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Kommando Leopard   

Kommando Leopard
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Original: Commando Leopard   (Italien/Deutschland, 1985)
Laufzeit: ca. 100 Miniten
Studio: Ascot Elite HE
Regie: Anthony M. Dawson
Darsteller: Lewis Collins, Klaus Kinski, Manfred Lehmann, John Steiner
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 5.1 Deutsch, Englisch, DD 2.0 Italienisch, Französisch, Spanisch
Untertitel: -
Extras: Kommentar, Buch über den Produzenten (PDF)
Preis: ca. 10 €
Wertung: 3+/ 2-/ 2 (Bild/Ton/Extras)


"Krawall mit nachdenklichen Zwischentönen"

Der Actionfilm der 1980er Jahre hatte bei der etablierten Filmkritik einen miesen Ruf. Männer in Kampfanzügen mit Wummen = da klingelten die Alarmglocken. Begrifflichkeiten wie „faschistoider Männlichkeitswahn“ feierten im Zeitalter von Anti-AKW, Anti-Pershing2- und Anti-Salt2-Abkommen Hochkonjunktur. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit diesem Genre fand selten bis nie statt, vor allem, wenn etwa Filme wie „Die Rückkehr der Wildgänse“ tatsächlich revisionistischen Quatsch auf Zelluloid bannten und den Vorurteile der Anti-Front Futter lieferten.

Dabei könnte ein Film wie „Kommando Leopard“ problemlos im Unterhaltungsprogramm eines Linken-Parteitages gezeigt werden. Selbst der epd-Filmdienst bemerkte 1985, der Film sei „versetzt mit einigen nachdenklichen Zwischentönen [und] Recht verhalten inszeniert (...).“ Und tatsächlich entspricht die Geschichte wenig den Klischees, die über den Actionfilm der 1980er Jahre bis heute im Umlauf sind. Klar ist „Kommando Leopard“ kein Kammerspiel, natürlich ist die von Anthony M. Dawson inszenierte deutsch-italienische Co-Produktion ein Actionflic, das es mindestens alle zehn Minuten ordentlich krachen lässt. Aber dazwischen erzählt er eine Geschichte jenseits erwartete Klischees.

El Leopardo (Lewis Collins in seinen zweiten von insgesamt drei Actionfilmen, die er für den Schweizer Produzenten Erwin C. Dietrich gedreht hat) ist Anführer einer Rebellenorganisation in einem Land in Mittelamerika. Er ist kein Mann, der sich versteckt: Er selbst führt Einsätze an, die das System schwer treffen. Ob die Sprengung eines Damms oder eines Treibstoff transportierenden Güterzuges: El Leopardo steht in der ersten Reihe. Sein Gegenspieler ist Silveira (Klaus Kinski), die rechte Hand des Diktators, der keine Skrupel kennt und Menschen als Verfügungsmasse betrachtet.

„Kommando Leopard“ ist vielschichtig. Da ist El Leopardo. Sein richtiger Name ist Carasco. Und wir erfahren nicht viel über ihn. Interessant ist, dass Carasco der privilegierten Oberschicht des Landes angehörte und ein sorgenfreies Leben führen könnte – sich aber für den Kampf entschied. Interessant sind diesem Zusammenhang Szenen, die dem Zuschauer offenbaren, dass die Rebellen keinesfalls beim einfachen Volk vollste Unterstützung erfahren. Im Gegenteil: Die Menschen fürchten die Rebellen. Sie führen Krieg. Und wenn sie nicht zu greifen sind – bestraft ein Mann wie Silveira eben auch mal ein paar Unschuldige. Um Furcht zu schüren, um die Akzeptanz der Rebellen zu unterminieren.
Das macht den Diktator des fiktiven Landes, für den Silveira die Drecksarbeit erledigt, fast schon zu einer tragischen Figur. Als Zuschauer erfahren wir nicht, wie er an die Macht gekommen ist. Klar, er hat sich an die Macht geputscht. Aber wer war sein Vorgänger? Der Film hält sich mit Erklärungsansätzen zurück. Die Vergangenheit interessiert wenig, er fokussiert sich auf die Gegenwart – und da erlebt der Zuschauer einen Diktator, der selbst zur Verfügungsmasse eines politischen Spiels geworden ist, in dem er längst nicht mehr die Fäden zieht. Silveira ist der Mann, der das Sagen hat. Sowie fremde Mächte. Es wird nie in dem Film offen gesagt, wer die Diktatur stützt. Doch ein Blick auf die reale Landkarte der Gegenwart des Jahres 1985 lässt nur einen Schluss zu: Es sind die USA.
Durch die Figur des Paters Don Julio (Manfred Lehmann) erlaubt sich der Film sogar das Thema Befreiungstheologie anzuschneiden. Don Julio ist ein Mann, der mehr oder minder durch unfreiwillig in den Kampf hineingezogen wird – dann aber Stellung bezieht. Don Julio ist der Mann, der seine Kirche liebt – aber sich ihren Dogmen widersetzt, der eben nicht nur als gute Samariter den Opfern beisteht, sondern aktiv die Befreiung von der Unterdrückung fordert.

Inszenatorisch lässt sich wenig an diesem Film aussetzen. Was ihm fehlt, ist eine echte Spannungskurve. Die Handlung verfährt nach dem Prinzip Bushaltestelle – wir fahren von A nach B nach C. Das ist allerdings verschmerzbar, da er sich über seine Handlung letztlich als ein geschlossenes, komplexes Werk präsentiert und sich über die Geschichte definiert.

BILD

Kommando Leopard

Zusammen mit "Geheimcode Wildgänse", "Die Rückkehr der Wildgänse" und "Der Commander" bildet "Kommando Leopard" eine Reihe von vier Actionfilmen, welche der Schweizer Produzent Erwin C. Dietrich in den 1980-er Jahren inszenieren ließ. Dreimal stand dabei Anthony M. Dawson hinter der Kamera, einmal Larry Ludman. Nach diversen Veröffentlichungen auch auf DVD erschienen 2014 alle vier Teile noch einmal - mit Extras versehen und aufgehübscht. Sehr gelungen ist der Transfer im Fall von "Der Commander", der von einigen kleineren Spratzern abgesehen als überdurchschnittlich für einen Film seiner Art (B-Action der 80er) bezeichnet werden kann. So ist es enttäuschend, dass ausgerechnet der aufwendigste, komplexeste Film der Reihe nicht mit dem besten Bild aufwarten kann. Im Gegensatz etwa zu "Die Rückkehr der Wildgänse", bei dem auf eine ungekürzte italienische Kopie für die DVD-Veröffentlichung zurückgegriffen wurde, lag dem Transfer dieser DVD ein deutscher Print zur Verfügung. Diese Kopie ist an sich in Ordnung und Kameramann Peter Baumgartner hat sie selbst autorisiert. Es ist nur leider offensichtlich, dass diese Kopie nicht vollständig gewesen sein kann und durch Material einer anderen Kopie ergänzt werden musste. Zumindest lassen darauf einige (wenige) Szenen schließen, die im Vergleich zum sehr klaren Durchschnittsbild eher grobkörnig ausfallen.
Man könnte jetzt sagen: Die Körnigkeit lässt ein klassisches Kinogefühl aufkommen. Man kann aber auch sagen: Das ist nicht wirklich schön.
Bevor nun jedoch vom Kauf abgesehen wird: Keine Panik, wir sprechen von einigen Sekunden, die sich vielleicht auf eine Minute summieren. Doch leider sind auch die Nachtszenen etwas schwammig. Etwas mehr Konstrastierung hätte dem Bild gut getan.
Dennoch bleibt trotz der Abzüge ein dem Film angemessener Transfer.

TON

Kommando Leopard

Der Sound ist vielfältig. Betrachten wir zunächst die deutsche Tonspur. Die ist klar und sauber. Sie wurde sorgfältig von Rauschen oder anderen Störungen gereinigt. Bei alledem wurde er aber nicht seiner Atmopshäre beraubt, sondern klingt natürlich. Eine sehr gute Arbeit, die sich auf die englische Tonspur nicht hundertprozentig übertragen lässt. Das aber liegt nicht an der technischen Umsetzung des DVD-Verleihers. Es liegt an der grottenschlechten Synchronarbeit. Also, wer da über deutsche Synchros meckert...
Spanisch, Französisch und Italienisch lässt sich der Film auch schauen. Wer es mag.

EXTRAS

Das ist sehr schön, denn es gibt einen 2012 aufgezeichneten Audiokommentar von Produzent Erwin C. Dietrich, den er zusammen mit dem Schauspieler (und Vierer-Bob-Olympiasieger) Hans Leutenegger sowie dem Crewmitglied Daniel Schmid eingesprochen hat. Dabei bieten sie einen recht ausführlichen, launigen Blick hinter die Kulissen, durchaus ironisch und mit Spaß an der Sache.
Dazu gibt es einen kurzen Video-Bericht über die Aufnahme des Kommentars.

Als weiteren Bonus findet man eine PDF-Fassung des Buches "Mädchen, Machos und Moneten", das sich mit dem Leben des Produzenten Erwin C. Dietrich auseinandersetzt (und auch auf der DVD von "Der Commander" zu finden ist).

FAZIT

"Kommando Leopard" ist ein Actionfilm, der den Klischees, die über 80s-B-Action-Movies im Umlauf sind, einen gewaltigen Stinkefinger zeigt. Überraschend nachdenklich, mit politischen Zwischentönen. Dabei haben es die Macher nicht vergessen, es ordentlich krachen zu lassen. Geboten wird das alles auf einer zufriedenstellenden DVD.



Christian Lukas


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