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Killer von Wien, Der   

Killer von Wien, Der
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Original: Lo Strano Vizio Della Signora...   (Italien, 1971)
Laufzeit: 97 Minuten (PAL)
Studio: Koch Media
Regie: Sergio Martino
Darsteller: Edwige Fenech, George Hilton, Ivan Rassimov u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD-Mono Deutsch, Italienisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Dark Fears behind the Door, Interviews u.m.
Preis: ca. 17 €
Wertung: 1-/ 2 -/ 2 (Bild/Ton/Extras)


"Scharfer Stahl auf nackter Haut!"

Das Giallo-Genre besteht im wesentlichen daraus, einen mysteriösen Mörder umgehen zu lassen, der bei seiner Arbeit gerne schwarze Handschuhe trägt. „Der Killer von Wien“ macht da keine Ausnahme und nutzt die morbide Atmosphäre der österreichischen Hauptstadt, um eine veritable Mordserie zu etablieren. Die Opfer sind im Giallo in der Regel Frauen, woran sich „Der Killer von Wien“ auf effektive Weise hält. Die junge Julie Wardh kommt mit ihrem wohlhabenden Mann in Wien an, während der Mörder immer noch ungeklärt sein Unwesen treibt. Bereits kurz nach ihrem Eintreffen in der Metropole meldet sich ein alter Verehrer bei ihr, indem er Blumen schickt. Beide waren in der Vergangenheit durch eine sadomasochistische Sexbeziehung verbunden. Auf den Grußkarten, welche an den Sträußen hängen, spielt er in mysteriöser sowie bedrohlicher Weise darauf an. Zu Recht fühlt sich Julie Wardh bedroht. Da ihr Ehemann sie meistens alleine lässt, landet sie schließlich bei George, einem schmierig-eleganten Schönling, der Dank seines Draufgängertums ein aufregenderes Leben verspricht. Die Isolation, welche nur durch ihre Freundin aufgehoben wird, treibt sie immer stärker in Georges Arme, bis es schließlich das Bett ist. Die Bedrohung durch ihren alten Verehrer, welche aufgrund der aktuellen Mordserie weiter angeheizt wird, wirkt dabei unterstützend. Sergio Martinos Giallo „Der Killer von Wien“ besticht vor allem durch seine atmosphärischen Qualitäten. Die Bedrohung durch den Frauenmörder, welcher mit einem Rasiermesser zu Werke geht, ist ständig präsent. Da sind die Blumensträuße mit den unangenehmen Grußkarten, ein schwarzes Auto scheint Julie zu Verfolgen und der Mörder sucht sich weitere Opfer. Julie Wardh droht, den Verstand zu verlieren, da sie seit ihrem Eintreffen in Wien kaum eine ruhige Minute verleben kann. Martino hält geschickt offen, was hinter den einzelnen Elementen steckt. Stets bleibt die Möglichkeit gegeben, dass Julies Geisteszustand durch Realitätsverlust geprägt ist. „Der Killer von Wien“ offenbart auf diese Weise ein visuelles Universum, das gleichzeitig die Paranoia einer sozial isolierten Frau und die Omnipräsenz einer dämonischen Mörderfigur bebildert. Elegant ausgeleuchtete Szenerien sorgen in Verbindung mit ausgezeichneten Spannungssequenzen für den filmischen Genuss. Ein Paradebeispiel für den Thrilleraufbau liefert Martino ab, wenn die Freundin Julies im Garten von Schloss Schönbrunn eine Verabredung hat. Die menschenleeren Wege, das Rauschen der Bäume und ein Gärtner sind die unruhestiftenden Elemente, welche durch das Zwielicht Wiens entsprechend verstärkt werden. Auf einmal wirkt die österreichische Hauptstadt wie ein gigantischer Sarg, der alles verschlingt, was nicht rechtzeitig herausklettert.

BILD

Killer von Wien, Der

Wieder einmal beweist Koch Media, was auch bei älteren Filmen auf DVD herausgeholt werden kann. Dreckspuren oder Bilddefekte tauchen nicht auf. Die Schärfe ist in den Nahaufnahmen brillant, lediglich bei der einen oder anderen Totalen, wird das Bild leicht matschig. Die Farbwiedergabe ist ein Traum. Alles erstrahlt kräftig-intensiv, so dass der Film sein volles atmosphärisches Potential entfalten kann. Rauschen sucht man vergeblich. Insgesamt ein exzellenter Transfer.



TON

Killer von Wien, Der

Der Mono-Ton kommt ohne größeres Rauschen daher und weiß durch eine verzerrungsfreie Wiedergabe der Dialoge zu gefallen. Die Musikwiedergabe ist sehr gut, so dass der atmosphärische Score seine ganze Pracht entfalten kann.







EXTRAS

Auch für diese Veröffentlichung eines italienischen Genre-Films wurde wieder Bonusmaterial zusammen getragen. Die 32minütige Dokumentation „Dark Fears behind the Doors“ beinhaltet Interviews mit den Darstellern Edwige Fenech und George Hilton, dem Drehbuchautor Ernesto Gastaldi, dem Regisseur Sergio Martino und dem Produzenten Luciano Martino. Entspannt erinnern sich die Beteiligten an die Entstehung des Projektes sowie die Dreharbeiten selbst. Dabei zeigt Edwige Fenech, dass sie offensichtlich vergessen hat, wie oft sie sich innerhalb des Films zum Duschen oder für die Rückblenden ausziehen musste, in denen die sadomasochistische Beziehung zu ihrem früheren Liebhaber gezeigt wird, denn von einer innewohnenden Erotik will sie nichts wissen. Daneben gibt es biographische Informationen sowie Erläuterungen des filmischen Aufbaus. Dazwischen wurden immer wieder Filmausschnitte montiert. Die Dokumentation erweist sich als lohnenswerter Rückblick in eine andere zeit des Filme Machens. Der Sinn des sechsminütigen Beitrags „Austrofred – Tu felix Austria nude“, in dem der seltsame Wiener Musiker Austrofred anhand ausgewählter Beispiele über die Tradition des Nackten in Wien berichtet, erschließt sich nicht. Hier macht sich der Eindruck breit, als habe es einen irgendwie gearteten Werbehandel gegeben. Sehr schön ist hingegen die 13minütige Dokumentation „La belissima musica della Signora Orlandi“, in der die Komponistin der Filmmusik Nora Orlandi über ihre Arbeit im allgemeinen und die an „Der Killer von Wien“ im speziellen berichtet. Dabei fast sie die wichtigsten Stationen ihrer Laufbahn ebenso zusammen wie sie über ihre Vorlieben sowie den musikalischen Stil verschiedener Kompositionen spricht. Ein überaus sympathisches Interview. Der Trailer rundet das Bonusmaterial ab.

FAZIT

„Der Killer von Wien“ überzeugt durch seine schwelgerische Bildsprache, die in Verbindung mit der ausgezeichnet komponierten Musik ein ebenso spannendes wie teilweise erotisches Thrillererlebnis bietet. Technisch ist die DVD sehr gut.



Stefan Dabrock


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