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Baron Blood   

Baron Blood
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Original: Gli orrori del castello di Norim..   (BRD / Italien, 1972)
Laufzeit: 94 Minuten (PAL)
Studio: e-m-s
Regie: Mario Bava
Darsteller: Elke Sommer, Joseph Cotten, Massimo Girotti, Luciano Pigozzi u.v.a.
Format: 1.66:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD-Mono Deutsch, Englisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Interview, Dokumentation, Trailer u.m.
Preis: ca. 12 €
Wertung: 3-/ 4-/ 2+ (Bild/Ton/Extras)


"Castle Freak!"

Ob Stuart Gordon seinerzeit für seine Italo-Exploitation Hommage tatsächlich Bavas “Baron Blood” als Vorlage benutzt hat, bleibt sein Geheimnis. Dennoch sind die Ähnlichkeiten nicht von der Hand zu weisen. Eine gequälte Seele sucht die ahnungslosen Menschen der Moderne in einer alten Burg heim, um sie grausam ins Jenseits zu schicken. Bei Bavas gotischem Spätwerk handelt es sich jedoch um eine düstere Gestalt aus der grauen Vergangenheit des Gemäuers, die zudem der eigentliche Oberfolterknecht in seinem Jahrhundert gewesen ist: Baron Otto von Kleist spießte mit Vorliebe seine Folteropfer als abschreckendes Beispiel auf die Zinnen seiner Blutburg. Diese menschlichen Schaschliks kamen bei der Dorfbevölkerung letztlich nicht so gut an, weshalb der mit Fackeln und Mistgabeln bewährte Dorfmob dem Baron schließlich selbst ein wenig auf die Folter spannte. Dumm nur, dass die Hexe Elisabeth Hölle (aus dem Englischen unsinnigerweise mit Holly übersetzt!!!) den Blutbaron vor ihrem Ableben mit einem Fluch belegte, der ihn mit einer Art Unsterblichkeit ausstattet, die ihn seine Todesqualen immer wieder auf’s neue erleben lassen soll. Fest entschlossen dieser Folklore auf den Grund zu gehen, reist der junge Student Peter Kleist (Antonio Cantafora durfte zuletzt in Dario Argentos “The Cardplayer” beim Todespoker mitspielen), ein entfernter Nachfahre des Barons, von Amerika ins schmucke Österreich, um der Familienburg mal einen Besuch abzustatten. Neben seinem Onkel Dr. Karl Hummel (Massimo Girotti) wartet auch noch seine attraktive Fachkraft-Studentin Eva Arnold (Elke Sommer) in der Burg, die inzwischen als Museums-und Hotelattraktion ausgebaut werden soll, auf den neugierigen Amerikaner. Als man gemeinsam mehr aus Spaß den Wiedererweckungsvers im Zimmer des Barons rezitiert, beginnen die Wände schließlich zu beben und die Türen zu bluten. Der furchtbar entstellte Baron kehrt tatsächlich doch aus dem Jenseits zurück und hat nur noch blutige Rache im Sinn. Mario Bavas Versuch, den klassischen Gothic-Horror in die 70-er Jahre als Farbversion mit einigen selbstreferentiellen Einsprengslern zu retten, kann wirklich nicht als gelungen betrachtet werden. Trotz einer atmosphärischen Fotografie, einer schauerlichen Titelfigur und einer tollen Burg, kann der schleichende Horror nicht über den gähnend langweiligen Plot und das maßlos überzogene Schauspiel - allen voran die ewig kreischende Elke Sommer - hinwegtäuschen. Vielleicht kam der Film - trotz deutscher Co-Produktion - deshalb erst 1995 im Privatfernsehen zur deutschen Erstaufführung!!! Trotzdem liefert auch dieser Bava besonders im Finale wieder eindringliche Motive, die sich in späteren Genre-Klassikern wie “Tanz der Teufel” oder “Maniac” wiederfinden lassen. Bava-Freunde, die diesen Film aufgrund der limitierten Auswertungen und nun Erstveröffentlichung im deutschen Home-Video-Bereich noch nicht gesehen haben, sollten deshalb mal einen Blick riskieren.

BILD

Baron Blood

Der Vorlage des anamorphen Widescreen-Transfers (1.66:1) sieht man leider das hohe Alter an. Das grobkörnige Material wirkt insgesamt oft unscharf und weich gezeichnet. Zudem tauchen deutliche Bildpunkte und kleinere Verunreinigungen im Bild auf, die aber schon auf ein Minimum reduziert scheinen. Die starken Farben, für die Bava eigentlich sonst bekannt ist, wirken auch hier deutlich blasser. Der Schwarzlevel ist vergleichsweise tief, aber absolut nicht detailreich. In den dunklen Passagen werden Bildelemente deutlich verschluckt. Auch driftet das Schwarz teilweise ins Milchige ab. Die Kompression bleibt relativ sauber, kann aber gegen das Grundrauschen im Bild kaum ankämpfen. Zusätzliche Artefaktbildung gibt es aber nicht. Trotz der genannten Mankos bleibt der Transfer noch befriedigend.

TON

Baron Blood

Tontechnisch setzt die e-m-s Scheibe auch keine neuen Maßstäbe und gibt zudem Rätsel bei der deutschen Tonspur auf. Dabei handelt es sich scheinbar um die für die TV-Ausstrahlung angefertigte deutsche Tonspur, da sie sich einfach nach verdächtig billiger Porno-Synchro anhört. Zwar fallen einem nicht völlig die Ohren ab, aber da ist man von e-m-s eigentlich doch besseres Material gewohnt. Die Stimmen hängen hier zudem sehr im Vordergrund, während die restliche Soundkulisse ein wenig reduziert erklingt. Die englische und italienische Tonspur sind zudem sehr muffig und mit einem merklichen Rauschen versehen, was die Dialoge an einigen Stellen schwerer verständlich macht. Schon schwach.

EXTRAS

Bei den Extras dürfen die Fans schließlich frohlocken: ein 32-minütiges aktuelles Interview mit Elke Sommer entpuppt sich als wahre Goldgrube an herrlichen Anekdoten und Erinnerungen der Schauspielerin. Keinesfalls verlegen um kreischende Rolle gibt sich die Sommer wahrlich sonnig und plaudert ganz groß aus dem Nähkästchen. Von ihren persönlichen Erinnerungen an Mario Bava, über die lausig kalten Dreharbeiten von “Baron Blood” bis zu zahlreichen weiteren Ausführungen von anderen Filmerfahrungen (einschließlich einer obligatorischen Klaus-Kinski-Anekdote!) bietet dieses Plauderstündchen allerlei interessantes wie amüsantes Material. Wirklich sehr gut. In der 16-minütigen Dokumentation “The Castle of Horror” analysiert der italienische Bava-Biograph Alberto Pezzota ein wenig an “Baron Blood” herum, während Sohn Lamberto, Enkel Roy und US-Regisseur Joe Dante über den Einfluss von Mario Bava erzählen dürfen. Hübsch ergänzt diese Dokumentation (in Italienisch mit deutschen Untertiteln!) das Elke Sommer Interview mit handfesten Analysen und Fakten. Kompakt, aber dennoch gelungen. Ein originaler Kinotrailer, Filmographien zu Mario Bava und Elke Sommer sowie eine Bildergalerie mit Aushangfotos, Postermotiven und Werberatschlägen runden das Programm ab.

FAZIT

Mit “Baron Blood” erscheint nun erstmals ein bisher nur im Ausland erhältlicher Mario Bava Film, der aber ausgerechnet mit Deutschland Co-produziert und in Östererich gedreht wurde. Die DVD von e-m-s setzt hier technisch leider keine Qualitätsstandards, aber kann dafür mit hervorragendem Extramaterial aufwarten. Trotz des vergleichsweise mageren Films lohnt sich deshalb der Ausflug in die Burg des Blutbarons.



Kay Pinno


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