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I saw the Devil   (BLU-RAY)

I saw the Devil
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Original: Akmareul boatda   (Südkorea, 2010)
Laufzeit: ca. 131 Min. (1080p)
Studio: Splendid
Regie: Kim Jee-woon
Darsteller: Choi Min-sik, Lee Byung-hun u.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD-MA 5.1 Deutsch, Koreanisch
Untertitel: Deutsch, NL
Extras: Making of, Interviews, Trailer u.m.
Preis: ca. 16 €
Wertung: 1-/ 2 / 3- (Bild/Ton/Extras)


"Sympathie für Mr. Rache"

Regisseur Kim Jee-woon ist dem internationalen Publikum bereits mit zwei Filmen aufgefallen: der überbewertete "Bittersweet Life" und der überaus erfolgreiche und unterhaltsame "The Good, The Bad and the Weird" haben ihn neben Park Chan-wook ("Oldboy") zu einem Aushängeschild des koreanischen Kinos gemacht. Dass er allerdings zusammen mit den beiden Topstars Choi Min-sik und Lee Byung-hun einen derart knallharten Serienkiller-Film auf die Leinwand zaubert, darf einem ruhig mal den Atem verschlagen. "I saw the Devil" stellt das Konzept dieses Subgenres auf ganz andere Füße, um sie mit der Wucht eines Hammerschlags zu zertrümmern. "I saw the Devil" macht keine Gefangenen: Kyung-chul (Choi min-sik) ist ein besonders kranker Serienkiller, der ohne Empathie seine zumeist weiblichen brutal tötet. Als er jedoch die Tochter des Polizeichefs ermordet, ist nicht nur der gesamte Poplizeiapparat, sondern auch der Verlobte des Opfers auf seinen Fersen: Soo-hyen (Lee Byung-hun) ist hauptberuflich Geheimagent für die Regierung und brettet wie eine hasserfüllte Dampfwalze durch die üblichen Verdächtigen der "Szene", die die Polizei aber bisher nicht dingfest machen konnte.
Wer nach der kaltblütigen Eröffnung des Films noch Zweifel hatte, ob moralische Bedenken eine Rolle spielen, bekommt hier bereits seine erste Quittung: ohne Beweise oder tatsächliche Handhabe lässt Soo-hyen seinen Rachetrieben freien Lauf und quält die vermeintlichen Killer seiner Geliebten. Als der Geheimagent auf Rachemission schließlich Kyung-chuls Versteck erreicht, findet er den unumstößlichen Beweis, dass dort seine Freundin qualvoll gestorben ist. Statt den Täter seiner gerechten Strafe zuzuführen, fängt Soo-hyen ein böses Spiel mit dem Serienkiller an, das sowohl ihn als auch sein Opfer in eine immer größere Spirale der Gewalt zieht, die durch nichts aufgehalten werden kann.
Regisseur Kim Jee-woon zeigt überaus drastisch, wie schnell vermeintlich "gerechte Rache" in etwas viel Böseres umschlagen kann und letztlich ebenfalls nur zu einer anderen Art von Wahnsinn führt. Wie ein von Hass und (physischem wie psychologischem) Schmerz angetriebener Virus verbrennt Soo-hyens Seele je weiter er sich dem immer lustvollerem Gefühl seiner immer sadistischeren Rachephantasien hingibt.
Kompromisslos und brutal schmettert einem "I saw the Devil" seine Gewalt vor die Netzhaut und lässt den Zuschauer schließlich in eine Manga-artige Kunstwelt der Serienkiller eintauchen, die die Straßen und Dörfer infiltriert zu haben scheinen. Fast David-Lynch-artig scheibt diese verdorbene Welt unter der Kruste der normalen Gesellschaft zu schlummern, um sich von ihr im wahrsten Sinne des Wortes zu nähren. "I saw the Devil" setzt damit einen Benchmark im innovativen Horrokino, denn trotz der drastischen Gewaltdarstellung wirkt davon eigentlich kaum etwas selbstzweckhaft, sondern spiegelt die kaltschnäuzige Realität solch unvvorstellbarerer Grausamkeiten. Das intensive Spiel der beiden Hauptdarsteller unterstreicht die Ehrlichkeit des Films bei seiner Betrachtung des klassisch biblischen Auge-um-Auge Themas, das sich hier auf perverse Weise mit einem maskulinen Dominanzkomplex und dem völligen Erliegen der dunkelsten Urinstinkte vermischt. "I saw the Devil" gehört damit ganz noch oben in die Top Ten des intelligenten, originalen Horrorkinos des aktuellen Milleniums.

BILD

I saw the Devil

Der anamorphe Widescreentransfer (1.85:1) basiert auf einer exzellenten Vorlage, die keinerlei analoge Rückstände aufweist. Schärfe und Kontrast sind sehr gut und liefern durchgängig ein sehr detailreiches Bild. Der insgesamt sehr dunkel gehaltene Film kann vor allem beim Schwarzwert seine Trümpfe ausspielen und bietet ein sehr tiefes Schwarz, das sehr nuanciert seine Details immer gut preisgibt. Die Farben sind gleichzeitig sehr kräftig und liefern einen gelunegen Eindruck, der subtil ausgeleuchteten Szenerien. Die Kompression bleibt unsichtbar und hält das Bild absolut stabil. Sehr gut.

TON

I saw the Devil

Der DTS-HD MA 5.1 Track ist sowohl auf Deutsch als auch auf Koreanisch sehr atmosphärisch und gut aufgelöst. Viele Knalleffekte oder direktionale Spielereien gibt es aber nicht zu hören. Dafür sind die an sich bereits im Film reduzierten Sounds sehr gut ausgelegt. Die deutsche Dialogspur ist zwar deutlich im Vordergrund, aber passt sich der immer etwas unwirklichen Atmosphäre gut an. Besonders die gut eingesetzte Musik profitiert von dem Einsatz in der gesamten Soundstage. Störende Überlappungen oder Aussetzer konnten nicht festgestellt werden. Gut.

EXTRAS

Das 19-minütige "Making of" ist ein Fly-on-the-Wall Blick in die Dreharbeiten des Films. Lose sind zahlreiche Behind-the-Scenes Momente unkommentiert hintereinandergeschnitten, die allerdings gut ausgewählt wurden und vor allem zeigen, dass es tatsächlich unheimlich viel Spaß macht, einen derart "schlimmen" Film zu drehen. Man sieht die Besetzung und CRew fast ständig Lachen und herumalbern. Horrorfilmen macht eben Spaß. Ein sympathischer Blick hinter die Kulissen, der aber auch ein wenig die Strapazen am Set dokumentiert.

Die drei Interviews (Regisseur plus die zwei Hauptdarsteller, zusammen ca. 19 Min.) sind interessant, aber bei Choi Min-Sik deutlich zu kurz geraten. Regisseur Kim Jee-woon darf dafür ordentlich länger plaudern und gibt einen Einblick in die Konzeption seines Films und wie er seine beiden Hauptdarsteller einsetzt. Wie bei Schauspielern üblich wird ein gutes Stück des Plots nacherzählt, aber dankbarerweise auch eine eigene Sicht auf die Dinge vermittelt. Nicht umwerfend, aber ganz ok.

Abschließend gibt es noch den Kinotrailer und drei TV-Spots zu sehen.

FAZIT

Was für ein Hamerschlag in die Weichteile des eigenen moralischen Wohlbefindes: "I saw the Devil" reduziert die Formel für das Serienkiller-Genre auf eine derat abgründige und nihilistische Weise, dass einem die Spucke wegbleibt. Brutal, kaltblütig, kompromisslos und dabei schreiend im Wahnsinn versinkend, ohne dabei sein Ziel aus den Augen zu verlieren, liefert Regisseur Kim Jee-woon ("The Good, the Bad and the Weird") ein böses Meisterstück ab, das absolut nicht für zarte Gemüter geeignet ist. Die Scheibe von Splendid zeigt sich technisch in guter Form und bietet ein paar Standard-Extras. Aber obacht, der Film ist in unterschiedlichen Schnittfassungen verfügbar.



Kay Pinno


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