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Tod sagt Amen, Der   

Tod sagt Amen, Der
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Original: Arizona Si Scateno...   (Italien, 1969)
Laufzeit: 87 Minuten (PAL)
Studio: Koch Media
Regie: Sergio Martino
Darsteller: Anthony Steffen, Rosalba Neri, Aldo Sambrell u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD2.0 Deutsch, Italienisch
Untertitel: Deutsch
Extras: 2 Interviews, Trailer
Preis: ca. 18 €
Wertung: 3-/ 4 / 2- (Bild/Ton/Extras)


"Ich glaub, ich hol mal meine Knarre...!"

... weil ich jemanden erschießen muss. Bam! Bam! So peitscht einem gleich der Ohrwurm-Titelsong zu “Der Tod sagt Amen” seine seltsame Mischung aus nihilistischer Westernkomödie und knallharter Abrechnungsapokalypse um die Ohren. Italo-Genre-Ikone Sergio Martino (“Die Farben der Nacht”; “Torso”; “Mannaja”) feierte mit diesem Western seine Spielfilmpremiere und durfte gleich beweisen, dass mehr in ihm steckt, als ein bloßer Erfüllungsgehilfe. Eigentlich konzipiert als Fortsetzung zu “Arizona Colt” (1966) mit Giuliano Gemma kommt einem der Film zunächst aber wie ein üblicher Italo-Westernaufguss vor. Den Unterschied machen aber die skurrilen Hauptfiguren. Arizona (Anthony Steffen heißt eigentlich Antonio de Teffé und kommt aus Südamerika) und sein dicker Kumpel “Zwei Flaschen” (Roberto Camardiel), ein notorischer Säufer, sind freiberufliche Haudegen, die es eher locker angehen lassen. Auch als der lokale Hazienda-Besitzer Moreno (José Manuel Martin) sie um gut bezahlte Hilfe gegen den Banditen Chico (Leone-Regular Aldo Sambrell) bittet, haben die beiden eigentlich keine Lust und schicken den Boten zum Teufel. Doch schon bald sitzt dem lässigen Duo eine Bande von Kopfjägern und Chicos Bande im Nacken, die glaubt, dass Arizona trotzdem für Moreno arbeitet. Unfreiwillig zwischen die Fronten gezwängt, muss Arizona kämpfen, obwohl er den Colt schon an den Nagel hängen wollte, um mit der örtliche Bardame ein paar stramme Zöglinge zu zeugen. Bis zum Finale muss er dabei so einiges über sich ergehen lassen - einschließlich seiner eigenen Hinrichtung am Galgen und einer Kopfüber-Kreuzigung (!). In dem ausgespielten Geplänkel zwischen Arizona und Chico zeigt Sergio Martino immer wieder deutlich seinen Einfallsreichtum mit ungewöhnlichen Einstellungen. Wenn einem der gehängte Arizona förmlich ins Gesicht baumelt oder im Finale zwei erschossene Banditen auf einer großen Waage landen, kann man schon das Potential erahnen, das er mit seinen nachfolgenden erfolgreichen Giallo-Filmen erreichen sollte. Besonders urig ist auch die deutsche Synchronisation geraten, die nah an Brandtschen Blödeleien vorbeischrammt und dem Film ein ganz eigenes Siegel aufdrückt. “Der Tod sagt Amen” (aka “An den Galgen, Hombre”) ist ein hübsch skurriler Italowestern, der Fans genug Abwechslung bieten dürfte, aber dem Genre selbst nichts Neues abringt.

BILD

Tod sagt Amen, Der

Der anamorphe Widescreen-Transfer (2.35:1) ist von einer recht guten Vorlage entstanden. Bildpunkte und Dreckspuren sind hier kaum vorhanden. Dennoch ist das Filmmaterial insgesamt deutlich schwächer in seiner Qualität. Der gesamte Film wirkt etwas ausgewaschen und spröde. Schärfe und Kontrast sind relativ schwach und Konturen deutlich verwaschen. Die Farben bleiben relativ matt, was aber auch dem Look des Films entspricht. Die Qualität des Filmmaterials wechselt in einigen Bereichen auch deutlich stark, was auf unterschiedliche Quellen bei der Zusammenstellung des Filmmasters hinweist. Der Schwarzlevel ist noch relativ solide und nicht zu milchig. Die Kompression bleibt stabil und verhindert zusätzliches Rauschen. Mehr Bildqualität hätte hier wohl höchstens mit einer kompletten Filmrestauration erreicht werden können.

TON

Tod sagt Amen, Der

Die Monoton-Spuren auf Deutsch und Italienisch werden im DD2.0-Format präsentiert. Alle Tracks wurden so gut es geht aufgeräumt und rauschreduziert. Der italienische Track klingt dabei sehr sauber und gut verständlich. Die deutschen Untertitel sind dankbarerweise neu verfasst worden und basieren nicht auf der deutschen Synchronfassung, die sich doch einige (hübsche) Flapsigkeiten herausnimmt. Der deutsche Ton klingt auch relativ sauber, aber kann nicht verbergen, dass der Ton doch schon deutlich älter ist. Teilweise wirken die Dialoge ein wenig übersteuert und auch bei Lautstärke-Spitzen etwas knacksig. Ansonsten bleibt der Ton sehr passabel und gut verständlich. Geräusche und Musik sind Monotrack-üblich ein wenig reduzierter.

EXTRAS

Als Extras gibt es neben dem originalen deutschen Kinotrailer zwei sehr schöne Interviews zu sehen. Regisseur Sergio Martino plaudert (ca. 12 Min.) über den Beginn seiner Karriere und die Schwierigkeiten für den damals gerade erst 29-jährigen Regisseur, eine komplizierte Action-Produktion im Ausland zu stemmen. Neben ein paar schönen Anekdoten spricht er auch über die aktuelle Situation im italienischen Kino, und dass er, mit etwas mehr Mitteln, auch heute noch Zuschauer ins Kino locken könnte.
Das zweite Interview wird mit dem deutschen Kino-Veteranen Dan van Husen (ca. 26 Min.) geführt. Obwohl wahrscheinlich die wenigsten Zuschauer mit dem Namen etwas anfangen können, haben sie ihn sicherlich schon mal in einem Film in einer Nebenrolle gesehen. In großartigen Anekdoten schwelgt er über die Zeit in Almeria und die besonders unorthodoxe Art des Filmens bei den internationalen Produktionen. Hier erhält man endlich mal einen ziemlich ungeschminkten Einblick in die damalige Blütezeit des Italowesterns hinter den Kulissen. Wahrlich großartig und Chapeau vor Herrn van Husen, der dieser Zeit immer noch nostalgisch verbunden ist.
Interessant ist auch die Verpackung, bei der es sich um ein aufklappbares Schuber-Inlay ohne den eigentlichen Schuber handelt. Aufgeklappt sind drei der vier seiten mit einem Text zum Film versehen, während auf der vierten Seite das Glasplastik-Casing für die DVD ruht.

FAZIT

Für Sammler ist diese Scheibe sicherlich ein Muss. Restauriert und mit zwei hervorragenden Interviews versehen, ist “Der Tod sagt Amen” eine Bereicherung für jede Italowestern-Sammlung und für Martino-Komplettisten. Wer allerdings mehr als einen kleinen dreckigen Western erwartet, wird hier sicherlich enttäuscht.



Kay Pinno


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