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The Last Stand   

The Last Stand
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Original: The Last Stand   (USA, 2012)
Laufzeit: 103 Min. (PAL)
Studio: Splendid
Regie: Kim Jee-woon
Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Forest Whitaker, Johnny Knoxville, Luis Guzman u.a.
Format: 2.40:1 Widescreen 16:9
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Deleted Scenes, Making of u.m.
Preis: ca. 12 €
Wertung: 2 / 2 / 2 (Bild/Ton/Extras)


"Zwölf Uhr mittags bei Sheriff Schwarzenegger"

Arnie is back! Und was soll man sagen? Der in die Jahre gekommene Gouvernateur macht einfach alles richtig. Nach seinem Cameo im ersten "Expendables" und der etwas größeren Rolle in der Fortsetzung, da wusste man nicht so recht – was will Arnie? Seine "Expendables"-Auftritte waren eine Liebeserklärung an seine Fans, keine Frage. Ironisch, mit seinem eigenen Image spielend, amüsant. Aber würde er, der Unbesiegbarste aller Actionheroen der 80er (und irgendwie auch noch 90er) – auch wieder als Hauptdarsteller eines Actionfilmes der Gegenwart funktionieren?
Man denke an die "Expendables". Wo Teil 1 noch geschickt die Balance zwischen Hommage ans Actionkino der 80er und modernem Actionfilm halten konnte, verhaspelte sich der zweite Teil oft in Selbstironie, zelebrierte seine alten Helden, vergaß dabei jedoch Spannung aufzubauen. Aber, Arnie ist Arnie und der Mann hat seine Rückkehr offenbar sorgfältig geplant.
Dass er einen Sheriff spielt, ist nun nicht so überraschend. Aber die Rolle, die er verkörpert, ist eine der amerikanischten und somit klassischten des Aktionskinos überhaupt. Es ist die Rolle eines Westernsheriffs, der seine Stadt gegen ein herannahendes Unheil verteidigen muss. Inspiration für diese Rolle ist ganz klar die des Marshals Will Kane, dem Gary Cooper in „12 Uhr mittags“ Unsterblichkeit verlieh. Auch Arnies Sheriff Owens ist ein Mann, der weiß, dass sich etwas seiner Stadt naht, das Tod und Zerstörung mit sich bringen und das Leben in der ruhigen Kleinstadt für immer verändern wird. Und in gewisser Weise steht auch er allein. Aber – eben nur in gewisser Weise. Arnie ist eben nicht mehr John Matrix ("Das Phantom-Kommando", 1985), eine Ein-Mann-Armee, die mal eben eine Despotenarmee im Alleingang auslöscht. Er ist ein Sheriff der Moderne – und als solcher hat er seine Deputys. Menschen, denen er vertraut – und die vor allem ihm vertrauen. Es ist faszinierend zu sehen, wie Arnold Schwarzenegger die Szenerie bestimmt, wie er mit seinem Charisma den Film trägt. Aber – er ist Teil eines Ensembles. "The Last Stand" ist keine Ein-Mann-Show. Ja, es ist Arnies Comeback und ja, der Film ist natürlich auf ihn zugeschnitten. Doch eine starke Darstellerriege spielt ihm zu – und er lässt sie spielen. So überlässt Arnie die coolen Auftritte Luis Guzmán, der in der Rolle des widerwillig-mutigen Deputys Mike Figuerol so etwas wie das Herz des Filmes bildet. Jamie Alexander gibt die mutige Kleinstadtpolizistin, die im Zwist mit ihrem Ex liegt (Rodrigo Santoro), einem kriminell gewordenen Ex-Soldaten, der im Suff nicht unbedingt Gesetzestreue lebt – doch der im Moment der Gefahr ebenso dem Sheriff folgt wie Johnny Knoxville. Na gut, Johnny Knoxville wurde gecastet, weil kein anderer Schauspieler so bekloppte Stunts ausführt, wie der Erfinder von „Jackass“. Doch zu einem Schwarzeneggerfilm gehören Stunts – und wenn einer ohne doppelten Boden arbeitet – dann Knoxville.
Bei alledem jedoch entpuppt sich der Mann hinter der Kamera als der Glücksgriff schlechthin: Kim Jee-woon spricht bis heute kein Wort Englisch. Aber mit "The Good, The Bad And The Weird" drehte er den vermutlich ersten südkoreanischen Irgendwiewohlwestern und bewies vor allem, dass er neben den amerikanischen Western offenbar ein Faible für Sergio Leone hat, einen der größten Westernregisseure aller Zeiten – der gleichfalls kein Englisch sprach. Kim Jee-woon gelingt ein unglaublicher Drahtseilakt: „The Last Stand“ ist High-Speed-Actionkino der Gegenwart und klassischer Western. Er ist eine Hommage an Arnie – und eine grandiose Neugeburt. Wiedergeburt wäre ein falsches Wort, denn Arnie hält Abstand zu seinem alten Ich. Er ist ein Mann in den 60ern. Und das zu zeigen, davor scheut er sich nicht.

Worum geht es eigentlich? Der berüchtigte Drogenboss Gabriel Cortez (Eduardo Noriega, einer der ganz großen Stars des spanischen Kinos) entkommt während eines Gefangenentransportes. FBI-Agent Bannister (Forest Whitaker) glaubt, Cortez plane seine Flucht über einen ganz bestimmten Grenzpunkt an der amerikanisch-mexikanischen Grenze. Das Problem: Cortez entstammt einer regelrechten Drogendynastie. Und Cortez, verwöhnt, in unermesslichen Reichtum groß geworden, ist ein Spieler – und begnadeter Rennfahrer. In einer getunten Corvette rast er der Grenze entgegen.
Als Sheriff Owens dies entdeckt, ist er die letzte Instanz, die dem Gesetz noch zu ihrem Recht verhelfen kann.

Die Geschichte nimmt sich viel Zeit, es kracht und knirscht nicht ohne Unterlass. Aber wenn es dann losgeht – dann zeigt die alte Schule, wie Action aussehen muss. Danke, Arnie!

BILD

The Last Stand

Da gibt es relativ wenig auszusetzen, abgesehen davon, dass der Film manchmal etwas zu scharf wirkt. Eine eigenartige Kritik, keine Frage, aber die Kontraste sind teils so stark herausgearbeitet, dass vor allem im Endkampf auffällt, dass der nicht an der amerikanisch-mexikanischen Grenze gedreht worden ist, sondern in einem grün angestrichenen Studio, auf dessen grüne Wände später eine Wüstenlandschaft kopiert wurde.

TON

The Last Stand

Da gibt es nichts zu meckern. Höhen, Tiefen, Wumms... Alle Töne kommen dort aus den Boxen, wo sie hingehören. Es ist eh fraglich, ob man über Fragen des Sounds überhaupt diskutieren muss. Die meisten Arnie-Fans sind über 40 und hören, wie der Rezensent, eh kaum noch wirklich hohe Töne und bei einem Premium-Titel wie "The Last Stand" setzt man keinen Praktikanten ans Mischpult, um den Ton zu regulieren, nur weil der mal auf seinem Smartphone mit einer App ein Katzenvideo vertont hat. Der Ton ist, wie er sein muss.

EXTRAS

Das sehr ausführliche Making of ist letztlich in verschiedene Kapitel unterteilt. Von der Idee über die Gedanken des Regisseurs hin zur Umsetzung. Das baut alles aufeinander auf und bietet einen recht detaillierten Einblick in die Dreharbeiten. Sicherlich erfährt man keine großen Überrachungen, aber es ist mit Liebe zusamengetragen worden, auch wenn die Verehrung für Arnie ("ich wuchs mit ihm auf, nun darf ich neben ihm spielen...") dann doch beim dritten Mal... Ach, egal. Es stimmt ja.

Ein paar geschnittene Szenen runden das Portfolie der Extras ab, insgesamt darf man von einer soliden Arbeit sprechen.

Dass der Film in Deutschland in den Kinos weit hinter seinen Erwartungen lief, ist natürlich auf die vollkommen irrwitzige Verleihpolitik zurückzuführen, den Film für die Kinoauswertung auf eine 16er-Freigabe gekürzt zu haben. So etwas spricht sich heute rum, ein Tweet - und der Shitstorm ist nur noch eine Frage der Zeit. Zur Rezension lag selbstverständlich die ungekürzte Fassung des Filmes vor. Und die ist ab 18.

FAZIT

Arnie ist back in town. Und das mit Ansätzen von Altersweisheit. In einem knackigen Actionwestern beweist der ehemalige Gouverneur von Kalifornien: Die Leinwand liebt ihn auch noch im fortgeschrittenen Alter. Für Actionfans der alten Schule: Ein Muss!



Christian Lukas


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