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REVIEWS



The Return of the First Avenger 3D   (BLU-RAY)

The Return of the First Avenger 3D
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Original: Captain America: The Winter Soldier   (USA, 2014)
Laufzeit: 136 Min. (1080p)
Studio: Marvel Studios
Regie: Anthony Russo, Joe Russo
Darsteller: Chris Evans, Samuel L. Jackson, Scarlett Johansson, Robert Redford, Cobie Smulders u.a.
Format: 2.40:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD-MA 7.1 Englisch DTS-HD-MA 5.1 Deutsch DTS It DD5.1 Tr
Untertitel: Deutsch, Englisch, It, Tr
Extras: Kommentar, geschnittene Szenen, Making of u.m.
Preis: ca. 25 €
Wertung: 2+/ 1-/ 3+ (Bild/Ton/Extras)


"Drohnenkrieg USA"

Was Marvel mit "The Return of the First Avenger" abliefert ist einfach nur ein unfassbares Kontrastprogramm, das eindeutig klar macht: Marvel kann, darf und macht alles ohne sich an hergebrachte Konventionen zu halten.
War "Captain America" zwar eine augenzwinkernde Abrechnung mit den Wurzeln der Origin-Geschichte des Propagandahelden, so blieb der Film aber doch nur zu 60 Prozent komplett, da er einzig und allein als Vorfilm für das große Spektakel von "The Avengers" herhalten musste.
Wie konnte also eine Fortsetzung zu der durchwachsenen Solo-Auskopplung aussehen? "The Return of the First Avengers" hält dafür eine knallharte und so überraschende Antwort parat, dass es einem die Sprache verschlägt. Tonal komplett anders als die fantastisch amüsante Fortsetzung von "Thor" verlegt Marvel die Geschichte um Amerikas Supersoldaten Steve Rogers (wieder großartig Chris Evans) in das Sujet der 70er Jahre Agenthriller des Kalten Krieges. Auch Unken, die sich fragten, wo denn S.H.I.E.L.D. in "Iron Man 3" geblieben ist, bekommen hier eine schallende Ohrfeige als Antwort.
Captain America (Evans) ist inzwischen fest im Einsatz für S.H.I.E.L.D. und fegt gemeinsam mit Black Widow (Scarlett Johansson) gerne auch mal eindrucksvoll Piraten von Einsatzschiffen der Behörde. Nachträglich kommen Steve Rogers aber Zweifel an der Integrität seiner Auftraggeber: Nick Fury (Samuel L. Jackson) scheint zu sehr sein eigenes Süppchen zu kochen und aktive Geheimniskrämerei zu betreiben. Als dieser dann Rogers noch die internen Aufrüstungspläne von S.H.I.E.L.D. eröffnet, die vom Weltsicherheitskommittee nach den Ereignissen von New York ("The Avengers") beschlossen wurden, geht Rogers der Schild hoch. Als nach dem Streit Fury auf offener Straße von unbekannten Attentätern angegriffen wird und tödlich verletzt bei Rogers gefunden wird, kommt Captain America höchstselbst auf die interne Abschussliste. Auf der Flucht vor den eigenen Kräften, aber mit Hilfe von Black Widow und seinem neuen Veteranen-Freund Sam Wilson (Anthony Mackie), wendet sich Captain America gegen das System, um einen Feind auszumachen, den er selbst schon lange für Tod hielt.
Ausgestattet mit wuchtig inszenierten Actionsequenzen kann "The Return of the First Avenger" die Fans zufriedenstellen. Die langsame Zerspanung von Nick Furys Fahrzeug oder die ausgefeilten Kampfchoreographien von Cap und Black Widow, die dankbarerweise nur mit einem Minimum an Wackelkamera auskommen und die Räumlichkeit nie aus den Augen verliert, lassen kaum Wünsche offen, bevor im Final die endgültig gratiöse Materialschlacht der gigantischen Drohnenschiffe von S.H.I.E.L.D. den Trümmer-Index des Films exponentiell in die Höhe schraubt.
Das insgesamt etwas kühlere Agentfilm-Setting sorgt dabei für den nötigen Kontrast und liefert den Unterboden für den Grund, warum der zweite "Captain America" Film in die erste Liga gehört: er ist eine unfassbar politisch geladene Watsche für das kontemporäre Amerika! Das große Thema Internetkontrolle in Kombination mit Drohnenkrieg und einer eindeutig faschistischen Nutzungsorientierung, für die alle Werte bewusst und willig im Sinne eines falschen, übersteigerten Sicherheitsbedürfnis über Bord geworfen werden, hebt den Stinkefinger vehement in Richtung der Mächtigen. Und dann sind da noch die herrlich subtilen Kleinigkeiten. So wird Nick Fury in seinem dicken Dienstwagen von zwei Polizisten schräg angeschaut, worauf Fury nur lakonisch kommentiert: "Wollt ihr wissen ob der geleast ist?" - Rassismus und Vorurteile kennen keine Barrieren. Sicher nicht zuletzt deshalb konnte Marvel wohl auch ein Schwergewicht wie Robert Redford für die wichtige Nebenrolle des S.H.I.E.L.D. Chefs Alexander Pierce überzeugen.
Neben diesen treffsicheren Realitätsbezügen wird aber auch das Marvel-Universum konsequent weiter ausgebaut und ebenfalls lose Stränge aus dem vorangegangenem Film aufgenommen und sehr schön fortgeführt. Chris Evans schafft es derweil der Figur von Rogers Sympathie, Würde, aber auch einige Kanten zu verschaffen, die dringend benötigt werden, um Captain America eben nicht als simplen Goodguy mit Patriotenkomplex zu versenken. So bleibt "The Return of the First Avenger" eine echte Überrschung, die auch allen Zweiflern endgültig den Wind aus den Segeln nehmen dürfte.

BILD

The Return of the First Avenger 3D

Die Grundlage für den anamorphen Transfer (2.40:1) basiert auf einer großartigen wie fehlerfreien Vorlage. Schärfe und Kontrast sind durchgängig sehr gut und die insgesamt etwas reduzierte Farbpalette des Films wird sehr gut wiedergegeben. Der Schwarzlevel ist tief und sehr detailreich. Es werden keine Bildelemente verschluckt. Die Kompression bleibt unsichtbar. Die 3D-Darstellung ist gut, aber könnte noch einen Tick besser sein. Hin und wieder lassen sich doch Doppelkonturen und ein paar unnatürliche Hintergründe ausmachen. Trotzdem ist die 3D-Version zu bevorzugen, da die räumliche Dynamik des Films gut genutzt wird und natürlich besonders im Finale der fliegenden Festungen voll zur Geltung kommt.

TON

The Return of the First Avenger 3D

Auch tontechnisch wird aus allen Rohren gefeuert: auch wenn der englische DTS-HD-MA 7.1 Track doch eine bessere Auflösung und etwas mehr Wumms bietet, ist auch der deutsche DTS-HD-MA 5.1 Track sehr gelungen, aber etwas schwächer abgemischt und die Dialoge natürlich deutlicher in den Vordergrund gemischt. In beiden Fällen wird aber dauerhaft die 360-Grad Bühne sehr gut bedient und unterstützt ebenfalls gut die 3D-Effekte. Die eher etwas zurückhaltende Musik mischt sich dennoch gut in alle Tonkanäle. Störende Überlappungen oder Aussetzer konnten nicht festgestellt werden. Insgesamt eine ordentlich Leistung mit einer Präferenz für den englischen Track.

EXTRAS

Wieder einmal sind die Extras auf der Marvel Doppelscheibe vergleichsweise spärlich aber immer noch ausreichend ausgefallen. Schmerzlich vermisst wird allerdings der sonst übliche Marvel One Shot Kurzfilm. Dahinter steckt aber sicher Marvels Plan, Komplettboxen der ersten und zweiten Phase ihrer Filme zu veröffentlichen, die dann sicherlich das komplette Extramaterial enthalten werden.

Den Film begleitet erstmal ein sehr gelunger Audiokommentar mit den beiden Regisseuren und dem Autorenteam. Hier gibt es wirklich viel Einblick in die Entwicklung, Inspiration und Entstehung des Films, die immer wieder mit netten Anekdoten aufgelockert werden. Ein wirklich sehr guter Track, der eben auch stark auf die Realitätsbezüge des Films (u.a. Edward Snowden) eingeht.
Ansonsten gibt es nur noch eine 10-minütige Action-Featurette, die sich mit der Entwicklung nur einiger Setpieces (hauptsächlich der Piratenüberfall und der Kampf mit dem Winter Soldier) beschäftigt. Dann gibt es nur noch zwei kurze Featurettes (zusammen ca. 5 Min.) über die Internationalisierung des Films und Anthony Mackie am Set zu sehen.
Das knapp dreiminütige Gag-Reel ist tatsächlich lustig und die geschnittenen Szenen (optional mit Kommentar) sind tatsächlich nicht wichtig und zeigen sehr schön, wie man unnötige Brückensubplots (Captain America wurde verwanzt) verlieren kann.
Auch ein Trailer ist leider nicht vorhanden.

FAZIT

Marvel liefert mit "Return of the First Avenger" ein gekonntes Meisterstück ab, das überrascht und begeistert. Eher düster, geradlinig und heftig erinnert der Film an das Kalte-Kriegs-Agentenkino der 70er Jahre und baut gleichzeitig das Marveluniversum aus. Politisch brisant und trotzdem volle Popcorn-Unterhaltung. Die 3D-Scheibe bietet saubere Technik, aber auch keine 3D-Höchstleistung. Auch die Extras sind etwas zurückhaltender. Trotzdem ein Pflichtkauf!



Kay Pinno


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