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Rückkehr der Wildgänse, Die   

Rückkehr der Wildgänse, Die
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Original: Cobra Mission   (Deutschland/Italien, 1986)
Laufzeit: ca. 88 Min. (PAL)
Studio: Ascot Elite HE
Regie: Fabrizio de Angelis
Darsteller: Christopher Connelly, Manfred Lehmann, John Steiner, Oliver Tobias, Donald Pleasence
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 2.0 Deutsch, Französisch, Italienisch, DD 2.0 mono Italienisch
Untertitel: -
Extras: -
Preis: ca. 10 Euro
Wertung: 3 / 3+/ 6 (Bild/Ton/Extras)


"Die Cobra wird zur Wildgans"

Exploitation ist ein Begriff, den man nicht unbedingt mit Schweizer Filmemachern in Verbindung bringen würde. Die große Ausnahme ist der Produzent Erwin C. Dietrich. Filmtitel wie „Django Nudo und die lüsternen Mädchen von Porno Hill“, „Blutjunge Verführerinnen“, „Die Stewardessen“ oder „Die Betthostessen“ – schon die Titel lassen keine Fragen bezüglich des Inhaltes offen. Anfang der 1970-er Jahre war Dietrich untriebig, im Zuge der deutschen Sexfilmwelle schmiss er Titel um Titel auf den Markt, oft inszenierte er seine Werke selbst (angeblich hat er in 15 Jahren über 40 Filme als Regisseur verantwortet, was aufgrund verschiedener Pseudonyme schwierig nachzuprüfen ist). Der Witz: Erwin C. Dietrich hat mit diesen Filmen viel Geld verdient, da er letztlich nur einen Markt mit einem Futter bediente, das eifrig nachgefragt wurde. Und wie es sich für einen Schweizer gehört, hat er das Geld nicht in Monaco im Kasino verballert, sondern auf Schweizer Banken gut verzinst angelegt – und so konnte er sich Ende der 1970-er Jahre ins „seriöse“ Filmgeschäft vorwagen. Mit internationaler Starbesetzung produzierte er „Die Wildgänse kommen.“ Gut, die deutsche Kritik meinte in dem Film rassistische und faschistoide Untertöne zu erkennen, aber das ist ein Problem deutscher Filmkritik bis heute: Macht man einen Film, in dem viel geballert wird, ist so ein Film per se dumm. Dass „Die Wildgänse kommen“ letztlich ein Werk über die dunkle Macht der Banken ist, die Staatssysteme stützen oder stürzen, gerade so, wie es ihren Interessen entspricht ... „Die Wildgänse kommen“ ist ein verkanntes Meisterstück des Actionkinos.
Wie dem auch sei: Die seinerzeit eher negative Kritik verhinderte den Erfolg des Filmes nicht.

Mit „Die Wildgänse kommen“ etablierte sich Erwin C. Dietrich als versierter Produzent harter Männerfilme, an denen in den 1980-er Jahren wahrlich kein Mangel herrschte. Die Nachfrage war da – und mit italienischen Partnern produzierte Erwin C. Dietrich dann vier „Söldnerfilme“. Der berühmteste dürfte „Geheimcode Wildgänse“ sein; dessen Hauptdarsteller Lewis Collins schickte er außerdem in „Kommando Leopard“ und „Der Commander“ gegen das Böse ins Feld. Allerdings gibt es neben den drei genannten noch einen vierten Film, der zumindest im deutschen Titel einen klaren Bezug auf Erwin C. Dietrichs größten Kassenhit nimmt: „Die Rückkehr der Wildgänse“. International wurde er als „Cobra Mission“ verliehen, in den USA trug er den Titel „Operation Nam“.
Das Problem: „Die Rückkehr der Wildgänse“ ist ziemlicher Käse.
Während „Geheimcode Wildgänse“ noch eine eher konventionelle Geschichte über Söldner im Goldenen Dreieck erzählte, wagte sich „Kommando Leopard“ weit vor: Mittelamerika, eine Junta, ein fieser Diktator, ein aufrechter Widerstandskämpfer, darüber hinaus eine relativ große Anzahl an handelnden Figuren... Sicher ist „Kommando Leopard“ kein Meisterwerk, aber es ist ein Film, der unter der Actionoberfläche immerhin eine Geschichte übe Unterdrückung und dem Kampf um Freiheit erzählt. „Die Rückkehr der Wildgänse“ hingegen ist stupidestes italienisches Nachmacherkino. Dabei gelang Regisseur Fabrizio de Angelis (besser bekannt unter seinem Pseudonym Larry Ludman) 1983 mit „Thunder“ ein durchaus sehenswerter, gar nicht dummer „Rambo“-Klon, „Die Rückkehr der Wildgänse“ ist jedoch nur ein dummer „Rambo 2“-Nachäffer, der statt eines Supersoldaten vier Vietnamveteranen auf die Suche nach versteckten Kriegsgefangenen im Dschungel von Vietnam schickt.
Die Figurenzeichnung ist dabei so filigran gezeichnet, als wäre eine Dampfwalze über die Schreibmaschine des Autors gefahren. Da ist der frustrierte Ex-Marine, der immer noch daran, glaubt, man habe sie um den Sieg betrogen. Da ist der aufrechte Kämpfer für Gerechtigkeit. Es gibt den geschäftlich erfolgreichen, aber seinen Kameraden verpflichteten stillen Soldaten – und den vierten Mann im Bunde, der als seelisches Wrack aus dem Krieg nach Hause gekommen ist. Der Witz ist: Mit Manfred Lehmann, Christopher Connelly und John Steiner konnte die Produktion drei richtig gute B- Schauspieler für die Hauptrollen gewinnen – und mit Oliver Tobias sogar einen A-Darsteller. Dieser Name ist heute vielleicht nicht mehr so geläufig, doch der gebürtige Schweizer mit österreichischen und deutschen Wurzeln war in den 1970-ern im britischen Fernsehen eine der ganz großen Nummern. Seine Serie „Arthur of the Britons“ gehört heute zum Kanon der großen Meisterwerke britischer Fernsehkunst. Was ihn dazu veranlasst hat, die Rolle des psychisch labilen Richards zu spielen...
Die Geschichte verläuft nach Schema F. Amerikanische Marines gehen auf eigene Faust nach Vietnam, finden Kriegsgefangene, es gibt eine Verschwörung, es wird viel geballert. Die Vietnamesen sind alles hundsgemeine Mörder, die amerikanische Armeeführung ein Haufen dilettierender Spacken. Ganz ehrlich: Man kann sich diesen Unsinn heute kaum noch ansehen.

BILD

Rückkehr der Wildgänse, Die

Das Bild wurde entstaubt. Kratzer, Spratzer, sonstige Störungen – sind nicht auszumachen. Der erste Eindruck ist überraschend positiv. Allerdings relativiert sich der Eindruck leider im Verlauf der Spielzeit. Gerade in den Dschungelszenen wirken die Farben etwas matt. Ob Farne oder Blätter – grün ist grün. Nicht hellgrün, dunkelgrün, olivgrün... Nein, einfach grün. Das ist sicher dem Filmmaterial der Entstehungszeit geschuldet, im Rahmen der Nachbearbeitung aber wäre es sicher möglich gewesen, dem Film etwas mehr farbliche Brillanz zu verleihen. Durch die eher einfach gehaltene Farbwiedergabe fehlt es dem Bild darüber hinaus an starken Konturierungen.

TON

Rückkehr der Wildgänse, Die

Der Ton stellt bei diesem Film eine Wissenschaft für sich dar. Es ist davon auszugehen, dass der Film nachvertont wurde. Das war bei unter italienischer Oberaufsicht inszenierten Spielfilmen mit einem internationalen Cast früher gang und gebe. Daher werfen wir erst einmal einen Blick auf die deutsche Spur.
Die wurde ordentlich von Nebengeräuschen entrümpelt, die Stimmen sind absolut klar, es gibt kein Hintergrundrauschen. Leider wird die Tonspur dadurch auch etwas Steril, denn allzu viel Aufwand wurde im Rahmen der Synchronisation 1986 offenbar nicht betrieben. Wenn es kracht, dann kracht es, wenn geredet wird, wird geredet. Doch es gibt ja auch so etwas wie Nebengeräusche, Hintergrundgeräusche, das, was man Atmosphäre nennt. Die fehlt der deutschen Tonspur. Im Kino dürfte dies 1986 niemandem aufgefallen sein, doch heutige Tonsysteme offenbaren diesen Mangel gnadenlos.
Die englischsprachige Spur ist ein Beweis für das Fehlen jeglicher Synchronkultur im angelsächsischen Sprachraum. Die Stimmen sind dumpf, klinisch rein. Die Synchronsprecher indes klingen als hätten sie eine Lektion „Amerikanisch für Fortgeschrittene, Lektion 2“ vertont. Das ist schön für den eher wenig im amerikanischen Zungenschlag bewanderten Zuhörer – mit Schulenglisch ist das Verstehen kein Problem – es klingt aber saudoof. Abgesehen davon, dass auch der englischsprachigen Spur Atmosphäre fehlt.
Im Gegensatz zur aufgeräumten deutschen Tonspur unterliegt der französische Spur ein konstantes Hintergrundrauschen. Bizarrerweise aber klingt die französische Spur dadurch am lebendigsten. Sie hat, trotz des Rauschens, eine gewisse Atmosphäre, de Ton wirkt echt (vielleicht ist das ein Retrogedanke, eine Erinnerung an alte VHS-Zeiten, aber dennoch – der französische Ton ist der beste auf der DVD). Ebenfalls Atmosphäre kann die italienische Spur verbreiten, leider sind die Stimmen teilweise etwas zu laut aufgenommen worden, sodass die Dialoge manchmal etwas verzerrt klingen.

EXTRAS

Extras gibt es keine. Schade, wenigstens ein Hinweis hätte doch darauf aufmerksam machen können, dass der Deutsche Manfred Lehmann der einzige Schauspieler ist, der in allen vier von Erwin C. Dietrich in den 80-ern inszenierten „Söldner“-Streifen mitgespielt hat. Natürlich hat sich Manfred Lehmann in der deutschen Fassung selbst synchronisiert.
Übrigens wirbt der Film damit, dass er ungeschnitten ist. Bei der veröffentlichten Fassung handelt es sich um einen italienischen Print mit dem italienischen Vorspann.

FAZIT

„Die Rückkehr der Wildgänse“ ist eine Gurke. Trotz einer ordentlichen Besetzung käut er doch nur reichlich bekannte Handlungsmuster nach, die im besten Fall als doof bezeichnet werden können. Auf ausgetretenen Handlungspfaden stolpert sich eine stotternde Dramaturgie von Ballerei zu Ballerei und lehrt darüber hinaus inhaltlich noch reaktionären Unsinn. Wie der Katholische Filmdienst schreiben würde – „Wir raten ab!“



Christian Lukas


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