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Brücke am Kwai, Die   (BLU-RAY)

Brücke am Kwai, Die
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Original: The Bridge on the River Kwai   (GB / USA, 1957)
Laufzeit: 161 Min. (1080p)
Studio: Sony Pictures Home Entertainment
Regie: David Lean
Darsteller: Alec Guinness, William Holden, Jack Hawkins, Sessue Hayakawa, James Donald u.a.
Format: 2.55:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD-MA 5.1 Deutsch, Englisch, Fr
Untertitel: Deutsch, Englisch, Fr, Tr, Arab, NL
Extras: Making of, Triva-Track, Interviews, Featurettes u.m.
Preis: ca. 15 €
Wertung: 2 / 3 / 2+ (Bild/Ton/Extras)


"Kadavergehorsam"

Regisseur David Lean ist der Inbegriff für das große, epische Kino: gigantische Scope-Bilder, ausufernde Dramatik, irrsinnige Massenszenen und ein Gespür für die richtige Ausgewogenheit aller Komponenten, die ihn zu einem preigekrönten Erfolgsgaranten machten. Doch noch bevor er sich mit dem 1957 entstandenen "Die Brücke am Kwai" seinen Ruf als großer seiner Zunft zementierte, hatte der der Brite, dem als Kind und Jugendlicher das Kino vom Elternhaus verboten wurde, bereits ausgiebig als Cutter gearbeitet und seine ersten eigenen Filme für das Kino gedreht. U.a. entdeckte er Alec Guinness, den er bereits großartig in seiner kontrovers adaptierten Version von "Oliver Twist" einsetzte. Doch erst "Die Brücke am Kwai" sollte beide Genies zu internationalen Superstars machen.
Basierend auf dem 1954 erschienen Roman von Pierre Boulle folgt der Film einem Battallion von britischen Kriegsgefangenen im zweiten Weltkrieg, die in Burma für die japanische Armee eine Brücke für die Versorgungszugstrecke zwischen Bangkok und Rangoon über den Fluß Kwai bauen sollen. Unter dem harten Kommando von Colonel Saito (Sessue Hayakawa) sollen auch die britischen Offiziere direkt am Bau der Brücke mitwirken. Doch der britische Colonel Nicholson (Alec Guinness) stellt sich quer, da gefangene Offiziere laut der Genfer Konvention nicht zu körperlicher Arbeit herangezogen werden dürfen. Es kommt zu einer passiven Revolution im Camp, die beinahe tödlich eskaliert. Derweil macht sich der amerikanische Gefangene Shears (William Holden) zur Flucht bereit, die nur knapp erfolgreich verläuft. Unter dem wachsenden Zeitdruck ist Saito aber bald gezwungen, mitdem störrischen Nicholson zu verhandeln. Dessen britischer Wahnwitz nimmt jedoch neue Dimensionen an, da er den Japanern beim Brückenbau zeigen will, wer die besseren Soldaten sind. Und auch der zunächst gerettete Shears erlebt eine böse Überraschung: zusammen mit einem Spezialkommando soll er aufgrund seiner Ortskenntnis zurück in den Dschungel, um die Brücke zu sprengen.
Unter großem Aufwand ím damaligen Ceylon (heute Sri Lanka) gedreht, hat der Film auch nach über 50 Jahren nichts von seiner seltsamen Fazination verloren. Der durchexerziertze Kadavergehorsam und die notwendige Kameradschaft unter den Soldaten stehen dabei moralisch in einem interessanten Widerspruch. Vor allem wenn sich der eigene Offizier als schlimmerer Geselle entpuppt als das eigentliche Lager-Kommando. Doch David Lean vergeht sich hier nicht in einfachen Schwarz-Weiß-Malereien. Die tragische Motivation seiner Figuren bleibt immer klar und deutlich. Während der knurrige Saito seine eigene Obrigkeit im Nacken hat, besinnt sich sein britischer Gegenspieler Nicholson auf das Einzige, worauf er in diesem Dschungel der Hoffnungslosigkeit zurückgreifen kann: seinen steifen britischen Stolz und den militärischen Drill. Dass dies keine gesunde Kombination aber trotzdem abstruserweise sehr effektiv ist, stellt der Film eindrucksvoll dar. Geradezu schwarzhumorig ist das Schicksal von William Holdens Shears, der vom Regen in die Traufe gerät und dabei eine ganz andere Art des Kriegsirrsinns miterleben muss. Dass einizige was man der "Brücke am Kwai" vorwerfen kann, ist die vergleichsweise lockere Darstellung des Lagerlebens in Burma. Doch da schließt sich der Kreis mit Klassikern wie "Gesprengte Ketten". Hier handelt es sich schließlich nicht um eine Dokumentation, sondern auch um ein Stück weit Unterhaltungsfilm. Und die Brücke zwischen Unterhaltung und Drama wird hier ebenso gut geschlagen, wie die Kwai-Brücke von den britischen Gefangenen gebaut wird. Die zeitlose Verbindung zwischen Geschichte, Drama und Unterhaltung bleibt bei David Lean das ganz große Qualitätsmerkmal, dass auch seine späteren Filme wie "Lawrence von Arabien" oder "Doktor Schiwago" auszeichnet.

BILD

Brücke am Kwai, Die

Das restaurierte Bild in der korrekten Aspect Ratio von 2.55:1 ist eine wahre Pracht. Das originale Material wurde ordentlich aufgeräumt und die Spuren der Zeit sorgfältig bearbeitet. Sicherlich ist das Filmkörn hier und da stärker präsent, aber bereits bei der Titelsequenz erkannt man, wie gelungen der HD-Transfer geworden ist. Schärfe und Kontrast sind gut und in den Nahaufnahmen teilweiuse sogar sehr gut. Aufgrund der leichten Körnung ergibt sich eine sehr filmgetreue Wiedergabe. Die Farben sind sehr kräftig und lassen einen richtigen Technicolor-Eindruck entstehen. Der Schwarzlevel ist aufgrund der teilweise recht hohen Kontrastunterschiede nicht immer ganz gelungen. So sind die Szenen in Saitos Kommando-Hütte und im "Backofen" nicht immer ganz rund. Dennoch werden hier keine Details verschluckt. Die Kompression arbeitet sauber und zeigt weder Artefakte noch Hintergrundrauschen. Eine äußerst gelungene Restauration.

TON

Brücke am Kwai, Die

Der aufgebohrte DTS-HD-MA 5.1 Sound profitiert hauptsächlich bei den Musikeinlagen, die sich besser über die Soundstage verteilen. Ansonsten konzentriert sich der Ton hauptsächlich auf die Frontstage. Die Ausnahme bilden ein paar atmosphärische Einsprengsel, die besonders die Dschungelkulisse hervorheben. Die Dialoge sitzen klar und deutlich im Centerkanal und wurden sehr gut entrauscht. Störende Überlappungen oder Aussetzer konnten nicht festgestellt werden.

EXTRAS

Sämtliche Extras der DVD Special Edition wurden für die Blu-Ray übernommen und ergänzt. So gibt es parallel zum Film einen neuen, interaktiven Trivia-Track, der sowohl historische Zusammenhänge als auch die Hintergründe der Filmproduktion beleuchtet. Das einstündige "Making of" ist eine sehr gute Sammlung von Interviews und Anekdoten von noch lebenden Veteranenen des Films bzw. deren Verwandten. Dazu sind allerdings auch wieder viele Szenen des Films zu sehen, da eben nicht sehr viele Aufnahmen der Dreharbeiten existieren, von denen es hier dennoch einige zu sehen gibt. Sehr gut. Vier alte Promotion-Filme aus ganz unterschiedlichen Quellen sind ebenfalls vorhanden: Der "Auftritt in der Steve Allen Show" ist eine gefakte Live-Schaltung an das Set von "Die Brücke am Kwai" mit William Holden und Alec Guinness. Ein wirklich kurioses Zeitdokument. "Aufstieg und Fall eines Dschungelriesen" zeigt sechs Minuten an originalem Behind-the-Scenes Material, das sich mit dem Bau der Filmbrücke beschäftigt. Ein Dokumentarfilm zum Thema Filmgestaltung der USC (ca. 16 Min.) hatte auch "Die Brücke am Kwai" als Grundlage und zeigt eindrucksvoll, wie der Film von angehenden Filmemachern gesehen wurde. Auf einem Soundclip erzählt William Holden zudem noch von der "Premiere des Films". Kompakt und interessant ist die Würdigugng und Analyse des Films durch Superfan und Filmemacher John Milius. Auch wenn der "Conan"-Regisseur und USC-Dozent nicht unbedingt immer ganz richtig liegt, macht es doch Spaß, seinen Ausführungen zu lauschen.
Abschließend gibt es eine Bildergalerie und die Trailer zum Film zu sehen.

FAZIT

Sony liefert auf Blu-Ray ein hervorragendes Update für den Kriegsklassiker von David Lean. Alle Extras der Special Edition wurden übernommen und zusätzlich ergänzt. Der neue Bildtransfer ist geradezu spektakulär und vermittelt ein echtes Filmgefühl. Besitzer der DVD können ihre alte Scheibe in Ehren aus dem Filmdienst entlassen: die Blu-Ray zeigt den Film in unangefochtener Qualität. Empfohlen.



Kay Pinno


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