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Sieben Schwerter, Die   

Sieben Schwerter, Die
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Original: Chat Gim   (Hongkong / China, 2005)
Laufzeit: 147 Minuten (PAL)
Studio: Universum
Regie: Tsui Hark
Darsteller: Donnie Yen, Leon Lai, Charlie Yeung, Lau Kar Leung, Michael Wong u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Mandarin
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, Interviews, Behind the Scenes u.m.
Preis: ca. 20 €
Wertung: 2+/ 3 / 3- (Bild/Ton/Extras)


"Sieben chinesische Samurai"

Um Hongkong-Filmikone Tsui Hark ist es ruhig geworden. Nach seinem konfusem “Zu-Warriors”-Remake und dem erstaunlichen “Time and Tide” war Funkstille bei dem ansonsten nimmermüden Filmer. Nach dem abgrundtief miesen “Black Mask 2” war allerdings auch Schlimmstes zu befürchten. Seine Auszeit nutzte Hark allerdings vortrefflich, indem er ein gigantisches Historien-Epos basierend auf einer prominenten Romanvorlage vorbereitete. “Die sieben Schwerter” erzählt die Geschichte von sieben Kämpfern, die sich im 17. Jahrhundert gegen die Tyrannei der Manchu-Dynastie auflehnen. Der neue Kaiser hat per Edikt die Ausübung von Kampfkünsten offiziell im ganzen chinesischen Reich verboten und ein Kopfgeld auf Zuwiderhandelnde ausgesetzt. Für den grausamen General Feng (Sun Honglei) Grund genug, um ganze Landstriche zu entvölkern. Der Begriff Kopfgeld ist schließlich wörtlich zu verstehen und dabei wird auch vor Frauen, Kindern und Greisen nicht haltgemacht. Köpfe bedeuten für den General und seine Schergen eben bare Münze. In einem kleinen Dorf leisten dem wahnsinnigen Mordbrenner aber sieben Schwertkämpfer eifrigen Widerstand. Die Krieger, die aus dem ganzen Land stammen, waren eigentlich wegen ihrer Verfolgung schon auf der Flucht, aber wurden aus den Bergen wieder zurückgeholt. Der Kampf zwischen den Dorfbewohnern und dem irren General, der unter der Fuchtel des Manchu-Prinzen Dokado (Michael Wong) steht, wird in epischer Breite zu einem erstaunlichen Charakterdrama, das ganz deutlich Elemente von Kurosawas “Die sieben Samurai” als auch von Peckinpahs “The Wild Bunch” zu einem großen Spektakel verschmilzt. Hier zeigt sich jedoch das schwerwiegenste Problem des Films: Tsui Harks ursprüngliche Fassung soll über vier Stunden lang gewesen sein. Trotz der nicht geringen Laufzeit seiner von ihm selbst erstellten Kinofassung von 147 Minuten fühlen sich viele Sequenzen und Charakterentwicklungen sehr holperig an. Das Auffinden und rekrutieren der Schwertmeister im Gebirge ist so kaum noch nachvollziehbar - man muss es einfach akzeptieren, dass die Burschen plötzlich auftauchen und mitmachen. Bei der Vielzahl an Figuren bleiben deren Probleme und Entwicklungen zudem oft lückenhaft. Alle guten Ansätze sind aber definitiv auch in dieser Fassung noch vorhanden: Liebe, Sehnsucht, Eifersucht, Hoffnungslosigkeit, Wut und Rache funkeln wie in einer poetischen Reflexion durch alle Hauptfiguren. Der oberflächliche Haupterzählstrang um die Flucht vor den mordenden Horden funktioniert dabei trotzdem bestens als vorantreibendes Vehikel, das die Beziehungen der sieben Kämpfer und Dorfbewohner immer wieder unter Spannung stellt. Die imposanten Landschaftsaufnahmen - alles wurde an den Originalschauplätzen im Herzen Chinas gedreht - und die Kampfszenen lassen einem zudem das Herz höher schlagen. Einige Sequenzen muss man einfach selbst sehen, um sie zu glauben. Allein der unterschiedliche Einsatz der grundlegend verschieden funktionierenden Schwerter ist ein ganz großer Hingucker. Das atemberaubende Finale zwischen Donnie Yen und dem bösen General ist zudem die beste Kampfsequenz, die Hark seit den “Once upon a Time in China”-Filmen produziert hat. Auch wenn es sich hier nur um eine Torso-Fassung handelt: “Die sieben Schwerter” ist poetisches Swordplay-Kino vom Feinsten. Bleibt nur zu hoffen, dass Mr. Hark noch mal zur Besinnung kommt und eine vollständige Version des Films veröffentlicht.

BILD

Sieben Schwerter, Die

Der anamorphe Widescreentransfer (2.35:1) sieht absolut zauberhaft aus. Die Vorlage ist fehlerfrei und liefert ein gestochen scharfes Bild mit einem sehr ausgewogenen Kontrast. Die Farben sind brillant und zeigen ein sehr gutes Bild der oft von Rauch und Staub durchzogenen Szenerien. Der Schwarzlevel ist ein wenig wankelmütig und enthüllt besonders bei deutlichen Effektsequenzen wie bei dem Vulkanausbruch im Gebirge seine schwächelnde Natur. Dennoch bleibt er im großen und ganzen stabil. Die Kompression arbeitet sehr gut und verhindert erfolgreich die Bildung von Artefakten oder Rucklern. Dennoch lässt sich sporadisch ein leichtes Bildrauschen im Hintergrund feststellen.

TON

Sieben Schwerter, Die

Der deutsche DD5.1 Track liefert ein sehr dynamisches Klangbild und ist mit einer soliden Synchronisation ausgestattet. Die Dialoge sitzen klar und deutlich im Centerkanal, aber werden auch mal bei einigen Szenen in die Seiten verschoben. Wie üblich sind die deutschen Dialoge etwas in den Vordergrund gemischt worden. Dennoch bleibt die Abmischung noch homogen und wirkt nicht unnatürlich. Die Soundeffekte sind gut über die Surroundkanäle verteilt, aber generell ein wenig frontlastig. Die Musik sost dagegen alle Kanäle ein wenig zu. Übel wird’s allerdings beim originalen Mandarin-Track. Die Dialoge und Soundeffekte wirken alle ein wenig verhallt und die Soundkulisse unnatürlich gequetscht und etwas reduziert. Dieser Effekt ist zwar nicht dauerhaft wahrnehmbar, aber trotzdem äußerst störend. Die deutschen Untertitel liegen zudem nur in einer Version für Hörgeschädigte vor, die natürlich auch die Soundeffekte mitbeschreiben. Das ist schon ärgerlich.

EXTRAS

Leider sind weder der Audiokommentar von Tsui Hark, noch die geschnittenen Szenen der asiatischen DVD auf der deutschen Scheibe als Extras vorhanden. Dafür ist das Interview mit dem Regisseur (ca. 10 Min.) trotz seiner Knappheit sehr gelungen. Der inzwischen schon angegraute Hark äußerst sich detailliert über die inhaltlichen Hintergründe von “Die sieben Schwerter” und was er mit seiner filmischen Umsetzung erreichen will. Wirklich sehr gut. Das “Making of” entpuppt sich dagegen nur als knapp 5-minütiger Clip, der ein Zusammenschnitt aus Tsui Harks Video-Produktionstagebüchern zu sein scheint. Man bekommt einige Impressionen der Dreharbeiten und ein paar recht allgemeine Kommentare von Hark geliefert. In zwei Behind-the-Scenes Clips (zusammen ca. 10 Minuten) können weitere Impressionen der Dreharbeiten an den originalen Schauplätzen mit unterlegter Musik bestaunt werden. Inhaltlich erfährt man hier leider auch nichts. Das “Interview mit Cast & Crew” entpuppt sich mit einer Laufzeit von ca. 18 Minuten viel eher als Mini-Making-of. Mit Einblendungen von weiteren Behind-the-Scenes Aufnahmen erzählen hier alle Hauptdarsteller etwas über ihre Figuren und das Abenteuer, die “Sieben Schwerter” sozusagen vor Ort in der Einöde gedreht zu haben. Ein Trailer zum Film ist ebenfalls noch vorhanden.

FAZIT

Trotz Rumpf-Fassung ein großes Erlebnis: Tsui Hark meldet sich mit “Die sieben Schwerter” im historischen Kampfkunstgenre eindrucksvoll zurück. Die DVD von Universum liefert einen guten Transfer und solide Extras. Die geschnittenen Szenen der chinesischen DVD fehlen allerdings. Für Asienfans ist die Scheibe trotzdem zu empfehlen. Für alle anderen ist der Gang in die Videothek Pflicht.



Kay Pinno


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