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Watchmen DC (US)   (BLU-RAY)

Watchmen DC (US)
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Original: Watchmen   (USA, 2009)
Laufzeit: 186 Minuten (1080p)
Studio: Warner
Regie: Zack Snyder
Darsteller: Malin Akerman, Billy Crudup, Matthew Goode, Carla Gugino, Jackie Earle Haley, Jeffrey Dean Morgan u.v.a.
Format: 2.40:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD-Master 5.1 Englisch DD5.1 Französisch
Untertitel: Englisch, Fr, Spa
Extras: Maximum Movie Mode, Featurettes, BD-Live
Preis: ca. 25 Dollar
Wertung: 1-/ 1-/ 2- (Bild/Ton/Extras)


"Super Anti-Helden!"

Der schrullige Comic-Schöpfer Alan Moore hat - wie so viele seiner Kollegen aus diesem Bereich - Pech mit den Verfilmungen seiner "Stoffe". Werke wie "League of Extraordinary Gentlemen", "From Hell" oder "V for Vendetta" stießen bei ihm nicht auf Gegenliebe.
Seither hat er sich von der Filmindustrie, für die er sowieso nicht viel übrig hat, abgewandt. Für seine große Anti-Helden Geschichte "Watchmen", für die er als einziger Comic Schöpfer mit dem begehrten Hugo-Award ausgezeichnet wurde, waren aber bereits seit langer Zeit die Verfilmungsrechte verkauft worden - und die Entwicklung des Films seit Jahren in der Produktionshölle. Verschiedene Regisseure gaben sich die Klinke und andere Konzepte in die Hand. Erst als nach dem Überraschungserfolg von "300" Regisseur und bekennender Comicfan Zack Snyder das Ruder an sich riss, nahm das Projekt wieder Fahrt auf.
Damit er sich nah an Alan Moores Vorlage halten konnte, verzichtete Snyder auf große Stars und setzte ganz auf die inhaltliche und visuelle Integrität des Werks. Eine richtige und wichtige Entscheidung. Snyders "Watchmen" setzt sich von allen anderen Superhelden-Filmen deutlich ab und behält die zentralen Aspekte der Geschichte vielleicht sogar besser im Auge als Alan Moore selbst. Sein Ansatz, den Stil des Comics exakt einzufangen, hat allerdings auch den Nachteil, dass die Kenner wenig Neues oder gar Überraschendes zu sehen bekommen. Andererseits hätten sich die Gemüter sicherlich auch bösartig entzündet, wäre die Geschichte für Hollywood-Zwecke stark verbogen oder gar ganz verändert worden. Ein Aspekt, der ja trotzdem noch auf das Finale des Films zutrifft.
Aber was macht "Watchmen" so anders? Der Zuschauer darf eine alternative Version unserer Realität und jüngeren Geschichte erleben. Eine Gesellschaft, in der aus dem normalen Kampf gegen das Verbrechen, die maskierten Helden (ohne Super!) ursprünglich aus den Reihen der Polizei stammen. Einzig Dr. Manhattan (Billy Cudrup) ist durch einen Unfall tatsächlich zu einem gottgleichen, ätherischen Wesen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten mutiert. Die eigentliche Story spielt in der Mitte der 80-er Jahre, in denen Präsident Nixon bereits eine dritte Amtszeit anstrebt und Amerika den Vietnamkrieg mit der Hilfe der Watchmen gewinnen konnte. Da Nixon allerdings die Macht der maskierten Verbrechensbekämpfer fürchtet, lässt er sie schließlich verbieten. Ohne die Helden scheint die Welt aber in Gewalt, Verbrechen und dem eskalierenden kalten Krieg zu versinken. Und genau in dieser Zeit fängt ein Killer an, die Ex-Watchmen umzubringen. Was steckt dahinter? Ein rachedürstiger Psychopath oder doch ein Regierungskomplott?
"Watchmen" bringt den Superhelden-Mythos zurück in die Antike: Bereits die Griechen dichteten ihren mächtigen Göttern menschliche Schwächen und Laster an, um das seltsame Wirken der Mächte auf Erden begreifbarer zu machen. Auch bei den "Watchmen" durchlaufen alle Charaktere ein Kaleidoskop aus Gefühlen und Konflikten: dies reicht vom Gott-Komplex des Dr. Manhattan über den (sexuell stimulierenden) Kick, ein actionreiches Superheldendasein zu führen bis zum zynisch desillusionierten Racheengel Rorschach (brillant von Jackie Earl verkörpert, der demnächst auch als neuer Freddy Krueger weiter Schrecken verbreiten darf). Doch "Watchmen" geht dabei sogar noch ein bis zwei Schritte weiter, um sich der Frage nach der ultimativen Daseinsberechtigung für Superhelden und dem zentralen Kern der Menschlichkeit zu widmen.
Der in den USA veröffentlichte und um 24 Minuten verlängerte Director's Cut unterscheidet sich bei oberflächlicher Betrachtung zunächst nur geringfügig von der Kinofassung. Doch die zahlreichen kleinen Erweiterungen und alternativen Szenen (Schnittbericht hier) geben besonders zwei Figuren (Silk Spectre II und Nite Owl II) mehr (dringend benötigtes!) Profil. Außerdem hat nun auch die Figur von Hollis Mason (Nite Owl I) endlich eine Bedeutung, die den gealterten Superhelden eine traurige nostalgische Note verleiht. Ein radikal anderer Film ist der Director's Cut nicht geworden - aber definitiv die zu bevorzugende Fassung von Zack Snyders "Watchmen".

BILD

Watchmen DC (US)

Der anamorphe Widescreen-Transfer (2.40:1) basiert natürlich auf einer sehr guten Vorlage und enthält natürlich keine analogen Rückstände oder Dreckspuren. Obwohl der Film komplett "künstlich" entstanden ist, bleibt der filmische Look, der ein bisschen sichtbares Filmkorn enthält, im Transfer gut erhalten. Tiefenschärfe und Detailgrad sind sehr hoch und liefern auch in den vielen dunklen Szenen des Films ein sauberes und akurates Bild. Die Farben sind sehr kräftig, aber ohne künstlich zu Überscheinen oder Konturen zu verwischen. Der Schwarzlevel ist sehr tief, aber verschluckt keine Details. Die Kompression bleibt ebenfalls sauber. Ein sehr guter Transfer.

TON

Watchmen DC (US)

Im Gegensatz zur deutschen Blu-Ray befindet sich auf der US-Scheibe ein DTS-HD-Masteraudio 5.1 Track, der sich ganz ordentlich ins Zeug legt. Besonders die dominante Musik wird hier ordentlich über die komplette Soundstage verteilt. Auch die Geräusche sind recht gut verortbar, allerdings nicht so stark in den Vordergrund gemischt. Die Dialoge reihen sich in die ganze Sopundkulisse sehr gut ein und sind immer gut verständlich - sogar der ewig röchelnde Rorschach. Richtig große Aha-Momente bleiben allerdings auch aus. Ein gelungener Track, der seine Möglichkeiten allerdings nicht bis zum letzten Quentchen ausschöpft.

EXTRAS

Für die Blu-Ray hat man sich wieder einmal etwas ganz Neues im Extra-Department ausgedacht. Auf der Filmdisc begeleitet der "Maximum Movie Mode" das Spektakel. Dabei handelt es sich vornehmlich um ein PiP-Feature, das man auch selbst beeinflussen kann. Hier ploppen nicht nur kleine Fenster mit Interviews und Behind-The-Scenes-Segmenten auf, sondern Regisseur Zack Snyder unterbricht das Geschehen auch mal komplett, um virtuell auf dem Schirm einige Geheimnisse über die Produktion zu verraten. Dazu können einige Segmente auch direkt vom Zuschauer angewählt werden, die dann im Vollbildnmodus ausführlicher beleuchtet werden. Als Erweiterung zu den üblichen PiP-Features ist dieser Modus tatsächlich eine angenehme Ergänzung.

Auf der zweiten Disc befinden sich eigentlich nur drei weitere Featurettes:
"The Comic that changed Comics" befasst sich mit dem ursprünglichen Erfolg der "Watchmen" und was dieses Comic so besonders macht. Hier kommen nicht nur die Macher (minus Alan Moore natürlich!) sondern auch die Menschen, die davon beeinflusst worden sind, zu Wort.
"Real Super Heroes, Real Vigilantes" befasst sich mit der realen Problematik, von Menschen, die das Gesetz in die eigene Hand nehmen, um ihre "persönliche Gerechtigkeit" auszuüben. Im Zentrum steht hier vor allem auch die New Yorker Organisation der "Guardian Angels", einer zivilen Schutztruppe, die auf den Straßen New Yorks für mehr Sicherheit sorgen will.
"Mechanics: Technologies of a Fantastic World" befasst sich mit einem Thema, das wohl alle Comicleser und Filmgucker schon einmal beschäftigt hat. Wie viel der gezeigten Science Fiction ist tatsächlich Fiktion? Und was gibt es bereits schon? Ein Wissenschaftsexperte dröselt hier die verschiedenen Konzepte und Gadgets aus dem Film auf und zeigt auf, was davon machbar ist. Faszinierend und amüsant.

Die elf Video-Journale von "Watchmen", die auf der Rückseite angekündigt sind, waren leider nicht auffindbar. Zusätzlich ist auch noch ein Musikvideo zum Film und ein BD-Live Zugang verfügbar.

Vermisst wird hier defnitiv ein klassischer Audiokommentar (Zack Snyder, "Watchmen"-Co-Autor Dave Gibbons) und etwas mehr Information über die lange Entwicklungszeit des Projekts und wie sich die Ansichten darüber geändert haben.

FAZIT

Die Anti-Superhelden der "Watchmen" funktionieren wahrscheinlich besser bei Zuschauern, die die Comic-Vorlage nicht kennen. Nah am Original birgt der Film für die Comic-Kenner wenig Überraschungen. Als separater Film betrachtet, trumpft er dank Zack Snyders visuellem Ideenreichtum voll auf und setzt sich ganz locker von der üblichen Hollywood-Blockbusterware erfrischend ab. Der Director's Cut (in den USA CODEFREE erschienen!) füllt dabei einige wichtige Lücken, ohne den Film grundlegend zu verändern. Bild und Ton liefern auf der Blu-Ray Referenzmaterial. Die Extras sind zwar innovativ, aber nicht so üppig, wie dies auf den ersten Blick erscheint.



Kay Pinno


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