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Bitch Slap   (BLU-RAY)

Bitch Slap
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Original: Bitch Slap   (USA, 2009)
Laufzeit: 106 Min. (1080p)
Studio: Splendid
Regie: Rick Jacobson
Darsteller: Julia Voth, Erin Cummings, America Olivo, Michael Hurst, Ron Melendez u.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, NL
Extras: Dokumentation:Builkding a better B-Movie, Deleted Scenes, Featurettes, Interviews u.m.
Preis: ca. 18 €
Wertung: 2 / 2 / 2 (Bild/Ton/Extras)


"Drei Engel für Russ Meyer"

Schnelle Frauen, schnelles Geld und schnelle Autos vermischte Filmproduzent Russ Meyer in seinen legendär berüchtigten Filmen mit einer ordentlichen Prise Gewalt und erstaunlicher menschlicher Rücksichtslosigkeit zu einem explosivem Cocktail, der auch heute noch immer fasziniert. Und nicht nur wegen der enormen Oberweiten seiner weiblichen Stars.
Die Exploitation-Variante des Film-Noir, in denen ja Femme Fatales nicht nur Männer den Kopf verdrehten, sondern auch oft größere Niederträchtigkeit und Abgründe an den Tag legten, fand bei Meyer in den 60-er und 70-er Jahren seinen Höhepunkt. Seit dieser Zeit herrschte allerdings Funkstille. Auch Quentin Tarantinos höchst enervierender Versuch, mit seinem "Death Proof" dieses Genre erneut kurz zu schließen, blieb leider ohne Erfolg.
Wo Mr. Brown sich aber nur am eigenen Referenzwillen in schalen Dialogtraktaten ereiferte, glänzt Regisseur Rick Jacobson mit der richtigen Portion an Sex, Gewalt und guter Laune. "Bitch Slap" will unverhohlen auf die Testosteron-gesteuerte Kacke hauen, um dabei möglichst viel moralischen Kollateralschaden anzurichten. Kurvenreiche Unterstützung gibt's dabei von einem sensationellen Frauen-Trio (Julia Voth, Erin Cummings, America Olivo), das in der Wüste gestrandet zu sein scheint. Doch der Schein trügt. In Flashbacks enthüllen sich langsam die wirren Ereignisse, die die zänkischen Furien in hautenger Kurzbekleidung in ihre misslische Situation gebracht haben. Und eins ist klar: die unzüchtige Damen-Riege bekommt schon bald unbequeme Gesellschaft.
Leider bricht die etwas an "Memento" angelehnte Erzählstruktur dem Film schnell das Genick. In regelmäßigen Abständen wird der Wüstenplot immer wieder abrupt unterbrochen, so dass es schon unfreiwillig komisch wird - und das, obwohl sich der Film selbst kaum für voll nimmt. Ein Spannungsaufbau geht dabei leider völlig unter. Fleißig werden dafür die drallen Kurven der bissigen Stuten, deren hysterisches Gekeife auf die Dauer an Nerven und Phsysis zehrt, in reichlich Zeitlupe gefilmt. Dennoch haben sich Rick Jacobson und sein Produzentenkumpel Eric Gruendemann (beides "Xena" und "Hercules" Veteranen) ordentlich ins Zeug gelegt, um der schmalbrüstigen Geschichte ordentlich Zunder zu geben. Besonders erwähnenswert sind die Gastauftritte der Serienstars. Als echter Showstealer zeigt sich hier Michael Hurst (Iolaus aus "Hercules"), der als schmieriger Stripladen-Besitzer und Waffenschieber so richtig vom Leisten zieht, dass die Schwarte kracht. Diese Visitenkarte sollte wirklich in Richtung Tarantino gehen.
Den bisher härtesten Catfight der Filmgeschichte gibt's dafü+r im Finale unter der Action-Regie von "Death Proof"-Ikone Zoe Bell. Der Vergleich zur herrlichen Dauerprügelei zwischen Keith David und "Rowdy" Roddy Piper aus John Carpenters "Sie Leben" muss da nicht gescheut werden. Wer die doch reichlich anstrengende Mitte des Films durchhält, bekommt zum Schluss immerhin noch einen irrwitzigen Twist geliefert, der dem wüsten Wüstentrip doch noch einmal mehr Qualität abringt, als der Film eigentlich verdient hätte. Und dass Russ Meyers "Faster Pussycat, Kill, Kill" hier als großes Patentante herhalten durfte, fällt eher noch angenehm sympathisch auf. So wird "Bitch Slap" doch ein echtes Exploitation-Erlebnis mit allen Höhen und Tiefen.

BILD

Bitch Slap

Für kleines Geld gedreht, verhehlt besonders der HD-Transfer des Films nicht die zahlreichen Greenscreen-Aufnahmen, die einen besonders künstlichen Eindruck hinterlassen. Die Vorlage des anamorphen Transfers (2.35:1) wurde dankbarerweise aber nicht künstlich auf Vintage-70-er Jahre getrimmt, sondern erstrahlt im prallen Glänze seiner Hauptdarstellerinnen. Schärfe und Kontrast sind entsprechend gut und liefern saubere Details, auch wenn es in der Wüste gar nicht so viel zu entdecken gibt. Die Farben sind sehr kräftig und fallen besonders in den farblich absichtlich anders gestalteten Flashback-Sequenzen stärker auf. Der Schwarzlevel ist sehr tief, aber trotzdem detailreich. Die Kompression zeigt keine Schwächen und präsentiert das Bild stabil. Gut.

TON

Bitch Slap

Der DTS-HD 5.1 Track macht seinem Nasmen alle Ehre und geht aggressiv in der gesamten Soundstage zu Werke. Musik und Soundeffekte sorgen für ein schönes 360-Grad-Erlebnis. Selbst in den Wüstenszenen ist dauerhaft das Hintergrundgesäusel von Wind und Sand zu vernehmen. Die Dialoge sitzen vornehmlich sicher im Centerknal und sind gut verständlich. Störende Überlappungen oder Ausfälle konnten nicht festgestellt werden. Gut.

EXTRAS

Das ausladende "Making of" läuft fast satte 100 Minuten und bringt den Zuschauer wirklich direkt an das Set von "Bitch Slap". Zahlreiche unkaschierte Behind the Scenes Aufnahmen wechseln sich mit Interview-Teilen von Regisseur und Produzent, die quasi als Erzähler fungieren, sowie der Besetzung und Crew ab. Dabei bleibt allerdings kaum ein Auge trocken. Hier wird herzhaft geblödelt und augenzwinkernd von den Erfahrungen am Wüstenset berichtet, ohne dabei allerdings den roten Faden zu verlieren. "Building a better B-Movie" ist wirklich eine sehr gelungene Veranstaltung, die den Spaß und Irrsinn am Set eines Low-Budget Films sehr gut nachvollzieht.
Die knapp acht Minuten an geschnittenen Szenen füllen ein paar kleine Löcher der Hintergrundgeschichte, aber lassen dankbarerweise auch einen langen wie inhaltlich ätzenden Dialog der drei Hauptdarstellerinnen aus, die sich über ihr Verhältnis zu Sex und Männern auslassen. Manchmal hat es eben auch einen Grund warum Szenen aus einem Film herausfallen.
Großer Nonsens wird in den Videosegmenten "Kinki", "Kinkis Guide", "Bitch Slap 101" und "Watch Bitch Slap" demonstriert. Hier nimmt sich das Team ordentlich selbst auf die Schippe und prellt das krude Sujet des eigenen Films. Spaßig ist auch das In-Charakter Interview mit den "Xena"-Stars Lucy Lawless und Renée O'Connor bei ihrem Gastauftritt als Nonnen in "Mother Superior/Sister Bartrill". Hier kann erahnen, wie abgefahren erst die Drehs für "Xena" gewesen sein mnögen.
Kurz aber auf den Punkt kommt auch Stunt-Koordinatorin Zoe Bell noch in einem kleinen Interview zu Wort, in dem sie über die besondere Zusammenarbeit mit den drei Hauptdarstellerinnen spricht.
Abschließend gibt es noch einen Trailer und einen Teaser zum Film zu sehen.

FAZIT

Der Versuch, das radikale Bad-Girl-Doppel-D-Movie Genre eines Russ Meyer ins dritte Jahrtausend zu hieven, scheitert großartig und stirbt mit einem hysterisch blutigen Lachen auf den Lippen. Eine irrsinnig gut aufgelegte Besetzung kann die holperige Dramaturgie leider nicht vergessen machen. Immerhin gibt's für Männer ordentliches Schaupotential und sicherlich den bisher härtesten Girlfight der Filmgeschichte. Die Blu-Ray verschärft den Anblick dazu gehörig und bringt ausladendes Bonusmaterial mit. Für einen Party-Abend ist damit gesorgt.



Kay Pinno


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