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Green Hornet   (BLU-RAY)

Green Hornet
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Original: The Green Hornet   (USA, 2011)
Laufzeit: 119 Min. (1080p)
Studio: Sony Pictures
Regie: Michel Gondry
Darsteller: Seth Rogen, Jay Chou, Christoph Waltz, Tom Wilkinson, Cameron Diaz u.a.
Format: 2.40:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD-MA 5.1 Deutsch, Englisch, Fr, Tr
Untertitel: Deutsch, Englisch, Fr, Tr, Arab, NL
Extras: Kommentar, Making of, geschn. Szenen u.m.
Preis: ca. 15 €
Wertung: 2+/ 2+/ 2 (Bild/Ton/Extras)


"Helden-Haft"

Die Geschichte von "Green Hornet" ist schon etwas speziell: hier gibt es eine Art von Superheldengeschichte, die sich nicht aus dem üblichen Comicheft-Dschungel herausgekämpft hat. Ursprünglich als Radioserie in den 30-er und 40-er Jahren entwickelt, erlangten die Abenteuer von Brett Reid und seinem asiatischen Sidekick(!) Kato kultige Berühmtheit als TV-Serie in den 60-er Jahren mit einem jungen und noch völlig unbekannten Bruce Lee. Seither gab es immer wieder Bestrebungen, "Green Hornet" für die Kinoleinwände zu adaptieren. Von Eddie Murphy über Vince Vaughn, Jason Scott Lee und sogar Stephen Chow waren über die Jahre in Gesprächen für die Titelfiguren. Beinahe hätte sogar Kevin Smith nach einem eigenen DRehbuch "The Green Hornet" realisiert, aber stieg kurzfristig wegen Muffensausens vor der großen Produktion (und sicherlich auch den Weinstein-Brüdern) aus dem Deal aus.
Aufgesammelt hat das Projekt schließlich Kino-Comedy Shooting-Star Seth Rogen, der sich gemeinsam mit seinem Kumpel Evan Goldberg für das Drehbuch verantwortlich zeichnet. Für die Regie konnten die beiden zudem ausgerechnet Musikvideo-Genie und Independentfilmer Michel Gondry ("Vergiss mein nicht") gewinnen, der "Green Hornet" bereits Ende der 90-er Jahre für Universal als sein erstes kommerzielles Hollywood-Projekt machen sollte.
Die Kombination aus Gondrys visuellem Schabernack und Rogens infantiler Geek-beeinmflusster Tendenz sowie seinem Willen zum Actionstar zu mutieren, lassen "Green Hornet" zu einem wilden Popcornspaß gedeihen, der nur in ein paar Momenten über seine eigenen Füße stolpert: Brett Reid (eben Rogen als deutlich abgespeckter Playboy) ist ein verwöhntes Party-Arschloch und Berufssohn von Medienmogul James Reid (Tom Wilkinson mal wieder brillant). Als der gehasste Vater plötzlich stirbt, hört das Partyleben für Brett schlagartig auf. Doch dass Mann-Kind bekommt eine Chance in eine völlig neue Rolle hineinzuwachsen. Durch einen Zufall vereitelt Reid gemeinsam mit Kato (Jay Chow), dem kaffeekochenden Automechaniker seines Vaters, einen Straßenüberfall und landet als mysteriöser Held unerkannt in den Medien. Dieser Adrenalinrausch verändert sein Leben für immer: zusammen mit Kato beschließt er fortan in einem mit waffen und Panzerung aufgemotzten Superschlitten, Maske und Hut die Unterwelt unsicher zu machen. Das gefällt dem örtlichen Gangsterboss Chudnofsky (Christoph Waltz darf nach "Inglourious Basterds" erneut einen exzentrischen Psychopathen geben) schließlich gar nicht. So lässt er zum Großangriff auf "Green Hornet" blasen und der Zuschauer darf sich auf einige explosive wie komische Actionhighlights freuen.
"Green Hornet" wurde nach mpodernem Trend in 3D gedreht, aber nutzt diese Möglichkeit auch grandios aus. Die in Multispeed gezeigten Kampfsequenzen sind eine Wucht, die sogar in der normalen 2D-Präsentation immer noch funktionieren. Dazu streuselt Michel Gondry immer mal wieder kleine Szenenmontagen ein, die "Green Hornet" seinen unverwechselbaren Stempel aufdrücken: der irrsinnige Splitscreen-Jagdaufruf an die Straßengangs und Reids seltsame Alpträume zeigen, dass auch im Mainstream-Actionkino einfallsreiche Inszenierungen möglich sind. Schauspielerisch zieht Christoph Waltz ordentlich vom Leisten und füllt die an sich schwache Figur von Chudnofsky mit ordentlich viel makaberem Nonsens, der einem einfach ein böses Lächeln auf die Lippen zaubert. Verschenkt, statisch und zu konzeptionell bleibt Cameron Diaz als Reids Sekretärin und kriminalistische Expertin. Zwar gaben sich Rogen und sein Co-Autor alle Mühe, mit einer Frauenrolle mal "alles anders zu machen" als sonst in einem Superheldenfilm üblich, doch leider wird hier nur steril eine Liste abgehakt, die absolut erzwungen wird. Überzeugen kann davon leider nichts. Unglücklicherweise hat sich auch Autor Rogen als Brett Reid mehr Platz eingeräumt als unbedingt nötig wäre, so dass Reid doch größtenteils länger als verwöhnter Reichling unsympathisch wirken darf, was sich auch auf die Beziehung mit Kato auswirkt. Mit einem ähnlichen Problem hatte bereits "Iron Man 2" zu kämpfen. Auch dort wurde dem auf Dauer doch nervenden Tony Stark deutlich mehr Zeit eingeräumt, als es für den Film gut war.
Wer darüber hinwegsehen kann bekommt mit "Green Hornet" aber einen kurzweilig unterhaltenden Popcorn-Actioner, der sicher für einen vergüglichen Nachmittag sorgt. Ein kultiger Stachel bleibt von der grünen Hornisse aber nicht zurück.

BILD

Green Hornet

Der anamorphe Widescreentransfer (2.40:1) basiert auf einer sehr guten Vorlage, die keinerlei analoge Rückstände aufweist. Schärfe und Kontrast sind sehr gut und liefern ein detailreiches Bild.Der gute Kontrast in Verbindung mit einem extrem guten Schwarzlevel führt jedoch dazu, dass dunkle Bildteile immer an der Grenze zum kompletten Abdunkeln neigen. Dennoch wird die Balance gerade so gehalten, dass alle Details sichtbar bleiben. Dennoch ergibt sich daraus insgesamt ein etwas strengerer Look. Die Farben sind durchweg kräftig und natürlich, ohne künstlich überbetont zu sein. Die Kompression bleibt ebenfalls auber. Fast sehr gut.

TON

Green Hornet

Der DTS-HD-MA 5.1 Track ist makellos und wird den Anforderungen als lauter, knalliger Actiontrack gerecht. Sehr dynamisch und mit einer vollen Auslastung der Surroundkanäle liefert die Soundkulisse ein hervorragendes 360-Grad-Erlebnis. Dazu kommen einige gut positionierte direktionale Effekte, wie die Raketen aus Fahrzeug von "Green Hornet" oder die Schüsse der Gaspistole. Explosionen und Autosounds sind zudem mit einer ordentlichen Portion Bass gesegnet, die das Wohnzimmer schon mal zum Wackeln bringen. Die Dialoge sind auch in der deutschen Fassung sehr schon homogen in die Soundkulisse integriert und mogeln sich nicht überdeutlich in den Vordergrund.

EXTRAS

Die Blu-ray liefert eine ausführliche Packung an Extras: der laufende Audiokommentar mit Regisseur Michel Gondry, Seth Rogen und den Produzenten ist ein erstaunlich solider Track. Die zu erwartende Blödelei bleibt natürlich nicht aus, aber es werden tatsächlich einige höchst interessante Aspekte des Films und der Produktion diskutiert. Besonders Rogen ist erstaunlich kritisch mit sich selbst und erzählt sogar ausführlicher über die gescheiterte Zusammenarbeit mit Stephen Chow an dem Projekt. Ein gelungener aber auch anstrengender Kommentar, da Michel Gondry doch einen starken französischen Akzent beim Sprechen hat.

Das sechsteilige "Making of" liefert einen guten Einblick in die Entstehung der Prodktion. Die einzelnen Featurettes konzentrieren sich auf die Entwicklung des Drehbuchs, die Auswahl von Regisseur Gondry und die legendäre Stuntfamilie Armstrong. Auch hier bekommt der Zuschauer einen rundum gelungen Einblick in die Entstehung von "Green Hornet" und darf auch miterleben, wie Michel Gondry einen herrlichen schmutzigen Witz am Set zum besten gibt. Groß.

Insgesamt 26 Minuten an geschnittenen Szenen stehen auf der Scheibe zur Ansicht und können einzeln oder zusammen abgespielt werden. Die Szenen bestehen hauptsächlich aus zusätzlichen Charaktermomenten, die aber zurecht aus dem Film geschnitten wurden, da sie zumeist unnötige Verlängerungen von bereits etablierten Beziehungen im Film zeigen, ohne diesen etwas hinzuzufügen. Manchmal hat es eben Gründe, warum Szenen nicht im Film verwendet werden.

Das recht unsinnige Schnittraum-Feature ist ebenfalls auf der Disc vorhanden: hier kann man verschiedene Szenen (nicht alle!) über eine umständliche Menüsteuerung selbst zusammenstellen. Warum jemand so etwas (auf diese umständliche Weise) tun möchte, bleibt weiterhin ein Rätsel.

Der Kinotrailer zum Film ist ebenfalls aufrufbar.

FAZIT

"Green Hornet" ist bestes Popcorn-Actionkino - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Explosionen, Spaß, Albernheiten und sogar ein wenig Moral mischen sich zu einem guten Unterhaltungsmix, der aber auch schon am nächsten Morgen wieder vergessen ist. Die Blu-ray von Sony sorgt immerhin für unvergesslich gute Qualität und eine Garage voll ausführlicher Extras. Go, Hornet, Go.



Kay Pinno


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