwimmt, um Menschen von Dächern zu bergen - ohne auf sein eigenes Leben zu achten. Doch wir erleben die anderen: Den Hotelier, der in seinem Haus die Essensportionen streng rationiert - und exakt Buch darüber führt, was die Gemeinde ihm nach dem Ende der Katastrophe zahlen muss. Da sind die Frauen, die selbst in dem Moment, in dem man davon ausgehen muss, dass Julia ihr Kind verloren hat - nur Verachtung empfinden und in gewisser Weise ganz froh sind, dass dieser kleine Bastard ersoffen ist. Nein, freundliche Charaktere sind dies alles nicht.

Dabei verläuft sich Regisseur Ben Sombogaart keinesfalls in Klischees. Gut, er weiß, wie man Gefühle erzeugt (wer bei Minute 44 nicht Rotz und Schnodder heult, ist ein kalter Hering!), aber spätestens das Ende des Filmes, das ist, milde ausgedrückt, ungewöhnlich. Spätestens in dem Moment, in dem man glaubt, dass "De Storm" nun, nach allerlei Irrungen/Wirrungen, Hoffnungen und Niederschlägen zu einem konventionellem Ende gelangen würde - macht der Regisseur etwas ganz anderes.

Es ist ein Trauerspiel mit ansehen zu müssen, wie jede noch so minderwertige US-Prdouktion, die mehr als acht Dollar gekostet hat, irgendwann auf irgend eine Art eine Auswertung in deutschen Landen erfährt, Filme wie "De Storm" aber letztlich keine Chance bekommen.

BILD

De Storm

Das Bild entspricht den üblichen Standards. Sehr schön ist die Tatsache, dass hier ein Regisseur wirklich mal einen Film fast ausschließlich bei Tageslicht gedreht hat. Allein die ersten 15 Minuten spielen in der Dunkelheit, hier kann das Bild auch nicht in Gänze überzeugen, da es manchmal etwas zu hell wirkt. Alles in allem aber ist dies eine Kleinigkeit, die höchstens einen Punkt Abzug in der B-Note bringt. Ansonsten stimmen alle Tonwerte, eine bodenständige Arbeit.

TON

De Storm

Bei den Katastrophenszenen wummert es manchmal ein bisschen zu laut. Wird gleichzeitig auch noch gesprochen, treten die Stimmen etwas in den Hintergrund. Ansonsten sind die Stimmen klar und der Moment, wenn der Damm bricht... Da geht man sogar als Zuschauer im trockenen Wohnzimmer unwillkürlich in Deckung...

EXTRAS

Da ist der Film leider nicht sonderlich gut bestückt. Dabei wäre es sicher hoch interessant gewesen zu sehen, wie die Filmemacher Felder in Belgien geflutet haben. Dort nämlich wurden die Außenszenen gedreht. Ursprünglich sollte der Film in Zeeland, an den Originalschauplätzen gedreht werden. Doch Überlebende der Katastrophe von 1953 sprachen sich dagegen aus: Sie wollten nicht an die Tragödie, die weit über 1000 Menschen das Leben gekostet hat, in dieser Form erinnert werden. All das wäre für eine Doku bestimmt interessant gewesen. Gibt es aber nicht.

Für den deutschen DVD-Freund ist es sicher nicht ganz unwichtig zu erfahren, dass englischsprachige Untertitel auf der DVD vorhanden sind.

Für Sehbehinderte gibt es einen erklärenden Audiokommentar (aus Niederländisch).

FAZIT

Eine Mutter im Kampf gegen die Bigotterie ihrer Mitmenschen und die Gewalten der Natur. "De Storm" ist eine echte Überraschung, in seinen besten Momenten ein Schwinger in die Magengrube, in seinen emotionalsten Augenblicken Gefühlskino pur. Absolut empfehlenswert!



Christian Lukas


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