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Gefährten des Todes   

Gefährten des Todes
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Original: The Deadly Companions   (USA, 1961)
Laufzeit: ca. 90 Min. (PAL)
Studio: Koch Media
Regie: Sam Peckinpah
Darsteller: Brian Keith, Maureen O'Hara, Steve Cochran, Chill Wills, Strother Martin u.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD2.0 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Kommentar, Featurette, Bildergalerie
Preis: ca. 15 Euro
Wertung: 2 / 4+/ 2 (Bild/Ton/Extras)


"Sam Peckinpahs Django"

Ganze fünf Jahre bevor Sergio Corbucci Franco Nero als abgehalfterten Nordstaaten-Soldaten "Django" mit einem Sarg durch die Pampa eines unwirtlichen Grenzland schluffen ließ, nutzte bereits Regisseur Sam Peckinpah ein ähnliches Szenario in seinem ersten Kinofilm "Gefährten des Todes". Doch nicht etwa trocken sarkastischen Nihilismus hatte Peckinpah im Sinn, sondern eine ungewöhnliche Geschichte um Rache, Schuld, Sühne und das eben staubige Leben im wilden Westen.
Schon die Eingangssequenz macht deutlich, dass der Zuschauer hier keine Westernware von der Stange bekommt. Beim Eintritt in einen schäbigen Saloon zeigt der Film eher beiläufig, dass hier ein paar Zocker mit einem älteren Zausel ein böses Spiel treiben. Bereits hier schockt die Beiläufigkeit der dargestellten rauen Sitten dieser von kaltblütigen Männern dominierten Gesellschaft. "Yellowleg" (Brian Keith in Bestform)- benannt nach seinen gelb-gestreiften Yankee-Soldatenhosen - , den der Zuschauer gerade beim Betreten der Kneipe begleitet hatte, macht der Vorstellung allerdings schnell ein Ende. Aber nicht aus ehrenhaften Gründen. Er hat den alten Turk (Chill Wills) wieder erkannt und noch eine schmerzhafte Rechnung aus dem Bürgerkrieg mit ihm zu begleichen. Zusammen mit Turks Partner Billy (Steve Cochran) wird jedoch erstmal ein Banküberfall in Guila-City eingeplant. Doch bevor die drei Desperados zuschlagen können, macht das Schicksal "Yellowleg" einen erneuten Strich durch die Rechnung. Bei einer Schießerei mit anderen Banditen tötet er das Kind der Bardame Kit Tildon (Maureen O'Hara).
Von Schuldgefühlen zerfressen will er der Witwe helfen, ihren toten Sohn auf dem Friedhof, auf dem bereits dessen Vater liegt, zu begraben. Wieder einmal geht es so mit einem Sarg im Schlepptau durch gefährliches Territorium.
Komplett in Arizona gedreht, nutzt der Film jede Gelegenheit, um die weite Landschaft gut aussehen zu lassen. Trotz der widrigen Produktionsumstände gelingt es der Crew bereits im ersten Anlauf, den Film nach Peckinpah aussehen zu lassen. Das Gespür des Regisseurs für einen geradezu hyperrealistischen Look, der irgendwo zwischen Dokumentarstil und Expressionismus angesiedelt ist, ist schon deutlich ausgeprägt. Trotz seiner offensichtlichen Schwachpunkte, insbesondere der deplazierten wie unausgewogenen Musik, ist "Gefährten des Todes" eine kleine Offenbarung. Viel von Peckinpahs Themen und Motiven ist hier bereits vorhanden und wird auf ungewöhnliche Weise verarbeitet.
Erzählerisch konzentriert sich der Film nach dem ersten Drittel auf das Zusammenwachsen der Hauptcharaktere, die nicht nur durch die gemeinsame Tragödie des getöteten Kindes, sondern auch ein lebensveränderndes Trauma in der Vergangenheit die gleichen seelischen Narben tragen. Erst im Leid des Anderen erkennen sie sich selbst, um daraus die Kraft zu schöpfen, die eigene Misere zu überwinden.
Besonders interessant ist auch der Aspekt der zerstörten amerikanischen Generation nach dem Bürgerkrieg. Ex-Soldat "Yellowleg" ist emotional wie körperlich ein Krüppel, der einzig von Hass getrieben wird. Kit ist auch ein Opfer tödlicher Umstände am Rande des Krieges, die ihren Mann bereist früh das Leben gekostet haben. Allein auf sich gestellt, blieb ihr keine andere Wahl, als sich als Animiermädchen durchs Leben zu schlagen. Turk widerum ist ein schäbiger Südstaaten-Charakter, dem der Krieg und die begleitende Propaganda der Grauröcke immer noch im Kopf herumspukt. Einzig der großmäulige wie kesse Billy wirkt wie ein Abziehbild eines halbseidenen, gefährlichen Westernschurken aus einem Groschenroman.
Nicht nur für Peckinpah-Fans eröffnet sich hier ein großer kleiner Western, der ungewöhnlicher kaum sein könnte und auf dieser DVD erstmals in wirklich guckbarer Form vorliegt.

BILD

Gefährten des Todes

Der anamorphe Widescreen-Transfer (2.35:1) zeigt den weitestgehend restaurierten Film ersdtmals von seiner prachtvollen Seite. Die Vorlage ist in einem guten Zustand und zeigt nur an einigen Stellen ein paar größere Bildpunkte. Waren bisher nur Versionen des Films in falschen Bildformaten oder sogar nur in Schwarzweiß erhältlich, darf sich nun die wunderbare Kameraführung und das erstaunlich starke Spiel mit Licht und Schatten in den in Arizona on Location gedrehten Szenen zeigen. Schärfe und Kontrast sind gut, aber können nicht immer ganz mithalten. Die Farben sind ordentlich kräftig, aber repräsentieren eine realistische Farbpalette in erdigen Brauntönen. Der Schwarzlevel ist tief, aber trotzdem ordentlich detailreich. Die Kompression ist stabil und lässt keine Unzulänglichkeiten erkennen. Im Vergleich zu allen bisherigen Inkarnationen ist der Transfer schon eine Sensation.

TON

Gefährten des Todes

Der deutsche Ton liegt im DD2.0 Monoformat vor und lässt auch deutlich sein Alter erkennen. Der Klang ist nur wenig dynamisch und wirkt in den Dialogen oftmals flach und matt. Donnoch ist sind die Texte gut verständlich. Die teilweise leider etwas krude Musik des Films zeichnet sich an einigen Stellen auch durch eine zu starke Präsenz gegenüber der restlichen Klangkulisse aus. Ob dies so ursprunglich gewollt war oder hier ein Abmischungsfehler vorliegt, konnte leider nicht ermittelt werden. Der englische Track klingt dagegen viel naturalistischer, aber hat auch den bei alten Filmen bekannten Nachteil, dass die Dialoge nicht immer ganz gut verständlich sind.

EXTRAS

Für die Extras der Scheibe sorgte wieder einmal der deutsche Sam Peckinpah-Experte Mike Siegel, der in Zusammenarbeit mit DVDrome bereits seine Peckinpah-Dokumentation "Passion & Poetry" live in Bochum präsentieren konnte.
Zum Film spricht er einen Audiokommentar, der mit zahlreichen Hintergrundinformationen zur Zusammenarbeit und Verquickung von Maureen O'Hara, John Ford und Sam Peckinpah gefüllt ist. Wie eine Vorschau auf Peckinpahs weitere Filmkarriere war die Produktion von widrigen Umständen und Produzenten-Querelen, einschließlich einer gewichtigen Änderung im Finale, geprägt. Im Kommentar schweift Siegel auch gerne mal vom eigentlichen Film ab, um weitreichende Elemente und Motive aus Peckinpahs anderen Filmen und dessen persönlichem Lebenswandel in den Kontext mit einzuflechten. Ein gelungener Kommentar, der besonders Neulingen im Peckinpah-Universum einen weitreichenden Einblick in die komplexe Auslegung des Films ermöglicht.
"Passion & Poetry: The early Sam" (ca. 25 Min.) ist ein weiterer Zusammenschnitt mit neuem und alternativen Material aus Mike Siegels Dokumentation "Passion & Poetry". Diesmal geht es um die frühen Jahre in der Karriere von Peckinpah und die fast zufällige Möglichkeit, seinen ersten Kinofilm dank Schauspieler Brian Keith zu realisieren, den Peckinpah bei der TV-Serie "The Westerner" kennenlernte. Zusätzlich wird hier auch das Finale im nachgestellten Vergleich zur eigentlich gefilmten Originalversion präsentiert. Ein sehr guter Einfall, der einen anderen Eindruck der betroffenen Szene vermittelt.
Eine Bildergalerie mit extensivem Werbematerial aus aller Welt beschließt das Bonusprogramm auf dem Silberling.
Der DVD liegt auch noch ein 16-seitiges Booklet bei, in dem Mike Siegel noch detaillierter auf einige Umstände vor, während und nach der Produktion des Films eingeht. Sehr gut.

FAZIT

Mit "Gefährten des Todes" schließt sich endlich eine Lücke im Sam Peckinpah Oeuvre. Allein schon der wirklich großartige Transfer rechtfertigt den Kauf der Scheibe. Versehen mit einem soliden Audiokommentar und einer tollen Featurette ist der Film eine wahre Entdeckung. Ungewöhnlich in Ton und Stil zeigt sich Peckinpahs Talent hier auch von einer anderen Seite, die dem Western-Genre eine ganz untypische Seite abringt. Ein großes Kleinod darf hier wieder entdeckt werden.



Kay Pinno


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