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Taxi Driver   (BLU-RAY)

Taxi Driver
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Original: Taxi Driver   (USA, 1974)
Laufzeit: 114 Min. (1080p)
Studio: Sony Pictures
Regie: Martin Scorsese
Darsteller: Robert de Niro, Jodie Foster, Harvey Keitel, Cybill Shepherd, Albert Brooks, Peter Boyle, Joe Spinell u.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD-MA 5.1 Deutsch, Englisch, Fr
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Hindi, Türkisch, Arabisch, Finnisch, Dänisch, Norwegisch, Schwedisch
Extras: 3 Kommentare, Making of, Featurettes, interakt. Drehbuch u.m.
Preis: ca. 15 €
Wertung: 2+/ 2 / 1 (Bild/Ton/Extras)


"Highway to Hell"

Wir befinden uns im New York von 1975 und Martin Scorsese und Robert de Niro sind noch zwei relativ unbekannte Namen. Über Brian de Palma bekommt Scorsese, der gerade erst mit "Mean Streets" einen düster rauen Film über das Leben von kleinen Straßengangstern in New York gemacht hatte, ein Drehbuch von Paul Schrader über einen 26-jährigen Vietnam-Veteran, der in seinen Mittzwanzigern ein isoliertes Leben als Taxi-Fahrer im Big Apple führt und innerlich wie eine Zeitbombe tickt.
Dass "Taxi Driver" den Nerv und Zeitgeist nicht nur einer Generation treffen sollte, sondern bis heute erfolgreich als universale Mahnung der modernen, urbanen Gesellschaft dient, ist sowohl Schraders kompromisslosem Drehbuch als auch Scorseses Talent als Filmemacher zu verdanken, das die dreckigen wie vielschichtigen Themen des Films nicht kaschiert, sondern in schwitzend, höllisch dampfende, schreiende Bilder taucht.
Dazu kommt Robert de Niros irrsinnig dichte Performance als Soziopath Travis Bickle, der zur verlorenen Post-Vietnam-Generation in den USA gehört. Zwei Jahre nach seiner Entlassung aus der Armee driftet Travis ziel- und arbeitslos in New York herum. Geplagt von Schlaflosigkeit beschließt er schließlich einen Job als Taxifahrer anzunehmen, um auch Nachts durcharbeiten zu können. Sein Lebensumfeld besteht fortan aus einem Zerrbild einer Realität, die er sich sich selbst geschaffen hat: von den skurillen Kollegen seiner New Yorker Taxiflotte bis zu den irrsinnigen Fahrgästen seiner nächtlichen Kutschierfahrten in die miesesten Gegenden der Stadt beginnt Travis bereits instabile Welt weiter zu bröckeln.
Die Begegnung mit der hübschen Wahlkampfhelferin Betsy (Cybill Shepherd) und der zwölfjährigen(!) Straßenhure Iris (eine unglaubliche Jodie Foster) beginnen Travis Leben schließlich in eine neue aber unweigerlich destruktive Richtung zu lenken.
Martin Scorsese zeichnet in "Taxi Driver" ein düsteres Sittengemälde der New Yorker Gesellschaft anno 1975. Travis Bickles Welt besteht vornehmlich aus psychotischen Menschen, Pornokinos, Gewalt, unterdrückter Sexualität, Einsamkeit sowie einer generellen moralischen Abwesenheit, in einer Stadt in der alles für ein paar Dollar zu haben ist. es ist im großen und ganzen das New York, das in John Carpenters "Die Klapperschlange" zu einem Hochsicherheitsgefängnis werden soll. Das erzählerische Genie von Scorsese und Schrader besteht schließlich darin, den Zuschauer wie Travis Bickle unmerklich und immer weiter in diese grausame Welt eintauchen zu lassen. Dadurch wirken Travis Isolation und Entfremdung von seiner Umwelt nur natürlich und gleichzeitig tragisch. Dazu wird jegliche banale Interpretation des sich langsam steigernden Wahns des Taxifahrers ausgeschlossen: wie verschachtelte und wirre Ebenen in einem Alptraum verdichten sich die Fragmente von Travis immer fatalistischer werdenden Weltsicht in einem Kaleidoskop aus Zorn, Ekel, gefühlter Hilflosigkeit, blankem (auch Rassen-)Hass, das schließlich keine andere Möglichkeit mehr als eine Gewaltexplosion zulässt. Das Ausrufezeichen des Films setzten Schrader und Scorsese schließlich mit dem für Amerikaner traumatischen Motiv des öffentlichen Politikermordes und der bitter-ironischen Pointe, die Bickle schließlich noch zum New Yorker Helden werden lässt. So bleibt Travis Taxifahrt zur Hölle weiterhin ein zeitlos dramatischer Crashkurs, bei dem der Zuschauer mit voller Absicht mehrfach schmerzhaft überfahren wird, nur um festzustellen, dass der tödliche Wahnsinn eigentlich immer dicht unter der Oberfläche unserer Gesellschaft schlummert und es oft nur wenig bedarf, um unvorgesehen auszubrechen. Tyler Durden aus David Finchers "Fight Club" hätte geweint.

BILD

Taxi Driver

Der neue anamorphe HD-Widescreentransfer (1.85:1) wurde komplett in 4k-Auflösung restauriert (siehe unser Special hier). Das Ergebnis ist großartig und originalgetreu zugleich. Bei der Restauration wurde darauf geachtet, dass der Film seinen originalen Look und raue Intensität behält. So sollte niemand erschrecken, wenn das alte Columbia-Logo etwas ausgewaschen und matschig auf dem Bildschirm auftauscht. Exakt so sah es bei diesem Film nämlich schon immer aus! Der eigentliche liefert einen großartigen Schärfe und Kontrastanteil, der eine enorme Detailfülle sichtbar macht. Die Vorlage des Films ist absolut sauber und enthält keine sichtbaren Dreckspuren oder Bildpunkte. Dafür wurde das Filmkorn komplett erhalten und liefert eine wunderbaren Filmlook, der dem tatsächlichen Kinoerlebnis entspricht. Die Farben sind kräftig, aber trotzdem nicht künstlich überbetont. Besonders der Schwarzlevel ist phänomenal und bringt den korrekten düsteren Look des Films hervor. Die Kompression ist absolut unsichtbar. Eine großartige Restauration, die den originalen Kinolook erhält.
Ein Hinweis noch zum leicht abgedunkelt wirkenden Finale des Films: dies entspricht ebenfalls dem originalen Look des Films. Um den Film seinerzeit weitestgehend ungeschoren an den Zensoren vorbeizubringen, musste Kameramann Michael Chapman das Filmmaterial von Travis Bickles Amoklauf nachträglich bearbeiten, um einen etwas sepia-getönten Look zu kreieren, der an alte Zeitungsfotos von Tatorten erinnern sollte. Ursprünglich wollte Martin Scorsese bereits für die alte DVD-Restauration das ungefärbte Material wieder in den Film einfügen. Es stellte sich jedoch heraus, dass dieses Material nicht mehr aufzufinden war, so dass nur noch das eingefärbte Finale existiert.

TON

Taxi Driver

Der neu abgemischte Soundtrack in DTS-HD-MA 5.1 ist sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch eine Wucht. Hier wurde tatsächlich alles richtig gemacht und der Ton entsprechend nach seiner Stimmung und Gewichtung abgemischt. Besonders der unter die Haut gehende Score von Bernard Herrmann kommt richtig gut zur Geltung und hüllt den Zuschauer in die richtig düstere Stimmung eines Dantes Inferno New York anno 1975. Die Dialoge sind sauber aufbereitet und mischen sich wunderbar homogen in die restliche Soundkulisse. Diese besteht aus der lebenden, schwitzend atmenden Straßenbeschallung New Yorks, die sich wie ein betäubender Mantel sehr geschickt auf alle Surroundkanäle verteilt. Richtig direktional wird es nur noch einmal im brachialen Finale, das ebenfalls räumlich gut aufgeteilt ist. Störende Überlappungen oder Aussetzer konnten nicht festgestellt werden. Gut.

EXTRAS

Die Extras der alten DVD-Special Edition wurden komplett übernommen und zusätzlich großartig ergänzt. Sony hat für diesen Release wirkliche alle Register gezogen und liefert eine wahrlich erschöpfende Special Edition, die alleine für die Extras ihren Preis mehr als wert ist.

Den Auftakt machen gleich drei laufende Audiokommentare, die den Hauptfilm begleiten. Auf der ersten Spur sind Martin Scorsese und Autor Paul Schrader zu hören, die sich ausgiebig mit der Produktion des Films, der Entstehung und Entwicklung der Geschichte sowie zahlreichen Randaspekten beschäftigen. Ein absolutes Muss. Der zweite Track wird von Filmprofessor Robert Kolker gesprochen und richtet sich eher an Studenten der Filmwissenschaft, da "Taxi Driver" hier eingehend analysiert wird.
Auf dem dritten Track ist schließlich noch einmal Paul Schrader solo zu hören. Der Autor gibt hier einen sehr persönlichen Einblick in die Entwicklung von "Taxi Driver" sowie die Parallelen in seinem eigenen Leben, die zu der Geschichte führten. Ebenfalls ein großartiger Track, der nicht verpasst werden sollte.

Das alte "Making of" (ca. 71 Min.) hat nichts von seiner Intensität verloren. Hier kommen alle Protagonisten und Filmemacher zu Wort und liefern einen stimmungsvollen Eindruck der Entstehung des Films und der aufregenden Dreharbeiten in New York. Sehr gut.
Zusätzlich gibt es aber insgesamt sieben neuere Featurettes, die "Taxi Driver" auf ganz neue Art beleuchten. In "Taxi Driver Stories" (ca. 23 Min.) kommen echte New Yorker Taxi fahrer zu Wort, die tatsächlich in den 70-er Jahren auf den Straßen des Big Apple unterwegs waren. Diese Zeitzeugen-Berichte lassen "Taxi Driver" nur umso realistischer wirken. Beeindruckend. In "Travis New York" und "Taxi Driver Places" werden die zahlreichen New Yorker Locations unter die Lupe genommen und auch in aktuellem Zustand mit den Bildern aus dem Film verglichen.

In einem Interview von 2006 (ca. 20 Min.) philosophiert Martin Scorsese noch einmal selbst über seinen Film, die Folgen und die Erfahrung ihn gemacht zu haben. Dem Regisseur selbst huldigt schließlich noch eine Reihe von Schauspielern und Kollaborateuren, die auf Scorseses Einfluß und auch die Entstehung des New Hollywood in den 70-er Jahren eingehen.
Zwei weitere Featurettes beleuchten auch noch einmal separat die Arbeit und das Leben von Paul Schrader sowie die Arbeit der Produzenten, den Film überhaupt an den Mann zu bringen.

Sony Movie-IQ Feature kann zum Film dazugeschaltet werden und liefert wieder einen interaktiven Trivia-Track, der allerdings bei der bereits abgearbeiteten Fülle an Informationen durch die Extras nicht mehr viel neue Info liefert.

Interessant und gut iuntegriert ist das "Interaktive Drehbuch": parallel zum Film spult sich in passendem Tempo in einem Fenster das Drehbuch ab. Hier kann interaktiv die Fenstergröße des Films verändert werden oder direkt ins Drehbuch gesprungen werden, so dass man selbst im DRehbuch vor und zurückspringen, kann während der Film weiterläuft. Per Knopfdruck läst sich das Drehbuch aber wieder automatischmit dem Film synchronisieren. Nicht nur für Filmstudenten ein interessantes wie praktisches Feature.

Weiterhin gibt es noch eine Bildergalerie mit Werbematerial und zahlreichen Behind-the-Scenes Bildern, sowie einen Storyboard-zum-Film Vergleich mit Einführung von Martin Scorsese.

Erstaunlicherweise wurde nur eines vergessen: der Trailer zum Film ist nirgendwo zu finden.

FAZIT

Martin Scorseses nihilistischer Klassiker "Taxi Driver" ist eine düstere Zeitkapsel der 70-er Jahre in New York, die tödlich korrekt den latenten Wahnsinn in der urbanen Gesellschaft seziert. Sony liefert mit der Blu-ray eine großartige HD-Restauration samt brillante Extras ab. Pflichtkauf!



Kay Pinno


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