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On the Run   

On the Run
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Original: La Proie   (Frankreich, 2010)
Laufzeit: ca. 98 min
Studio: Atlas Film HE
Regie: Eric Valette
Darsteller: Albert Dupontel, Alice Taglioni, Stéphane Debac, Zinedine Soualem
Format: 2.35:1
Ton: DD 5.1 Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Interview mit Regisseur Valette
Preis: ca. 12 Euro
Wertung: 2 / 2-/ 2- (Bild/Ton/Extras)


"Auf der Flucht auf Französisch!"

Franck ist eigentlich ein Musterhäftling. Er redet nicht viel, geht seiner Arbeit nach, macht keinen Ärger. Beliebt ist er trotzdem nicht, denn er war als Bankräuber verdammt erfolgreich, hat ein großes Ding gedreht und das Geld – ist niemals aufgetaucht. Franck ist bereit seine Strafe abzusitzen, um mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter ein neues Leben zu beginnen. Ehrlich. Mit einem kleinen Sparstrumpf in der Hinterhand. Doch dann gibt es da Maurel, seinen Zellengenossen. Der soll ein Mädchen vergewaltigt haben. Als Mithäftlinge Maurel fertig machen wollen, kommt ihm Franck zu Hilfe. Nicht, weil er Maurel mag. Aber es gibt Indizien für dessen Unschuld. Tatsächlich kommt Maurel ein paar Tage nach dem Angriff frei, die Ermittlungen gegen ihn werden eingestellt. Er möchte sich bei Franck für seine Hilfe bedanken. Also gibt ihm Franck die Adresse seiner Frau. Ein paar Tage später ist seine Frau samt Tochter verschwunden. Und Franck sitzt im Knast. Fragt sich – für wie lange?

Die andere Frage lautet: Warum können Franzosen so unglaublich geile Filme drehen? Zugegeben, die ersten etwa zwanzig Minuten verlaufen etwas ruhig. Vielleicht sogar etwas zu ruhig. Wir erleben Gefängnisalltag. Und lernen ein paar echt miese Jungs kennen, die es auf Franck abgesehen haben. Das ist Stoff für einen guten Gefängnisfilm, aber auch nicht neu. Der Film, na ja, er plätschert ein wenig vor sich hin. Bis zum Moment des Ausbruchs. Ab diesen Augenblick kennt der von Eric Valette inszenierte Spielfilm keine Ruhe mehr. Aktion folgt auf Aktion, wie es sich für einen Actionfilm gehört. Franck rennt, wird verfolgt, entkommt mal mit Glück, mal, weil er einfach kein Typ aus Zucker ist, sondern einer der sein Ding durchzieht. Albert Dupontel spielt den Mann auf der Flucht und natürlich werden Erinnerungen an Dr. Kimble wach. Nur mit dem Unterschied, dass Dupontel der Mann ist, der Harrison Ford gerne gewesen wäre.

BILD

On the Run

Das Bild entspricht den üblichen Standards. Sehr schön ist die Tatsache, dass hier ein Regisseur wirklich mal einen Film fast ausschließlich bei Tageslicht gedreht hat. Keine dunklen Gassen, in denen Schwarzwerte abschmieren könnten, nein, alles spielt im Sonnenschein. Oder zumindest in gut ausgeleuchteten Räumen. Das passt zum Film. Regisseur Valette tritt als Visualist sehr angenehm in den Hintergrund und überlässt seinen Hauptfiguren das Bild, ohne Spielereien, ohne übertriebene Wackelkamera. Alle Tonwerte stimmen, eine bodenständige Arbeit.

TON

On the Run

Bei den Actionszenen wummert es manchmal ein bisschen zu laut. Wird gleichzeitig auch noch gesprochen, treten die Stimmen zu sehr in den Hintergrund. Hier hätte man sicher noch etwas auspegeln können. Da während der Actionszenen jedoch nicht viel gesprochen wird, fällt diese Kritik wahrlich nicht weiter ins Gewicht.


EXTRAS

Als Extra gibt es ein sehr schönes Interview mit Regisseur Valette mit einigen sehr interessanten Blicken hinter die Kamera. Schön wäre es natürlich auch gewesen zu erfahren, was einen talentierten Mann wie Valette immer wieder nach Hollywood zieht, wo er bislang zweimal gedreht hat, und zwar Horror. „Hybrid 3D“ und „One Missed Call“. Beides Filme, die eher Horror anzuschauen sind als wirklich Horror verbreiten. Dies ist seltsam, denn „On The Run“ ist kein Zufallstreffer. Vor „On The Run“ inszenierte er „Staatsfeinde – Mord auf höchster Ebene“, einen meisterhaften Politthriller, von dessen Qualität deutsche Filmemacher nicht einmal zu träumen wagen (nicht, weil sie es nicht hinbekämen – aber für einen solchen Film würde in Deutschland keine Filmförderung auch nur einen Cent spendieren, wer es nicht glaubt: Kritik auf DVDrome lesen!). Na ja, wahrscheinlich hat ihn Hollywood erpresst. Mit Geld. Um so schöner ist es zu sehen, dass er in seiner Heimat offenbar mehr Freiräume hat als in den USA, wo sein Talent irgendwie vergeudet erscheint.

FAZIT

„On The Run“ ist ein echter Adrenalinreißer. Langsam zu Beginn, rasant in der Mitte, nervenzerfetzend am Ende. Wer eine andere Meinung vertritt, kann ja „Tatort“ gucken, wer einen brillianten Actionfilm sehen will, ist mit dieser DVD bestens versorgt.



Christian Lukas


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