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Mad Circus   (BLU-RAY)

Mad Circus
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Original: Una balada triste de trompeta   (Spanien, 2010)
Laufzeit: 111 Min. (1080p)
Studio: Koch Media
Regie: Alex de la Iglesia
Darsteller: Carlos Areces, Antonio de la Torre, Carolina Bang, Santiago Segura u.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD-MA 5.1 Deutsch, Spanisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Produktionstagebuch, Making of, Alex de la Iglesia Berlin u.m.
Preis: ca. 16 €
Wertung: 1-/ 2+/ 2 (Bild/Ton/Extras)


"Faschismus, Gelächter und Wahnsinn"

Wieder einmal hat es das spanische Enfant térrible Alex de la Iglesia ("EL DIA DE LA BESTIA", "PERDITA DURANGO") geschafft, einen filmischen Cocktail zu servieren, der irgendwo zwischen explodierendem Napalm und einem Blaubeer-Daikiri liegt: süß, schmerzhaft und gnadenlos alles verschlingend bis einem die Netzhaut aus den brandverkrusteten Augenhöhlen quillt. Dabei bleibt er aber so spanisch wie eh und je: der iberische Macho trifft auf ein kindliches Unschuldslamm, die sich beide in die gleiche Frau, natürlich Hure und Madonna in Personalunion, vergucken. Doch alles beginnt erstmal in der faschistischen Revolution der 30-er Jahre. Dort verliert Javier seinen Vater (Santiago Segura) und damit auch seine ganze Familie: interniert von den Faschisten, weil der Zirkusclown zur Konterrevolution gegen Francos Truppen gedungen wurde. Bereits hier gibt Iglesia dem brutalen Treiben im Dienste von Ideologie und Machtbesessenheit die richtige absurde Note: „Ein Clown mit einer Machete wird diesen Faschisten eine Scheißangst einjagen!“, weiß der Kommandant der republikanischen Truppen nur zu gut. Doch zuletzt lacht die faschistische Übermacht. Die Jahre ziehen ins Land und Javier (Carlos Areces ist Bastian Pastewkas spanischer Doppelgänger!) wächst in einem Spanien auf, das die Spuren des Faschismus tief in sich trägt. Als Clown verdingt er sich in den 70-er Jahren wie sein Vater in einem Zirkus, der eigentlich wie ein Mikrokosmos der Gesellschaft wirkt. Neid, Missgunst, Hass und Trägheit tragen hier ihre Früchte in einem beängstigenden Machtsystem, das so eingefahren ist, dass jegliche Erniedrigung erduldet wird, um einfach weiter zu überleben. Verliebt in die Seilartistin Natalia (Carolina Bang) entwickelt sich ein explosiver Konflikt zwischen Javier und dem brutalen Sergio (Antonio de la Torre), der sowohl Natalia als auch das Zirkus-Ensemble ob seiner Popularität als lustiger Kinderclown in der Hand hält. Als die Situation blutig eskaliert, bleibt für Javier nur die Flucht, die ihn schließlich an die Grenzen des Wahnsinns und in seine eigene Vergangenheit mit den Faschisten führt. "MAD CIRCUS" ist eine blutige Groteske, die poetisch brillant von Alex de la Iglesia in großen, hypnotischen Bildern erzählt wird. Angereichert mit zahllosen Referenzen an das klassische Kino von Hitchcock bis zu filmischen Monstermythen von "FRANKENSTEIN" bis "AMERICAN WEREWOLF" läuft der spanische Ausnahmeregisseur gekonnt Amok in Spaniens jüngerer Geschichte. Filmischer Irrsinn kann kaum schöner und gleichzeitig brutaler sein. Schlussendlich fehlen einem die Worte, wie komplex und gleichzeitig simpel Iglesia seinen Zirkus um verschmähte wie verzerrte Liebe und die Unvereinbarkeit bestimmter Konstellationen im Leben, die für alle Beteiligten nur Leid und Tod bedeuten können, inszeniert. Monster werden erschaffen, Faschisten gebissen und die menschliche Seele in zwei Teile gesprengt: den wahnsinnig lachenden dummen August und den vor schmerz schreienden, traurigen Clown. Viva la revolución!

BILD

Mad Circus

Der anamorphe Widescreentransfer (2.35:1) ist geradezu brillant. Die Vorlage ist in perfektem Zustand und zeigt absolut keine analogen Rückstände. Schärfe und Kontrast sind durchgängig sehr gut und lassen die unterschiedliche Stimmung der Bilder sehr gut aufleben. Besonders die hochkontrastigen Szenen aus dem Bürgerkrieg am Anfang des Films ziegen dabei einen großartigen Detailreichtum, der auch in den vielen dunklen Momenten erhalten bleibt. Die Farben sind kräftig aber nicht überbetont. Dennoch wird der stark stilisierte Look des des Films damit großartig unterstrichen. Der Schwarzwert ist sehr tief, aber immer dteailreich. Die Kompression ist nicht wahrnehmbar. Sehr gut.

TON

Mad Circus

Der DTS-HD-MA 5.1 Sound zieht alle Register, wenngleich der deutsche Synchrontrack den Nachteil hat, dass die Stimmen insgesamt recht stark im Vordergrund liegen und dadurch relativ künstlich wirken. Der spanische Track bietet hier weitaus mehr Homogenität und eine bessere Klangaufteilung.
Dennoch ist das Surroundverhalten in beiden Tracks sehr gut. Egal ob bombastische Aktionszene oder ruhige Dialogmomente - die die Soundstage ist immer gut geöffnet und liefert ein gutes Ambiente. Besonders einige Kamerafahrten liefern ein sehr dynamisches Surroundverhalten. Störende Überlappungen oder Aussetzer konnten nicht festgestellt werden. Gut.

EXTRAS

Neben der Single-Disc Blu-ray gibt es auch eine 2-Disc Special Edition, der eben eine zweite Scheibe (DVD) beiliegt, die die Extras in Standardauflösung enthält. Neben dem kompakten "Making of" (ca. 15 Min.) das tatsächlich einige sehr ehrliche Interviewmomente besitzt, kann vor allem der Auftritt von "Alex de la Iglesia in Berlin" (ca. 37 Min.) einige sehr erhellende Momente liefern. In einem Q&A nach der Vorstellung liefert Iglesia zusammen mit Darstellerin Carolina Bang eine sehr persönliche Einsicht in seine Arbeit an "Mad Circus".
Wer sich für die Dreharbeiten selbst interessiert kommt beim "Produktionstagebuch" auf seine Kosten. Hier gibt es knapp eine Stunde an unkommentierten Aufnahmen vom Set und bei den Dreharbeiten zu sehen.
Abschließend gibt es noch einen 10-minütigen Zusammenschnitt einer Effekte-Montage, die die verschiedenen Trickaufnahmen des Films in unterschiedlichen Stadien zeigt.

FAZIT

Alex de la Iglesias "Mad Circus" ist ein brutaler wie surrealer Albtraum-Trip in die Abgründe der spanischen Seele und Gesellschaft. Unverkennbar überdreht im Stile Iglesias entfaltet sich eine böse Fabel über verlorene Liebe, Faschismus und Unterdrückung. Die 2-Disc Special Edition von Koch Media bietet dazu eine atemberaubende Qualität und ein paar informative Extras. Pflicht für Iglesia-Fans.



Kay Pinno


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