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Conan, der Barbar   

Conan, der Barbar
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Original: Conan, the Barbarian   (USA, 1982)
Laufzeit: 121 Minuten (PAL)
Studio: Concorde
Regie: John Milius
Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Sandahl Bergman, James Earl Jones, Mako, Gerry Lopez u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch DD2.0 Deutsch
Untertitel: Deutsch
Extras: Kommentar, Making of, Deleted Scenes u.m.
Preis: ca. 25 €
Wertung: 2 / 3 / 1 (Bild/Ton/Extras)


"Das Geheimnis des Stahls!"

Das Jahr ist 1982. In der erfolgreichen TV-Sendung “Auf Los geht’s los” präsentiert ein noch unbekannter östereichischer Bodybuilding-Mime im deutschen Fernsehen seinen neuen Film, der ihn zum großen Hollywood-Star machen soll. Die Rede ist natürlich von Arnold Schwarzenegger und “Conan, der Barbar”. Die ersten Bilder dieses fantastischen Epos, der gleich ein eigenes Barbaren-Genre mit vielen Nachahmern kreieren sollte, bekam ich dort zu sehen und war zunächst überwältigt. Erst Jahre später sollte ich den kompletten Film in seiner gekürzten Inkarnation auf VHS erleben. Und das war eine herbe Enttäuschung (nicht nur wegen des schrecklichen Vollbilds der Kassette). Irgendwie gab es zu wenig Monster und phantastische Elemente, die mich fesseln konnten. Es war schlichtweg langweilig und blöd. Mit der Zeit wuchs aber das Verständnis für das Material, denn “Conan” war eben nicht der trashige Fantasy-Blödsinn im Stile von “Der Zauberbogen” (eine echt unterschätzte Trash-Perle), den ich zu dieser Zeit massenweise konsumierte. “Conan” ist eine Fantasy-Mär für Erwachsene, die eine Welt beschreibt, wie sie auf dem eurasischen Kontinent vor tausenden Jahren tatsächlich hätte aussehen können. Basierend auf den Romanen und Kurzgeschichten von Autor Robert E. Howard und nach einem Drehbuch von Oliver Stone schuf Regisseur John Milius eine krude eigene Form der Nibelungen-Saga: die unglaubliche Geburt eines archaischen Helden, der in diesem Fall von Rache getrieben zu einem gewaltigen Krieger und König heranwächst. Weiterhin geht es um Schicksal, Bestimmung, Macht, Stahl und das Blut, mit dem man die vorangegangenen Dinge bezahlen muss. Es geht sogar um echte Liebe (die sogar über den Tod hinausgeht!) zwischen Menschen, denen solch ein Glück - allein aufgrund ihrer kriegerischen Profession - verwehrt blieb. Mit der perfekten Besetzung von Schwarzenegger (der Conan fast als autobiographische Rolle empfindet), dem meisterlichen Soundtrack von Basil Poledorius und einem unglaublich guten Produktions-Design schuf John Milius sicherlich sein persönliches Meisterwerk. Auch die Besetzung von James Earl Jones als Conans finsteres Hassobjekt und Halbgott Thulsa Doom ist ein Geniestreich. Obwohl er nur zwei echte Dialoge im Film hat, hämmern sich seine Worte wie Conans Schwertstreiche ins Hirn des Zuschauers - mit den gleichen schweren Folgen. Besonders die großartige Umsetzung der martialischen Kämpfe und die seltsamen Gebräuche der Bewohner von Conans Welt lassen ein dichtes eigenständiges Universum entstehen. Ohne zu sehr im Fahrwasser des Exploitationkinos zu segeln, zeigt Milius kompromisslos blutige Schlachten, wilde Orgien, Kannibalismus, Okkultismus und sogar Sodomie. Dies passiert aber so unnaufdringlich und teilweise (deutlich) im Hintergrund, weil diese Elemente ohne großes filmisches Getue oder auffällige Close-Ups in den Film integriert wurden. Diese Dinge sind einfach ein Teil dieser archaischen Welt und Milius stellt sich einfach daneben und filmt die Szenerien oft in fast dokumentarischen Wideshots und ohne große Schnitte mit. Dadurch wirkt “Conan, der Barbar” weitaus realistischer, weil Milius dem Zuschauer die Chance gibt, die vielen Details im Bild selbst zu erfassen, ohne ihn nachhaltig zu manipulieren. Den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit muss sich “Conan” ebenfalls nicht gefallen lassen. Sicherlich wird die vorzeitliche Welt von Conan durch Männer dominiert (so war das damals eben meine Damen!), aber die Kriegerin Valeria (ebenfalls großartig mit Tänzerin Sandahl Bergman besetzt) ist nunmal der wunderbare Archetyp einer starken wie klugen Frau, die sogar Conan locker überlegen ist. Concorde bringt “Conan, der Barbar” in der ungekürzten internationalen Kinofassung auf DVD. Dies ist allerdings nicht die in den USA auf DVD erschienene “Extended Version” des Films. Einen genauen Versionsbericht zu “Conan” könnt ihr hier finden.

BILD

Conan, der Barbar

Zum ersten Mal erscheint das Barbaren-Epos in Deutschland in anamorphen Widescreen (2.35:1) und das Bild schaut wirklich gut aus. Zwar wurde bei diesem Transfer nicht ganz so viel Hand angelegt, wie bei der neuen US-Version, aber der Transfer kann sich wirklich sehen lassen. Die Vorlage hat kaum noch Spuren ihres Alters aufzuweisen. Spratzer und Dreckspuren wurden auf ein Minimum reduziert. Nur vereinzelte Aufnahmen (z.B. als Conan von den Wölfen verfolgt wird) schwanken aufgrund der Vorlage mal deutlich in der Qualität (Farben sind kurz etwas ausgewaschener und ein Bildrauschen ist deutlich erkennbar). Ansonsten zeigt sich der Transfer sehr detailfreudig. Die Schärfe hat zwar in einigen Szenen etwas zu kämpfen, aber der Gesamteindruck ist wirklich gut. Die Farben sind kräftig (bis auf die oben erwähnten Szenen) und geben die erdfarbene Palette des Films gut wieder. Der Schwarzlevel ist tief aber sehr schwankend. An manchen Stellen sind Szenen sehr dunkel geraten während andere ein bisschen milchiger wirken. Nicht perfekt aber auch nicht wirklich schlimm. Die Kompression ist fehlerfrei. Artefakte und Blockrauschen bleiben Conan fern. Gut.

TON

Conan, der Barbar

Für die neue Special Edition wurde jetzt auch der deutsche Ton einem DD5.1 Upmix unterzogen. Aber genau wie der neue Upmix der US-Scheibe kann der Ton leider keine Wunder vollbringen. Dies zeigt sich besonders an der epischen wie kräftigen Musik von Basil Poledorius. Eher schlapp und kraftlos bleibt sie wie der restliche Ton auf die Frontstage beschränkt. Die Dialoge sind alle gut verständlich und ordentlich aufgeräumt. Keine Zeichen der ursprünglichen Mono-Master sind mehr vorhanden. Die Abmischung verhindert störende Überlappungen. Eine Surroundaktivität ist leider kaum vorhanden. Zwar wird bei einigen Kampfszenen ein wenig Lärm im hinteren Bereich wiedergeben, aber richtige Atmosphäre will dabei nicht aufkommen. Dabei bleibt auch der Tiefbass eher stumm. Direktionale Effekte sind gar nicht vorhanden. Für einen 5.1 Upmix eher enttäuschend. Insgesamt aber eine ordentliche Tonleistung.

EXTRAS

Die Extras sind natürlich der wahre Schatz dieser Special Edition. Zunächst wäre da der Audiokommentar mit Regisseur John Milius und Arnold Schwarzenegger. Dies ist ein absoluter Instant-Klassiker. Beide sind sehr stolz auf den Film und ebenfalls überrascht wie gut er sich nach all der Zeit gehalten hat. Zusammen erinnern sie sich an Probleme, Verletzungen und die Erlebnisse vor Ort in Spanien. Beide haben den Film schon lange nicht mehr gesehen, aber Milius kann sich detailliert an viele Kleinigkeiten erinnern und gibt auch interessante Hintergrundinfos zum Conan-Universum preis. Da werden auch geschickt Kleinigkeiten im Film hervorgehoben, die leicht zu übersehen sind (Bester Gag: Conan und die Wölfe. Den Witz in der Montage dürfte kaum jemand wirklich realisiert haben!) Absolut Testosteron geladen plauschen Filmemacher und Schauspieler über den großartigen Look des Films einschließlich seiner weiblichen Protagonisten. Ein Track, der wirklich Pflichtprogramm ist. Nicht weniger spannend ist die 52-minütige neue Dokumentation “Conan Unchained”. Hier gibt es wirklich alles zu sehen und zu hören, was es zu “Conan, der Barbar” zu wissen gibt. Hier befinden sich auch die Outtakes wo Arnold tatsächlich von den Hunden am Set angefallen wird, weil er nicht schnell genug den Felsen hochklettern konnte. Alle Beteiligten (einschließlich Oliver Stone und Dino de Laurentiis!) sprechen ehrlich aber ebenfalls sehr ehrfürchtig über den Film. Da wird kein Blatt vor den Mund genommen. Eine echte Offenbarung. Die Deleted Scenes beinhalten den geschnittenen Gastauftritt von Regisseur John Milius. Er verkauft Conan und Subotai die Delikatesse “Echse am Stiel”. Eine weitere Szene zeigt den Tod von König Osric (Max von Sydow). Er wird von seinen Wachen an Thulsa Doom verraten und kaltblütig gemeuchelt. Auch hier darf man sich noch einmal den fiesen Outtake mit Arnold und den Hunden ansehen. Zum Schluss gibt es noch eine Spezialeffekt-Montage der Geistersequenz am Strand zu sehen. Interessant sind auch die Produktionsnotizen (Texttafeln), die noch einige sehr hübsche Informationen (einschließlich der spanischen Drehorte) beinhalten. Der originale Kinotrailer darf natürlich auch nicht fehlen.

FAZIT

Hau da yeng! Wir haben wieder gesiegt! Was ist für einen Mann das Schönste im Leben? Zu kaufen gute DVDs, sie zu schauen und zu hören, und sich zu erfreuen an den genialen Extras. So oder ähnlich hätte Conan sicher über diese wundervolle Scheibe gesprochen. Hier gibt es wirklich nichts zu mäkeln. Dieser erwachsene Fantasy-Klassiker gehört in jede Sammlung. Ein Pflichtkauf, denn sonst wird Crom euch ewig zürnen.



Kay Pinno


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