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Ringo kommt zurück   

Ringo kommt zurück
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Original: Il ritorno del Ringo   (Italien / Spanien, 1965)
Laufzeit: 93 Minuten (PAL)
Studio: Koch Media
Regie: Duccio Tessari
Darsteller: Giuliano Gemma, Fernando Sancho, Lorella De Luca, Nieves Navarro u.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD2.0 Deutsch, Englisch, It
Untertitel: Deutsch
Extras: Interviews, alt. Synchro, Trailer
Preis: ca. 12 €
Wertung: 2-/ 4+/ 2- (Bild/Ton/Extras)


"Gemma zu den Mexikanern, Odysseus!"

So oder wenigstens so ähnlich hat sich Regisseur Duccio Tessari seine Fortsetzung zu "Eine Pistole für Ringo", die eigentlich keine Fortsetzung sein soll, vorgestellt. Fasziniert von Homers Sage des irrfahrenden Odysseus, der nach Jahrzehnten heimkehrt, ihn aber niemand mehr erkennt und seltsame Gestalten sein einstiges Reich fest in ihrem Griff haben.
Diesen Plot übernimmt er für einen amerikanischen Bürgerkriegssoldaten (eben Ringo), der von Gemma gespielt wird. Bei seiner Rückkehr aus den Kriegswirren muss er entsetzt feststellen, dass er in seinem Heimatort für tot gehalten wird, während sich mexikanische Goldgräber über sein Land und seine Frau hermachen. Das macht sauer und Ringo rachsüchtig. Völlig unauffällig mit Bohnensaft die richtige Bräune ins Gesicht gerieben, taucht er in der Stadt unter, um sich beim Anführer Esteban Fuentes (der altgediente Fernando Sancho mimt souverän den schmierigen Bandenboss) einschleichen zu können. Dieser plant für Bruder Paco (George Martin) bereits die Hochzeit mit Ringos Frau, damit man sich legal dessen Ländereien bemächtigen kann. Natürlich erfolgt das letzte Veto gegen den unrechtmäßigen Ehestand in Blei, aber bis dahin hat Gemma noch so einiges zu durchleiden.
Neben der auffällig unauffälligen Musik von Ennio Morricone, die dem Ansprüchen aber deutlich gereicht, lässt Regisseur Tessari auch Ringos Töchterchen für einen seltsam beunruhigenden Auftritt sorgen, bei dem selbst Gemma immer wieder etwas die Fassung zu verlieren scheint. Zudem greift der Film bereits John Woos Vorliebe für explosive Blumentöpfe vor und demonstriert, dass auch der mexanische Gärtner anscheinend immer der Mörder ist.
Natürlich wird zum Schluss auch noch das großkalibrige Schnellfeuergewehr ausgepackt - diesmal von der Firma Butterfly, die sich später auf die Messerfertigung konzentrieren sollte. "Ringo kommt zurück" ist von Anfang bis Ende ein solides Stück Italowestern, das auf große griechische Tragödienelemente zurückgreift, die aber letztlich kaum Einfluß auf die grundlegende Rachegeschichte haben.

BILD

Ringo kommt zurück

Der anamorphe Widescreen-Transfer (2.35:1) basiert wie fast immer bei Koch auf einer guten Vorlage und zeigt nur wenige Spuren des hohen Alters des Ausgangsmaterials. Nur gelegentlich gibt es ein paar Bildpunkte zu sehen. Schärfe und Kontrast liegen auf durchschnittlichem Niveau und bieten eine ausreichende Detailschärfe. Die Farben sind solide, aber wirken an einigen Stellen aufgrund des Ausgangsmaterials ein wenig "weicher" als üblich. Hier und da sind auch in dunkleren Partien deutlicheres Filmkorn zu erkennen. Der Schwarzlevel geht in Ordnung, aber ist insgesamt etwas heller und weniger tief. Die Kompression arbeitet sauber und ohne störende Nebenerscheinungen. Gut.

TON

Ringo kommt zurück

Der DD2.0 Sound ist in allen Sprachfassungen sauber aufgeräumt worden und liefert eine gute Dialog-Wiedergabe. Erstaunlich und nicht auf der Hülle angegeben ist zudem eine zweite deutsche Synchronfassung (s. auch bei den Extras). Die Tonkulisse ist klar und nicht verrauscht. Auch wenn einige Soundeffekte etwas älter klingen, ergibt sich trotzdem eine homogene Zusammenstellung. Surroundaktivität liegt hier natürlich nicht vor. Eine solide Monotrack-Bearbeitung.

EXTRAS

Zunächst zum Überraschungsextra: auf der DVD befinden sich zwei deutsche Synchronfassungen des Films. Die erste stammt von der originalen Aufführung von 1966 und ist relativ direkt und ohne Schnörkel synchronisiert. Die zweite Synchronisation stammt von 1972 und wahrscheinlich für eine Wiederaufführung angefertigt worden. Neben etwas lockerem Textgebrauch (Keine Blödelsynchro!) sind hier jedoch viele bekannte Stimmen dabei, die den Film (u.a. ein junger Christian Brückner(de Niro), Arnold Marquis (Bud Spencer)und Gerd Martienzen(de Funes)) so noch sympathischer machen. Ein dickes Lob an Koch, dass diese beiden Fassungen vorhanden sind.
Die Featurette "A Western Greek Tragedy" läuft 25 Minuten und lässt den Kamera-Assistenten Sergio D'Offizi und Schauspielerin Lorella de Luca, die auch mit Regisseur Tessari verheiratet war. Von der originalen Idee des Films über die ausschweifenden Dreharbeiten, die hauptsächlich in Madrid stattfanden, bekommt der Zuschauer hier eine ordentliche Portion an interessanten wie pikanten Fakten geliefert. Vom kalten Zickenkrieg am Set (Frau de Luca verstand sich mit ihrer spanischen Nebendarstellerin wohl nicht so gut) bis zu Tessaris sicherem Händchen bei der Produktion sind beide Interviews voll mit interessanten Anekdoten.
Zum Abschluss gibt es noch verschiedene Trailer und eine Bildergalerie zum Film.

FAZIT

Kein Meilenstein, aber ein solides Sequel zu "Eine Pistole für Ringo". Gemma gibt wie immer den charmant gepeinigten Scharfschützen mit Racheabsichten. Dazu gibt's Musik von Morricone und die üblich staubigen Bilder aus der Wüste Spaniens. Mit ein paar surrealen Einsprengseln und einer Parallele zu Homers Odyssee bleibt der Film sogar abwechslungsreich. Die DVD von Koch bietet wieder ein schickes Bild und ein paar Interviews. Und zwar für keinen Dollar mehr!



Kay Pinno


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