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Romarei - Das Mädchen mit den grünen Augen   

Romarei - Das Mädchen mit den grünen Augen
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Original: Romarei, das Mädchen mit den grünen Augen   (Deutschland / Italien, 1958)
Laufzeit: 82 min
Studio: e-m-s
Regie: Harald Reinl
Darsteller: Carola von Kayser, Werner Peters, Joachim Hansen
Format: 4:3
Ton: DD 2.0 (deutsch)
Untertitel: ---
Extras: Trailershow, Nachdruck der
Preis: ca. 10 Euro
Wertung: 3 / 3+/ 2- (Bild/Ton/Extras)


"Romarei kam vor dem Frosch!"

Mystery aus deutschen Landen? Aus dem Jahre 1958?? Kaum zu glauben, aber das gibt es. Natürlich nicht im "Akte X"-Look, ja letztlich hält sich der Phantastikanteil, ganz ehrlich, in (engen) Grenzen. Doch der weitestgehend unbekannte Film lohnt auf jeden Fall einen zweiten Blick, denn hinter der Kamera stand Dr. Harald Reinl - und "Romarei" ist der letzte Film, den er vor seinem ganz großen Durchbruch inszenierte. Ein Jahr nach "Romarei" kam nämlich der erste Edgar-Wallace-Film der legendären 1960-er Reihe, "Der Frosch mit der Maske" in die Kinos, es folgten unter anderem Erfolgsfilme wie "Die Bande des Schreckens" (1960), "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" (1961), "Der Schatz im Silbersee" (1962) und natürlich "Winnetou 1. Teil" (1963). Obschon der 1908 geborene ehemalige Weltklasseskiläufer (!) Reinl bereits auf ein ansehnliches Werk als Unterhaltungsfilmregisseur zu diesem Zeitpunkt zurückblicken konnte, gelang ihm doch erst mit seinem ersten Wallace-Film der Sprung von erfolgreichen Auftrags- zum Starregisseur, der auch in der Öffentlichkeit namentlich wahrgenommen wurde. Reinls Werk wird oft auf die 1960-er Jahre reduziert, ein Jahrzehnt, das er wenig schmeichelhaft mit "Die Lümmel von der ersten Bank, Teil 3" abschloss. Ein Film wie "Romarei - Das Mädchen mit den grünen Augen" ist da in Vergessenheit geraten.

Dabei ist "Romarei, das Mädchen mit den grünen Augen" ein echtes Schätzchen, so absurd und abstrus, dass man sich seinem seltsamen Charme kaum entziehen kann.

Das Waisenmädchen Romarei wurde von der Witwe Prang adoptiert. Nicht ohne Hintergedanken. Das äußerst hübsche Mädchen soll sich um Witwe Prangs blinden Sohn Kurt kümmern. Tatsächlich sind Romarei und Kurt ein Herz und eine Seele. Doch die Witwe will mit Romarei auch Geld verdienen - denn Romarei besitzt die Fähigkeit, in die Zukunft blicken zu können. Jedoch weigert sich das Mädchen, ihre Fähigkeiten anzuwenden.
Statt dessen träumt sie von einer Zukunft mit ihrem feschen Verehrer Lorenz, einem Bergbauingenieur. Als sie ihn vor ihrem geistigen Auge bei einem Unglück sterben sieht, warnt sie Lorenz vor dem kommenden Unglück, als aufgeklärter Mann der 1950-er aber glaubt er ihr natürlich nicht (wenngleich er sich ihrer Worte nicht gänzlich entziehen kann). Und so passiert tatsächlich ein Unglück Unter Tage, ein Fahrstuhl stürzt ab. Jedoch ohne Lorenz, der in letzter Sekunde ausgestiegen ist!

Aufgrund dieses Vorfalls wird der Besitzer des Bergwerkes, der abergläubige Industrielle Sir Boris (!!) auf das Mädchen aufmerksam. Dessen Haus-Wahrsagerin (!!!) wurde unlängst ermordet und offenbar trachtet auch ihm jemand nach dem Leben. Er holt Romarei als persönliches Medium nach Tripolis, wo er ein märchenhaftes Anwesen bewohnt - woraufhin für Romarei ein Leben wie in 1000 und einer Nacht beginnt. Als Gegenleistung für ihre Arbeit verpflichtet sich der Sir, Kurts Augenoperation zu bezahlen.
Das Märchen nimmt jedoch eine dramatische Wendung, als der Sir nach Deutschland reist - und die Finsterlinge, die es eigentlich auf ihn abgesehen haben, Romarei entführen.

Warum Romarei die Entführung nicht vorhersieht oder nicht einmal erahnt, wer der Finsterling der Geschichte sein mag, obschon sie doch Kräfte besitzt, die sich mit unseren Schulweisheiten nicht wirklich erklären lassen - geschenkt! Wichtig ist, dass der Unterhaltungswert des Filmes stimmt. Und der Wert ist stimmig. Reinls Inszenierung ist elegant, der Spannungsbogen verzeichnet keine nennenswerten Durchhänger, das Einbringen phantastischer Elemente in eine dramatische Kriminalhandlung ist ungewöhnlich.

BILD

Romarei - Das Mädchen mit den grünen Augen

Das Bild von "Romarei – Das Mädchen mit den grünen Augen" liegt auf dieser DVD in 4:3 (Vollbild) vor. Es ist offensichtlich, dass die Farben bearbeitet worden sind. Sie erstrahlen in schönsten Technicolor-Tönen. Da ist rot rot, grün noch grün. Abstufungen? Wer braucht die schon? Was die Farben betrifft, hat der Verleiher wirklich ganze Arbeit geleistet, sie dürften heute knalliger und knackiger als bei der Kinopremiere 1958 ausfallen. Die Schärfe fällt nicht so perfekt aus, gerade bei Großaufnahmen (Köpfe, Details) sind kleinere Unschärfen nicht zu übersehen. Diese sind allerdings weit weniger störend als die Wellenbewegungen, die alle paar Minuten durchs Bild huschen (und vor allem an den Bildrändern wahrgenommen werden). Woher diese Störungen stammen, lässt sich aus der Ferne nicht klären. Vermutung: Das Ausgangsmaterial ist falsch gelagert worden, die Wellenbewegungen könnten auf einen Nässeschaden der Originalkopie zurückgehen. Aber wie gesagt: Das ist nur eine Vermutung; letztlich fällt diese Bildstörung zwar auf, sie vermindert aber nicht den Sehgenuss. Übrigens: Die hier abgebildeten Szenenbilder sind Snapshots von Originalkinoaushangbildern aus dem Jahre 1958, ihre Farben entsprechen nicht den knalligen Farben der Filmkopie.

TON

Romarei - Das Mädchen mit den grünen Augen

Wer hier einen DD-5.1-Ton erwartet, liegt um etwa 50 Jahre daneben. Der Ton ist mono. Aber im kräftigen 2.0 abgemischt, kommt er klar und sauber rüber, die Dialoge stehen im Vergleich zu anderen Klängen etwas im Vordergrund. Für einen Film seines Alters bietet "Romarei" ein sauberes Klangerlebnis.



EXTRAS

Was bietet man als Extra? Interessant wäre es gewesen zu erfahren, was aus der Hauptdarstellerin Carola von Keyser geworden ist, die Ende der 1950-er Jahre - kaum 20-jährig - offenbar zum Star aufgebaut werden sollte, mehrere interessante Filme drehte - und dann Anfang der 1960-er Jahre vollkommen in der Versenkung verschwand. Nicht einmal in den Gnadenbrothöfen gestrauchelter Ex-Filmstars wie etwa in Krimiserien á la "Der Kommissar" tauchte sie in späteren Jahren als Nebendarstellerin wieder auf.
Der Verleiher hat aus der Not eine Tugend gemacht und bietet mit der DVD einen Nachdruck des Original-Filmheftes aus dem Jahre 1958. Wenngleich auch in verkleinerter Form.

FAZIT

Man braucht schon ein gewisses Faible für Filme dieser Filmepoche, um „Romarei – Das Mädchen mit den grünen Augen“ goutieren zu können; als Genrecrossover ist der Film aber auch für Zuschauer nicht gänzlich uninteressant, die für gewöhnlich wenig mit dem Unterhaltungsfilm der Adenauer-Zeit anfangen können. Ein interessantes Schätzchen bleibt der Film, den der Verleiher hier dem Vergessen entrissen hat, so oder so.



Christian Lukas


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