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Schock   

Schock
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Original: The Quatermass Experiment   (GB, 1955)
Laufzeit: 78 Minuten (PAL)
Studio: Anolis / e-m-s
Regie: Val Guest
Darsteller: Brian Donlevy, Jack Warner, Margia Dean, Richard Wordsworth u.v.a.
Format: 1.33:1 Vollbild
Ton: DD-Mono Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Val Guest-Interview, Doku, Comic u.m.
Preis: ca. 15 €
Wertung: 2 / 4-/ 2+ (Bild/Ton/Extras)


"Space Invaders!"

Nachdem Erfolg von Howard Hawks “Das Ding aus einer anderen Welt” wollten sich auch die Hammer Studios das Horror-Potential von nicht-ganz-so-Science-Fiction Themen entgehen lassen. Auch in den 50-erm war die Raumfahrt schon das große Ding in der Gesellschaft, die zu diesem Zeitpunkt wie nichts anderes den menschlichen Fortschritt und die damit verbundenen Gefahren symbolisierte. Doch im Gegensatz zu den amerikanischen Kollegen hatten es die englischen Hammer-Produzenten weitaus weniger auf eine “subtile” Kommunisten-Paranoia angelegt. Der blanke Horror des Unbekannten, der sich nunmal im All verbirgt, wurde hier in etwas abstraktere Form gebracht. Statt eines Manns im Gummi-Anzug hat sich das Grauen förmlich unter die Haut von Protagonisten und Zuschauern geschlichen. Um aber eines gleich vorweg zu nehmen: Professor Bernard Quatermass (Brian Donlevy) ist ein akademisches Arschloch allererster Kajüte. Und er ist der vermeintliche Held dieser Geschichte. Nachdem Quatermass drei Menschen mit einer Rakete ins All geschossen hat, kehrt davon nach einer Bruchlandung nur der mehr als verstört wirkende Viktor Carroon (der wirklich sehr krank aussehende Richard Wordsworth) zurück. Noch bevor Quatermass herausfinden kann, was mit ihm los ist oder was tatsächlich an Bord des Raumgefährts passierte, wird Carroon in einer dreisten Aktion von seiner ungeduldigen Frau aus dem Krankenhaus befreit. Dafür muss sie, ein kompletter Zoo und die Londoner Bevölkerung teuer bezahlen. Mit der Hartnäckigkeit eines echten Mad Scientist verteidigt Quatermass sein Experiment und dessen Folgen. Andere in den Tod schicken ist für ihn schon in Ordnung so lange nur der wissenschaftliche Fortschritt gewährleistet bleibt. Daran ändert sich auch nach dem tragischen Ende nichts. Besonders das erschreckende Spiel von Wordsworth als verseuchter Raumpilot sorgt für den richtigen Grusel. Die langsamen Andeutungen über seine Veränderung werden von Regisseur Val Guest auf die Spitze getrieben und später immer nur im Halbdunkel gezeigt. So kann “Schock” in schönster Schwarz-Weiß Atmosphäre den Zuschauer trotz einiger wirklich blödsinniger weil überalterter Science Fiction Dialoge immer noch fesseln.

BILD

Schock

Im originalen 4:3 Format ist “Schock” ordentlich von seinen Alterserscheinungen befreit worden. Die Vorlage ist ziemlich sauber und zeigt nur an wenigen Stellen noch ein paar winzige Spratzer, die aber kaum auffallen dürften. Scharfe und Kontrast sind äußerst gut gelungen, aber können auch das Alter nicht verhehlen. Trotzdem ist die Leistung bei der Bearbeitung dieses fast fünfzig Jahre alten Films sehr gut. Die Farben sind natürlich nur Schwarz-Weiß, aber der Kontrastumfang ist äußerst gut und lässt auch dunkle Szenen sehr detailreich wirken. Der Schwarzlevel ist tief und nicht zu matschig. Die Kompression verhindert die Bildung von digitalen Artefakten und Hintergrundrauschen. Ein wirklich gelungener Transfer.

TON

Schock

Die Tonqualität ist bei diesem Science Fiction Horrorspektakel sehr unterschiedlich ausgefallen. Neben der englischen Tonspur hat Anolis sowohl die alte deutsche Kinosynchronfassung als auch die neue TV-Synchronisation auf die Scheibe gepackt. Am besten und leider auch am künstlichsten wirkt natürlich die junge TV-Synchro. Klar und deutlich sind alle Dialoge gut verstandlich, aber leider auch etwas zu sehr in den Vordergrund geraten, so dass die Soundkulisse deutlich zurückgedrängt wird. Dafür entsprechen die Dialoge dem englischen Original. Die alte Kinosynchronisation nahm sich bei der Übersetzung einige kleine Freiheiten heraus. So wird aus Professor Bernard Quatermass einfach Chefingenieur Brown (oder gar Braun?) gemacht. Dafür klingen die Stimmen hier weitaus besser in das Klangbild integriert. Aufgrund der originalen Monospur ist jedoch ein deutlich Hintergrundrauschen und Knistern vorhanden, das aber glücklicherweise nicht zu lästig wirkt. An letzter Stelle kommt der englische Originalton. Sehr dumpf und undynamisch hat man hier teilweise Probleme die Dialoge zu verstehen. Ein klassischer Fall von: “Hab’ ich meine alten Socken doch in die Boxen gestopft!"

EXTRAS

Neben der wundervollen Dreingabe der unterschiedlichen deutschen Synchronisation (s.o.) ist das Hauptextra ein Interview mit Regisseur Val Guest (ca. 35 Min.). Aufgenommen auf dem englischen “Festival of Fantastic Films” in Manchester im Jahr 2000 wird sowohl die illustre Karriere des Regisseur beleuchtet als auch detaillierte Fragen aus anwesenden Publikum beantwortet. Mit vielen wunderschönen Anekdoten ist dies sicherlich ein echtes Schätzchen von einem Interview, denn obwohl Mr. Guest schon an der 90 Jahres Grenze schrappt ist er ein intelligenter und aufgeweckter Gesprächspartner. Dieses Interview sollte auf gar keinen Fall verpasst werden. Desweiteren hat sich wie bei Anolis Hammer-Serie üblich auch wieder eine Episode der “World of Horror”-Reihe ins Bonusmaterial gemogelt. Diesmal ist das Thema natürlich Science Fiction, aber für mehr als einen 25-minütigen Trailer für verschiedene Hammerfilme (mit wenigen Off-Kommentaren von Oliver Reed) reicht es nicht. In der Abteilung Nostalgie kann Anolis aber wieder voll punkten. Neben der ausführlichen Bildergalerie, zwei originalen Filmprogrammen, den originalen Werberatschlägen hat sich das Label wieder die Mühe gemacht, die damals in Begleitung zu den Hammer-Filmen erscheinenden Comics abzufilmen und multimedial zu bearbeiten. Dies ist wirklich ein tolles Feature, das hoffentlich auch bei weiteren Veröffentlichungen beibehalten wird. Leider ist ein Mininachdruck der Comics, wie bei verschiedenen Sammler-Editionen von Comic-Filmen wie “Spiderman” oder “Hulk”, wohl zu teuer. Sehr positiv fällt auch das hübsch gestaltete Booklet mit einem ausführlichen Text zu Film und Filmemacher auf.

FAZIT

Wieder einmal darf sich Anolis auf die Schulter klopfen. Die DVD-Umsetzung von “Schock”, der auch schon im Buio-Omega Club zu sehen war, ist absolut gelungen. Das gemasterte Bild ist klasse und die zusätzliche Tonspur mit der alten deutschen Synchronisation eine Wucht. Deshalb darfst auch du das “Quatermass Experiment” nicht verpassen, denn die Wissenschaft muss weiterleben....



Kay Pinno


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