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Blue Velvet SE   

Blue Velvet SE
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Original: Blue Velvet   (USA, 1986)
Laufzeit: 120 Minuten (PAL)
Studio: MGM / Twentieth Century Fox
Regie: David Lynch
Darsteller: Kyle MacLachlan, Isabella Rosselini, Dennis Hopper, Laura Dern, Dean Stockwell, u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Making of, Deleted Scenes u.m.
Preis: ca. 25 €
Wertung: 1+/ 2-/ 1 (Bild/Ton/Extras)


"Das ist eine fremde Welt da draußen."

Nachdem David Lynch mit seinem Mammutprojekt “Dune - Der Wüstenplanet” schreckliche Erfahrungen gemacht hatte, war es Zeit für den außergewöhnlichen Filmemacher sich wieder auf seine Wurzeln zu besinnen. Das mehr als kontroverse Ergebnis hieß “Blue Velvet”. Die Geschichte des Collegestudenten Jeffrey Beaumont (Kyle MacLachlan), der in die Abgründe der menschlichen Moral in einer idyllischen Kleinstadt gesogen wird, sorgte aufgrund der freizügigen Darstellung von psychischer und physischer Gewalt an einer Frau für Empörung und Unverständnis. Der Abstieg in die Hölle hinter der biederen Fassade einer Kleinstadt beginnt für Jeffrey mit dem Fund eines abgeschnittenen Ohres. Über die Tochter des ermittelnden Polizisten Sandy (Laura Dern) findet er mehr über die Hintergründe seines Fundes heraus. Dies führt ihn zu der Sängerin Dorothy Vallens (Isabella Rosselini), die von dem Psychopathen Frank Booth (einmalig Dennis Hopper) traktiert wird. Statt sich aber der Polizei anzuvertrauen, gerät Jeffrey immer tiefer in den Sumpf aus Drogen , Gewalt und Verbrechen. Mit Bilder und Motiven, die das Auge stärker fordern als das übliche Kinoeinerlei, schafft Lynch eine permanente Atmosphäre der Unsicherheit. Nichts ist wie es wirklich scheint. Dieses Thema vertieft sich noch viel stärker in den Filmen “Lost Highway” aber vor allem in “Mulholland Drive”. Besonders prägnant ist bei “Blue Velvet” der Kontrast zwischen der unschuldigen Fassade und den dunklen Elementen, die dahinter lauern. Der Film ist eine vielschichtige und gefährliche Mischung aus Liebesgeschichte, Detective-Story, schwarzer Komödie und einer Reise in die perversen Abgründe der menschlichen Seele verpackt in die schönsten Bildkompositionen, die ein anamorphes Widescreenformat hergeben kann. Dieser Film bleibt einfach der Schlüssel zum Universum von David Lynch.

BILD

Blue Velvet SE

Noch nie wurde bisher eine Präsentation von “Blue Velvet” den Anstrengungen der ausgeklügelten Bildgestaltung gerecht. Damit ist glücklicherweise jetzt Schluss. Die neue Special Edition von MGM besitzt wirklich die perfekte Repräsentation eines analogen Filmmaterials. Besser dürfte ein Film kaum jemals auf DVD erscheinen. Die Vorlage ist absolut kristallklar und ohne störende Alterserscheinungen. Das Bild ist hochdetailliert und gestochen scharf. Die Kontraste sind perfekt abgestimmt und der Schwarzlevel wird sorgsam an die unterschiedlich dunklen Settings angeglichen. ie Farbwiedergabe ist maximal ohne dabei zu überbetont kräftig zu wirken. Allein der blaue Samtvorhang unter dem Vorspann macht schnell deutlich, das hier gut gearbeitet wurde. Zudem lässt der anamorphe Widescreentransfer endlich die geniale Bildkomposition des Bildes voll zur Geltung kommen. Die Kompression sorgt dabei für ein dauerhaft stabiles Bild ohne Ruckeln oder Rauschen. “Blue Velvet” hat so letzendlich den perfekten Bildtransfer bekommen, den dieser Film verdient. Wow.

TON

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Die aufgemotzte Soundkulisse kann leider nicht mit der hervorragenden Bildqualität mithalten. Trotz eines neuen Dolby Digital 5.1 Tons in Deutsch und Englisch klingen die Tracks beim ersten hinhören wie normale Dolby Surroundtracks. Die Frontstage ist faktisch alleine aktiv, während alle ialoge fest im Center verankert sind. Oft hat man aber auch das Gefühl, das die zahlreichen Musikeinsätze ebenfalls in den Centerkanal gelegt wurden. Dies sorgt für eine etwas “eingequetschten” Klang. Trotzdem gibt es seichte ambiente Effekte, wie Vögelzwitschern oder das Stampfen von schweren Maschinen, die den Zuschauer auch im Surroundbereich beschallen. Der Subwoofer kann sich allerdings eine dicke Pause gönnen. Ob David Lynch diese seltsame und vor allem in seinen Möglichkeiten beschränkte Abmischung haben wollte? Wieder ein Mysterium mehr, das “Blue Velvet” umgibt.

EXTRAS

Obwohl das Bonusmaterial nicht die Fülle an technischem wie PR-Hokuspokus aufweist, sind die vorhandenen Extras der absolute Wahnsinn. Das wichtigste ist hierbei die 70-minütige Dokumentation “Mysteries of Love”. Mit seltenen alten Interviews des kamerascheuen Regisseurs und neuen (!) Interviews mit Kyle Maclachlan, Isabella Rosselini, Dennis Hopper, Kameramann Frederick Elmes und weiteren Kolaborateuren wird die Erfahrung der Produktion von “Blue Velvet” bis ins kleinste Detail auseinandergenommen ohne auch nur in einer Sekunde langweilig zu sein. Besonders Isabella Rosselini spricht sehr offenherzig über die Problematik der Vergewaltigungsszene und wie lustig (!!!) aber natürlich auch peinlich das Ganze war. Für alle Lynch und “Blue Velvet”-Fans ist diese Dokumentation ein absolutes Muss. Aber auch Nicht-Lynchianer dürften ihre helle Freude an dieser außergewöhnlich guten Dokumentation haben. Die “unveröffentlichten Szenen” bestehen aus einer 10-minütigen Musik-Montage von Bildern dieser Szenen, da das Originalmaterial anscheinend nicht mehr existiert. Besonders interessant ist hier die berüchtigte Billiard-Party-Szene mit Frank und seinen Spießgesellen. Neben den Trailern und Bildergalerien zu “Blue Velvet” gibt es auch noch einen knapp 2-minütigen Clip aus der Filmkritikersendung “Siskel & Ebert”, die “Blue Velvet” besprechen. Und mein Gott, gibt sich Roger Ebert von der Chicago Sun-Times kleinbürgerlich prüde und gelinde gesagt “dumm”. Au weia!

FAZIT

DER David Lynch-Klassiker hat endlich eine mehr als würdige DVD-Umsetzung bekommen. Das kristallklar-perfekte Bild führt mit der gelungenen Dokumentation “Mysteries of Love” schon zum Kaufzwang. Absolut Unverzichtbar!!! Jetzt kaufen!



Kay Pinno


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